Der Flutter Kick ist der Wechselschlag: der Flossenschlag, bei dem die weitgehend gestreckten Beine abwechselnd auf und ab bewegt werden. Er ist die Technik, die fast jeder aus dem Schwimmbad mitbringt, und deshalb die erste, die im Tauchkurs gezeigt wird. Über ihre Bewertung gehen die Ausbildungsorganisationen allerdings auseinander.
Der Bewegungsablauf
SSI beschreibt den Flossenschlag als die natürlichste der Flossentechniken: Die Beine bewegen sich abwechselnd vor und zurück, die Bewegung kommt aus der Hüfte, die Beine bleiben gestreckt und die Fußspitzen zeigen nach hinten. Er sei leicht zu erlernen und liefere viel Vortrieb; als Fehler nennt SSI stark gebeugte Knie, die an Fahrradfahren erinnern — die seien ineffizient und kosteten viel Energie. Als Grundtechnik für Anfänger ist der Flutter Kick damit gesetzt.
Die Bewegung lebt von zwei Dingen: dem Ausschlag aus der Hüfte statt aus dem Knie und einem ruhigen, langen Takt. Wer schneller tritt, wird selten schneller; er verbraucht nur mehr Gas. Voraussetzung für beides ist ein stabiler Trimm und eine passende Flosse.
Wo der Wechselschlag an Grenzen stößt
Alert Diver, das Magazin von DAN Europe, bewertet dieselbe Technik deutlich strenger und bezeichnet den klassischen Wechselschlag aus dem Kraulschwimmen als veraltet und für das Tauchen ungeeignet. Drei Einwände stehen dort:
- Wasserwiderstand. Die Beine werden abwechselnd „unter die horizontale Achse des Tauchers gebracht“ — das erhöht den Widerstand.
- Luftverbrauch. Die ständige Muskelaktivität ohne Gleitphase treibt den Verbrauch nach oben.
- Grundberührung ohne Berührung. Nahe am Grund wirbelt der nach unten gerichtete Schlag Sand und Schlick auf. Das schadet der Umwelt, nimmt den nachfolgenden Tauchern die Sicht und wird damit zur Sicherheitsfrage.
Dieser Widerspruch zwischen den beiden Quellen ist kein Versehen, sondern ein echter Dissens: SSI bewertet den Flutter Kick aus der Sicht der Grundausbildung, Alert Diver aus der Sicht des technischen und umweltbewussten Tauchens. Beide haben in ihrem Rahmen recht.
Der Modified Flutter Kick
Zwischen beiden Lagern steht eine Variante. Alert Diver beschreibt den Modified Flutter Kick so, dass die Knie abwechselnd aus der 90-Grad-Stellung gestreckt werden; er eigne sich bei seitlich begrenztem Platz, sofern genug Abstand zum Boden bleibt. SSI beschreibt denselben Gedanken mit stärker gebeugten Knien, höher stehenden Füßen und kleinen, schnellen Bewegungen — kompakt, raumsparend, gut zum Vermeiden von aufgewirbeltem Sand. Der Unterschied zum klassischen Wechselschlag ist immer derselbe: Die Flossen bleiben oberhalb der Körperachse, und die Arbeit kommt aus dem Unterschenkel.
Flutter Kick und Frogkick
Der Gegenspieler ist der Frogkick. Alert Diver nennt ihn nach der DIR-Philosophie „die effizienteste Umsetzung von Muskelarbeit in Vortrieb“ und hebt die Gleitphase nach jedem Schlag hervor, in der die Muskeln ruhen; die Länge dieser Gleitphase sei zugleich ein Gütezeichen für die Tarierung. SSI kommt zum selben Ergebnis und schreibt, der Froschtritt verbrauche weniger Energie und erleichtere das Drehen; Profis und erfahrene Taucher nutzten ihn häufiger als den Flutter Kick, Anfängern falle er dagegen schwer.
Die beiden Techniken schließen sich nicht aus. Sie lösen verschiedene Aufgaben — und wer nur eine davon kann, hat im Zweifel die falsche dabei.
Aus der Ausbildung
Als Tauchlehrer bringe ich den Flutter Kick nicht weg und will das auch nicht. Er hat seinen Platz: an der Oberfläche, beim Anschwimmen gegen Strömung und überall dort, wo im freien Wasser über längere Strecken Vortrieb gebraucht wird. Was ich abgewöhne, ist der Wechselschlag im Flachwasser über Sand und über Seegraswiesen, weil dort in zwei Minuten kaputtgeht, was eine Gruppe den ganzen Tauchgang über gesucht hat.
Die Übungsreihe, die bei mir am besten funktioniert, ist unspektakulär: zuerst der Trimm, dann der Frogkick, dann erst wieder der Flutter Kick. Wer waagerecht liegt, tritt automatisch flacher — und ein großer Teil der aufgewirbelten Wolken verschwindet, ohne dass über Technik geredet werden muss.
Quellen
- Alert Diver (DAN Europe): Effiziente Schwimmtechnik — Bewertung des Wechselschlags, Modified Flutter Kick, Frogkick und Gleitphase nach der DIR-Philosophie.
- SSI: Flossentechniken für Taucher — Bewegungsablauf, Vor- und Nachteile von Flossenschlag, modifiziertem Flossenschlag und Froschtritt.
Zur Quellenlage: Beide Quellen sind Ausbildungs- und Verbandsveröffentlichungen, keine biomechanischen Untersuchungen; Messwerte zu Vortrieb oder Luftverbrauch nennt keine von beiden. Der Alert-Diver-Artikel stützt seine Bewertung ausdrücklich auf die DIR-Philosophie. In der deutschen Fassung des SSI-Beitrags sind die Bezeichnungen uneinheitlich — der Froschtritt wird dort stellenweise ebenfalls „Flossenschlag“ genannt; die Zuordnung erfolgt hier nach dem beschriebenen Bewegungsablauf.
