Die zehn Tipps auf einen Blick
- Schnorchel mitnehmen und ihn an der Oberfläche benutzen, statt gegen Wellen anzuatmen.
- Eigene Maske kaufen, bevor alles andere kommt. Sie ist das billigste Ausrüstungsstück mit dem größten Unterschied.
- Den Anzug erst kurz vor dem Einstieg anziehen — auf dem Boot fünf Minuten vor dem Tauchplatz.
- In unbekannten Gewässern mit Guide tauchen, besonders ohne festen Buddy.
- Über den Tag verteilt trinken. Mit dem Tiefenrausch hat das nichts zu tun — der kommt vom Stickstoffpartialdruck. Belegt ist etwas anderes: Trinken vor dem Tauchgang senkt die Blasenbildung im Blut.
- Tarieren ohne Arme. Wer unter Wasser rudert, verbraucht Luft und verscheucht die Fische.
- Buddies suchen, nicht auf sie warten. Ein Verein oder eine feste Gruppe bringt mehr als jede Ausrüstung.
- Logbuch führen — vor allem Blei, Anfangs- und Enddruck. Daraus wird später die eigene Planung.
- Den fremden Buddy vorher kennenlernen, nicht erst unter Wasser.
- Jeder darf jederzeit absagen — ohne Begründung, und ohne dass es jemandem etwas ausmacht.
Tipps für Tauchanfänger gibt es reichlich, und die wenigsten davon sind falsch — sie sind nur meistens beliebig. Die zehn hier stehen nicht deshalb da, weil sie in einer Liste gut aussehen, sondern weil ich jeden einzelnen selbst gebraucht habe.
Ein Wort zur Perspektive: Die Beispiele in diesem Beitrag stammen aus meinen eigenen ersten Jahren — aus der Zeit, in der ich mit einer Leihmaske, knapp einem Dutzend Tauchgängen und reichlich Respekt unterwegs war. Heute unterrichte ich selbst, und ich sehe dieselben Fehler jede Saison wieder. Genau deshalb stehen sie hier: nicht als Belehrung, sondern als das, was ich damals gern früher gewusst hätte. Was man im Kurs lernt, steht in der Grundausbildung und in den Tauchen Basics; hier geht es um das, was danach kommt.
1. Nimm einen Schnorchel mit — und benutze ihn
Aus irgendeinem Grund schwimmen viele Taucher an der Oberfläche lieber gegen ins Gesicht klatschende Wellen an, als den Kopf ins Wasser zu legen und durch den Schnorchel zu atmen. Das ist unbequem, und aus unbequem wird mit einer Welle im falschen Moment ein Problem.
Benutze den Schnorchel, während du auf das Abtauchen wartest, und erst recht, wenn du vom Ufer zum Einstieg schwimmen musst. Bei kabbeligem Wasser hältst du damit das Wasser aus dem Mund und die Atmung ruhig — und du verbrauchst dabei kein Gas aus der Flasche, das du unten noch brauchst. Außer Atem und mit Wasser im Hals abzutauchen ist keine gute Art, einen Tauchgang zu beginnen.
2. Kauf dir als Erstes eine Maske, die passt
Wie die meisten Anfänger habe ich damals bei meinen ersten Tauchgängen und in der Ausbildung mit einer Leihmaske getaucht. Ganz dicht saß keine davon, und so habe ich immerhin gründlich gelernt, die Maske auszublasen. Bis man sich mit dem Ausblasen der Tauchmaske wirklich wohlfühlt, kostet das aber Nerven, die man als Anfänger anderswo besser gebrauchen kann.
Ich habe später viel Zeit im Tauchladen verbracht und jede Maske ausprobiert, die ich in die Finger bekam. Seitdem ist Wasser in der Maske eine Sorge weniger. Der Test dauert zehn Sekunden: Maske ohne Band aufsetzen, durch die Nase einziehen, loslassen — sie muss von allein halten. Hält sie nicht, hilft auch kein strafferes Band; im Gegenteil, ein zu fest gezogenes Band verzieht die Dichtlippe und macht es schlimmer.
3. Zieh den Neoprenanzug nicht zu früh an
Kenne deinen Körper. Wenn dir schnell heiß wird, zieh den Anzug erst in letzter Minute an — auf dem Boot besonders. Das erste Mal habe ich meinen Anzug gleich zu Beginn einer halbstündigen Bootsfahrt angezogen, zusammen mit allen anderen (durchweg Anfänger). Als wir ankamen, fühlte ich mich, als hätte ich eine halbe Stunde in der Sauna verbracht — und war müde, bevor der Tauchgang anfing.
Heute warte ich, bis wir fünf Minuten vom Tauchplatz entfernt sind. Gute Guides und Bootsführer sagen von sich aus, wann es Zeit ist. Überhitzung vor dem Einstieg ist nicht nur unangenehm: Sie kostet Flüssigkeit, und damit sind wir schon bei Tipp 5.
4. Nimm dir in unbekannten Gewässern einen Guide
Auf meinen ersten beiden Tauchreisen stellte die Basis jeweils einen Guide — ich hielt das für das Normale. Auf der dritten Reise gab es keinen. Die Gruppe bestand aus mir, damals mit knapp acht Tauchgängen, einem mir unbekannten Buddy und einer Dritten, die gerade ihren letzten Ausbildungstauchgang absolvierte. Dazu raue See mit Strömung. Wir irrten an der Felswand herum, wurden an einem Vorsprung getrennt und fanden uns nur mit Glück wieder.
Wenn ich heute ohne meinen festen Buddy losfahre, suche ich bevorzugt Basen, die bei jedem Tauchgang einen Guide mitschicken. Das ist keine Bequemlichkeit: In einem fremden Gewässer ist auch ein erfahrener Taucher in einer Hinsicht wieder Anfänger — er kennt weder Strömung noch Ausstieg. Und der Punkt, den ich damals nicht verstanden habe: Ein Guide ersetzt nicht den Buddy. Die Absprache mit dem Partner — wer führt, welcher Umkehrdruck gilt, was bei Trennung passiert — bleibt eure Sache, auch wenn jemand vorausschwimmt. Wie das geht, steht im Buddy-System.
5. Trink genug — der Tiefenrausch hat damit allerdings nichts zu tun
Dieser Tipp steht in jeder Liste und wird fast überall falsch begründet. In einer früheren Fassung dieses Beitrags stand, Flüssigkeitsmangel könne „von Krämpfen bis zum Tiefenrausch“ Mitursache vieler Probleme sein. Das ist falsch und deshalb hier korrigiert: Der Tiefenrausch ist eine narkotische Wirkung des Stickstoffs unter erhöhtem Partialdruck. Er hängt an der Tiefe und am Atemgas, nicht am Wasserhaushalt.
Was sich dagegen messen lässt, ist praktisch interessanter. Zwei kontrollierte Studien haben untersucht, wie sich Trinken vor dem Tauchgang auf die Blasenbildung im Blut auswirkt:
- Gempp und Kollegen, 2009. Acht Marinetaucher, 30 Meter, 30 Minuten, jeder Taucher einmal mit und einmal ohne Vorbereitung. Wer 90 Minuten vor dem Tauchgang 1.300 Milliliter einer Salz-Glukose-Lösung getrunken hatte, zeigte danach deutlich weniger zirkulierende Blasen.
- Han und Kollegen, 2021. Zwanzig trainierte Sporttaucher. Am besten schnitt die Gruppe ab, die zwei Stunden vor dem Tauchgang rund 0,69 Liter getrunken hatte — weniger Blasen als ohne Wasser und weniger als bei deutlich größerer Trinkmenge. Viel hilft hier offenbar nicht viel.
Wie weit das trägt, gehört dazu: Beide Studien messen Blasengrade, nicht Tauchunfälle, und beide sind klein. Blasen im Blut sind ein Hilfsmaß, kein Beweis für ein geringeres Risiko. Dass Dehydrierung als Risikofaktor für die Dekompressionskrankheit gilt, ist die Auffassung der Tauchmedizin und der Tauchsicherheitsorganisation DAN Europe — eine Zahl aus Unfallstatistiken steht dahinter nicht.
Ohne jede Studie gilt außerdem: Wer zu wenig getrunken hat, bekommt eher Krämpfe, ermüdet schneller und friert früher. Und Tauchen entzieht mehr Wasser, als man denkt — die Atemluft aus der Flasche ist staubtrocken und wird im Körper befeuchtet, Kälte und Umgebungsdruck steigern die Harnproduktion. Dass man nach dem Tauchgang zur Toilette muss, ist kein Zufall.
Praktisch heißt das: über den Tag verteilt trinken, nicht einen Liter kurz vor dem Einstieg. Alkohol am Vorabend und Kaffee als einziges Frühstück arbeiten dagegen.
6. Lern zu tarieren — und lass die Arme unten
Beobachte einmal die erfahrenen Taucher und schau dir an, was sie mit den Armen machen: nichts. Sie liegen an der Seite oder sind vor der Brust verschränkt. Und die Anfänger? Viele sehen aus, als wollten sie den Flugverkehr unter Wasser regeln. Das kostet Kraft, kostet damit Atemgas und verscheucht die Tierwelt, die man eigentlich sehen wollte.
Zum Tarieren braucht man die Arme nicht. Es sind drei andere Dinge: das richtige Blei, die Luft im Jacket für den Tiefenausgleich und die Lunge für die Feinabstimmung. Als ich das begriffen hatte, kam ich plötzlich näher an die Fische heran — und merkte, dass sie mich genauso neugierig ansahen wie ich sie.
Der häufigste Fehler dahinter ist zu viel Blei. Überbleiung fühlt sich sicher an, weil man zuverlässig sinkt, und erzeugt dann ein Jacket, das dauernd Luft braucht. Wie viel Blei richtig ist, findet der Bleicheck an der Oberfläche heraus — mit leerer Flasche, sonst stimmt die Zahl am Ende des Tauchgangs nicht.
7. Such dir Buddies, bevor du sie brauchst
Obwohl ich ein eher introvertierter Mensch bin, habe ich mir Tipps von Erfahreneren immer gern geben lassen. Irgendjemand hat jede Sache schon einmal auf die harte Tour gelernt, und Taucher erzählen in aller Regel bereitwillig davon, damit man den Fehler nicht wiederholt. Frag einfach.
Allein taucht man nicht, also braucht man genug Leute, mit denen es geht — ein Verein, eine Basis in der Nähe, eine feste Runde. Wer nur einen einzigen Buddy hat, taucht so oft, wie dieser eine Zeit hat. Über Kleinanzeigen für Reisepartner und Tauchbuddies findet man Anschluss für einzelne Reisen; für regelmäßiges Tauchen ist der Verein vor Ort der bessere Weg.
8. Führ ein Logbuch — und trag die richtigen Zahlen ein
Ich sehe nur wenige Sporttaucher, die ihr Logbuch wirklich ausfüllen. Dabei ist es das einzige Werkzeug, aus dem später die eigene Planung entsteht. Nach zwei Tagen weißt du noch, was du gesehen hast; nach sechs Monaten fragt dich jemand, und du weißt es nicht mehr.
Die Zahlen, auf die es ankommt, sind unspektakulär: Blei, Anzug, Anfangs- und Enddruck, maximale Tiefe, Grundzeit, Wassertemperatur. Aus Anfangsdruck, Enddruck, Tiefe und Zeit ergibt sich dein Atemminutenvolumen — nach zehn Tauchgängen kennst du deinen eigenen Verbrauch genauer als jede Faustregel, und aus der Schätzung wird eine Rechnung. Der Luftverbrauchsrechner macht das aus deinen Logbuchzahlen.
Nebenbei hat das Logbuch zwei praktische Seiten: Manche Basen nehmen dich zu bestimmten Plätzen nur mit einer nachgewiesenen Anzahl von Tauchgängen mit. Und nach Jahren weckt ein Stempel Erinnerungen an einen Buddy aus dem Urlaub, dessen Namen man längst vergessen hatte.
9. Sei der Buddy, den du dir selbst wünschst
Mit einem guten Freund tauchen zu gehen ist großartig, aber es wird immer wieder Tauchgänge geben, bei denen ein völlig Fremder dein Partner ist. Lern diese Person kennen, bevor ihr ins Wasser geht, nicht darunter. Wie viele Tauchgänge, wie lange her, welcher Verband, welche Handzeichen, wie viel Erfahrung mit Strömung oder Kälte — das sind fünf Minuten am Steg.
Dazu gehört die unbequeme Frage nach der Erfahrung. Wenn einer dreihundert Tauchgänge hat und der andere zwanzig, dann führt der Erfahrene, und geplant wird nach dem, der weniger Luft und weniger Erfahrung hat. Wird das nicht besprochen, zieht der eine ein Programm durch, dem der andere still hinterherschwimmt.
Partner von jemandem zu sein ist eine Verantwortung — der andere zählt auf dich, wenn es darauf ankommt. Umgekehrt ist es ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass man einen echten Partner hat und nicht jemanden, der zufällig in dieselbe Richtung schwimmt.
10. Kenn deine Grenzen — und sag ab, wenn du unsicher bist
Es ist dein Tauchgang und deine Sicherheit. Bleib in deiner Komfortzone und tu nichts, was dir nicht geheuer ist — auch dann nicht, wenn erfahrenere Taucher dich zu einer neuen Erfahrung überreden wollen. Hab keine Angst, die Gruppe aufzuhalten, um ein Problem zu lösen; jeder, der selbst einmal angefangen hat, versteht das.
Der beste Zeitpunkt, einen Tauchgang abzusagen, ist, bevor er anfängt. Das darf jeder, jederzeit, ohne Begründung — und ein guter Partner findet das selbstverständlich. Was ein Open Water Diver nach dem Kurs noch nicht abdeckt — Strömung, Wrackinneres, Nacht, Eis, Tiefen über 18 Meter —, steht in der Grundausbildung. Und wer länger nicht getaucht ist, fängt nicht dort an, wo er aufgehört hat: wann ein Refresher nötig ist, steht in einem eigenen Beitrag.
Häufige Fragen von Tauchanfängern
Siehe auch: Die Grundausbildung im Überblick · Die Grundfertigkeiten · Das Buddy-System · Tauchgangsplanung · Bleimenge berechnen · Refresher nach der Tauchpause
Quellen und weiterführende Links
- Gempp E, Blatteau JE, Pontier JM, Balestra C, Louge P: Preventive effect of pre-dive hydration on bubble formation in divers. British Journal of Sports Medicine 2009;43:224–228. Acht Taucher, 30 m / 30 min, Crossover-Design; 1.300 ml Salz-Glukose-Lösung 90 Minuten vor dem Tauchgang senkten die Blasenaktivität deutlich.
- Han KH, Hyun GS, Jee YS, Park JM: Effect of Water Amount Intake before Scuba Diving on the Risk of Decompression Sickness. Int. J. Environ. Res. Public Health 2021;18(14):7601 — zwanzig trainierte Sporttaucher; die geringste Blasenbildung bei rund 0,69 Litern zwei Stunden vor dem Tauchgang. Abgerufen am 15.09.2026.
- DAN Europe: Hydrierung — die Einordnung der Dehydrierung als Risikofaktor für die Dekompressionskrankheit und die praktischen Empfehlungen. DAN nennt dort keine Studien; die Aussage ist eine Bewertung, kein Beleg aus Unfallzahlen. Abgerufen am 15.09.2026.
- Ausdrücklich richtiggestellt: Die frühere Fassung dieses Beitrags nannte Flüssigkeitsmangel als Mitursache „bis zum Tiefenrausch“. Der Tiefenrausch ist eine Stickstoffnarkose und hängt am Partialdruck des Atemgases; die Passage ist deshalb ersetzt worden.
- Die Erlebnisse und Einschätzungen in diesem Beitrag stammen aus den eigenen Anfangsjahren und der heutigen Ausbildungspraxis des Autors als SSI Open Water Scuba Instructor und CMAS-Tauchlehrer.

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