Qualifikation bezeichnet im Tauchsport die tatsächliche Befähigung eines Tauchers – Wissen, Fertigkeiten, Erfahrung und gesundheitliche Eignung zusammengenommen. Sie ist nicht dasselbe wie das Brevet: Das Brevet bescheinigt eine abgeschlossene Ausbildung, die Qualifikation beschreibt, was jemand heute im Wasser leisten kann.
Vier Bestandteile – nur einer steht auf der Karte
Wer die Frage „Bin ich für diesen Tauchgang qualifiziert?“ ernst nimmt, muss vier Dinge getrennt beantworten:
- Ausbildungsstand. Welche Stufe wurde abgeschlossen, welche Fachbrevets liegen vor? Das ist der Teil, den das Brevet dokumentiert.
- Erfahrung. Wie viele Tauchgänge, unter welchen Bedingungen, wie lange her? Das steht im Logbuch, nicht auf der Karte.
- Aktuelle Übung. Sitzen Maskenausblasen, Wechselatmung und Notaufstieg noch, oder wurden sie zuletzt im Kurs geübt?
- Gesundheitliche Eignung. Tauchtauglichkeit ist kein einmaliger Zustand, sondern ändert sich mit Alter, Medikation und Vorerkrankungen.
Die drei letzten Punkte veralten. Der erste nicht. Genau daraus entsteht die Lücke, um die es bei diesem Begriff geht.
Die Stufen und ihre Vergleichbarkeit
Die Ausbildungsorganisationen – PADI, SSI, CMAS, NAUI, SDI/TDI und andere – benennen ihre Stufen unterschiedlich, bauen sie aber ähnlich auf: eine Grundstufe, eine Aufbaustufe mit Spezialtauchgängen, darauf Rettungsausbildung und die erste professionelle Stufe. Vergleichbar werden die Stufen nicht über ihre Namen, sondern über die internationale Normenreihe ISO 24801 mit den Stufen Supervised Diver, Autonomous Diver und Dive Leader; die europäische Entsprechung ist EN 14153. Welche Stufe welchem Brevet entspricht und welche Tiefengrenzen dazugehören, steht im Eintrag Brevet.
Daneben stehen die Fachbrevets: Nitrox, Wrack, Trocken, Strömung, Nacht, Tieftauchen, Rettung. Sie erweitern die Qualifikation punktuell für einen bestimmten Einsatzbereich – und nur für diesen.
Warum die Qualifikation verfällt, das Brevet aber nicht
Ein Brevet läuft in aller Regel nicht ab. Die Fähigkeiten, die es bescheinigt, tun das sehr wohl. Divers Alert Network nennt dazu Faustwerte: Bereits nach etwa einem halben Jahr ohne Tauchgang lassen erste Fertigkeiten nach; nach ein bis zwei Jahren Pause hält DAN einen Auffrischungskurs für angezeigt und rät zu einer formalen Überprüfung von Wissen und Praxis, bevor wieder getaucht wird.
DAN nennt für diese Auffrischung auch die Inhalte: theoretisch Tauchgangsplanung, Umgang mit Computer und Tabelle, Grundlagen von Physik und Physiologie; praktisch Ausrüstungskontrolle, Bleicheck und Tarierung, Maske ausblasen und wieder aufsetzen, Atemregler bergen, Notaufstiegsverfahren. Für den ersten Tauchgang nach der Pause: bekannter, flacher Platz, keine Strömung, Begleitung durch Guide oder Tauchlehrer.
Als Tauchlehrer halte ich die Selbsteinschätzung für den schwächsten Punkt der ganzen Kette. Wer zwanzig Jahre taucht und vier Jahre pausiert hat, hält sich weiterhin für einen erfahrenen Taucher – und ist es auch, was Ruhe und Übersicht angeht. Was fehlt, ist die Automatisierung der Handgriffe. Genau die entscheidet aber im Zwischenfall.
Tauchtauglichkeit als Teil der Qualifikation
Die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM) empfiehlt für die tauchsportärztliche Untersuchung folgende Höchstintervalle: für Taucher zwischen 16 und 39 Jahren spätestens nach drei Jahren, ab 40 Jahren spätestens nach einem Jahr, für Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 15 Jahren ebenfalls jährlich – im Einzelfall auch kürzer. Untersuchen darf jeder Arzt, der die aktuellen GTÜM-Empfehlungen anwendet; die GTÜM führt dazu eine Datenbank von Taucherärzten.
Prüfvorbehalt: Ob eine Tauchbasis oder ein Verband darüber hinaus eine Bescheinigung verlangt, ist eine Frage der jeweiligen Ordnung und wird unterschiedlich gehandhabt – das ist keine staatliche Vorgabe.
Was Tauchbasen tatsächlich prüfen
An der Basis werden regelmäßig drei Dinge verlangt: das Brevet, das Logbuch und – je nach Land und Betreiber – die Tauchtauglichkeitsbescheinigung. Die Karte beantwortet die Frage nach der Stufe, das Logbuch die nach der Erfahrung. Für einen Strömungs- oder Tieftauchgang ist die zweite Auskunft meist die wichtigere, und aus demselben Grund verlangen viele Basen nach längerer Pause einen begleiteten Auffrischungstauchgang, bevor sie einen Gast in eine anspruchsvolle Gruppe lassen.
Häufige Fragen zur Qualifikation
Siehe auch: Brevet · Brevetierung
Quellen und weiterführende Links
- Divers Alert Network: Diving Skills Refresher – Fertigkeitsverlust nach Tauchpause, Inhalte einer Auffrischung, Vorgehen beim ersten Tauchgang danach
- GTÜM: Tauchtauglichkeit – empfohlene Untersuchungsintervalle nach Altersgruppen, untersuchende Ärzte
- Grundtauchausbildung: Autonomous Diver – Stufen nach ISO 24801 und EN 14153, Zuordnung der Verbandsbrevets
- Brevet
