Der SSI Advanced Open Water Diver ist der Fortbildungskurs, den SSI nach dem Open Water Diver anbietet: fünf Freiwasser-Ausbildungstauchgänge aus fünf verschiedenen Specialty-Bereichen, zwei davon vorgeschrieben. Bis zum 8. Juni 2026 hieß derselbe Kurs Advanced Adventurer — der Name ist seither aus den Standards verschwunden.
Die Umbenennung, die vieles durcheinanderbringt
Wer im Netz nach dem SSI-Ausbildungsweg sucht, findet bis heute überwiegend den alten Stand. Deshalb zuerst die Änderung, ohne die nichts davon zusammenpasst. Im Änderungsprotokoll der SSI Scuba Training Standards steht unter den Weiterbildungsprogrammen wörtlich: „Alle Verweise auf Advanced Adventurer wurden durch Advanced Open Water Diver ersetzt.“ Und weiter: „Der Advanced Open Water Diver Programmstandard hat den früheren Advanced Adventurer Programmstandard ersetzt.“ Der alte Standard steht seither nur noch im Anhang.
Damit ist eine zweite Änderung verbunden, die noch mehr Verwirrung stiftet. „Advanced Open Water Diver“ war bei SSI früher der Name einer Anerkennungskarte — einer Stufe, die man nicht in einem Kurs erwarb, sondern durch vier abgeschlossene Specialties und 24 geloggte Tauchgänge. Diese Anerkennung gibt es weiterhin, sie heißt jetzt aber Advanced Specialty Diver. Der Standard formuliert es so: „Im Kapitel zu den Credits wurde die Anerkennungskarte Advanced Open Water Diver in Advanced Specialty Diver geändert.“
Kurz gesagt: Der Name „Advanced Open Water Diver“ ist von der Anerkennungskarte auf den Kurs übergegangen. Wer eine ältere Karte besitzt oder älteren Texten begegnet — auch auf dieser Website standen sie —, sollte das im Hinterkopf behalten.
Voraussetzungen
Der Standard verlangt zwei Dinge: ein Mindestalter von zwölf Jahren und eine Zertifizierung als SSI Open Water Diver oder eine gleichwertige Zertifizierung einer anerkannten Ausbildungsorganisation. Das Mindestalter ist ein Punkt, an dem viele Beschreibungen falsch liegen — auch diese hier. Für die meisten einzelnen Specialty-Programme liegt es bei zehn Jahren, für den Advanced-Kurs eben nicht.
Als empfohlene Dauer nennt der Standard zehn bis fünfzehn Stunden. Er stellt aber ausdrücklich klar, dass sich das Programm ganz auf die praktischen Fertigkeiten konzentriert und die Gesamtzahl der Stunden vom Instructor nach Bedarf, Können und Bedingungen festgelegt wird.
Der Aufbau: zwei Pflichttauchgänge, drei zur Wahl
Das ist der Punkt, an dem ältere Darstellungen am häufigsten danebenliegen. Deep Diving und Navigation sind nicht „üblich“ oder „meistens dabei“ — sie sind vorgeschrieben. Der Standard listet sie unter „Obligatorische Tauchgänge“: der Deep Diving Ausbildungstauchgang 1 und der Navigation Ausbildungstauchgang 1, jeweils so, wie sie im Advanced-Open-Water-Diver-Instructor-Manual beschrieben sind.
Die drei übrigen Tauchgänge wählst du aus einer festen Liste. Sie ist länger, als die meisten Basen anbieten:
- Altitude Diving · Boat Diving · Cavern/Cenote Diving · Computer Diving
- DPV Diving · Dry Suit Diving · Sidemount Diving — bei diesen dreien muss vorher eine Lektion im Pool oder begrenzten Freiwasser stattfinden
- Ecology (alle Programme) · Enriched Air Nitrox · Night & Limited Visibility
- Perfect Buoyancy · Photo & Video · Search & Recovery · Waves, Tides & Currents · Wreck Diving
Eine Reihenfolge schreibt der Standard nicht vor, mit einer wichtigen Ausnahme: Der Deep-Diving-Tauchgang muss abgeschlossen sein, bevor andere Ausbildungstauchgänge tiefer als achtzehn Meter stattfinden. Wer also den Wracktauchgang gern auf fünfundzwanzig Metern machen möchte, muss vorher den Tieftauchgang gemacht haben.
Theorie und Prüfung gehören dazu
Man liest oft, der Kurs sei „ohne Prüfung“. Der Standard sagt etwas anderes. Unter den Voraussetzungen für den Abschluss steht an erster Stelle: „Die entsprechenden akademischen Lektionen und Prüfungen abschließen, die im Instructor Manual für Advanced Open Water Diver beschrieben sind.“ Die Theorie läuft über die digitale SSI-Lernplattform, jeder gewählte Bereich hat seinen eigenen Abschnitt.
Was du danach darfst
Zertifizierte Advanced Open Water Diver dürfen laut Standard mit einem Tauchpartner in Umgebungen tauchen, die ihrer Ausbildung entsprechen, und bleiben dabei innerhalb der empfohlenen Tiefengrenze von dreißig Metern.
Für Jugendliche gilt eine eigene Regelung, die man kennen sollte, bevor man ein Kind anmeldet. Wer jünger als fünfzehn ist, wird als Junior Advanced Open Water Diver zertifiziert, taucht unter direkter Aufsicht eines Tauchprofessionals oder mit einem zertifizierten Erwachsenen und bleibt bei einundzwanzig Metern. Für Zwölf- bis Vierzehnjährige ist auch der Deep-Diving-Ausbildungstauchgang selbst auf einundzwanzig Meter begrenzt. Nach dem fünfzehnten Geburtstag lässt sich die Erwachsenengrenze mit einem Upgrade-Tauchgang zwischen einundzwanzig und dreißig Metern erreichen, begleitet von einem Open Water Instructor.
Gruppengrößen
Für die anspruchsvollen Bereiche — Deep Diving, Overhead-Umgebungen und die Programme mit Spezialausrüstung — schreibt der Standard ein Verhältnis von vier Schülern je Instructor vor. Und zwar hart: Zertifizierte Assistenten werden zwar empfohlen, dürfen aber ausdrücklich nicht dazu benutzt werden, dieses Verhältnis zu erhöhen. Unabhängig davon dürfen nie mehr als zwei Schüler unter fünfzehn Jahren auf einen Instructor oder Assistenten kommen.
Anrechnung in beide Richtungen
Der praktische Vorteil des Kurses liegt darin, dass nichts verlorengeht — und das gilt in beide Richtungen. Der erste Tauchgang eines Specialty-Programms kann auf den Advanced Open Water Diver angerechnet werden. Umgekehrt kann ein fertiger Advanced Open Water Diver jeden einzelnen seiner Ausbildungstauchgänge später auf das entsprechende Specialty-Programm anrechnen lassen. Ein Zeitlimit dafür gibt es nicht.
Wer „Adventure Dives“ einer anderen anerkannten Organisation nachweisen kann, bekommt bis zu zwei Tauchgänge angerechnet, sofern SSI die Ausbildung als gleichwertig bestätigt. Der Nachweis muss im Logbuch stehen und von einem Professional oder Training Center bestätigt sein.
Und noch eine Karte, die man nicht verwechseln sollte: Training Center können eine Advanced Open Water Diver Anerkennungskarte ausstellen, die bis zu drei bereits absolvierte Ausbildungstauchgänge dokumentiert. Sie ist kein Abschluss, sondern ein Nachweis zum Mitnehmen — damit man das Programm in einem anderen Training Center zu Ende machen kann.
Was der Kurs kostet
Preise legt SSI nicht fest — jedes Training Center kalkuliert selbst. Eine Stichprobe bei größeren Tauchschulen in Köln, Düsseldorf, Berlin und München ergibt im September 2026 folgendes Bild: Im Gruppenkurs liegt der Advanced Open Water Diver bei etwa 370 bis 590 Euro. Big Blue Berlin nennt 369 Euro zuzüglich Basisgebühren, DIVESPORT München 480 Euro, Tauchsport BlueMarlin in Köln 499 Euro, Underwater No.1 in Düsseldorf 589 Euro all inclusive.
Als Privat- oder VIP-Kurs wird es deutlich teurer, und das ist auch nachvollziehbar: Der Instructor hat dann keine vier anderen Schüler im Wasser. Big Blue Berlin verlangt für Einzelunterricht ab 549 Euro, BlueMarlin für sein Premium-Flex-Format mit freier Terminwahl 999 Euro — mit Rabatten, sobald man zu zweit oder zu dritt bucht. Wer eine Basis findet, die 1:1 ausbildet, sollte den Aufpreis nicht als Abzocke lesen, sondern als das, was er ist: mehr Zeit mit dem Ausbilder.
Worauf beim Vergleich zu achten ist: Leihausrüstung, Flaschenfüllungen und der digitale Lernzugang sind meist enthalten, der Gewässereintritt oft nicht — bei externen Tauchgewässern kommen sechs bis zwanzig Euro vor Ort dazu. Die gedruckte Brevetkarte kostet je nach Basis zwischen zwanzig und dreißig Euro extra; die digitale Zertifizierung ist im Preis. Bei manchen PADI-Angeboten ist das eLearning-Manual ausdrücklich nicht eingeschlossen.
Was ich Tauchern rate
Nach dem Open Water Diver fehlt den meisten nicht Wissen, sondern Wasserzeit unter Anleitung. Genau das liefert dieser Kurs, und deshalb halte ich ihn für den sinnvollsten nächsten Schritt — nicht wegen der Karte, sondern wegen der fünf begleiteten Tauchgänge.
Bei der Wahl der drei freien Tauchgänge würde ich Perfect Buoyancy nicht auslassen. Tarierung ist das, woran fast alles hängt: Luftverbrauch, Riffschäden, und vor allem die Aufstiegsgeschwindigkeit, die in der Praxis kein Wissens-, sondern ein Könnensproblem ist. Der zweite Kandidat hängt davon ab, wo du tauchst — in heimischen Seen bringt Night & Limited Visibility mehr als jedes tropische Thema, auf Reisen eher Boat Diving oder Waves, Tides & Currents.
Und ein Hinweis, der nichts mit dem Standard zu tun hat, sondern mit der Praxis: Frag deine Basis vorher, welche der fünfzehn Wahlbereiche sie tatsächlich anbietet. Die Liste ist lang, das Angebot vor Ort ist es selten.
Häufige Fragen zum SSI Advanced Open Water Diver
Siehe auch: PADI AOWD und SSI AOWD im Vergleich · Die SSI-Anerkennungsstufen: Specialty Diver, Advanced Specialty Diver, Master Diver · SSI Specialty Navigation
Quellen
- SSI: Scuba Training Standards und Verfahren. Nicht frei im Netz abrufbar, Bezug über SSI
- Scuba Schools International — Kursübersicht und Training Center
- Preisstichprobe: Big Blue Berlin · DIVESPORT München · Tauchsport BlueMarlin Köln · Underwater No.1 Düsseldorf

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