Auftrieb ist die Kraft, die einen Körper im Wasser nach oben trägt. Sie entsteht dadurch, dass der Körper Wasser verdrängt, und sie entscheidet in jedem Moment des Tauchgangs darüber, ob man sinkt, schwebt oder steigt. Der Tauchsport unterscheidet drei Zustände — und beherrscht wird nur der mittlere.
Die drei Zustände
Das SSI-Schulungsbuch Science of Diving beschreibt sie so:
- Neutraler Auftrieb. Der Körper steigt nicht und sinkt nicht, sondern bleibt in der Tiefe, in die er gebracht wurde. Er schwebt.
- Negativer Auftrieb. Der Körper sinkt, sobald er ins Wasser kommt.
- Positiver Auftrieb. Der Körper steigt zur Oberfläche — gleichgültig, in welcher Tiefe er losgelassen wird.
Welcher der drei Fälle eintritt, entscheidet der Vergleich zweier Dichten: Ist der Körper dichter als das Wasser, sinkt er. Ist er weniger dicht, steigt er. Bei gleicher Dichte schwebt er. Die Rechnung dahinter steht im Prinzip des Archimedes.
Warum Auftrieb sich während des Tauchgangs ändert
Ein Taucher ist kein starrer Körper — er trägt mehrere Auftriebskörper mit sich, und alle verändern sich. Das ist der Grund, warum Tarieren eine ständige Aufgabe ist und nicht eine Einstellung, die man einmal vornimmt.
Der Anzug. Neopren enthält Gasbläschen. Nach dem Gesetz von Boyle-Mariotte werden sie mit dem Druck zusammengedrückt — auf zehn Metern auf die Hälfte, auf dreißig Metern auf ein Viertel. Der Anzug verliert damit Volumen und Auftrieb, und zwar in den ersten zehn Metern am stärksten. Genau dort ist die Tarierung deshalb am schwersten zu halten.
Das Tariersystem. Das Tarierjacket ist das Gegenstück: Luft hinein gleicht den Verlust aus, Luft heraus verhindert, dass der Aufstieg außer Kontrolle gerät. Beim Aufsteigen dehnt sich diese Luft aus — wer nichts ablässt, wird immer schneller.
Die Flasche. Sie wird während des Tauchgangs leichter. Luft wiegt 1,293 Gramm je Liter; aus einer 12-Liter-Flasche verschwinden zwischen 200 und 50 bar rund 2,3 Kilogramm. Dieser Auftriebsgewinn kommt am Ende des Tauchgangs, am Sicherheitsstopp, wo man ihn am wenigsten brauchen kann.
Salzwasser und Süßwasser
Salzwasser hat eine Dichte von 1,025 kg je Liter, Süßwasser 1,000. Wer 80 Liter verdrängt, erfährt im Meer also rund zwei Kilogramm mehr Auftrieb als im Baggersee und braucht dort entsprechend mehr Blei. Als Tauchlehrer erlebe ich das regelmäßig als ersten Stolperstein einer Reise: Dieselbe Ausrüstung, dasselbe Blei, und plötzlich geht der Taucher nicht mehr runter.
Der Bleicheck gehört ans Ende
Aus den drei beweglichen Größen folgt eine einfache Regel: Die Bleimenge wird nicht für den Anfang des Tauchgangs bemessen, sondern für sein Ende. Wer mit voller Flasche gerade eben abtaucht, hat mit Reservedruck am Sicherheitsstopp zu wenig Blei — und steht dann vor der Wahl, entweder aufzusteigen oder sich festzuhalten. Der Check erfolgt deshalb mit Reservedruck in der Flasche, leerem Jacket und normaler Atmung: Bei ausgeatmeter Luft sollte man langsam sinken, bei eingeatmeter langsam steigen.
Quellen
- SSI, Science of Diving, Schulungsbuch SC-SOD, deutsche Ausgabe, © SSI International GmbH, 09.02.2024, Kapitel 1 „Tauchphysik“, Abschnitte „Tarierung“, „Das Prinzip des Archimedes“ und „Das Gesetz von Boyle – Die praktische Anwendung“ — die drei Auftriebszustände, die Dichtewerte, die Druckverdopplung in den ersten zehn Metern und das Gewicht der Atemluft. Nicht frei im Netz; erhältlich über MySSI beziehungsweise das Training Center
