Valsalva-Manöver

Schema eines Kopfes im Querschnitt: Bei verschlossener Nase schiebt Luft aus der Lunge über den Rachen durch die Eustachische Röhre ins Mittelohr.
Beim Valsalva-Manöver stammt die Luft aus der Lunge — deshalb steigt dabei auch der Lungendruck.

Das Valsalva-Manöver ist die bekannteste Technik des Druckausgleichs: Bei zugehaltener Nase wird gegen den Widerstand ausgeatmet, sodass Luft aus der Lunge über den Rachen in die Eustachische Röhre und von dort ins Mittelohr gedrückt wird. Benannt ist es nach dem italienischen Anatomen Antonio Maria Valsalva.

Wie es ausgeführt wird

Der Ablauf ist in vier Schritten beschrieben:

  1. normal einatmen,
  2. die Nase mit Daumen und Zeigefinger verschließen — beim Tauchen durch den Nasenerker der Maske hindurch,
  3. den Mund schließen,
  4. sanft Luft gegen die verschlossene Nase pressen.

Öffnet sich die Röhre, ist ein leises Ploppen oder Klicken zu hören. Das ist das Zeichen für den gelungenen Ausgleich — nicht der spürbare Kraftaufwand.

Für den Zeitpunkt gilt eine einfache Regel: früh und häufig, bevor Druck spürbar wird. Der erste Ausgleich erfolgt schon an der Oberfläche, weitere fortlaufend während des Abstiegs. Wer wartet, bis es drückt, arbeitet bereits gegen einen Unterdruck, der die Röhre zusätzlich verschließt.

Die Risiken — und warum sie oft unterschätzt werden

Das Valsalva-Manöver gilt als einfach, ist aber die Technik mit den meisten Nebenwirkungen. Drei Punkte werden in der tauchmedizinischen Literatur genannt:

Der Lungendruck steigt mit. Die Luft stammt aus der Lunge, und der Druck dort erhöht sich entsprechend. Der Fachartikel „Der Druckausgleich“ (Glowania und Schröckenfuchs) formuliert es so: „Bei dieser Methode wird der Druck in der Lunge ebenfalls stark erhöht“ — was am Ende eines Tauchgangs ein Dekompressionssyndrom begünstigen könne.

Bei einem offenen Foramen ovale wird es heikel. Der tauchmedizinische Dienst aqua med weist darauf hin, dass bei einem persistierenden Foramen ovale (PFO) durch das Pressen „Mikroblasen von der rechten Herzhälfte in die arterielle linke Herzhälfte gedrückt werden“ können. Wer von einem PFO weiß, sollte das mit einem Tauchmediziner besprechen.

Zu kräftig hilft nicht, sondern schadet. Bei zu hohem Druckgradienten legen sich nach derselben Quelle die Wände der Tube aneinander — das Manöver verschließt also genau den Weg, den es öffnen soll. Zusätzlich kann zu forciertes Pressen die feinen Strukturen des Innenohrs schädigen.

Gelingt der Ausgleich nicht, ist der richtige Weg deshalb nicht mehr Kraft, sondern: Abstieg stoppen, ein bis zwei Meter aufsteigen, erneut vorsichtig versuchen. Bleibt es dabei, wird der Tauchgang abgebrochen.

Nur zum Abtauchen

Das Valsalva-Manöver ist ausschließlich für den Abstieg gedacht. Beim Auftauchen dehnt sich die Luft in den Hohlräumen von selbst aus und entweicht über die Röhre nach außen — ein aktives Nachdrücken wäre hier nicht nur überflüssig, sondern schädlich. Für den umgekehrten Fall, die Umkehrblockierung beim Auftauchen, ist das Toynbee-Manöver mit seiner Sogwirkung die passendere Technik.

Wenn es nicht zuverlässig klappt

Das Valsalva-Manöver funktioniert nicht bei allen gleich gut, und es ist nicht die einzige Technik. Die Fachliteratur beschreibt eine ganze Reihe von Manövern, die sich teils kombinieren lassen:

  • Frenzel-Manöver — die Zunge als Kolben, ohne Beteiligung der Lunge
  • Toynbee-Manöver — Nase verschließen und schlucken
  • Lowry-Technik — Valsalva mit anschließendem Schlucken
  • Edmonds-Technik — den Unterkiefer nach vorn und unten schieben, danach Valsalva
  • Roydhouse-Technik — Gaumen und Zäpfchen nach oben anspannen, die Zunge nach unten drücken
  • willentliches Öffnen der Tube — bei einigen Tauchern nach gezieltem Training möglich

Wer regelmäßig Schwierigkeiten mit dem Druckausgleich hat, sollte das hals-nasen-ohrenärztlich abklären lassen, am besten bei einem Arzt mit tauchmedizinischer Erfahrung. Und mit verstopfter Nase oder Erkältung wird ohnehin nicht getaucht.

Quellen