Eustachische Röhre

Schematische Darstellung eines Kopfes im Querschnitt: Die Eustachische Röhre verbindet den Nasenrachen mit dem Mittelohr, das durch das Trommelfell vom Gehörgang getrennt ist.
Die Eustachische Röhre ist der einzige Luftweg ins Mittelohr — ohne sie ist kein Druckausgleich möglich.

Die Eustachische Röhre — medizinisch Tuba auditiva, umgangssprachlich Ohrtrompete — ist der schmale Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Nasenrachenraum. Für Taucher ist sie das anatomisch wichtigste Detail des ganzen Kopfes: Sie ist der einzige Weg, auf dem Luft ins Mittelohr gelangt, und damit die Voraussetzung für jeden Druckausgleich.

Ihre Rolle beim Druckausgleich

Das Mittelohr ist ein abgeschlossener, luftgefüllter Raum, nach außen durch das Trommelfell verschlossen. Beim Abtauchen steigt der Wasserdruck und drückt das Trommelfell nach innen. Ausgeglichen wird das nur, wenn Luft aus dem Nasenrachen durch die Eustachische Röhre nachströmt.

Im Ruhezustand liegt die Röhre zusammengefallen; sie öffnet sich beim Schlucken, Gähnen und Kauen. Beim Tauchen genügt das nicht, weil der Druck schneller steigt, als sie von allein öffnet. Deshalb wird nachgeholfen — mit dem Valsalva-Manöver, dem Frenzel-Manöver oder dem Toynbee-Manöver, die alle dasselbe Ziel verfolgen: die Röhre gegen den anliegenden Druck aufzustoßen.

Die erste Regel dazu ist so einfach wie wirksam: früh und häufig ausgleichen, schon vor dem ersten Meter. Wer wartet, bis es drückt, kämpft bereits gegen einen Unterdruck, der die Röhre zusätzlich verschließt.

Wenn sie nicht öffnet

Bleibt die Röhre beim Abtauchen zu, wird das Trommelfell weiter nach innen gedrückt. Das tut zunächst weh und schädigt bei fortgesetztem Abtauchen das Gewebe — ein Barotrauma des Mittelohrs, im schlimmsten Fall mit Trommelfellriss.

Die Gegenmaßnahme ist unspektakulär und muss trotzdem geübt werden: ein bis zwei Meter aufsteigen, ausgleichen, erneut abtauchen. Gelingt der Ausgleich nicht, wird der Tauchgang abgebrochen. Ein erzwungener Ausgleich mit Gewalt ist keine Alternative — zu kräftiges Pressen kann das Innenohr schädigen.

Die häufigste Ursache für eine verschlossene Röhre ist banal: eine Erkältung oder eine allergische Schwellung der Schleimhäute. Mit verstopfter Nase wird nicht getaucht.

Die Umkehrblockierung beim Auftauchen

Der gefährlichere Fall ist der umgekehrte. Beim Auftauchen sinkt der Umgebungsdruck, die Luft im Mittelohr dehnt sich aus und muss heraus. Normalerweise geschieht das von allein — die Röhre wirkt in dieser Richtung wie ein Überdruckventil.

Ist sie zugeschwollen, sitzt die Luft fest und drückt das Trommelfell von innen nach außen: die Umkehrblockierung, im Englischen reverse block. Anders als beim Abtauchen lässt sich das Problem nicht durch Umkehren lösen, denn der Weg zurück in die Tiefe verschärft nur die Gesamtlage, während der Weg nach oben den Druck weiter erhöht. Der Taucher muss langsam und mit Zwischenhalten aufsteigen und darauf hoffen, dass sich der Überdruck seinen Weg bahnt.

Warum abschwellende Nasensprays keine Lösung sind

Der naheliegende Gedanke, eine leichte Schwellung mit einem abschwellenden Nasenspray wegzumedikamentieren, ist genau der Grund, warum Umkehrblockierungen entstehen.

Divers Alert Network rät davon ab und begründet es mit dem Rebound-Effekt: Abschwellende Mittel wirken über eine Verengung der Blutgefäße. Lässt die Wirkung nach, sind die Gefäße nicht mehr verengt — „the blood vessels will swell and may become more engorged with blood than before“, die Schleimhaut schwillt also stärker an als zuvor. Passiert das während des Tauchgangs, ist der Taucher unten, wenn die Röhre zugeht.

DAN verweist stattdessen auf kortisonhaltige Nasensprays, die nicht gefäßverengend wirken und deshalb keinen Rebound-Effekt haben. Wichtig ist dabei die Vorlaufzeit: Die Anwendung müsse mindestens eine Woche vor dem Tauchgang beginnen, weil das Medikament etwa so lange bis zur vollen Wirksamkeit brauche.

Dies ist eine Wiedergabe der Empfehlung einer Tauchsicherheitsorganisation und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wer regelmäßig Probleme mit dem Druckausgleich hat, gehört zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt — am besten zu einem mit tauchmedizinischer Erfahrung.

Quellen

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