Der Trockentauchanzug auf einen Blick
- Zwei Bauarten: Neopren isoliert aus dem Material heraus und verliert mit der Tiefe an Auftrieb; Trilaminat (Membran) isoliert praktisch gar nicht — die gesamte Wärmeleistung kommt aus dem Unterzieher.
- Drei Dichtungen entscheiden: Halsmanschette, Armmanschetten, Reißverschluss. Latex dichtet am besten und altert am schnellsten, Silikon ist langlebiger und braucht meist ein Ringsystem, Neopren ist bequem und lässt eher Wasser durch.
- Zwei Ventile: das Einlassventil auf der Brust, das Auslassventil an der linken Schulter. Das Auslassventil lässt sich in der Regel auf automatisches Abblasen stellen.
- Zwei Luftblasen, eine Aufgabe: Die Luft im Anzug dient gegen den Squeeze, der Auftrieb wird über das Jacket geregelt. DAN führt genau diese Trennung als Schlüssel gegen die Fußlage und den unkontrollierten Aufstieg an.
- Mehr Blei, andere Verteilung: Ein Trocki braucht mehr Blei als ein Nassanzug; wichtiger als die Menge ist, dass es nicht allein um die Hüfte sitzt — sonst kippt man leichter nach vorn.
- Normen und Kursgrenzen: Anforderungen und Prüfverfahren für Trockentauchanzüge regelt DIN EN 14225-2:2018-03. Die SSI-Zertifizierung Dry Suit Diving gilt ab 12 Jahren bis maximal 30 Meter, für 12- bis 14-Jährige bis 18 Meter.
In unseren Revieren ist der Trockentauchanzug keine Komfortfrage, sondern die Entscheidung darüber, ob man acht Monate im Jahr taucht oder vier. Der Blausteinsee hat im Februar keine sechs Grad, und daran ändert auch der dickste Halbtrockene nichts.
Der Umstieg ist trotzdem kein Selbstläufer. Ein Trocki verändert die Tarierung grundlegend, bringt eine zweite Luftblase ins Spiel und hat einen Notfall im Repertoire, den es im Nassanzug nicht gibt. Deshalb lohnt es sich, vor dem Kauf zu wissen, worauf man sich einlässt — und zwar beim Anzug selbst, bei den Manschetten, bei den Ventilen und beim Unterzieher.
Neopren isoliert selbst, Trilaminat gar nicht
Die Grundsatzentscheidung fällt zwischen zwei Bauarten, und sie hat weniger mit Qualität zu tun als mit der Art zu tauchen.
Der Neoprenanzug — meist komprimiertes Neopren — isoliert aus sich heraus. Das Material selbst hält warm, entsprechend weniger Unterzieher braucht es. Er sitzt eng, schwimmt sich angenehm und ist unempfindlich gegen Kratzer. Der Preis dafür: Er verliert mit der Tiefe an Auftrieb, weil sich das Material zusammendrückt, er braucht mehr Blei als ein Trilaminat, und er trocknet nach dem Tauchgang langsam. Wer immer im selben See taucht und den Anzug nicht durch die Weltgeschichte trägt, fährt damit gut.
Der Trilaminatanzug — auch Membrananzug — isoliert selbst praktisch gar nicht. Er ist eine dichte Hülle; die Wärme kommt vollständig aus dem, was man daruntertut. Das klingt nach Nachteil und ist der eigentliche Vorteil: Man passt die Isolierung der Wassertemperatur an, statt zwei Anzüge zu besitzen. Er ist leicht, schnell trocken, packt sich klein und altert langsamer. Dafür schlackert er im Wasser mehr, ist gegen scharfe Kanten empfindlicher und kostet in der Anschaffung mit den nötigen Unterziehern oft mehr, als der Preis auf dem Schild vermuten lässt.
| Merkmal | Neopren (komprimiert) | Trilaminat / Membran |
|---|---|---|
| Isolierung | aus dem Material selbst | ausschließlich über den Unterzieher |
| Auftrieb mit der Tiefe | nimmt ab, das Material komprimiert | bleibt weitgehend gleich |
| Bleibedarf | höher | niedriger |
| Sitz im Wasser | eng, wenig Falten | lose, schlackert stärker |
| Trocknungszeit | lang | kurz |
| Reise und Transport | schwer, sperrig | leicht, klein zu packen |
| Empfindlichkeit | robust gegen Kratzer | empfindlicher gegen scharfe Kanten |
| Anpassung an Temperatur | über den Anzug festgelegt | über die Wahl des Unterziehers |
Meine Faustregel für Einsteiger im heimischen Revier: Wer nur hier taucht, kann beides nehmen. Wer auch reist oder im Winter mal wärmer und im Sommer mal kälter unterwegs ist, nimmt Trilaminat. Und wer sich unsicher ist, leiht sich beides einmal aus — der Unterschied im Wasserlagegefühl ist nach zehn Minuten deutlicher als jede Beschreibung.
Die Dichtungen entscheiden über den Tag
Undicht wird ein Anzug fast immer an denselben drei Stellen: Halsmanschette, Armmanschetten, Reißverschluss. Alles andere — Nähte, Klebungen, Ventilsitze — hält bei einem gepflegten Anzug über Jahre.
- Latexmanschetten dichten am besten und sind am unangenehmsten — sie schneiden ein, altern schnell und reißen irgendwann ohne Vorwarnung. Dafür lassen sie sich auf den eigenen Hals kürzen und sind günstig zu ersetzen.
- Silikonmanschetten sind angenehmer auf der Haut und langlebiger, brauchen aber meist einen Ringsystem-Adapter am Anzug. Der Vorteil dieser Ringsysteme liegt weniger im Material als im Wechsel: Eine gerissene Manschette ist am Wasser in Minuten getauscht, statt den Anzug für Tage in die Werkstatt zu schicken.
- Neoprenmanschetten sind bequem und robust, dichten aber schlechter — mit ihnen kommt regelmäßig etwas Wasser mit. Für viele ist das der akzeptable Preis dafür, dass nichts am Hals drückt.
Ein Wort zum Hals: Wer zum ersten Mal eine Latexmanschette trägt, hält sie für zu eng. Meistens ist sie das nicht — sie muss so sitzen. Gekürzt wird in kleinen Schritten und mit scharfer Schere entlang der Rillen, denn abgeschnitten ist abgeschnitten. Der zweite verbreitete Fehler betrifft die Kopfhaube: Wer sie unter die Halsmanschette zieht, hat einen Kanal geschaffen, durch den zuverlässig Wasser läuft.
Beim Reißverschluss stehen der klassische Metallverschluss und die leichteren Kunststoffvarianten nebeneinander. Beide vertragen eines nicht: Sand, Zug und Trockenlaufen. Ein Reißverschluss will sauber, gewachst und nie gewaltsam geschlossen werden — es ist das teuerste Einzelteil am Anzug. Wer ihn selbst schließt, statt sich helfen zu lassen, verkantet ihn früher oder später; das ist der Grund, warum das Schließen im Zweifel Aufgabe des Tauchpartners ist.
Dass an einen Trockentauchanzug überhaupt messbare Anforderungen gestellt werden, ist keine Selbstverständlichkeit: Geregelt sind sie in DIN EN 14225-2, in der aktuellen Fassung von März 2018. Die Norm beschreibt Anforderungen und Prüfverfahren für Trockentauchanzüge — sie ist der Grund dafür, dass die Angabe „wasserdicht“ bei einem CE-gekennzeichneten Anzug nicht nur eine Behauptung des Herstellers ist.
Zwei Luftblasen statt einer
Das ist der Punkt, an dem der Trocki sich vom Nassanzug unterscheidet. Im Nassanzug tariert man mit dem Jacket. Im Trockentauchanzug hat man zusätzlich Luft im Anzug — und die verhält sich mit der Tiefe genauso wie jede andere Luft: Sie wird beim Abstieg weniger und beim Aufstieg mehr.
Man braucht sie, und zwar nicht für den Auftrieb, sondern gegen den Squeeze: Ohne Luft presst der Umgebungsdruck den Anzug in jede Hautfalte, das tut weh und schränkt die Beweglichkeit ein. Also gibt man beim Abstieg regelmäßig kleine Stöße über das Einlassventil auf der Brust — genug, dass es angenehm ist, nicht mehr.
Beim Aufstieg muss die Luft wieder heraus. Das Auslassventil sitzt an der linken Schulter und lässt sich meist auf automatisch stellen: Man hebt die Schulter, das Ventil bläst selbstständig ab. Wer das vergisst, wird schneller — und dann noch schneller, weil die verbleibende Luft sich weiter ausdehnt.
Die Frage, die zuverlässig kommt: Womit tariere ich denn nun? Die Antwort ist gut belegt. DAN hat einen Fall aufgearbeitet, in dem eine erfahrene Taucherin aus knapp 30 Metern unkontrolliert an die Oberfläche stieg, weil sie den Anzug als Auftriebsmittel benutzt hatte; ihr Partner konnte den Aufstieg nicht stoppen. Die Schlussfolgerung von DAN ist knapp: Der Schlüssel gegen die Fußlage im Trockentauchanzug liege darin, nur so viel Luft im Anzug zu haben, dass er den Taucher nicht presst — der Auftrieb gehört ins Jacket, und eine korrekte Bleimenge ist die Voraussetzung dafür, dass beides zusammen überhaupt neutral einzustellen ist.
Wer beides gleichzeitig als Auftriebsmittel benutzt, verwaltet zwei Blasen, die sich unterschiedlich verhalten — und verliert die Übersicht genau dann, wenn es eng wird. Das ist keine Stilfrage, sondern der Unterschied zwischen einem Ventil, das man bedient, und einem, das man sucht.
Füße nach oben — der Fehler mit den größten Folgen
Kippt man im Trocki nach vorn, wandert die Luft im Anzug dorthin, wo oben ist: in die Füße. Dort kommt sie über kein Ventil mehr heraus, sie drückt die Beine nach oben, und im schlimmsten Fall rutschen die Flossen von den Füßen. Man hängt kopfüber und steigt.
Der Ausweg ist nicht Kraft, sondern Drehung: sich zur Seite und in die Rückenlage rollen, damit die Luft wieder Richtung Schulter läuft, dann über das Ventil ablassen und sich aufrichten. Das lässt sich im Flachen üben, bis es sitzt — und genau das ist der Grund, warum der Umstieg im Schwimmbad oder in drei Metern Seewasser anfängt und nicht am 30-Meter-Abbruch.
Vorbeugen hilft mehr als jede Technik, und es beginnt bei der Ausrüstung:
- Gamaschen oder Trockentauchflossen mit Federbändern halten die Flossen am Fuß, wenn Luft in die Beine läuft.
- Angemessen geschnittene Beine. Ein zu großer Anzug sammelt mehr Luft in den Füßen als ein passender — das ist der praktische Grund, warum „eine Nummer größer für den dicken Unterzieher“ selten eine gute Idee ist.
- Ein Auslassventil, das wirklich abbläst. Ein verschmutztes oder verklebtes Ventil merkt man erst in dem Moment, in dem man es braucht.
- Blei, das nicht ausschließlich an der Hüfte hängt — dazu unten mehr.
Unterzieher: der unterschätzte Teil
Beim Trilaminat kommt die gesamte Wärmeleistung von unten drunter, und trotzdem wird hier am ehesten gespart. Was zählt, ist nicht die Dicke, sondern das eingeschlossene Luftvolumen und die Fähigkeit, Feuchtigkeit von der Haut wegzutransportieren — man schwitzt beim Anziehen und beim Tragen an Land mehr, als man denkt.
Baumwolle gehört nicht darunter: Sie saugt sich voll und kühlt dann aus. Bewährt haben sich zwei Schichten — eine dünne, transportierende Lage direkt auf der Haut und darüber die eigentliche Isolierung, deren Dicke man nach Wassertemperatur wählt. Wer mit einem Anzug durchs ganze Jahr will, kauft nicht einen dicken Unterzieher, sondern zwei unterschiedliche.
Und dann sind da die beiden Stellen, an denen die Wärme tatsächlich verloren geht: Kopf und Hände. Eine gute Kopfhaube bringt mehr als ein dickerer Unterzieher, und wer im Winter ohne Trockenhandschuhe taucht, beendet den Tauchgang mit den Fingern, nicht mit dem Vorrat. Trockenhandschuhe gibt es als Ringsystem am Anzug oder mit Manschettenlösung; beide brauchen einen dünnen Innenhandschuh, sonst friert man trotz trockener Haut.
Blei: mehr, aber richtig verteilt
Ein Trocki braucht mehr Blei als ein Nassanzug — wie viel mehr, hängt an Bauart und Unterziehern und lässt sich nicht ausrechnen. Wer den Anzug oder die Unterzieher wechselt, macht den Bleicheck neu; jede Faustformel ist hier noch unzuverlässiger als sonst, weil zwei Variablen gleichzeitig auf den Auftrieb wirken.
Wichtiger als die Menge ist die Verteilung. Wer alles Blei um die Hüfte trägt, kippt leichter nach vorn — und landet damit schneller in der Fußlage. Bleitaschen am Gerät, Trimmblei am Bänderungssystem und ein bewusst höher gesetzter Schwerpunkt machen den Unterschied zwischen einem Anzug, in dem man liegt, und einem, in dem man hängt. Der Zusammenhang ist derselbe wie im DAN-Fall: Nur ein sauber ausgetrimmter Taucher kann mit minimaler Luft im Anzug neutral bleiben.
Was ich bei geliehenen Anzügen zuerst kontrolliere
Ich bin SSI Open Water Scuba Instructor und CMAS-Ein-Stern-Tauchlehrer, und ich sehe Trockentauchanzüge deshalb selten nur als meinen eigenen. Bei Leihanzügen gehe ich immer dieselbe kurze Liste durch, und sie fängt nicht beim Anzug an, sondern beim Menschen: Passt die Halsmanschette, oder wurde sie vom Vorbesitzer für einen anderen Hals gekürzt? Eine zu weit gekürzte Manschette lässt sich nicht zurückbauen, und der Tauchgang endet mit einem halben Liter Wasser im Kreuz.
Dann die Ventile, und zwar vor dem Anziehen: Einlassventil drücken und hören, ob es sauber schließt. Auslassventil einmal ganz auf und ganz zu drehen — wenn es hakt oder knirscht, hat es Sand gesehen. Beides dauert zusammen keine dreißig Sekunden und ersetzt jede Diskussion im Wasser.
Und schließlich der Punkt, den fast alle unterschätzen: der Mitteldruckschlauch. Er muss lang genug sein, um beim Kopfdrehen nicht am Ventil zu ziehen, und er muss zum Anschluss des Anzugs passen — es gibt mehr als eine Bauform, und die falsche merkt man am Ufer mit angezogenem Anzug. Wer sich einen eigenen Trocki kauft, kauft den passenden Schlauch gleich mit und lässt ihn an der ersten Stufe montiert. Ich habe schon mehr Tauchgänge an einem fehlenden Schlauch scheitern sehen als an einem undichten Anzug.
Pflege, damit er hält
Nach jedem Tauchgang außen abspülen, besonders Ventile und Reißverschluss. Trocknen auf einem breiten Bügel, verkehrt herum für die Innenseite, nicht in der Sonne. Der Reißverschluss wird sauber gehalten und regelmäßig gewachst; Latexmanschetten mögen kein Fett und kein direktes Licht — etwas Talkum und ein dunkler Beutel verlängern ihr Leben deutlich. Gelagert wird der Anzug hängend oder locker gerollt, nie mit einem Knick im Reißverschluss.
Und einmal im Jahr: Ventile prüfen lassen. Ein Auslassventil, das nicht mehr sauber abbläst, merkt man sonst genau dann, wenn man es braucht. Wer den Anzug über den Winter einlagert, spült ihn vorher einmal innen aus und trocknet ihn vollständig — der häufigste Grund für einen muffigen Anzug im Frühjahr ist ein feuchter Anzug im Herbst.
Häufige Fragen zum Trockentauchanzug
Siehe auch: Mein erster Trockentauchgang · Bleimenge berechnen: der Bleicheck · Kaltwassertauchen: Ausrüstung · Der Atemregler im kalten Wasser · Tauchausrüstung winterfest machen
Quellen und weiterführende Links
- DAN: A Runaway Ascent in a Dry Suit – aufgearbeiteter Fall eines unkontrollierten Aufstiegs mit der Schlussfolgerung, nur so viel Luft im Anzug zu halten, dass er nicht presst, und den Auftrieb über das Jacket zu regeln
- DIN EN 14225-2:2018-03 – Tauchanzüge, Teil 2: Trockentauchanzüge; Anforderungen und Prüfverfahren, Ausgabe März 2018
- SSI: Scuba Training Standards und Verfahren 2026.2, deutsche Fassung vom 20.08.2026 – Dry Suit Diving Specialty: Mindestalter 12 Jahre, maximale Freiwassertiefe 30 Meter, für 12- bis 14-Jährige 18 Meter, Schüler-Instructor-Verhältnis 4:1

Den Abschnitt über die zwei Luftblasen hätte ich vor meinem ersten Trockentauchgang gern gelesen. Wie sich der Moment anfühlt, in dem man zum ersten Mal Luft in den Anzug gibt statt ins Jacket, habe ich in Mein erster Trockentauchgang aufgeschrieben. Wer vor dem Kurs steht: am besten beides lesen.