Hans Hass

Schwimmtaucher der 1950er Jahre mit Kreislaufgerät und großem Unterwasser-Kameragehäuse über einem Korallengrund.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Hans Hass war ein österreichischer Zoologe, Unterwasserfilmer und Tauchpionier. Er machte das freie Schwimmtauchen zur Forschungs- und Filmmethode, entwickelte dafür Gerät und Kameragehäuse mit und erreichte mit seinen Filmen und Büchern ein Millionenpublikum. Für den deutschsprachigen Raum ist er neben Jacques-Yves Cousteau die prägende Gestalt der frühen Tauchgeschichte.

Herkunft, Studium und erste Expeditionen

Hass wurde am 23. Januar 1919 in Wien geboren und starb am 16. Juni 2013 ebenda. Er begann ein Studium der Rechtswissenschaften und wechselte zur Zoologie.

Bei der Promotion gehen die Quellen auseinander, und das sollte man nicht glätten: Die deutschsprachige Wikipedia nennt Februar 1944 an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität mit einer Dissertation über die zu den Moostierchen gehörenden Neptunschleier. Das Austria-Forum datiert die Promotion auf 1943 und nennt als Thema das Schwimmtauchen als Forschungsmethode. Jahr und Gegenstand stimmen also in beiden Darstellungen nicht überein.

Die erste Expedition führte 1938 an die dalmatinische Küste. 1939 reiste Hass mit Alfred von Wurzian und Jörg Böhler nach Curaçao und Bonaire; dort entstand sein erster Film, bei dem er nach der Wikipedia erstmals die freischwimmende Filmmethode einsetzte. Der Kriegsausbruch beendete die Reise.

Das Tauchgerät: ein Sauerstoff-Kreislaufgerät

Für die Tauchgeschichte ist die technische Linie entscheidend, auf der Hass stand. 1941 entwickelte er gemeinsam mit dem Drägerwerk aus einem serienmäßigen Tauchretter durch einige Umbauten ein Schwimmtauchgerät. Ab 1948 wurde es von Dräger als „Kleintauchgerät Modell 138″ serienmäßig produziert — und es arbeitete auf Sauerstoffbasis, also als Kreislaufgerät, nicht mit Pressluft.

Das ist mehr als eine Fußnote. Ein reines Sauerstoffgerät ist im Wasser nur in geringer Tiefe verantwortbar, weil der Sauerstoffpartialdruck mit dem Umgebungsdruck steigt und in die Hyperoxie führt. Wer Hass‘ Aufnahmen sieht, sieht deshalb Flachwasser — und keine Blasenspur, was für die Nähe zu scheuen Tieren ein großer Vorteil war. Die Gegenlinie, das offene Pressluftgerät, verbindet sich mit dem Namen Jacques-Yves Cousteau.

Die Kamera

Hass‘ zweite technische Spur ist die Unterwasserfotografie. Nach dem Austria-Forum baute er bereits 1938 ein wasserdichtes Gehäuse für eine Robot-Kamera und 1948 ein Unterwassergehäuse für die Leica; im selben Jahr entstand die Hans-Hass-Flosse für Semperit. Bekannt wurde vor allem die Rolleimarin, die er ab 1954 gemeinsam mit Franke & Heidecke für die Rolleiflex entwickelte. Sie blieb nach der Wikipedia zwei Jahrzehnte lang das Standardwerkzeug der Profi-Unterwasserfotografen.

Die Xarifa und die Filme

1951 kaufte Hass den Dreimastschoner Xarifa und bereiste damit rund sechs Jahre lang die Weltmeere zwischen Rotem Meer und Galapagos. Finanziert wurde das teilweise über Tauchsafaris im Roten Meer und mit Hilfe der BBC; 1960 verkaufte Hass das Schiff wieder.

Aus dieser Zeit stammen die Arbeiten, die seinen Namen getragen haben: die Filme „Pirsch unter Wasser“ (1939/40), „Menschen unter Haien“ (1947), „Abenteuer im Roten Meer“ (1951) und „Unternehmen Xarifa“ (1954) sowie ab 1959 die ersten Fernsehserien, darunter „Expedition ins Unbekannte“. Zu den Büchern zählen „Menschen und Haie“ (1949) und „Ich fotografierte in den 7 Meeren“ (1954). An seiner Seite arbeitete Lotte Hass, geborene Baierl, die er am 29. November 1950 heiratete.

Was danach kam

Zwischen 1959 und 1970 entwickelte Hass die Energontheorie, mit der er die Begriffssysteme verschiedener Wissenschaften unter einer einheitlichen Struktur zusammenführen wollte; das Buch „Energon“ erschien 1970. Diese Arbeiten stehen außerhalb der Tauchgeschichte im engeren Sinn und haben ihre eigene Rezeption.

An Auszeichnungen nennt das Austria-Forum unter anderem das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (1998), den Konrad-Lorenz-Staatspreis (1999) und die Aufnahme in die International Scuba Diving Hall of Fame (2000).

Warum er für Taucher wichtig bleibt

Hass hat zwei Dinge durchgesetzt, die heute selbstverständlich sind. Erstens: Der Mensch geht ohne Helm, ohne Leine und ohne Versorgungsschiff ins Wasser und beobachtet dort — das ist die Grundhaltung des Sporttauchens. Zweitens: Das Bild ist das Ergebnis. Ohne die Gehäuse, an denen er mitgebaut hat, gäbe es die Bildsprache nicht, aus der das Tauchen seine Anziehungskraft zieht.

Quellen

  • Wikipedia: Hans Hass — Lebensdaten, Promotion im Februar 1944, Curaçao und Bonaire, das Dräger-Gerät und das „Kleintauchgerät Modell 138″, die Rolleimarin, die Xarifa, Ehe mit Lotte Baierl, Energontheorie. Wiki-Quelle.
  • Austria-Forum: Hass, Hans — Lebensdaten, abweichende Promotionsangabe, Kameragehäuse von 1938 und 1948, Hans-Hass-Flosse, Filme, Bücher und Auszeichnungen.

Zur Quellenlage: Beide Darstellungen stimmen in den Lebensdaten, in der Xarifa-Zeit und in der technischen Linie überein, gehen aber bei Jahr und Thema der Dissertation auseinander. Eine Primärquelle — die Dissertation selbst oder ein Promotionsverzeichnis — liegt diesem Eintrag nicht zugrunde.

Tauchte Hans Hass mit Pressluft?
Nein, zumindest nicht in der prägenden Zeit. Das mit dem Drägerwerk ab 1941 entwickelte und ab 1948 als „Kleintauchgerät Modell 138″ gebaute Gerät arbeitete auf Sauerstoffbasis als Kreislaufgerät. Das begrenzte die Tiefe, machte ihn aber blasenfrei und damit für Tiere unauffällig.
Was ist die Rolleimarin?
Ein Unterwassergehäuse für die Rolleiflex-Spiegelreflexkamera, das Hass ab 1954 gemeinsam mit Franke & Heidecke entwickelte. Nach der Wikipedia blieb es zwei Jahrzehnte lang das Standardwerkzeug der Profi-Unterwasserfotografen.
Was war die Xarifa?
Ein Dreimastschoner, den Hass 1951 kaufte und rund sechs Jahre lang als Forschungs- und Filmschiff zwischen Rotem Meer und Galapagos einsetzte. Finanziert wurde das teils über Tauchsafaris und über die BBC; 1960 verkaufte er das Schiff.