Die maximale Einsatztiefe — englisch Maximum Operating Depth, kurz MOD — ist die größte Tiefe, in der ein bestimmtes Atemgas noch benutzt werden darf, ohne einen festgelegten Sauerstoffpartialdruck zu überschreiten. Sie ist keine Eigenschaft des Tauchers und keine Empfehlung, sondern eine Rechengröße aus Gemisch und Grenzwert. Wer sie überschreitet, riskiert einen Sauerstoffkrampf ohne Vorwarnung.
Die Rechnung
Die MOD folgt unmittelbar aus dem Gesetz von Dalton. SSI führt im Nitrox-Schulungsbuch die Formel
MOD = [10 × (ppO₂ ÷ FO₂)] − 10
Dabei ist ppO₂ der gewählte Grenzwert für den Sauerstoffpartialdruck in bar und FO₂ der Sauerstoffanteil des Gemisches als Dezimalzahl. Die „− 10“ am Ende zieht den Luftdruck wieder ab, denn gerechnet wird zunächst mit dem Absolutdruck.
Bei einem Grenzwert von 1,4 bar ergibt sich:
| Gemisch | zulässiger Absolutdruck | rechnerische Tiefe | maximale Einsatztiefe |
|---|---|---|---|
| Luft (21 % O₂) | 6,67 bar | 56,67 m | 56 m |
| EAN32 | 4,375 bar | 33,75 m | 33 m |
| EAN36 | 3,89 bar | 28,89 m | 28 m |
⚠️ Es wird abgerundet, nie aufgerundet
Das ist der Punkt, an dem in der Praxis die meisten Fehler passieren. Eine maximale Einsatztiefe ist eine Obergrenze. Sie wird auf den nächsten ganzen Meter abgerundet — kaufmännisches Runden ist hier falsch. Aus 33,75 m werden 33 m, nicht 34 m. Aus 28,89 m werden 28 m, nicht 29 m.
SSI sagt das im Schulungsbuch ausdrücklich: Die Tiefenangaben der Äquivalenztiefentabelle seien „auf den nächst niedrigeren, ganzen Zahlenwert abgerundet (d. h. 29 Meter anstatt 29,96 Meter)“. Und zum Fall EAN32 hält SSI fest, die empfohlene Maximaltiefe für 1,4 bar liege „tatsächlich bei knapp unter 34 Metern und nicht bei 33 Metern, wie es in der Tabelle erscheint“ — in der Tabelle steht trotzdem 33 m. Genau so soll es sein.
Der Gegenprobe wegen: Auf 34 Metern liegt der Sauerstoffpartialdruck von EAN32 bereits bei 1,41 bar, auf 57 Metern der von Luft bei 1,41 bar. Beides ist über der Grenze. Die Regel gilt über die MOD hinaus: Obergrenzen werden abgerundet, Untergrenzen — Restdruck, Gasreserve, Stoppzeiten, Oberflächenpause — werden aufgerundet.
Welcher Grenzwert gilt — 1,4 oder 1,6 bar?
Die MOD hängt vollständig davon ab, welchen ppO₂ man einsetzt. Deshalb ist die Angabe einer MOD ohne den zugehörigen Grenzwert wertlos.
| Verband / Norm | Was dort steht |
|---|---|
| SSI | 1,40 bar als „empfohlener Grenzwert für Sporttaucher“, 1,60 bar als „maximaler Grenzwert für Sporttaucher“. Ausdrücklich: „Überschreite niemals absichtlich einen PPO2 von 1,4 bar.“ |
| CMAS | 1,4 bar für das Bodengemisch, 1,6 bar für Nitrox- und Sauerstoffstopps. Nennt für Luft 57 m |
| PADI | gibt für EANx32 eine maximale Tiefe von 34 m / 112 ft an |
| TDI | 1,4 bar als gelehrtes Maximum gegenüber den ursprünglichen 1,6 bar der NOAA für Tauchgänge ohne Arbeitsbelastung |
| ISO 11107:2009 | für Ausbildungstauchgänge mit Nitrox: „the maximum PO2 shall not exceed 160 kPa (1,6 bar)“. Eine Tiefengrenze enthält die Norm nicht |
| DAN | „The recreational scuba community generally recommends a maximum oxygen partial pressure of 1.4 ATA“; nennt für EAN32 112 ft und für EAN36 95 ft |
Was der Unterschied ausmacht, zeigt TDI an den beiden ursprünglichen NOAA-Gemischen: Bei 1,6 bar hat EAN32 eine MOD von 40 m / 132 ft und EAN36 von 34 m / 113 ft. Gegenüber den 33 beziehungsweise 28 Metern bei 1,4 bar sind das sieben und sechs Meter mehr — und das bei einem Gas, dessen Toxizität nach DAN unberechenbar bleibt. In meiner eigenen Praxis plane ich mit 1,4 bar und behalte 1,6 bar für den Dekostopp.
Warum die Werte in fremden Tabellen abweichen
Wer nachschlägt, findet für dieselben Gemische unterschiedliche Zahlen. Die Gründe sind harmlos, aber man muss sie kennen: Ein Teil der veröffentlichten Werte ist aus dem Imperialen umgerechnet — 112 ft sind 34,14 m, 95 ft sind 28,96 m —, ein anderer Teil ist gerundet worden, statt abzurunden. CMAS führt für Luft 57 m, PADI für EANx32 34 m; die eigene Rechnung ergibt 56 und 33 m. Im Zweifel gilt der kleinere Wert.
Die MOD ist nicht die einzige Tiefengrenze
Ein häufiges Missverständnis im Nitroxkurs: Die MOD sagt nur, ab wann der Sauerstoff gefährlich wird. Sie sagt nichts über alles Weitere, das eine Tiefe begrenzt.
- Ausbildungsgrenzen. Sie liegen fast immer unter der rechnerischen MOD — und sie sind etwas anderes als eine Gasgrenze. SSI nennt für sein Nitroxprogramm eine maximale Trainingstiefe von 30 Metern und zertifiziert für Gemische bis 40 Prozent Sauerstoff. Das ist die Tiefe, in der die Ausbildungstauchgänge stattfinden, und keine Schranke, die dem Taucher danach anhängt: Wie tief er gehen darf, entscheidet seine Grundzertifizierung — ISO 24801-2 empfiehlt dem Autonomous Diver „a recommended maximum depth of 20 m“. TDI nennt für Advanced Nitrox EAN 21 bis EAN 100 bei maximal 40 Metern. ISO 11107 selbst enthält keine Tiefenangabe; die Norm regelt, was ein Nitroxtaucher können muss, nicht wie tief er darf.
- Stickstoffnarkose. CMAS beschreibt sie mit Luft als „progressiv ab 35–60 m, ohne Schwelleneffekt, systematisch jenseits 60 m“. Nitrox verschiebt diese Grenze nicht verlässlich — Sauerstoff wirkt selbst narkotisch.
- Gasdichte. CMAS nennt 9 g/l als Obergrenze, um Atemwiderstand und CO₂-Rückhaltung zu vermeiden; mit Luft entspricht das etwa 60 Metern.
- Sauerstoffbelastung über die Zeit. Die MOD ist ein Momentanwert. Daneben stehen die CNS-Uhr und die OTU. Nach den NOAA-Einwirkzeiten, die SSI als die im Sporttauchbereich üblichen führt, sind bei 1,4 bar 150 Minuten je Einzeltauchgang und 180 Minuten je 24 Stunden vorgesehen.
- Nullzeit und Dekompression. Die Nullzeit begrenzt den Aufenthalt lange bevor die MOD erreicht ist.
Und eine praktische Selbstverständlichkeit, die trotzdem gesagt gehört: Eine MOD gilt für das Gas, das tatsächlich in der Flasche ist. Sie wird nach der eigenen Analyse berechnet, nicht nach dem Aufkleber — siehe Nitrox.
Quellen
- SSI, Enriched Air Nitrox, Schulungsbuch SC-EAN, deutsche Ausgabe 2023 — MOD-Formel, die Grenzwerte 1,40 und 1,60 bar, die Abrundungsregel im Wortlaut, NOAA-Einwirkzeiten. Kursmaterial, nicht öffentlich verlinkbar
- CMAS Fact Sheet: Max Depth — 1,4 / 1,6 bar, 57 m für Luft, Narkose ab 35–60 m, Gasdichte 9 g/l
- ISO 11107:2009, Leseprobe (PDF) — der verbandsübergreifende Grenzwert von 160 kPa im Ausbildungstauchgang. Die Norm umfasst fünf Seiten und nennt keine Tiefe; Stand der Ausgabe 2009, zuletzt 2026 bestätigt
- TDI: Calculating Gas Mixes — 1,4 bar gegenüber 1,6 bar der NOAA, MOD von EAN32 und EAN36 bei 1,6 bar
- PADI: What Is Nitrox? — 34 m / 112 ft für EANx32
- DAN: Nitrox — 1,4 ATA als allgemeine Empfehlung, MOD in Fuß
- DAN: Oxygen Toxicity — die Staffelung 1,4 / 1,6 ata und die Unberechenbarkeit der Sauerstofftoxizität
- SSI: Enriched Air Nitrox 40 — Programmseite — maximale Trainingstiefe 30 m, Zertifizierung für 32 und 40 Prozent Sauerstoff. Die vollständigen Ausbildungsstandards liegen im SSI Education & Media System und sind nur nach Anmeldung einsehbar
