Dekoflasche

Aluminium-Tauchflasche als Dekoflasche aufgeriggt, mit Nylongurt und zwei Edelstahl-Karabinerhaken.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Eine Dekoflasche ist eine zusätzlich mitgeführte Tauchflasche, die das sauerstoffreiche Gas für die Dekompressionsstopps eines Tauchgangs enthält. Sie gehört zum technischen Tauchen und unterscheidet sich von einer Stage- oder Bailoutflasche nicht durch das Gerät, sondern durch den Zweck. Genau deshalb werden die drei Begriffe im Alltag ständig verwechselt.

Drei Begriffe, oft dasselbe Gerät

DAN stellt die drei nebeneinander und sagt deutlich, dass sie baulich identisch sein können — Nutzung und erforderliche Ausbildung unterscheiden sich dagegen stark:

  • Dekoflasche (decompression cylinder): trägt das Gas für die gestuften Dekompressionsstopps in vorgegebenen Tiefen.
  • Stageflasche: dient der größeren Eindringtiefe in Overhead-Umgebungen — Höhle, Wrack, Mine. Sie wird an vorher festgelegten Punkten deponiert und auf dem Rückweg wieder aufgenommen.
  • Bailoutflasche: Notgas für den Fall, dass ein Kreislaufgerät ausfällt und auf offenen Kreislauf gewechselt werden muss.

Dass die Begriffe sauber benutzt werden, ist nach DAN kein Sprachpurismus, sondern Teamsicherheit: Im Wasser muss jeder wissen, welche Flasche gemeint ist. Zum Rahmen siehe Technisches Tauchen.

Größen und Werkstoff

Am häufigsten ist nach DAN der Aluminiumzylinder mit 80 cuft, das entspricht rund 11,1 Litern. Für Dekompression und Bailout werden gelegentlich 40 cuft (5,7 Liter) genommen, als Stageflasche auch 72 cuft (10 Liter). Stahl kommt nach DAN wegen seines negativen Auftriebs selten zum Einsatz. Wer eine Dekoflasche am Geschirr trägt, muss sie mit austarieren — und ihr Auftrieb ändert sich, während ihr Inhalt abnimmt.

Das Gas und seine Tiefengrenze

Eine Dekoflasche enthält nach DAN meist ein Gemisch mit mehr als 40 Prozent Sauerstoff; bei langen, tiefen Tauchgängen können mehrere Mischungen nötig sein. Daraus folgt die wichtigste Zahl am ganzen Gerät: die maximale Einsatztiefe. TDI gibt sie mit MOD = 10 m × (ppO₂ ÷ FO₂ − 1) an und rechnet als Beispiel 36 Prozent Sauerstoff bei einem zulässigen Sauerstoffpartialdruck von 1,4 bar auf rund 28,9 Meter. In der Praxis wird dieser Wert abgerundet — bei einer Obergrenze rundet man nie zu den eigenen Gunsten, also auf 28 Meter. Zur Wahl des Gemisches siehe Best Mix, zum Wechsel darauf Gaswechsel und Deko-Gas. Ab welchem Sauerstoffanteil Flasche und Ventil sauerstoffgereinigt sein müssen, behandelt der Eintrag Sauerstoffreinigung.

Kennzeichnung

TDI beschreibt eine zweiteilige Kennzeichnung. Die erste ist die Banderole: ein etwa zehn bis dreizehn Zentimeter breiter Aufkleber, der die Flasche vollständig umläuft, meist gelb und grün, mit dem Schriftzug „Enriched Air“ oder „Nitrox“. Sie dient dem schnellen Erkennen in einer Gruppe von Flaschen. Die zweite ist das Inhaltsetikett, auf das nach TDI mindestens gehören:

  • der Sauerstoffgehalt,
  • die maximale Einsatztiefe für dieses Gas,
  • Name oder Initialen der Person, die analysiert hat,
  • das Datum der Analyse.

TDI weist darauf hin, dass einzelne Länder abweichende Etiketten vorschreiben. Die Analyse selbst ist Sache des Tauchers, der die Flasche atmet — siehe Nitrox.

Rigging

Das Rigging ist die Ausrüstung, mit der die Flasche am Jacket oder Geschirr befestigt wird. SSI beschreibt es so: Ein Nylongurt läuft über den Flaschenhals nahezu über die gesamte Länge und wird unten mit einem Edelstahlband nahe dem Flaschenboden fixiert. Er muss straff anliegen, ohne sich zu wölben, und trägt oben und unten je einen Karabinerhaken. Diese beiden Haken verhindern, dass sich die Flasche im Wasser dreht. Der Gurt wird so angebracht, dass er zum Ventilausgang zeigt; der Regler weist dann beim Tragen zum Körper. Elastische Schlauchhalter halten den Mitteldruckschlauch an der Flasche, und ein kurzer Hochdruckschlauch von etwa fünfzehn Zentimetern zum Finimeter erlaubt das Ablesen, ohne die Flasche zu drehen. Zum Ventil selbst siehe Flaschenventil, zum Atemregler Atemregler.

Handhabung unter Wasser

Im Freiwasser wird die Dekoflasche nach DAN meist während des gesamten Tauchgangs mitgeführt und erst geatmet, wenn der Aufstieg die maximale Einsatztiefe dieses Gases erreicht hat. Abgelegt wird sie möglichst nicht, damit jederzeit ein Aufstieg möglich bleibt. In Höhlen wird sie dagegen oft am Einstieg deponiert und für den Ausstieg genutzt. Ein Taucher kann mehrere Typen gleichzeitig tragen — Stage- und Dekoflasche beim selben Höhlentauchgang etwa.

Aus der Ausbildung

Als Tauchlehrer predige ich an der Dekoflasche zwei Dinge. Erstens: Der Gaswechsel ist eine Teamhandlung, keine Einzelleistung — Flasche zeigen, Etikett lesen lassen, Tiefe bestätigen, dann wechseln. Zweitens: Eine Dekoflasche, die man in zehn Metern Tiefe nicht findet, weil sie hinter der Schulter hängt, ist keine Reserve. Das Rigging gehört an Land eingestellt und im Flachwasser geübt, nicht am Deko-Stopp. Wer mit Sidemount oder einem Doppelgerät unterwegs ist, hat dafür unterschiedliche Lösungen; welche gilt, legt das Team vor dem Tauchgang fest.

Quellen

Zur Quellenlage: Für Deko- und Stageflaschen gibt es weder eine Norm noch einen verbandsübergreifenden Standard; alle Angaben zu Größen, Gurten und Handhabung geben die Praxis der jeweiligen Organisation wieder. Die Millimeterangaben des SSI-Artikels zur Position der beiden Karabiner sind hier nicht übernommen, weil sie sich auf ein bestimmtes Rigging beziehen. Die Umrechnungen von cuft in Liter stammen aus dem DAN-Artikel selbst.

Was ist der Unterschied zwischen einer Dekoflasche und einer Stageflasche?
Der Zweck, nicht das Gerät. Nach DAN können beide baulich identisch sein. Die Dekoflasche trägt das Gas für die Dekompressionsstopps und bleibt im Freiwasser möglichst am Taucher; die Stageflasche verlängert die Eindringstrecke in Höhle oder Wrack und wird unterwegs deponiert und auf dem Rückweg wieder aufgenommen.
Warum Aluminium und nicht Stahl?
Wegen des Auftriebs. DAN nennt Aluminium als den Regelfall und Stahl als Ausnahme, weil Stahlflaschen negativen Auftrieb haben. Eine zusätzlich mitgeführte Flasche muss mit austariert werden; je schwerer sie im Wasser liegt, desto mehr Auftrieb muss der Taucher anderweitig erzeugen.
Was muss auf dem Etikett einer Dekoflasche stehen?
Nach TDI mindestens der Sauerstoffgehalt, die maximale Einsatztiefe für dieses Gas, Name oder Initialen der analysierenden Person und das Datum der Analyse. Dazu kommt die umlaufende Banderole, an der eine mit Nitrox gefüllte Flasche schon von Weitem zu erkennen ist. Einzelne Länder schreiben abweichende Etiketten vor.
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.