Das Toynbee-Manöver ist eine Technik des Druckausgleichs, bei der die Nase verschlossen und geschluckt wird. Anders als beim Valsalva-Manöver wird dabei kein Druck aufgebaut — der Schluckakt selbst öffnet die Eustachische Röhre. Benannt ist es nach dem britischen Ohrenarzt Joseph Toynbee.
Der Mechanismus: Muskeln statt Druck
Beim Schlucken spannen sich zwei Gaumenmuskeln an, der Musculus tensor veli palatini und der Musculus levator veli palatini. Sie sind es, die die Tube öffnen — nicht ein Luftdruck von innen. Der tauchmedizinische Dienst aqua med beschreibt genau das: Bei manchen Tauchern gelinge der Druckausgleich rein durch Schlucken.
Ist die Nase dabei verschlossen, entsteht im Nasen-Rachen-Raum ein leichter Unterdruck. Der Fachartikel „Der Druckausgleich“ (Glowania und Schröckenfuchs) spricht von einer Sogwirkung auf das Mittelohr. Diese Richtung ist der eigentliche Unterschied zu allen anderen Manövern — und der Grund für den wichtigsten Anwendungsfall.
Der Anwendungsfall, der zählt: die Umkehrblockierung
Beim Auftauchen dehnt sich die Luft im Mittelohr aus und muss heraus. Ist die Röhre zugeschwollen, sitzt sie fest und drückt das Trommelfell von innen nach außen — die Umkehrblockierung. Alle Manöver, die Luft ins Mittelohr hineindrücken, sind hier nutzlos oder schädlich.
Das Toynbee-Manöver arbeitet in die andere Richtung. Die zitierte Fachquelle empfiehlt es deshalb ausdrücklich für den Fall einer Umkehrblockade. Das ist keine Nebensächlichkeit: Es ist die einzige gängige Technik, die in dieser Situation überhaupt in Betracht kommt.
Durchführung
- Normal einatmen.
- Die Nase verschließen — beim Tauchen durch den Nasenerker der Maske hindurch.
- Bewusst schlucken.
Das Zeichen für den gelungenen Ausgleich ist dasselbe wie bei den anderen Manövern: ein leises Plopp oder Klicken. Es fällt allerdings schwächer aus als beim Valsalva-Manöver — wer auf ein deutliches Gefühl wartet, hält das Manöver fälschlich für misslungen.
Die Schwierigkeit liegt im Schlucken
Unter Wasser, mit trockenem Mund und dem Mundstück des Atemreglers zwischen den Zähnen, fällt bewusstes Schlucken vielen schwer. Genau darin liegt die praktische Grenze der Technik: Sie ist körperlich schonender als das Valsalva-Manöver, aber schwerer zu koordinieren.
Üben lässt sie sich an Land — Nase zuhalten, schlucken, auf die Ohren achten. Verschiedene Kopfhaltungen ausprobieren: leicht nach vorn geneigt, zur Seite gedreht, nach oben schauend. Welche Haltung wirkt, ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Kombinationen
Das Toynbee-Manöver lässt sich mit anderen Techniken verbinden, und die Fachliteratur führt solche Kombinationen als eigene Verfahren:
- Lowry-Technik — Valsalva-Manöver mit anschließendem Schlucken; sie verbindet damit Druck und Muskelöffnung.
- Edmonds-Technik — Unterkiefer nach vorn und unten schieben, danach Valsalva; hilft, wenn die Tube schwer öffnet.
Wer mit einer Technik allein nicht zurechtkommt, findet oft in einer Kombination den Weg. Bei anhaltenden Problemen ist der Gang zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt mit tauchmedizinischer Erfahrung die richtige Konsequenz — nicht mehr Kraftaufwand.
Quellen
- Der Druckausgleich (Glowania und Schröckenfuchs, Universimed) — Sogwirkung des Toynbee-Manövers, Empfehlung bei Umkehrblockade, Lowry- und Edmonds-Technik
- aqua med: Druckausgleich ohne Druck — Öffnung der Tube durch die Gaumenmuskeln beim Schluckakt
