Open Water Diver

Tauchschülerin übt im flachen Wasser das Ausblasen der Maske, die Ausbilderin schwebt beobachtend daneben.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Der Open Water Diver ist die erste vollwertige Tauchausbildung: das Brevet, mit dem ein Taucher ohne Aufsicht eines Profis mit einem gleichwertig ausgebildeten Partner tauchen darf. International beschrieben ist diese Stufe in der Norm ISO 24801-2 unter dem Namen Autonomous Diver. Nahezu jeder Ausbildungsverband führt ein Programm dieser Stufe, teils unter anderem Namen.

Was die Norm verlangt

ISO 24801-2 beschreibt nicht einen Kurs, sondern ein Mindestergebnis. Nach der Darstellung der englischen Wikipedia regelt sie die Zugangsvoraussetzungen einschließlich Alter und Gesundheit, das verlangte theoretische Wissen zu Gerät und Grundausrüstung, zur Tauchphysik, zur Dekompressionsverwaltung und Tauchgangsplanung, zu medizinischen und psychologischen Problemen des Tauchens, zur Tauchumgebung und zur Verwendung von Nitrox, ferner die geforderten Fertigkeiten in geschütztem und in freiem Wasser, die Rahmenbedingungen der praktischen Ausbildung und die Bewertung von Wissen und Können.

Das europäische Gegenstück ist EN 14153-2. Darunter und darüber liegen zwei weitere Stufen derselben Reihe: ISO 24801-1 als Supervised Diver, der nur unter Aufsicht taucht, und ISO 24801-3 als Dive Leader, die Stufe des Divemasters. Die Ausbilderstufen stehen in der Nachbarreihe ISO 24802 und sind im Eintrag Tauchlehrer ausgeführt.

Was das Brevet erlaubt

Die Berechtigung ist in einem Satz gefasst: eigenständiges Tauchen mit einem Tauchpartner im Freiwasser. Zur Tiefe formuliert die englische Wikipedia zurückhaltend, dass die meisten Ausbildungsorganisationen auf dieser Stufe eine Tiefe von 18 oder 20 Metern nicht empfehlen zu überschreiten. Diese Spanne ist kein Widerspruch, sondern das Ergebnis unterschiedlicher Verbandsregeln — und sie gehört deshalb dem jeweiligen Verband zugeordnet, nicht vermischt.

PADI nennt in seinen Antworten zur Zertifizierung die 40 Meter als Grenze des Sporttauchens insgesamt und hält für den Anfang fest, dass Taucher am Beginn ihrer Laufbahn flacher als etwa 18 Meter bleiben.

CMAS zieht die Linie für den Ein-Stern-Taucher bei einer maximalen Tiefe von 20 Metern im Freiwasser — allerdings ausdrücklich als begleiteten Nullzeittauchgang, in Begleitung eines anderen brevetierten Tauchers mindestens derselben Stufe. Einzelne Länderverbände erlauben höhere Werte.

Wer SSI oder PADI gelernt hat und in einem CMAS-Verein taucht, trifft damit auf eine andere Regel als die, die er im Kurs gehört hat. Das ist kein Formfehler, sondern der Normalfall — ISO 24801-2 gibt den Boden vor, die Obergrenze zieht jeder Verband selbst.

Wie der Kurs aufgebaut ist

Alle Programme dieser Stufe bestehen aus drei Teilen: Theorie, Übungen in geschütztem Wasser — Schwimmbad oder flaches, ruhiges Freiwasser — und Freiwassertauchgänge. Die Zahlen unterscheiden sich je nach Verband.

PADI beschreibt mehrere Einheiten in geschütztem Wasser und vier Freiwassertauchgänge, üblicherweise über zwei Tage verteilt; mit vorgeschaltetem Selbststudium lassen sich die Wasserteile nach eigener Angabe in drei oder vier Tagen absolvieren. PADI betont dabei, dass der Fortschritt an der Leistung gemessen wird und nicht an der Zeit.

Der CMAS-Standard für den Ein-Stern-Taucher führt fünf Freiwassertauchgänge sowie einen Zeitrahmen von 385 Minuten Theorie und 480 Minuten praktischer Unterweisung.

In der Ausbildung sehe ich, dass diese Zahlen weniger aussagen, als sie scheinen. Vier oder fünf Tauchgänge sind ein Minimum, kein Ziel. Wer im kalten See mit Handschuhen und Kopfhaube lernt, braucht für dieselben Fertigkeiten regelmäßig mehr Zeit im Wasser als jemand, der in 27 Grad warmem Wasser über hellem Sand übt — und beide bekommen dasselbe Brevet.

Wie die Brevets der Verbände heißen

Dieselbe Stufe trägt unterschiedliche Namen. Die englische Wikipedia ordnet zu: PADI und SSI führen sie als Open Water Diver, SDI als Open Water Scuba Diver, NAUI als Scuba Diver, BSAC als Ocean Diver, CMAS als Ein-Stern-Taucher. Weitere Verbände wie NASE Worldwide, ProTec, ISC und die Sub-Aqua Association vergeben eigene Bezeichnungen derselben Stufe.

Praktisch heißt das: Ein Brevet dieser Stufe wird weltweit angenommen, gleich welcher Verband es ausgestellt hat. Worauf eine Tauchbasis sieht, ist die Stufe und das Logbuch — also, ob und wann zuletzt getaucht wurde.

Mindestalter und Junior-Brevets

Das Mindestalter ist nicht einheitlich. Die englische Wikipedia nennt für diese Stufe je nach Organisation eine Spanne von 10 bis 18 Jahren. PADI gibt als Mindestalter 10 Jahre in den meisten Regionen an; wer jünger als 15 ist, erhält ein Junior-Brevet, das mit 15 Jahren auf die volle Stufe umgeschrieben werden kann.

Die Junior-Brevets sind mit zusätzlichen Auflagen versehen, die sich nach Alter und Verband unterscheiden. Sie gehören vor der Buchung beim ausbildenden Verband erfragt, weil sie sich auf Tiefe und Begleitung auswirken.

Was das Brevet nicht ist

Ein Brevet verfällt nicht — es bescheinigt eine abgelegte Ausbildung, keine gegenwärtige Fähigkeit. Nach längerer Pause verlangen Tauchbasen deshalb regelmäßig einen Auffrischungskurs oder einen begleiteten Eingewöhnungstauchgang. Das ist keine Schikane: Maskenausblasen und Wechselatmung sind Fertigkeiten, die ohne Übung zuerst verschwinden.

Und die Stufe endet dort, wo die Ausbildung endete. Nitrox, Nachttauchgänge, Strömung, Tieftauchen und Überkopfumgebungen sind Gegenstand eigener Programme. Als Tauchlehrer rate ich, die nächste Stufe nicht am Brevetstapel auszurichten, sondern an dem, was man tatsächlich vorhat.

Wie tief darf ich als Open Water Diver tauchen?
Das hängt vom Verband ab, bei dem das Brevet erworben wurde. Die englische Wikipedia beschreibt für diese Stufe allgemein, dass die meisten Organisationen 18 oder 20 Meter nicht zu überschreiten empfehlen. PADI hält für Anfänger etwa 18 Meter fest, der CMAS-Standard für den Ein-Stern-Taucher nennt 20 Meter im begleiteten Nullzeittauchgang. Maßgeblich ist die Regel des eigenen Verbands — und die des Tauchplatzes.
Ist ein SSI-Brevet so viel wert wie ein PADI-Brevet?
Auf dieser Stufe ja. Beide Programme sind derselben Norm ISO 24801-2 zugeordnet und werden international gegenseitig anerkannt. Unterschiede gibt es im Lernmaterial, im Ablauf und in einzelnen Verbandsregeln, nicht in der Stufe. Der Unterschied, der tatsächlich zählt, ist die ausbildende Tauchschule und die Zeit, die dort im Wasser verbracht wird.
Muss ich den Kurs nach einer Pause wiederholen?
Das Brevet bleibt gültig, es hat kein Ablaufdatum. Tauchbasen verlangen nach längeren Pausen aber häufig einen Auffrischungskurs oder einen ersten Tauchgang in Begleitung — und tun damit das Richtige. Wiederholt wird dabei nicht die ganze Ausbildung, sondern der Teil, der ohne Übung am schnellsten nachlässt: Ausrüstungshandhabung, Maske, Tarierung und die Notfallfertigkeiten.

Quellen

  • Wikipedia (englisch): Autonomous diver — Inhalt und Aufbau von ISO 24801-2, Entsprechung zu EN 14153-2, Einordnung zwischen ISO 24801-1 und -3, Altersspanne 10 bis 18 Jahre, Tiefenempfehlung 18 oder 20 Meter, Zuordnung der Verbandsbrevets.
  • Wikipedia (englisch): Open Water Diver — Namen der Brevets bei PADI, SSI, SDI, NAUI, BSAC und weiteren Verbänden.
  • PADI: Scuba Certification FAQ — Mindestalter 10 Jahre, Junior-Brevet unter 15 Jahren mit Umschreibung ab 15, 40 Meter als Grenze des Sporttauchens, etwa 18 Meter am Anfang, vier Freiwassertauchgänge über üblicherweise zwei Tage, leistungsbezogener Fortschritt.
  • Wikipedia (englisch): CMAS* scuba diver — maximale Tiefe 20 Meter im begleiteten Nullzeittauchgang, Begleitung durch einen brevetierten Taucher mindestens derselben Stufe, fünf Freiwassertauchgänge, 385 Minuten Theorie und 480 Minuten Praxis.

Die Angaben zu ISO 24801-2, EN 14153-2 und zum CMAS-Standard stammen aus enzyklopädischen Beschreibungen dieser Dokumente, nicht aus den Normtexten selbst. Die Zahlen sind deshalb jeweils dem Verband zugeordnet, aus dessen Regelwerk sie stammen, und nicht zu einem einheitlichen Wert zusammengefasst.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.