Tauchlehrer

Ein Tauchlehrer kniet im flachen Wasser vor einem Tauchschüler und zeigt ihm eine Übung.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Ein Tauchlehrer ist eine von einem Tauchsportverband ausgebildete und lizenzierte Person, die Tauchschüler in Theorie und Praxis ausbildet, ihre Leistung prüft und sie brevetiert. Die Bezeichnung ist in Deutschland nicht geschützt; was ein Tauchlehrer kann und darf, ergibt sich aus seiner Lizenz und der dahinterstehenden Norm, nicht aus dem Wort.

Was ein Tauchlehrer tut

Die Wikipedia fasst die Aufgabe knapp: Der Tauchlehrer bildet „die Tauchschüler in Theorie und Praxis aus und prüft, ob sie sicher genug tauchen können, um brevetiert zu werden“. Das sind drei verschiedene Rollen in einer Person — Lehrer, Prüfer und Verantwortlicher für die Sicherheit im Wasser —, und die dritte bindet in der Praxis die meiste Aufmerksamkeit.

Zur Ausbildung gehören nach derselben Quelle die Ausbildungsstandards und Zielsetzungen der Organisation, die vollständige tauchspezifische Theorie und praktische Fertigkeiten auf Demonstrationsniveau. Der letzte Punkt unterscheidet den Tauchlehrer vom guten Taucher: Eine Übung selbst zu beherrschen genügt nicht, sie muss so vorgeführt werden können, dass ein Anfänger sie nachmachen kann.

Die Normebene: ISO 24802

Über den Verbandsbezeichnungen liegt eine gemeinsame Klammer. Der VDST führt sie auf: ISO 24802-1 regelt die Ausbildung von Tauchlehrern der Stufe 1, ISO 24802-2 die der Stufe 2. Die Taucherstufen darunter regelt die Reihe ISO 24801 — Teil 1 Supervised Diver, Teil 2 Autonomous Diver, Teil 3 Dive Leader.

Was die beiden Ausbilderstufen bedeuten, beschreibt der Tauchclub Hildrizhausen anhand der Befugnisse. Ein Ausbilder der Stufe 1 darf die theoretische Ausbildung und die praktische Ausbildung im begrenzten Freiwasser selbständig durchführen; im Freiwasser arbeitet er unter Anleitung oder direkter Überwachung eines Ausbilders der Stufe 2. Ein Ausbilder der Stufe 2 darf Tauchausbildungen selbständig durchführen und Ausbilder der Stufe 1 anleiten und überwachen.

Das ist der Punkt, an dem sich die Frage „Darf der das?“ beantworten lässt: Nicht der Titel entscheidet, sondern die Stufe.

Wie die Verbände die Stufen nennen

Dieselbe Normstufe trägt je nach Verband einen anderen Namen. Nach der Zuordnung des Tauchclubs Hildrizhausen entspricht der Stufe 1 der CMAS-Tauchlehrer-Assistent, bei PADI der Assistant Instructor, bei NAUI der Assistant Instructor II. Der Stufe 2 entsprechen der CMAS-Tauchlehrer *, bei PADI der Open Water Scuba Instructor und bei NAUI der Scuba Instructor. Der VDST ordnet seine eigenen Grade entsprechend zu: Assistenz-Tauchlehrer (ATL) der Stufe 1, Tauchlehrer * (TL1) und CMAS Moniteur * der Stufe 2.

Ich bilde selbst nach SSI und nach CMAS aus und halte die Standards der Verbände getrennt — sie gleichen sich in der Sache oft, aber nicht im Wortlaut, und im Zweifel gilt der Standard des Verbands, unter dessen Flagge der Kurs läuft. Die ISO-Ebene taugt zum Vergleichen, nicht zum Mischen.

Der Weg dorthin

Vor der Tauchlehrerausbildung steht bei allen großen Verbänden eine Führungsstufe. Die Wikipedia nennt als Beispiele den PADI Divemaster, CMAS ***, IDEA Divemaster und SSI Dive Guide. Diese Stufe entspricht dem Dive Leader der ISO 24801-3; sie führt brevetierte Taucher, bildet aber nicht selbständig aus. Erst darauf setzt die Ausbilderlaufbahn auf.

Wer diesen Weg gehen will, sollte früh anfangen, sein Logbuch ernst zu nehmen: Tauchgangszahlen sind bei praktisch allen Verbänden Zugangsvoraussetzung, und nachtragen lässt sich nichts, was nicht festgehalten wurde.

Was ein Brevet rechtlich ist — und was nicht

Ein Brevet ist eine Bescheinigung des ausstellenden Verbands, kein amtliches Dokument; die Wikipedia hält das ausdrücklich fest. Dasselbe gilt für die Lizenz des Tauchlehrers. Gesetzlich geregelt ist in Deutschland die Ausbildung von Berufstauchern, und für einzelne Einsatzbereiche bestehen eigene Vorschriften — der Sporttauchlehrer fällt nicht darunter.

Praktisch heißt das: Wer ausbildet, tut das auf Grundlage eines privaten Regelwerks und seiner eigenen Sorgfalt. Umso wichtiger ist, dass die Lizenz gültig und die Versicherung in Ordnung ist — beides sollte ein Tauchschüler ruhig erfragen dürfen.

Quellen

Zur Quellenlage: Die Normtexte der ISO 24801 und 24802 sind kostenpflichtig; die hier wiedergegebenen Inhalte stammen aus der Darstellung des VDST und einer Vereinsseite, also aus zweiter Hand. Die Zuordnung einzelner Verbandsgrade zu den Normstufen kann sich mit den Verbandsstandards ändern und gehört im Einzelfall beim Verband selbst nachgesehen.

Ist ‚Tauchlehrer‘ in Deutschland ein geschützter Beruf?
Die Bezeichnung selbst ist nicht geschützt. Gesetzlich geregelt ist nach der Wikipedia die Ausbildung von Berufstauchern, nicht die des Sporttauchlehrers; für einzelne Einsatzbereiche gelten eigene Vorschriften. Aussagekraft hat deshalb allein die Lizenz eines Verbands und die dahinterstehende Normstufe.
Was ist der Unterschied zwischen Stufe 1 und Stufe 2?
Ein Ausbilder der Stufe 1 (ISO 24802-1) darf Theorie und Poolausbildung selbständig durchführen, im Freiwasser aber nur unter Anleitung oder direkter Überwachung. Ein Ausbilder der Stufe 2 (ISO 24802-2) darf selbständig ausbilden und Ausbilder der Stufe 1 anleiten und überwachen.
Kann man direkt Tauchlehrer werden?
Nein. Bei den großen Verbänden steht davor eine Führungsstufe — Divemaster, Dive Guide oder CMAS ***, die dem Dive Leader nach ISO 24801-3 entspricht. Sie führt brevetierte Taucher, bildet aber nicht selbständig aus. Dazu kommen Tauchgangszahlen, die über das Logbuch nachzuweisen sind.
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.