Der Trockentauchkurs auf einen Blick
- Mindestalter 12 Jahre bei SSI — zum 8. Juni 2026 von 10 auf 12 angehoben. Tiefengrenze 30 Meter, für 12- bis 14-Jährige 18 Meter.
- Umfang: mindestens eine Lektion im Pool oder begrenzten Freiwasser und mindestens zwei Ausbildungstauchgänge im Freiwasser, dazu die Theorie mit Final Exam. Empfohlener Zeitaufwand 10 bis 15 Stunden.
- Die Reihenfolge ist vorgeschrieben: Die Poollektion muss vor dem ersten Ausbildungstauchgang im Freiwasser abgeschlossen sein. Kein Kurs, der direkt am See beginnt.
- Betreuungsverhältnis 4:1 — deutlich enger als die 8:1, die für die meisten anderen Specialty-Programme gelten.
- Einstieg schon als Referral Diver möglich oder mit der Registrierung für das Open Water Diver Programm; die Specialty-Karte wird aber erst ausgestellt, wenn die Open-Water-Diver-Karte da ist.
- Die Regel, die weit über den Kurs hinausreicht: Wer in einem SSI-Programm einen Trockenanzug trägt, braucht entweder die Zertifizierung, die Anmeldung zum Programm mit absolvierter Poollektion oder — bei Specialty-Programmen — fünf protokollierte Trockentauchgänge außerhalb der Ausbildung. Der beaufsichtigende Instructor muss in jedem Fall aktiver Dry Suit Diving Specialty Instructor sein.
Süßwasser hat bei rund vier Grad Celsius seine größte Dichte. Das ist der Grund, warum sich in einem geschichteten See das kälteste schwere Wasser am Grund sammelt und dort auch im Hochsommer liegen bleibt, während oben 22 Grad gemessen werden. Die SSI-Ausbildungsstandards definieren Kaltwasser als Wasser mit 10 Grad oder weniger. Unterhalb der Sprungschicht ist damit fast jeder Tauchgang in einem deutschen See ein Kaltwassertauchgang im Sinne des Standards — im Juli genauso wie im Januar.
Genau daraus folgt, warum der Trockentauchkurs Deutschland hier kein exotisches Zusatzprogramm ist, sondern für viele die zweite Ausbildung nach dem Grundbrevet. Dieser Beitrag geht durch, was der Kurs verlangt, wie er abläuft, welche Übungen den Unterschied machen — und wo seine Grenze liegt. Um Bauarten, Ventile und Materialien geht es hier ausdrücklich nicht; die stehen im Ratgeber zum Trockentauchanzug.
Warum in Deutschland fast jeder Seetauchgang ein Kaltwassertauchgang ist
Die Dichteanomalie des Wassers ist der Grund, weshalb sich stehende Gewässer im Sommer in Schichten legen: Wasser von vier Grad ist schwerer als Wasser von fünfzehn, und deshalb bleibt das kalte unten. Über den Winter kehrt sich die Schichtung um, weil noch kälteres Wasser wieder leichter wird und oben aufliegt. Für den Taucher heißt das in beiden Fällen dasselbe: Unter der Sprungschicht liegt eine Wassermasse, die sich über das Jahr kaum bewegt und die weit unter der Zehn-Grad-Marke bleibt.
Die SSI-Standards ziehen daraus zwei Konsequenzen, die auch außerhalb des Trockentauchkurses gelten. Erstens müssen SSI Professionals sicherstellen, dass allen Schülern vor jeder Ausbildung im Kaltwasser ein geeigneter Kälteschutz zur Verfügung steht, der über die gesamte Dauer des Tauchgangs trägt. Zweitens gilt für Ausbildungstauchgänge im Freiwasser, bei denen ein Trockentauchanzug verwendet wird, eine eigene Kette von Voraussetzungen — dazu weiter unten. Der Anzug ist dabei nur ein Teil der Antwort auf die Kälte; der zweite Ausrüstungsteil, der in dieser Temperatur eine eigene Anforderung stellt, ist der Atemregler.
Der praktische Effekt zeigt sich nicht am ersten, sondern am zweiten Tauchgang eines Tages. Ein Nassanzugtaucher, der aus sechs Grad kommt, steigt nach der Oberflächenpause in einen kalten, nassen Anzug — und beginnt den zweiten Tauchgang bereits ausgekühlt. Wärme, die einmal weg ist, kommt in der Pause nicht zurück. Der Trockentauchanzug erzeugt selbst keine Wärme, er verlangsamt nur den Verlust; sein eigentlicher Gewinn liegt deshalb weniger in der Minute 45 des ersten Tauchgangs als im Zustand, in dem man den zweiten beginnt.
Was der SSI-Standard für den Trockentauchkurs verlangt
Das SSI Dry Suit Diving Specialty Programm ist eines der Programme für spezielle Ausrüstung, und es ist deutlich umfangreicher angelegt als die meisten Wissens-Specialties. Wer die Zahlen nebeneinanderlegt, sieht sofort, wo der Aufwand steckt.
| Punkt | SSI Dry Suit Diving |
|---|---|
| Mindestalter | 12 Jahre (bis 8. Juni 2026 waren es 10) |
| Voraussetzung | Referral Diver oder Registrierung für das Open Water Diver Programm |
| Empfohlene Dauer | 10 bis 15 Stunden |
| Ausbildung im Wasser | mindestens 1 Lektion Pool/begrenztes Freiwasser, mindestens 2 Ausbildungstauchgänge im Freiwasser |
| Reihenfolge | Poollektion zwingend vor dem ersten Freiwassertauchgang |
| Schüler-Instructor-Verhältnis | 4:1 |
| Tiefengrenzen | 30 Meter, für 12- bis 14-Jährige 18 Meter |
| Abschluss | alle Theorielektionen und Bewertungen, bestandenes Final Exam, Open Water Diver vor der Zertifizierung |
Drei Punkte lohnen den zweiten Blick. Das Betreuungsverhältnis von 4:1 ist die härteste Zahl in der Tabelle: Kein zertifizierter Assistent hebt sie an, anders als bei den Wissens-Specialties, wo aus 8:1 mit Assistenten 10:2 oder 12:3 werden. Vier Schüler pro Instructor ist die Obergrenze, und wer im Wasser bewertet wird, muss so nah beim Professional bleiben, dass jederzeit Körperkontakt hergestellt werden kann. Das ist keine Formalie, sondern die Antwort auf das, was in diesem Kurs schiefgehen kann.
Die Reihenfolge ist der zweite Punkt. Der Standard schreibt ausdrücklich vor, dass eine Ausbildungslektion im Pool oder begrenzten Freiwasser abgeschlossen sein muss, bevor Schüler Ausbildungstauchgänge im Freiwasser durchführen dürfen. Ein Kurs, der am Samstagmorgen am Seeufer beginnt und um zehn Uhr im Wasser ist, entspricht dem Standard nicht. Wer ein Angebot vergleicht, sollte deshalb fragen, wann und wo die Poollektion stattfindet — nicht nur, was der Kurs kostet.
Und drittens das Mindestalter. SSI hat es zum 8. Juni 2026 von 10 auf 12 Jahre angehoben; die Änderung steht im Änderungsprotokoll der aktuellen Standards. Wer eine ältere Kursbeschreibung im Netz findet, in der noch 10 Jahre steht, liest eine überholte Fassung. Zeitgleich wurde ein neues Kapitel eingeführt, das beschreibt, wie sich die Trockentauchausbildung mit dem Open Water Diver Programm verbinden lässt.
Die Regel, die auch außerhalb des Kurses gilt
Der wichtigste Absatz zum Trockentauchen steht gar nicht im Kursabschnitt, sondern im allgemeinen Teil der Standards, bei den Regeln zur Durchführung von SSI Programmen. Dort ist geregelt, was gilt, wenn in irgendeinem Programm ein Trockentauchanzug getragen wird — im Open Water Diver Kurs, beim Advanced, bei einem anderen Specialty. Die Antwort besteht aus drei Teilen.
Erstens: Während der gesamten Tauchausbildung im Wasser muss der Instructor, der das Programm direkt überwacht, ein SSI Dry Suit Diving Specialty Instructor im aktiven Status sein. Zweitens: Das Schüler-zu-Instructor-Verhältnis für alle Einstiegsausbildungen, bei denen ein Schüler einen Trockenanzug trägt, beträgt 4:1 — die 4:1 aus dem Specialty schlagen also auf den Open Water Diver Kurs durch, sobald auch nur ein Teilnehmer im Trocki steht. Drittens muss jeder Schüler eine von vier Voraussetzungen erfüllen, um überhaupt einen Trockenanzug benutzen zu dürfen:
- Zertifizierung: eine SSI Dry Suit Diving Zertifizierung oder eine gleichwertige einer anerkannten Ausbildungseinrichtung.
- Schnupperprogramme: direkte Aufsicht durch einen SSI Specialty Instructor Dry Suit Diving im aktiven Status.
- Einstiegsprogramme: Anmeldung zum SSI Dry Suit Diving Specialty Programm, wobei die Poollektion vor der Ausbildung im Freiwasser absolviert sein muss.
- Specialty-Programme: Nachweis von fünf protokollierten Freiwassertauchgängen im Trockentauchanzug außerhalb der Ausbildung, ebenfalls mit vorgezogener Poollektion.
Der vierte Punkt ist der praktisch folgenreichste, und er wird häufig übersehen. Wer den Trockentauchkurs abgeschlossen hat und danach ein anderes Specialty im Trockenanzug tauchen will — Wracktauchen, Navigation, Perfect Buoyancy —, muss fünf protokollierte Trockentauchgänge außerhalb jeder Ausbildung vorweisen. Zwei Ausbildungstauchgänge aus dem Kurs plus die Karte reichen dafür nicht. Der Standard sagt damit etwas Deutliches über seine eigene Reichweite: Zwei Tauchgänge machen niemanden zum Trockentaucher, sie machen ihn zum zertifizierten Anfänger.
Für die Ausbilderseite gilt eine parallele Empfehlung: SSI Professionals, die während der Programme Trockentauchanzüge oder Vollgesichtsmasken verwenden, sollen mindestens zehn protokollierte Tauchgänge Erfahrung mit dieser Ausrüstung haben, bevor sie sie einsetzen.
Der Kurs lässt sich in die Erstausbildung einbauen
Seit der Standardänderung im Juni 2026 beschreibt SSI ausdrücklich, wie die Trockentauchausbildung mit dem Open Water Diver Programm kombiniert wird. Die Bedingungen sind klar umrissen: mindestens eine Lektion im Pool oder begrenzten Freiwasser und mindestens zwei Ausbildungstauchgänge im Freiwasser werden während des Open Water Diver Programms im Trockentauchanzug absolviert. Voraussetzung ist, dass die Schüler vorher die Poollektionen 2 und 3 des Open Water Diver Programms erfolgreich abgeschlossen haben, und der direkt beaufsichtigende Instructor muss ein Dry Suit Diving Specialty Instructor im aktiven Status sein.
Für alle, die den Tauchschein ohnehin im heimischen See machen, ist das der sinnvollste Weg. Die Grundfertigkeiten werden dann von Anfang an in der Ausrüstung gelernt, in der später auch getaucht wird — und die Umgewöhnung vom Nassanzug auf den Trocki, die viele erst nach zwanzig Tauchgängen durchmachen, entfällt. Der Preis dafür ist die 4:1-Ratio, die den Kurs für das Training Center teurer macht. Wer die Kursformate vergleicht, sollte diesen Posten kennen; die Unterschiede zwischen Blockkurs, Abendkurs und eLearning sind im Überblick zu den Kursformaten zusammengestellt.
Auch nach oben ist der Kurs anschlussfähig: Dry Suit Diving steht auf der Liste der drei Wahltauchgänge für den Advanced Open Water Diver. Dort trägt der Eintrag allerdings ein Sternchen — vor dem Freiwassertauchgang ist eine Lektion im Pool oder begrenzten Freiwasser nach dem Advanced-Instructor-Manual durchzuführen. Auch in dieser Richtung kommt niemand ohne Poollektion ins Wasser.
Was am ersten Kurstag wirklich passiert
Ich unterrichte als SSI Open Water Scuba Instructor und CMAS-Ein-Stern-Tauchlehrer und tauche selbst regelmäßig im Kaltwasser. Mein Computer zeigt am Grund unserer Seen über das ganze Jahr vier bis sechs Grad — im August genauso wie im Februar. Aus dieser Praxis heraus die drei Dinge, die den ersten Kurstag prägen und die in keiner Kursbeschreibung stehen.
Das Blei stimmt nicht. Wer aus dem Nassanzug kommt, bringt seine gewohnte Bleimenge mit — und die passt nicht. Der Unterzieher verdrängt zusätzliches Volumen, und die Luft im Anzug ist ein zweiter, unabhängig zu bedienender Auftriebskörper. Wir machen die Bleikontrolle deshalb vor dem ersten Tauchgang neu, mit der Kombination aus Anzug und Unterzieher, die auch tatsächlich getaucht wird; wie das systematisch geht, steht im Beitrag zur Bleimenge und zum Bleicheck. Wer mit zu viel Blei einsteigt, muss mehr Luft in den Anzug geben, und genau diese Luft ist es, die später Ärger macht.
Die Hände entscheiden über den Tauchgang. Nasse Handschuhe im Sechs-Grad-Wasser halten etwa zwanzig Minuten, danach lässt die Feinmotorik nach — und die braucht man ausgerechnet für das Ablassventil an der Schulter. Trockenhandschuhe lösen das, kosten aber ein Stück Fingergefühl und wollen geübt sein, bevor sie im See zum ersten Mal getragen werden. Der Kopf ist der zweite Punkt: Über die unbedeckte Kopfhaut geht Wärme schneller verloren als über den Rest, und eine schlecht sitzende Kopfhaube ist die häufigste Ursache dafür, dass ein Trockentauchgang trotz warmem Rumpf früh abgebrochen wird.
Und dann die Füße. Die Übung, um die es in diesem Kurs eigentlich geht, ist der Fall, in dem der Taucher mit dem Kopf nach unten gerät und die Luft im Anzug in die Beine läuft. Der Auftrieb sitzt dann am falschen Ende, die Flossen werden nach oben gezogen, und wer jetzt strampelt, beschleunigt den Aufstieg. Die richtige Reaktion ist eine Bewegung, keine Kraftanstrengung: sich zusammenrollen und über die Seite drehen, bis der Kopf wieder oben und die Luft wieder oben im Anzug ist, dann ablassen. Das üben wir im Pool, im flachen Wasser, mit dem Instructor in Griffweite — und wir üben es so oft, bis es ohne Nachdenken passiert. Es ist die einzige Fertigkeit in diesem Kurs, die man beim ersten Mal im Freiwasser nicht neu erfinden will.
Der erste Tauchgang mit Luft im Anzug fühlt sich für fast alle falsch an. Man liegt anders im Wasser, die Tarierung reagiert verzögert, und man bedient plötzlich zwei Systeme statt eines. Nach dem dritten oder vierten Trockentauchgang ist das weg. Aber es ist der Grund, warum zwei Ausbildungstauchgänge das Minimum sind und nicht das Ziel.
Was der Kurs leistet und was er nicht ersetzt
Der Trockentauchkurs Deutschland leistet genau eines, und das leistet er zuverlässig: Er stellt die Handgriffe her, die im Ernstfall ohne Überlegung ablaufen müssen. Ventil bedienen, Lage korrigieren, Auftrieb aus zwei Quellen gleichzeitig managen. Das ist der Grund, warum die Standards die Poollektion nach vorn ziehen und das Betreuungsverhältnis auf 4:1 setzen — beides zielt darauf, dass diese Handgriffe unter Aufsicht entstehen und nicht bei Gelegenheit.
Was er nicht ersetzt, benennen die Standards selbst mit der Zahl fünf: fünf protokollierte Trockentauchgänge außerhalb der Ausbildung, bevor ein anderes Specialty im Trockenanzug getaucht werden darf. Zwischen der Karte und der Routine liegt also eine Strecke, die der Kurs nicht abkürzt. Wer die Karte im März macht und den Anzug bis September nicht mehr anzieht, fängt im Herbst nicht bei null an, aber auch nicht dort, wo er im März aufgehört hat — für solche Fälle gibt es den Auffrischungskurs.
Und er ersetzt keine Kaufberatung. Welche Bauart, welches Ventil, welcher Unterzieher zu welchem Einsatz passt, ist eine eigene Frage, die vor dem Kurs beantwortet werden sollte — sonst wird sie im Leihanzug beantwortet und danach mit dem eigenen noch einmal gestellt. Sinnvoll ist die umgekehrte Reihenfolge: erst den Kurs im Leihanzug, dann mit dieser Erfahrung kaufen.
Häufige Fragen zum Trockentauchkurs
Siehe auch: Trockentauchanzug: Bauarten, Ventile und Tarieren mit Luft im Anzug · Mein erster Trockentauchgang · Kaltwassertauchen: die Ausrüstung · Kreidesee Hemmoor
Quellen und weiterführende Links
- SSI: Scuba Training Standards und Verfahren 2026.2, deutsche Fassung vom 20.08.2026 – Programmabschnitt Dry Suit Diving mit Mindestalter, Teilnehmervoraussetzungen, Dauer, Tiefengrenzen, Betreuungsverhältnis, Abschlussvoraussetzungen, Reihenfolge und Kombination mit dem Open Water Diver Programm; allgemeiner Teil zu Trockentauchanzügen mit den vier Voraussetzungen und der 4:1-Ratio; Abschnitt Tauchen in Kaltwasser mit der Definition 10 °C; Änderungsprotokoll zum 8. Juni 2026 mit der Anhebung des Mindestalters von 10 auf 12 Jahre
- TU Dresden, KlimaKonform: Faktenblatt Talsperren – Thermische Schichtung – Dichtemaximum des Süßwassers bei etwa 4 °C, sommerliche Schichtung mit kalter Tiefenschicht und winterliche inverse Schichtung
- PADI: Dry Suit Diver Course – Kursinhalte des PADI-Pendants: Luftkontrolle im Anzug zusammen mit der Tarierung, Anzugtypen sowie einfache Reparatur und Pflege

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