Der Divemaster ist die erste berufliche Stufe der Tauchausbildung: ein Taucher, der eine Gruppe brevetierter Taucher selbständig führen und einen Tauchlehrer im Kurs unterstützen darf, aber selbst nicht ausbildet. International ist diese Stufe als „Dive Leader“ in der ISO 24801-3 beschrieben; die Verbände füllen sie unter eigenen Namen und mit unterschiedlichen Grenzen aus.
Was die Norm verlangt
Die ISO 24801-3 und die europäische Norm EN 14153-3 legen Mindestanforderungen an Ausbildung und Brevetierung dieser Stufe fest. Das Kernrecht ist nach der Darstellung der deutschsprachigen Wikipedia das selbständige Führen einer Gruppe ausgebildeter Taucher im offenen Wasser. Die Tiefengrenze ist dabei nicht Teil des Kerns: Die meisten Organisationen empfehlen 30 bis 40 Meter, einzelne lassen mehr zu.
Wichtig ist die Abgrenzung nach oben. Die Norm beschreibt einen Gruppenführer, keinen Ausbilder. Wer selbst Kurse leiten will, braucht die nächste Stufe — auf dem Weg über die Instructor-Programme der Verbände oder über die CMAS-Tauchlehrergrade.
SSI: Divemaster und Dive Guide
SSI führt das Programm ausdrücklich unter dem Titel „Divemaster (ISO 24801-3)“. Nach den veröffentlichten Ausbildungsstandards gilt ein Mindestalter von 18 Jahren. Vor dem Einstieg verlangt SSI die Zertifizierung Diver Stress & Rescue sowie Tieftauchen, Navigation und Nacht- beziehungsweise Tauchen mit eingeschränkter Sicht — entweder als Brevet oder über jeweils fünf geloggte Tauchgänge. Der Einstieg setzt 40 Freiwassertauchgänge mit mindestens 25 Stunden Tauchzeit voraus; zum Abschluss sind 60 Freiwassertauchgänge mit insgesamt mehr als 40 Stunden nachzuweisen. Die Programmdauer gibt SSI mit 35 bis 45 Stunden an, die Tiefengrenze im Freiwasser mit 40 Metern.
Befugt ist der aktive SSI Divemaster danach, als zertifizierter Assistent in allen SSI-Sporttauchprogrammen zu arbeiten und bei Ausflugstauchgängen bis zu zwei Schüler zu begleiten. Zu beachten ist, dass SSI daneben die Stufe Dive Guide führt; die Wikipedia setzt in ihrer Gegenüberstellung den Dive Guide mit ISO 24801-3 gleich und nennt für ihn 30 Meter. Wer eine Tiefengrenze zitiert, sollte deshalb sagen, von welcher der beiden SSI-Stufen er spricht.
PADI: der Weg über 40 und 60 Tauchgänge
PADI nennt für den Divemaster-Kurs ein Mindestalter von 18 Jahren und setzt die Brevets Open Water Diver, Advanced Open Water Diver und Rescue Diver voraus, dazu eine Ausbildung in Herz-Lungen-Wiederbelebung und Erster Hilfe aus den letzten 24 Monaten sowie eine ärztliche Tauchtauglichkeit aus den letzten zwölf Monaten. Zum Kursbeginn sind mindestens 40 geloggte Tauchgänge nötig, zum Abschluss 60.
Dazu kommen vier Wassergewöhnungsleistungen: 400 Meter Schwimmen ohne Hilfsmittel, 800 Meter mit Maske, Schnorchel und Flossen, 100 Meter Abschleppen eines Tauchers an der Oberfläche und 15 Minuten Wassertreten, davon die letzten zwei Minuten mit aus dem Wasser gehobenen Händen. Diese Anforderungen sind kein Beiwerk — sie sind der Grund, warum der Divemaster im Wasser als belastbar gilt.
CMAS und die Tiefengrenzen im Vergleich
Die Wikipedia stellt die Brevets gegenüber, die der ISO 24801-3 entsprechen: CMAS *** mit Schwerpunkt Tauchgruppenführung und 40 Metern (bei Kindern 15 Meter), NAUI Divemaster mit 40 Metern, PADI Divemaster mit 30 Metern und SSI Dive Guide mit 30 Metern, wobei der Dive Guide eigenständig Schnorchelausbildungen unterrichten darf.
Die Zahlen gehen also auseinander. Die 40 Meter der SSI-Standards für den Divemaster und die 30 Meter der Wikipedia für den SSI Dive Guide widersprechen sich dabei nur scheinbar, weil sie zwei verschiedene Stufen betreffen. Verbandsgrenzen werden hier nicht vermischt — für den eigenen Tauchgang gilt das Brevet, das man in der Hand hält.
Was der Divemaster in der Praxis tut
Auf der Basis ist der Divemaster derjenige, der das Briefing hält, die Gruppe einteilt, den Buddy-Check beaufsichtigt und im Wasser vorausschwimmt. Er füllt Formulare aus, kontrolliert das Logbuch und die Qualifikation der Gäste und ist häufig der Erste am Unfallort.
In der Ausbildung sehe ich den größten Sprung nicht bei den Tauchfertigkeiten, sondern bei der Verantwortung. Ein guter Divemaster erkennt an der Ausrüstung und an der Körpersprache, wer gleich Schwierigkeiten bekommt — lange bevor es jemand sagt. Das lässt sich nicht in Tauchgangszahlen fassen, und genau deshalb verlangen die Verbände neben den Zahlen strukturierte Trainingstauchgänge und Prüfungen.
Quellen
- SSI: Divemaster (ISO 24801-3), Training Standards — Mindestalter, Vorbrevets, 40 und 60 Tauchgänge, Programmdauer, Tiefengrenzen, Befugnisse. Verbandsquelle.
- PADI: Divemaster Requirements — Mindestalter, Vorbrevets, 40 und 60 Tauchgänge, ärztliche Tauglichkeit und die vier Wassergewöhnungsleistungen. Verbandsnaher Blogbeitrag, kein Standardtext.
- Wikipedia: Dive Leader — der Bezug zu ISO 24801-3 und EN 14153-3 sowie die Gegenüberstellung der Verbandsbrevets mit ihren Tiefengrenzen. Wiki-Quelle; die Normtexte selbst sind kostenpflichtig und liegen dieser Darstellung nicht bei.
