Die Open Water Diver Theorieprüfung auf einen Blick
- Bestehensgrenze: 80 Prozent. Diese Zahl steht in den SSI Scuba Training Standards und gilt für alle Schülerprogramme; auf Professional-Ebene sind es 90 Prozent.
- Der Stoff: sechs Kapitel im SSI Open Water Diver Instructor Manual, dazu ein Anhang zur Tauchgangsplanung mit Tabellen. Für die Scuba-Diver-Zertifizierung reichen die Kapitel 1 bis 3.
- Vor der Prüfung: 102 Wiederholungsfragen, verteilt auf die sechs Kapitel — 20, 18, 20, 18, 12 und 14. Wer sie durchgearbeitet hat, kennt den Fragentyp der Abschlussprüfung.
- Prüfungsbedingungen: ohne fremde Hilfe und ohne eigene Notizen, schriftliche Prüfungen unter direkter Aufsicht eines qualifizierten SSI Professionals. Erlaubt sind die SSI Training Standards, ein Taschenrechner und — wo nötig — Air- oder Nitrox-Tabellen.
- Nicht bestanden: kein Kursabbruch. Der Standard sieht vor, dass zu einem späteren Zeitpunkt die alternative Version der Abschlussprüfung abgelegt wird.
- Nachbesprechung ist Pflicht: Ausgabe, Korrektur, Besprechung, Unterschrift — in dieser Reihenfolge. Falsch beantwortete Fragen werden mit dem Tauchlehrer durchgegangen, nicht nur angestrichen.
Die verbreitetste Vorstellung von der Open Water Diver Theorieprüfung ist die eines Hindernisses, an dem man scheitern kann. Im SSI Open Water Diver Instructor Manual sieht sie anders aus: Sie ist der letzte Kontrollpunkt einer Kette, die schon sechs Kapitel vorher beginnt — und sie ist so gebaut, dass der Tauchlehrer eine Lücke bemerkt, bevor jemand mit dieser Lücke ins Freiwasser geht.
Was in der Prüfung gefragt wird, ist deshalb kein Geheimnis. Die Lernziele jedes Kapitels, die Wiederholungsfragen und die Regeln für die Durchführung stehen wörtlich im Instructor Manual und in den SSI Scuba Training Standards. Dieser Beitrag geht diese beiden Dokumente durch — Kapitelstruktur, Themen, Bestehensgrenze, Prüfungsbedingungen und das Verfahren bei einer nicht bestandenen Prüfung.
Sechs Kapitel, 102 Wiederholungsfragen, dann erst die Prüfung
Der theoretische Teil des SSI Open Water Diver Programms besteht aus sechs Kapiteln. Jedes beginnt mit einer Liste von Lernzielen in der Form „Am Ende von Kapitel X kannst du …“ und endet mit einem Satz Wiederholungsfragen. Diese Lernziele sind die eigentliche Themenliste der Prüfung — sie sind konkreter formuliert, als es die meisten Zusammenfassungen im Netz sind.
| Kapitel | Titel | Kerninhalte | Wiederholungsfragen |
|---|---|---|---|
| 1 | Dein Körper und die Unterwasserwelt | Druck an der Oberfläche und in der Tiefe, Barotrauma beim Abtauchen, Druckausgleichstechniken, Schnorchelsystem | 20 |
| 2 | Die Verwendung deiner Ausrüstung unter Wasser | Wärmeverlust, Isolationssystem, Atemmuster, Versorgungs-, Informations-, Tarier- und Zubehörsystem | 18 |
| 3 | Atemgase und ihre Auswirkungen auf deinen Körper | Atmung und Kreislauf, Überdehnungsverletzungen, Dekompressionskrankheit, Fliegen nach dem Tauchen, Stickstoffnarkose, Sauerstoff- und Kohlenmonoxidvergiftung, Hyperkapnie | 20 |
| 4 | Dein Tauchpartner und die Durchführung von Tauchgängen | Buddy-System, Planung mit dem Tauchcomputer, Briefing, Land- und Bootstauchgänge, Atemgasverbrauch und Grundzeit, Loggen | 18 |
| 5 | Das Meer und deine Tauchmöglichkeiten | Meer und Unterwasserwelt, Korallen, potenziell gefährliche Meerestiere, Süßwasser | 12 |
| 6 | Deine Taucherfahrungen und was dich noch erwartet | Panik erkennen und vermeiden, Reaktion in schwierigen Situationen, Entscheidungsmatrix, Responsible Diver Code, Weiterbildung | 14 |
Dazu kommt ein Anhang zur Tauchgangsplanung mit den SSI Tauchtabellen: Nullzeitentabelle, Tabelle der Oberflächenintervalle, Tabelle für Reststickstoffzeiten und das Wiederholungstauchgangsprofil. Wer die 102 Wiederholungsfragen ernst nimmt, hat den Fragentyp der Abschlussprüfung bereits geübt — es sind durchgehend Multiple-Choice-Fragen mit vier Antwortmöglichkeiten, gelegentlich unterbrochen von einer Richtig-Falsch-Frage.
Zwei Details aus dem Manual sind dabei leicht zu übersehen. Erstens gilt für die Scuba-Diver-Zertifizierung ein kleinerer Umfang: Die Theorieanforderungen sind erfüllt, wenn das Kursmaterial durchgearbeitet ist, die Wiederholungsfragen der Kapitel 1 bis 3 beantwortet sind und der Abschlusstest mit mindestens 80 Prozent bestanden wurde. Zweitens hält das Manual ausdrücklich fest, dass mit den Theorielektionen 1 bis 6 und den Wiederholungsfragen der akademische Teil von Referral Diver, Indoor Diver und Open Water Diver als abgeschlossen gilt — mit Ausnahme des Abschlusstests, der in jedem Fall absolviert werden muss. Vorleistungen ersetzen die Prüfung also nicht.
Physik kommt vor, aber als Rechenaufgabe mit Tauchbezug
Boyle, Dalton und Partialdruck stehen in den Lernzielen, aber nicht als Formelsammlung. Kapitel 1 verlangt, den Gesamtdruck in einer gegebenen Tiefe in bar berechnen zu können und zu erklären, warum das Volumen eines flexiblen, luftgefüllten Behälters mit der Tiefe abnimmt. Kapitel 3 verlangt, den Ausdruck Partialdruck zu erklären und den prozentualen Anteil von Stickstoff und Sauerstoff im Atemgas samt Partialdruck bei 1 bar auszurechnen. Genau in dieser Form kommen die Fragen.
- Umgebungsdruck und absoluter Druck: Der Umgebungsdruck im Salzwasser auf 10 Metern beträgt 2 bar, der absolute Druck auf 30 Metern 4 bar. Eine Atmosphäre entspricht 1 bar und einer Druckzunahme von je 10 Metern im Salzwasser beziehungsweise 10,2 Metern im Süßwasser.
- Boyle in Litern: Ein flexibler Behälter mit 100 Litern an der Oberfläche hat auf 20 Metern im Meer noch rund 33 Liter. Umgekehrt werden aus 6 Litern auf 30 Metern beim Aufstieg 24 Liter an der Oberfläche. Der größte relative Druckunterschied liegt zwischen 0 und 10 Metern — deshalb sind die letzten Meter des Aufstiegs die kritischen.
- Dalton und Partialdruck: Der Gesamtdruck einer Gasmischung entspricht der Summe der Teildrücke ihrer Gase. Bei Luft mit 1 bar Druck beträgt der Partialdruck des Stickstoffs 0,79 bar, der des Sauerstoffs 0,21 bar. Der Gradient ist der Unterschied zwischen dem inneren und dem äußeren Partialdruck eines Gases; Haldanes tolerierter Druckgradient von 2:1 wurde von R. Workman auf 1,58:1 überarbeitet.
- Atemgasverbrauch: Bei gleicher Verbrauchsrate wird auf 4 bar doppelt so viel Atemgas verbraucht wie auf 2 bar. Salzwasser wiegt etwa 1,025 Kilogramm pro Liter, Süßwasser etwa 1,0.
- Nullzeit: die maximal erlaubte Zeit in einer Tiefe, bei der beim Aufstieg kein verpflichtender Stopp nötig ist. Reststickstoff ist der überschüssige Stickstoff, der nach einem Tauchgang in Blut und Gewebe gelöst bleibt.
Der Druckausgleich wird nicht als Technik abgefragt, sondern als Ursachenkette: warum ausgeglichen wird, welches Symptom für welches Barotrauma typisch ist und welche Reaktion beim Abstieg richtig ist — nämlich den Abstieg stoppen und so weit aufsteigen, bis der Schmerz verschwindet. Zu Ohrenstöpseln gibt es im Manual nur eine Antwort: Sie sollten beim Tauchen niemals getragen werden.
Zwei Zahlen aus Kapitel 2 und 4 tauchen erfahrungsgemäß in jeder Prüfungsvorbereitung auf und werden häufig falsch verallgemeinert. Das SSI-Material nennt 9 Meter pro Minute als maximale Aufstiegsgeschwindigkeit und einen Sicherheitsstopp von drei bis fünf Minuten auf fünf Metern. Diese 9 Meter sind eine SSI-Angabe, keine allgemeine Regel des Sporttauchens: PADI nennt 18 Meter pro Minute, der VDST arbeitet mit einem gestuften Profil. Wer die Zahl in einer SSI-Prüfung braucht, nimmt 9 — wer sie zitiert, sollte den Verband dazusagen. Mehr dazu im Beitrag zur Aufstiegsgeschwindigkeit beim Tauchen.
Die Prüfungsbedingungen stehen im Standard, nicht im Ermessen der Tauchschule
Wie die Prüfung abzulaufen hat, regeln die SSI Scuba Training Standards in einem eigenen Abschnitt. Die Vorgaben sind kurz und bindend:
- Der Schüler muss die Prüfung ohne jegliche Hilfe von außen und ohne persönliche Notizen bestehen.
- Schriftliche Prüfungen müssen von einem dafür qualifizierten SSI Professional unter direkter Aufsicht beaufsichtigt werden.
- Der prüfende Professional darf ausschließlich Erklärungen zum Verständnis der Fragen geben — also klären, was eine Frage meint, nicht, was die Antwort ist.
- Die Mindestpunktzahl beträgt 80 Prozent für Schülerprogramme und 90 Prozent für Programme auf Professional-Ebene.
- Zugelassene Hilfsmittel sind die SSI Training Standards, ein Taschenrechner und Air- beziehungsweise Nitrox-Tabellen, sofern sie für das Programm erforderlich sind.
Für zwei Situationen gibt es geregelte Abweichungen. Ist der Abschlusstest nicht in der Sprache des Schülers verfügbar oder liegt der Nachweis einer Lernschwäche vor, darf der SSI Professional die Prüfung mündlich durchführen; der Antwortbogen muss trotzdem ausgefüllt und von Schüler und Professional gegengezeichnet werden. Und bei Schülern unter 15 Jahren darf eine Frage zur Klärung umformuliert werden — beantworten oder anderweitig helfen darf der Professional auch dann nicht. Wird die Papierversion verwendet, gehört der Final-Exam-Antwortbogen zu den Formularen, die für jede Ausbildung auszufüllen sind.
Wer nicht besteht, schreibt die alternative Version — mehr passiert nicht
Das ist die häufigste Sorge vor dem Kurs, und die Antwort im Instructor Manual ist unspektakulär: „Die Schüler müssen die Abschlussprüfung für die Zertifizierung erfolgreich bestanden haben. Wenn ein Schüler nicht besteht, muss er zu einem späteren Zeitpunkt die alternative Version der Abschlussprüfung ablegen.“ Es gibt also eine zweite Fassung des Tests, und es gibt einen späteren Zeitpunkt. Kein Kursabbruch, keine Sperrfrist, keine Zusatzgebühr im Standard.
Die Prüfung selbst ist im Manual als Ablauf mit vier Schritten beschrieben: Ausgabe des Abschlusstests, Korrektur des Abschlusstests, Besprechung des Abschlusstests, Unterschreiben des Abschlusstests. Der dritte Schritt ist der, der die Prüfung von einem Test unterscheidet — die Nachbesprechung ist Teil des Verfahrens, nicht ein Entgegenkommen des Tauchlehrers.
Dieselbe Logik gilt eine Stufe früher. Für die Zusammenfassung jeder Theorielektion schreibt das Manual vor, die Wiederholungsfragen mit den Schülern zu besprechen und alle falsch beantworteten Fragen zu korrigieren, und sicherzustellen, dass alle Lernziele des Kapitels besprochen und verstanden wurden, bevor zum nächsten Kapitel übergegangen wird. Zusätzlich empfiehlt SSI eine Leistungsbeurteilung auf der Hälfte des Programms — ein Einzelgespräch darüber, was vor der Zertifizierung noch besser werden muss. Wer diese Gespräche mitnimmt, braucht die alternative Version normalerweise nicht.
Was ich als Tauchlehrer bei der Nachbesprechung sehe
Ich bin SSI Open Water Scuba Instructor und CMAS-Tauchlehrer, und die Korrektur des Abschlusstests ist für mich der aufschlussreichste Teil des ganzen Theorieblocks. Nicht wegen der Punktzahl — die meisten liegen deutlich über 80 Prozent —, sondern wegen der Frage, warum jemand angekreuzt hat, was er angekreuzt hat.
Ein Muster wiederholt sich. In 30 der 102 Wiederholungsfragen steht „Alle Antworten sind richtig“ zur Wahl, und sie ist erstaunlich oft die richtige Antwort. Wer im Kurs gelernt hat, nach der einen besten Antwort zu suchen, streicht diese Option reflexhaft — und verliert Punkte an Fragen, die er inhaltlich beherrscht. Umgekehrt kreuzen andere sie im Zweifel immer an und liegen dort daneben, wo genau eine Antwort gemeint ist. Ich gehe deshalb vor der Prüfung ein paar Wiederholungsfragen laut mit der Gruppe durch, nur um diesen Antworttyp einmal bewusst gemacht zu haben.
Der zweite Punkt betrifft das Rechnen. Der Taschenrechner ist zugelassen, aber die Fragen sind so gebaut, dass die Zahlen aufgehen. Wer 100 Liter an der Oberfläche auf 20 Meter bringt und dabei mit 3 bar absolutem Druck arbeitet, ist in einer Zeile fertig. Ich lasse solche Aufgaben deshalb im Kurs immer zuerst schätzen: dreifacher absoluter Druck, ein Drittel Volumen — und dann erst nachrechnen.
Und der dritte Punkt ist der, den ich am ehesten ernst nehme. Wenn jemand die Fragen zu Überdehnungsverletzungen und Dekompressionskrankheit richtig beantwortet, aber im Gespräch nicht sagen kann, was er im Wasser täte, ist die Prüfung bestanden und das Lernziel nicht erreicht. Kapitel 3 verlangt zu jeder der vier Lungenüberdehnungsverletzungen Ursache, Symptome, Behandlung und Prävention — vier Ebenen, und nur die erste lässt sich ankreuzen. Genau dafür ist die Besprechung im Ablauf vorgesehen.
Zwischen Theorie und Freiwasser darf nicht zu viel Zeit liegen
Die Theorieprüfung hat kein Verfallsdatum, der Kurs schon. Die SSI Scuba Training Standards setzen für alle Programme eine Frist: Die Ausbildungstauchgänge im Freiwasser müssen innerhalb von sechs Monaten nach der letzten Theorie- oder Wasserlektion abgeschlossen sein. Liegt mehr Zeit dazwischen, muss der SSI Professional Theorie und Fertigkeiten erneut bewerten, bevor es ins Freiwasser geht.
Wird es länger, greift die nächste Stufe. Für alle Einstiegsprogramme gilt: Sind seit der letzten Ausbildung im Wasser mehr als zwölf Monate vergangen, muss der Schüler ein Scuba Skills Update absolvieren, das vor dem nächsten Ausbildungstauchgang in MySSI einzutragen ist. Und für den Referral Diver, der seine Theorie und Poolausbildung zu Hause gemacht hat und die vier Freiwassertauchgänge im Urlaub nachholt, steht die schärfste Variante im Standard: Liegt der letzte Tauchgang mehr als zwölf Monate zurück, muss er ein Scuba Skills Update absolvieren und die Abschlussprüfung zum Open Water Diver wiederholen.
Praktisch heißt das: Die Prüfung sollte nicht Monate vor dem Freiwasserteil abgelegt werden, nur weil die Theorie ohnehin digital vorliegt. Für den Abschluss zählt die Kombination aus abgeschlossenen Theorielektionen, abgeschlossenem Final Exam und allen Praxislektionen — dokumentiert im Training Record, den Schüler und Instructor unterschreiben und datieren. Wie der praktische Teil danach aussieht, steht im Beitrag zur Freiwasser-Ausbildung.
Häufige Fragen zur Open Water Diver Theorieprüfung
Siehe auch: Freiwasser-Ausbildung: so läuft das Open Water Training ab · Grundlegende Tauchausbildung · Grundlagen der Tauchgangsplanung · Grundlegende Tauchfertigkeiten
Quellen und weiterführende Links
- SSI: Open Water Diver Instructor Manual, deutsche Fassung vom 06.08.2026 – Kapitelstruktur und Lernziele, Wiederholungsfragen der Kapitel 1 bis 6, Ablauf des Abschlusstests mit Ausgabe, Korrektur, Besprechung und Unterschrift, Verfahren bei nicht bestandener Prüfung, Theorieanforderungen für den Scuba Diver
- SSI: Scuba Training Standards und Verfahren 2026.2, deutsche Fassung vom 20.08.2026 – Mindestpunktzahl von 80 Prozent, Aufsicht und zugelassene Hilfsmittel beim Final Exam, mündliche Durchführung, Sechs- und Zwölf-Monats-Fristen, Zertifizierungsvoraussetzungen des Open Water Diver Programms
- SSI: Open Water Diver – Programmübersicht mit sechs Theorieeinheiten, sechs Pool-Lektionen, vier Freiwassertauchgängen, Mindestalter 10 und maximaler Trainingstiefe 18 Meter

Das Wichtigste steht im Abschnitt zur Nachbesprechung: Eine falsch beantwortete Frage ist kein Makel, sondern der Grund, warum es die Prüfung gibt. Die 102 Wiederholungsfragen vorher wirklich durcharbeiten, dann gibt es am Prüfungstag keine Überraschungen.
Kann ich bestätigen. Die Prüfung sah bei mir aus wie die Wiederholungsfragen, nur ohne Buch daneben.