Das Atemminutenvolumen — kurz AMV — ist die Gasmenge, die ein Taucher an der Oberfläche in einer Minute atmet, gemessen in Litern. Es ist die einzige Zahl, mit der sich der Luftverbrauch in jeder Tiefe vorausrechnen lässt, und die einzige, die man nicht nachschlagen kann: Sie ist bei jedem anders, und sie ändert sich mit Übung, Kälte und Anstrengung.
Der Rechner
Oben ermittelst du dein AMV aus einem Tauchgang, den du schon gemacht hast. Unten rechnest du damit, wie viel Gas der nächste braucht. Der Planungswert wandert automatisch nach unten — bis du das Feld selbst anfasst, dann bleibt dein Wert stehen.
1 · Das eigene Atemminutenvolumen
Aus einem Tauchgang, den du schon gemacht hast. Je ruhiger und gleichmäßiger der Tauchgang war, desto brauchbarer der Wert.
2 · Gasbedarf für den nächsten Tauchgang
Der Planungswert von oben ist hier voreingetragen. Wer den Verbrauch eines Tauchpartners rechnen will, trägt dessen Wert ein.
Gerechnet wird mit der oben gewählten Wasserart und der mittleren Tiefe. Das ist eine Bedarfsrechnung, keine Tauchgangsplanung: Aufstieg, Sicherheitsstopp, Strömung, Kälte und Anstrengung stehen nicht darin, und der Verbrauch im Zwischenfall ist ein Vielfaches. Die Reserve ist das, was übrig bleiben soll — nicht das, was man noch veratmen darf.
Wie gerechnet wird
Ein Taucher atmet in zehn Metern doppelt so viel Gas wie an der Oberfläche, in zwanzig Metern dreimal so viel. Das ist das Gesetz von Boyle-Mariotte, aus der Perspektive der Atemluft: Das Atemzugvolumen bleibt gleich, aber jeder Zug enthält so viele Gasteilchen, wie der Absolutdruck vorgibt. Deshalb steht der Druck in jeder dieser Formeln.
AMV = (verbrauchter Druck × Flaschenvolumen) ÷ (Absolutdruck × Tauchzeit)
Ein Beispiel, das sich nachrechnen lässt: 140 bar aus einer 12-Liter-Flasche sind 1.680 freie Liter. Bei 45 Minuten auf durchschnittlich 12 Metern — also 2,2 bar — ergibt das 1.680 ÷ (2,2 × 45) = 16,97, gerundet 17 Liter pro Minute. Dieselbe Rechnung führt DAN Europe im Grundkurs zur Gasreserve vor, mit denselben Zahlen.
Rückwärts wird daraus die Bedarfsrechnung:
Gasbedarf = AMV × Absolutdruck × Tauchzeit
17 Liter pro Minute, 30 Minuten auf 20 Metern: 17 × 3 × 30 = 1.530 freie Liter. Aus einer 12-Liter-Flasche sind das 128 bar — dazu die Reserve, die übrig bleiben soll.
Warum aufgerundet wird
Der gemessene AMV wird gerundet wie jeder Messwert. Der Planungswert daneben wird immer aufgerundet: Aus 13,4 Litern pro Minute werden 14. Das ist keine Pedanterie, sondern dieselbe Regel wie bei der maximalen Einsatztiefe, nur andersherum. Eine Obergrenze wird abgerundet, eine Untergrenze aufgerundet — und der Gasbedarf ist eine Untergrenze. Genauso rechnet dieser Rechner: Bedarf und Druck werden aufgerundet, die mögliche Tauchzeit abgerundet.
Der wunde Punkt: die mittlere Tiefe
Die Formel verlangt den durchschnittlichen Absolutdruck, nicht den maximalen. Wer 40 Minuten überwiegend auf 12 Metern war und einmal kurz auf 24 hinunter, rechnet mit 12 Metern, nicht mit 24. Jeder Tauchcomputer zeigt die Durchschnittstiefe im Logbuch an — die gehört ins Feld, sonst kommt ein AMV heraus, das zu hoch ist und jede spätere Planung verzerrt.
Umgekehrt gilt: Wer aus einem Tauchgang mit stark wechselnder Tiefe rechnet, bekommt einen groben Wert. Für ein brauchbares AMV nimmt man einen ruhigen Tauchgang auf einigermaßen gleichbleibender Tiefe — und am besten drei davon, dann sieht man, wie sehr die Zahl schwankt.
Was diese Rechnung nicht ist
Sie sagt, wie viel Gas ein Tauchgang im geplanten Verlauf kostet. Sie sagt nichts darüber, wie viel Gas man mitnehmen sollte. Zwischen beidem liegt alles, was einen Tauchgang von einem Plan unterscheidet:
- Der Aufstieg zählt mit. Zehn Meter pro Minute Aufstieg und drei Minuten Sicherheitsstopp sind aus 20 Metern gut fünf zusätzliche Minuten — bei fallendem Druck, aber nicht umsonst.
- Anstrengung vervielfacht den Verbrauch. Gegen Strömung schwimmen, einen Partner schleppen, eine Boje setzen: Das AMV eines ruhigen Tauchgangs hat damit nichts mehr zu tun.
- Der Zwischenfall verbraucht doppelt. Wer ab Tiefe mit einem Partner aus einer Flasche atmet, plant nicht mehr mit einem AMV, sondern mit zweien — und mit einem erhöhten dazu.
- Die Nullzeit ist die andere Grenze. Auf 30 Metern ist meist sie zuerst erreicht, nicht der Flaschendruck.
Deshalb steht im Rechner ein Reservefeld, und deshalb ist die Voreinstellung 50 bar. Wer nach der Drittelregel taucht — ein Drittel hin, ein Drittel zurück, ein Drittel Reserve —, trägt entsprechend mehr ein. Die Reserve ist das, was am Ende übrig sein soll, nicht das, was man noch veratmen darf.
Was ein gutes AMV ist
Diese Frage kommt in jedem Kurs, und sie hat keine gute Antwort. Grob liegen ruhige Sporttaucher im Bereich von 15 bis 20 Litern pro Minute, aber die Spanne ist groß und hängt an Körpergröße, Kondition, Kälte, Anzug und Tarierung. Wer 25 hat, atmet nicht falsch — er hat vielleicht gefroren oder war gegen Strömung unterwegs.
Interessant ist nicht der absolute Wert, sondern die eigene Reihe: Dasselbe Tauchgebiet, dieselbe Ausrüstung, drei Tauchgänge im Abstand von Monaten. Wenn die Zahl fällt, ist die Tarierung besser geworden. Das ist der einzige Vergleich, der etwas aussagt.
Haftungsausschluss
Dieser Rechner wird ohne Gewähr zur Verfügung gestellt. Eine Haftung für seine Benutzung wird nicht übernommen. Die Verantwortung für die Gasplanung und für jeden Tauchgang liegt allein beim Benutzer.
Quellen
- Alert Diver (DAN Europe), Tim Blömeke: Grundkurs Planung der Gasreserven — Berechnung des AMV — die Formel, das Rechenbeispiel mit 12 l / 140 bar / 45 min / 12 m und die Regel, den Wert aufzurunden
- Taucherpedia: Luftverbrauchsberechnung — Bedarfsformel, Umkehrrechnung zur möglichen Tauchzeit und zur Flaschengröße
