Neopren

Makroaufnahme der Schnittkante einer Neoprenplatte mit sichtbarer geschlossenzelliger Schaumstruktur.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Neopren ist der geläufige Name für Chloropren-Kautschuk, einen Synthesekautschuk, der in geschäumter Form das Grundmaterial der meisten Tauchanzüge ist. Für den Taucher zählt nicht der Kautschuk selbst, sondern die Gasbläschen darin: Sie leisten die Wärmedämmung, sie erzeugen den Auftrieb, und sie sind es, die mit der Tiefe zusammengedrückt werden.

Ein Handelsname, der zur Gattungsbezeichnung wurde

Chemisch handelt es sich um Polychloropren, hergestellt durch Polymerisation von 2-Chlor-1,3-butadien. Das Kurzzeichen nach ISO 1043 lautet CR. Das US-amerikanische Unternehmen DuPont brachte das Polymer 1932 zunächst unter dem Namen „Duprene“ und 1938 als „Neoprene“ auf den Markt. Im Deutschen hat sich der Markenname als Gattungsbezeichnung durchgesetzt; fachlich richtig wäre Chloropren-Kautschuk, praktisch sagt das niemand.

Geschäumt und kompakt sind zwei verschiedene Werkstoffe

Als kompaktes Material taugt Chloropren-Kautschuk zu ganz anderen Dingen: zu Schläuchen, Kabelummantelungen, Dichtungen, Profilen und Antriebsriemen, überwiegend im Fahrzeugbau. Die Eigenschaften, die dort zählen, sind chemische Beständigkeit, Widerstandsfähigkeit gegen Versprödung, Witterung und Ozon sowie Flammwidrigkeit. Der thermische Anwendungsbereich liegt je nach Mischung bei etwa −45 °C bis +100 °C.

Für den Tauchanzug wird derselbe Kautschuk aufgeschäumt. Dabei entstehen viele kleine, gleichmäßig verteilte Gasbläschen, die voneinander getrennt bleiben — die geschlossenzellige Struktur. Sie nimmt kein Wasser auf und gibt dem Material seine Dämmwirkung: Nicht der Gummi isoliert, sondern das Gas, das er einschließt.

Die Dicke in Millimetern

Neopren für Tauchanzüge wird nach seiner Stärke bezeichnet. Übliche Werte liegen zwischen 2,5 und 8 mm, bei Trockenanzügen aus klassischem Neopren meist bei 7 mm. Mehr Material heißt mehr eingeschlossenes Gas und damit mehr Dämmung — zugleich aber mehr Steifigkeit und mehr Auftrieb. Diese drei Größen lassen sich nicht gemeinsam verbessern; jede Anzugstärke ist ein Kompromiss zwischen ihnen. Welche Stärke zu welcher Wassertemperatur gehört, steht beim Tauchanzug.

Was die Tiefe mit dem Material macht

Geschäumtes Neopren ist der einzige Ausrüstungsgegenstand am Taucher, dessen Wärmeschutz sich während des Tauchgangs ändert. Unter Druck werden die Gasbläschen zusammengedrückt: In zehn Metern herrscht der doppelte, in zwanzig der dreifache Umgebungsdruck — siehe Gesetz von Boyle-Mariotte. Das Material wird dünner, dämmt schlechter und trägt weniger.

Beides trifft zusammen mit der Tiefe ein, in der das Wasser ohnehin kälter ist. Für die Tarierung folgt daraus die Regel, dass jeder Wechsel der Anzugstärke einen neuen Bleicheck verlangt: Der Auftrieb an der Oberfläche und der Auftrieb auf Tiefe sind zwei verschiedene Zahlen.

Für Trockenanzüge gibt es deshalb vorkomprimiertes Neopren, das unter Hitze und Druck zusammengepresst wurde. Es erzeugt weniger Auftrieb als klassisches Neopren, isoliert dafür schlechter. Das Gegenstück ohne jede Eigenisolation ist das Trilaminat.

Alterung

Der Schaum verliert mit der Zeit an Elastizität — durch die wiederholte Kompression auf Tiefe, durch UV-Licht und durch Salzreste, die im Material bleiben. Ein Anzug, der nach dem Tauchgang ausgespült, im Schatten auf einem breiten Bügel getrocknet und ohne Knick gelagert wird, hält deutlich länger als einer, der nass im Sack bleibt. Ein belastbarer Zahlenwert für die Lebensdauer lässt sich nicht angeben; sie hängt an der Zahl der Tauchgänge und an der Behandlung, nicht am Kaufdatum.

Wie der fertige Anzug aus diesem Material wärmt, welche Missverständnisse sich darum ranken und worauf es beim Sitz ankommt, steht unter Neoprenanzug.

Quellen

  • Wikipedia: Chloropren-Kautschuk — Kurzzeichen CR nach ISO 1043, Monomer 2-Chlor-1,3-butadien, DuPont mit „Duprene“ 1932 und „Neoprene“ 1938, Beständigkeiten und Temperaturbereich −45 °C bis +100 °C, gleichmäßig verteilte Gasbläschen im geschäumten Material, Verwendungen im Fahrzeugbau. Wiki-Quelle.
  • Tauchen: Kaufberatung Trockentauchanzug — klassisches Neopren mit 7 mm, vorkomprimiertes Neopren mit 4 mm und deren Auftriebs- und Isolationsverhalten.
  • Wikipedia: Tauchanzug — Materialstärken von 2,5 bis 8 mm, Verdichtung des Neoprens mit zunehmendem Wasserdruck, Zusammenhang von Dicke und statischem Auftrieb. Wiki-Quelle.
Warum heißt das Material Neopren, wenn es Chloropren-Kautschuk ist?
„Neoprene“ war der Handelsname, unter dem DuPont das Polymer ab 1938 verkaufte; davor hieß es „Duprene“. Wie bei anderen erfolgreichen Marken ist der Name zur Gattungsbezeichnung geworden. Das Kurzzeichen der Norm lautet CR, und unter dieser Bezeichnung findet man das Material in technischen Datenblättern außerhalb des Tauchsports.
Nimmt Neopren Wasser auf?
Der geschäumte Werkstoff nicht, weil die Gasbläschen gegeneinander abgeschlossen sind. Wasser gelangt in den Anzug, nicht in das Material — an Hals, Handgelenken, Fußgelenken und am Reißverschluss. Anders liegt es an Schnittkanten und Beschädigungen, wo die Zellen geöffnet sind.
Warum wärmt derselbe Anzug auf Tiefe schlechter?
Weil das Gas zusammengedrückt wird. In zehn Metern herrscht der doppelte Umgebungsdruck, in zwanzig der dreifache; das Material wird entsprechend dünner. Mit der Dämmung geht zugleich der Auftrieb zurück — dieselbe Ursache, zwei Wirkungen, die sich beide erst unter Wasser zeigen.