Gesehen werden: Signalmittel für den Aufstieg und die Oberfläche

Orange Signalboje mit rot-weißer Tauchflagge treibt an der Wasseroberfläche, die Leine läuft schräg unter Wasser weg
Was oben zu sehen ist, entscheidet: Ein Kopf im Wellengang verschwindet, eine Boje nicht. Foto: Maël Balland / Pexels

Signalmittel auf einen Blick

  • Worum es geht: Signalmittel machen einen Taucher an der Oberfläche und beim Aufstieg für Boote und Begleitpersonal sichtbar oder hörbar.
  • Was DAN nennt: Für Strömungstauchgänge führt Divers Alert Network Signalboje und Rolle, dazu Signalspiegel und Pfeife — und einen Riffhaken, wo er gebraucht wird.
  • Die wichtigste Funktion kommt vor dem Auftauchen: Eine vom Sicherheitsstopp aus gesetzte Boje zeigt dem Boot, wo der Taucher gleich erscheinen wird — nicht, wo er schon ist.
  • Warum ein Kopf nicht reicht: Im Wellengang ist ein Taucherkopf aus hundert Metern praktisch nicht auszumachen. Eine aufgestellte Boje ragt anderthalb Meter aus dem Wasser.
  • Optisch und akustisch trennen: Sichtmittel wirken bei Tageslicht und freier Sicht, Schallmittel auch dann, wenn niemand hinsieht. Beides gehört mit.
  • Was nicht mitgeht: Ein Signalmittel, das im Ernstfall erst gesucht werden muss. Der Platz am Gerät wird vorher festgelegt und bleibt gleich.

Es gibt eine Zahl, die man einmal gehört haben sollte, und danach denkt man über Signalmittel anders: Ein Taucherkopf ragt bei ruhigem Wasser etwa zwanzig Zentimeter über die Oberfläche. Bei einem halben Meter Welle liegt er die meiste Zeit darunter.

Wer schon einmal von einem Boot aus nach einem aufgetauchten Taucher gesucht hat, weiß, wie schnell aus „da hinten irgendwo“ ein ernstes Problem wird — besonders, wenn eine Querströmung den Aufstiegspunkt verschoben hat.

Was DAN für Strömungstauchgänge nennt

Divers Alert Network führt für Tauchgänge in Strömung eine kurze, konkrete Ausrüstungsliste: Signalboje mit Rolle, Signalspiegel und Pfeife, dazu einen Riffhaken, wo er zum Verharren gebraucht wird. Für den Aufstieg im Freiwasser empfiehlt DAN, die Boje zu setzen oder eine Aufstiegsleine zu nutzen.

Der Reihe nach — und zwar in der Reihenfolge, in der sie im Ernstfall zum Einsatz kommen.

Die Signalboje: das einzige Mittel, das vorher wirkt

Alle anderen Signalmittel setzt man ein, nachdem man aufgetaucht ist. Die Boje ist das einzige, das schon vorher arbeitet — und darin liegt ihr eigentlicher Wert.

Vom Sicherheitsstopp aus gesetzt, erscheint sie an der Oberfläche, während der Taucher noch auf fünf Metern steht. Für das Boot bedeutet das zweierlei: Es weiß, wo gleich jemand hochkommt, und es weiß, dass dort nicht gefahren werden darf. Ein Taucher, der ohne Boje unter einem fahrenden Boot auftaucht, hat keine zweite Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen.

Aufgestellt ragt eine übliche Boje etwa anderthalb Meter aus dem Wasser und ist in Signalfarbe gehalten. Das ist der Unterschied zwischen „aus hundert Metern kaum zu sehen“ und „aus mehreren hundert Metern erkennbar“.

Die Boje gehört zusammen mit einer Spule oder Rolle geübt, und zwar an Land und im Flachwasser, bevor sie in zwanzig Metern gebraucht wird. Das Setzen aus der Tiefe ist der Handgriff, bei dem am meisten schiefgehen kann: Wer sich die Leine um die Hand wickelt oder in einer Schlaufe verfängt, wird von der aufsteigenden Boje mit nach oben gezogen. Deshalb gilt die Grundregel, dass die Leine niemals am Körper oder am Gerät befestigt wird.

Die Pfeife: das billigste Stück Sicherheit

Eine Signalpfeife kostet ein paar Euro, wiegt nichts und hängt am Inflatorschlauch. Sie trägt weiter als eine Stimme und ermüdet nicht — wer gegen Wind und Motorenlärm ruft, ist nach einer Minute heiser, mit der Pfeife nicht.

Ihr großer Vorteil gegenüber allen optischen Mitteln: Sie funktioniert auch dann, wenn niemand in die richtige Richtung schaut. Optische Signale setzen voraus, dass jemand hinsieht; akustische holen den Blick erst her.

Der Signalspiegel: unterschätzt und wetterabhängig

Ein Spiegel bündelt Sonnenlicht und wirft es gezielt in eine Richtung. Auf große Entfernung ist das eines der wirksamsten Signale überhaupt, und er braucht keine Batterie.

Die Einschränkung liegt auf der Hand und wird trotzdem gern übersehen: Ohne Sonne kein Spiegelsignal. Bei bedecktem Himmel, in der Dämmerung und nachts ist er wertlos. Er ist damit ein Ergänzungsmittel, keine Grundausstattung — und in nordeuropäischen Gewässern deutlich seltener brauchbar als im Roten Meer.

Licht: für die Dämmerung und die Nacht

Für Nachttauchgänge und Tauchgänge in der Dämmerung ersetzt ein Blitz- oder Markierungslicht den Spiegel. Es gehört an eine Stelle, an der es nach oben strahlt und nicht vom Körper verdeckt wird — üblicherweise an die Schulter oder oben an die Boje.

Die Hauptlampe ist dafür nur bedingt geeignet: Ihr enger Lichtkegel ist unter Wasser ein Vorteil und an der Oberfläche ein Nachteil, weil er nur trifft, wohin man ihn hält.

Was ich für die Praxis empfehle

Als Tauchlehrer halte ich es für sinnvoll, die Frage nicht nach Gewässer, sondern nach Szenario zu stellen: Was passiert, wenn ich zweihundert Meter neben dem Boot auftauche?

  • Immer dabei, auch im Baggersee: Pfeife. Sie kostet nichts und stört nicht.
  • Bei jedem Tauchgang vom Boot und bei jedem Tauchgang in Strömung: Boje mit Spule, geübt und griffbereit.
  • Auf offener See und bei starker Strömung zusätzlich: Spiegel bei Sonne, Markierungslicht bei Dämmerung.

Und der Punkt, der über allem steht: Jedes Signalmittel hat einen festen Platz am Gerät, und der ändert sich nicht. Ein Mittel, das man im Ernstfall erst sucht, ist keines. Das gehört in den Buddy-Check — beim letzten Punkt, der Endkontrolle.

Häufige Fragen zu Signalmitteln

Welche Signalmittel brauche ich beim Strömungstauchen?
Divers Alert Network nennt für Strömungstauchgänge Signalboje und Rolle, Signalspiegel und Pfeife; ein Riffhaken kommt hinzu, wo er zum Verharren gebraucht wird. Für den Aufstieg im Freiwasser empfiehlt DAN, die Boje zu setzen oder eine Aufstiegsleine zu nutzen. Praktisch sind Boje und Pfeife die Grundausstattung, Spiegel und Licht die Ergänzung.
Wann setze ich die Signalboje?
Vom Sicherheitsstopp aus, also bevor man auftaucht. Nur dann erfüllt sie ihren eigentlichen Zweck: Sie zeigt dem Boot, wo gleich jemand erscheinen wird, und markiert die Stelle als Bereich, in dem nicht gefahren werden darf. Eine erst an der Oberfläche aufgeblasene Boje ist besser als keine, kommt aber zu spät für die wichtigste ihrer Funktionen.
Darf ich die Bojenleine an mir befestigen?
Nein. Die Leine wird weder am Körper noch am Gerät fixiert und nicht um die Hand gewickelt. Eine aufsteigende Boje entwickelt genug Zug, um einen daran verfangenen Taucher mitzureißen — mit einem unkontrollierten Aufstieg als Folge. Das Setzen aus der Tiefe gehört vorher an Land und im Flachwasser geübt.
Ist ein Signalspiegel sinnvoll oder Spielerei?
Er ist auf große Entfernung sehr wirksam, aber vollständig von der Sonne abhängig. Bei bedecktem Himmel, in der Dämmerung und nachts nützt er nichts. In sonnenreichen Revieren ist er eine gute Ergänzung, in nordeuropäischen Gewässern deutlich seltener brauchbar. Als alleiniges Signalmittel taugt er nirgends.
Reicht meine Tauchlampe als Signal an der Oberfläche?
Nur eingeschränkt. Der enge Lichtkegel einer Hauptlampe ist unter Wasser gewollt und an der Oberfläche hinderlich, weil er nur trifft, wohin man ihn richtet. Für die Oberfläche eignet sich ein Blitz- oder Markierungslicht besser, das rundum abstrahlt und an Schulter oder Boje sitzt.

Siehe auch: Querströmung · Koppelnavigation · Dekompressionsstopp

Quellen und weiterführende Links

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*