Trimm bezeichnet beim Gerätetauchen die Lage des Körpers im Wasser — den Winkel, in dem ein Taucher zu seiner Bewegungsrichtung liegt.
Der Begriff meint die Ausrichtung, nicht den Auftrieb: Wer senkrecht im Wasser steht, hat einen Trimm, nur eben einen ungünstigen. In der Ausbildungssprache ist mit „gutem Trimm“ die waagerechte Lage gemeint, in der Schultern, Hüfte und Knie annähernd auf einer Ebene liegen und der Schub der Flossen nach hinten geht statt nach unten.
Trimm und Tarierung sind zwei verschiedene Dinge
Die Verwechslung ist der häufigste Begriffsfehler beim Thema. SDI trennt beides sauber: „Trim is not the same as buoyancy. Buoyancy refers to your ability to move along the vertical axis and stay neutrally buoyant at any point on that axis.“ Die Tarierung entscheidet also, auf welcher Tiefe ein Taucher steht, der Trimm, wie er dort liegt. DAN Europe formuliert es als Arbeitsteilung: Atmung und Auftriebskontrolle halten die Position in der Wassersäule, der Trimm bestimmt den Winkel des Körpers im Wasser.
Praktisch hängen beide zusammen, weil eine schräge Lage jeden Flossenschlag in eine Auftriebs- oder Abtriebskomponente übersetzt. Wer kopfhoch liegt und tritt, steigt — und gleicht das dann mit Luft aus dem Jacket aus, statt die Ursache zu beheben.
Wie die Soll-Lage beschrieben wird — und wo die Quellen auseinandergehen
Über die Grundform sind sich die Verbände einig, über den genauen Winkel nicht.
- SDI verlangt die exakte Waagerechte: „Ideally, this means a completely horizontal position, where your shoulders and knees are aligned on the same plane.“
- SSI beschreibt eine leicht kopftiefe Haltung — Oberkörper und Oberschenkel in einer Linie, dabei so angestellt, „so that the feet with the fins are the highest point“.
- DAN beschreibt die Geometrie ohne Winkelangabe: waagerechte Körperlinie, Kopf voran, Knie gebeugt, Füße erhöht — „knees and ankles bent ninety degrees“.
Das ist kein Streit um Nichts. Die leicht kopftiefe Lage richtet den Schub noch etwas weiter vom Grund weg und schont ihn zusätzlich; die strenge Waagerechte ist leichter zu lehren und zu prüfen. Als Tauchlehrer unterrichte ich die Waagerechte als Ziel und nehme die leichte Fußüberhöhung als das, was sie ist: die Feinabstimmung, die über dem empfindlichen Grund den Unterschied macht.
Woran der Trimm hängt
Drei Größen bestimmen ihn: die Verteilung des Gewichts, die Verteilung des Auftriebs und die Körperhaltung. SSI fasst das Konstruktionsprinzip so zusammen, dass die negativ auftreibenden Teile — Blei und Flasche — und die positiv auftreibenden Teile — Anzug, Jacket oder Wing — möglichst dicht beieinander liegen sollen. SDI nennt den häufigsten Einzelfehler: „Overweighted belts tend to push the diver’s legs down and raise the torso.“ Zu viel Blei am Bauchgurt zieht also die Beine nach unten und stellt den Oberkörper auf.
Ob die Ausrüstung selbst den Trimm bestimmt, ist zwischen den Quellen umstritten. DAN sieht einen systematischen Effekt: Jacket-Westen hoben bei manchen Tauchern den Oberkörper an, wer waagerecht liegen wolle, greife eher zu einem rückenmontierten System oder einem Wing. SDI widerspricht ausdrücklich: „Trim is not achieved by specific gear…you can achieve good trim with a jacket-style BCD too. It just takes training, training, and more training.“ Das Lehrbuch für Forschungstaucher wiederum schreibt gerade dem Stabilizing Jacket zu, es halte den Taucher „in einer relativ stabilen horizontalen Lage“. Drei Quellen, drei Positionen — wer sein Gerät wechselt, sollte sich von keiner davon eine Abkürzung versprechen.
Warum es praktisch zählt
Der Widerstand ist das stärkste Argument. Die englischsprachige Wikipedia beziffert den Mehrwiderstand bei der verbreiteten Fehlhaltung von etwa 15 Grad Kopf-hoch-Lage mit rund 50 Prozent und stützt sich dabei auf eine strömungstechnische Arbeit von Passmore und Rickers aus dem Jahr 2002. Weniger Widerstand heißt weniger Arbeit, und weniger Arbeit heißt weniger Gas: SDI beschreibt das als unmittelbare Kette, DAN ergänzt den zweiten Weg — wer überbleit ist, muss mehr Luft ins Jacket geben, und die aufgeblasene Blase erzeugt selbst Widerstand.
Dazu kommt der Grund. Eine waagerechte Lage richtet den Schub nach hinten statt nach unten; SDI beschreibt die Folge der Schräglage drastisch: Wasser, das nach unten verdrängt wird, wirbelt Sediment auf und kann die Sicht auf null bringen. In der Höhle und im Wrack ist das ein Sicherheitsproblem, im Baggersee bloß ein verdorbener Tauchgang — aber verdorben ist er dann für alle.
Wie Trimm im Kurs bewertet wird
Nur eine der hier herangezogenen Organisationen macht den Trimm mit Zahlen prüfbar. GUE verlangt in seinen General Training Standards auf Sporttaucherniveau „a maximum of 30 degrees off horizontal while remaining within 5 ft/1.5 m of a target depth“ und auf technischem Niveau „a maximum of 20 degrees off horizontal while remaining within 3 ft/1 m of a target depth“. CMAS führt den Trimm in seinen Trimix-Standards als Prüfungspunkt — „Demonstrate correct swimming trim (attitude)“ —, definiert ihn dort aber weder noch beziffert er ihn. SSI und PADI führen mit „Perfect Buoyancy“ beziehungsweise „Peak Performance Buoyancy“ eigene Programme, deren Prüfkriterien in den nicht öffentlichen Ausbildungsunterlagen stehen.
Bemerkenswert ist, woher SDI die Ursache schlechten Trimms ableitet — nämlich aus der Ausbildung selbst: „Another key factor is training that conditions divers to kneel on the bottom…Students then default to it whenever upright. Over time, this ingrains bad habits.“ Wer Fertigkeiten kniend auf dem Grund übt, lernt den Grund als Bezugspunkt. Das deckt sich mit dem, was ich im Kurs sehe: Die Wasserlage wird nicht durch mehr Erklärung besser, sondern dadurch, dass von der ersten Übung an nichts mehr auf dem Boden stattfindet.
Quellen
- GUE, General Training Standards v9.2 (PDF) — die einzige hier verwendete Quelle, die den Trimm mit prüfbaren Toleranzen hinterlegt (30 beziehungsweise 20 Grad Abweichung von der Waagerechten).
- SDI, „Trim“ und SDI, „The Perfect Trim“ — Abgrenzung zur Tarierung, Sollhaltung, Bleiverteilung, Sedimentaufwirbelung und die Kritik an der knienden Fertigkeitsvermittlung.
- DAN Europe, „Mastering Proper Trim“ und DAN, „Mastering Neutral Buoyancy and Trim“ — Definition über den Körperwinkel, Sollgeometrie, Ausrüstungseinfluss, Zusammenhang von Widerstand und Gasverbrauch.
- SSI, „Optimal Trim for Diving“ — die leicht kopftiefe Sollhaltung und das Prinzip, auftriebsnegative und auftriebspositive Teile dicht beieinander zu halten.
- König/Lipp, Lehrbuch für Forschungstaucher, Kapitel 3 (PDF) — die Aussage zur stabilen horizontalen Lage im Stabilizing Jacket.
- Wikipedia, „Diver trim“ — Trimm als Orientierung des Körpers, Schwerpunkt und Auftriebsmittelpunkt, die 50-Prozent-Angabe zum Mehrwiderstand.
Zur Quellenlage: Die Widerstandszahl von rund 50 Prozent steht in dieser Form nur in der Wikipedia; die dort angeführte Arbeit von Passmore und Rickers (2002) ist nicht frei zugänglich. Von CMAS und PADI liegen zum Trimm keine öffentlichen Standardtexte vor — die CMAS-Angabe stammt aus den Trimix-Standards in der Fassung von 2009, die PADI-Angabe von einer Kursseite, nicht aus dem Ausbildungshandbuch. Ein Verteilungsschlüssel für Trimmblei in Zahlen findet sich in keiner der genannten Quellen.
