PADI (Professional Association of Diving Instructors) und SSI (Scuba Schools International) sind die beiden größten Ausbildungsorganisationen im Sporttauchen. Beide bilden nach denselben internationalen Normen aus, beide Brevets werden weltweit anerkannt, und beide führen vom Einsteigerkurs bis zur Instructor-Ausbildung. Bei PADI vs SSI liegen die Unterschiede nicht in der Sicherheit, sondern im Lernsystem, in der Preisgestaltung und darin, wie viel Spielraum der Tauchlehrer hat.
Was bei beiden gleich ist
Der wichtigste Punkt zuerst, weil er in Foren regelmäßig zerredet wird: Ein Open Water Diver ist ein Open Water Diver. Beide Organisationen richten ihren Einsteigerkurs an der Norm ISO 24801-2 aus, beide Karten werden an jeder Basis der Welt akzeptiert, und ein SSI-Taucher darf bei einer PADI-Basis genauso tauchen wie umgekehrt. Es gibt keinen rechtlichen und keinen sicherheitsrelevanten Unterschied zwischen den Scheinen.
Auch der Aufbau gleicht sich: Theorie, Übungen im Pool oder begrenzten Freiwasser, dann Freiwassertauchgänge, am Ende eine Abschlussprüfung. Die empfohlene Tiefengrenze nach dem Einsteigerkurs liegt bei beiden bei achtzehn Metern.
Der Einsteigerkurs im Detail
Für SSI lässt sich das genau beziffern, weil der Programmstandard öffentlich zitierbar ist. Der Open Water Diver verlangt dort mindestens vier Freiwasser-Ausbildungstauchgänge mit einer Gesamtgrundzeit von mindestens achtzig Minuten, die gesamte Theorie samt Bewertung und den bestandenen Abschlusstest. Die ersten beiden Tauchgänge gehen höchstens auf zwölf Meter, die übrigen auf achtzehn. Als Kursdauer nennt SSI sechzehn bis zweiunddreißig Stunden.
Dazu kommen Fristen, die man kennen sollte: Die Freiwassertauchgänge müssen innerhalb von sechs Monaten nach der letzten Theorie- oder Wasserlektion abgeschlossen sein. Wer länger als zwölf Monate nichts gemacht hat, muss vorher ein Scuba Skills Update absolvieren. Und es sind höchstens drei Ausbildungstauchgänge pro Tag erlaubt.
Wo die Systeme sich wirklich unterscheiden
Die SSI Flexibility Rule
SSI hat für die Freiheit des Tauchlehrers einen eigenen Begriff und schreibt ihn in die allgemeinen Standards. Die SSI Flexibility Rule besagt, dass jeder SSI Professional seinen eigenen Unterrichtsstil und Kursablauf entwickeln darf — einschließlich der Anzahl und Reihenfolge der Theorielektionen, der Lektionen im Pool und der Reihenfolge der Fertigkeiten. Was der Schüler am Ende können muss, ist festgelegt; der Weg dorthin nicht.
PADI arbeitet stärker mit festgelegten Abläufen.
Ob Flexibilität ein Vorteil ist, hängt vom Ausbilder ab. Bei einem guten führt sie zu einer Ausbildung, die sich an Bedingungen und Können anpasst. Bei einem schlechten fällt weniger auf, wenn etwas übersprungen wird.
Prüfungen
Man liest oft, bei SSI gebe es „keine Prüfungen“. Das ist ungenau. Kapitelweise Lernkontrollen wie bei PADI kennt SSI nicht, aber der Standard verlangt ausdrücklich: „Bestehe den Open Water Diver Abschlusstest.“ Auch die Specialty-Programme haben ein Final Exam, und der Advanced Open Water Diver verlangt „akademische Lektionen und Prüfungen“.
Nachholen von Übungen
Der SSI-Standard hält fest: Schüler, die eine Fertigkeit während eines Ausbildungstauchgangs nicht erfolgreich abschließen, können sie bei einem späteren Tauchgang nachholen.
Digitales
SSI setzt vollständig auf die MySSI-App: Lernmaterial, Logbuch und Brevets liegen dort digital, ein verlorenes Brevet lässt sich jederzeit erneut abrufen. Bei PADI sind eLearning und Karten je nach Paket teils separat zu bezahlen. Das ist der Punkt, an dem der Kostenunterschied entsteht — nicht am Kurspreis selbst.
Was der Tauchschein kostet
Preise geben weder PADI noch SSI vor — jede Schule kalkuliert selbst. Eine Stichprobe bei größeren Tauchschulen in Berlin, München, Köln und Düsseldorf ergibt im September 2026 dieses Bild:
| Kurs | Gruppenkurs | Einzelunterricht |
|---|---|---|
| Open Water Diver | rund 460 bis 690 € | ab etwa 690 € |
| Advanced Open Water Diver | rund 370 bis 590 € | 550 bis 1.000 € |
| Einsteigerstufe darunter (Scuba Diver, Basic Diver) | um 400 € | — |
Die Spanne kommt weniger vom Verband als vom Format. Big Blue Berlin verlangt für den SSI Open Water Diver 459 Euro in der Gruppe und 689 Euro als VIP-Kurs mit Einzelbetreuung; DIVESPORT München nimmt für den Open Water Diver 690 Euro. Beim Advanced liegt BlueMarlin Köln bei 499 Euro im Gruppenkurs und 999 Euro für das Privatformat mit freier Terminwahl.
Worauf beim Vergleichen zu achten ist: Leihausrüstung, Flaschenfüllungen und Lernzugang sind meist enthalten, der Gewässereintritt oft nicht — bei externen Tauchgewässern kommen sechs bis zwanzig Euro vor Ort dazu. Die gedruckte Brevetkarte kostet zwischen zwanzig und dreißig Euro extra; digital ist sie im Preis. Bei PADI-Angeboten ist das eLearning-Manual teilweise ausdrücklich nicht eingeschlossen.
Verbreitung: im Urlaub und zuhause
In den klassischen Urlaubsregionen — Ägypten, Thailand, Indonesien — findest du beide Systeme, PADI in der Breite häufiger. Wer spontan vor Ort bucht, hat mit PADI statistisch die größere Auswahl. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist SSI dagegen stark vertreten, besonders bei Tauchschulen mit Vereinsanbindung.
Praktisch relevanter als der Verband ist ohnehin etwas anderes: Wo machst du die vier Freiwassertauchgänge? Wer sie im heimischen See macht, taucht danach in trübem, kaltem Wasser souveräner als jemand, der sie bei dreißig Metern Sicht im Roten Meer gesammelt hat. Umgekehrt macht ein Urlaubskurs mehr Freude. Diese Entscheidung wiegt schwerer als PADI gegen SSI.
Wechseln und mischen
Der Wechsel zwischen den Systemen ist ausdrücklich vorgesehen. Der SSI-Standard erlaubt, ein Specialty einer anderen anerkannten Organisation auf die Anerkennungsstufe Specialty Diver anzurechnen und zwei auf die höheren Stufen. Für den Advanced Open Water Diver können bis zu zwei Adventure Dives einer anderen Organisation angerechnet werden, sofern SSI die Ausbildung als gleichwertig bestätigt. Voraussetzung ist jeweils, dass das Training Center die fremde Zertifizierung in MySSI einträgt und der Nachweis im Logbuch bestätigt ist.
Man kann also mit PADI anfangen, bei SSI weitermachen und später wieder wechseln, ohne etwas zu verlieren.
Was ich Einsteigern rate
Such nicht den Verband aus, sondern den Menschen. Der Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Tauchlehrer ist um ein Vielfaches größer als der zwischen PADI und SSI — und er entscheidet darüber, ob du nach dem Kurs sicher tarierst oder nur ein Brevet in der Tasche hast.
Konkret würde ich vor der Buchung drei Dinge fragen: Wie viele Schüler kommen auf einen Ausbilder? Wo finden die Freiwassertauchgänge statt? Und was ist im Preis wirklich enthalten — besonders Gewässereintritt und Karte. Wer darauf klare Antworten bekommt, hat die richtige Schule gefunden, egal welches Logo an der Tür klebt.
Häufige Fragen zu PADI und SSI
Siehe auch: Tauchen für Anfänger · Tauchkurs im Urlaub oder zuhause · SSI Advanced Open Water Diver · PADI AOWD und SSI AOWD im Vergleich · Ab wann darf man in Deutschland tauchen
Quellen
- SSI: Scuba Training Standards und Verfahren — Programmstandard Open Water Diver, SSI Flexibility Rule, Fristen, Anrechnung. Nicht frei im Netz abrufbar, Bezug über SSI
- Scuba Schools International und PADI — Kursübersichten
- Preisstichprobe: Big Blue Berlin · DIVESPORT München · Tauchsport BlueMarlin Köln · Underwater No.1 Düsseldorf
Infografik: PADI und SSI im Vergleich


Hinterlasse jetzt einen Kommentar