Tarierjacket

Ein Tarierjacket ist das aufblasbare Auftriebsmittel des Gerätetauchers, mit dem er seine Tarierung im Wasser einstellt und das zugleich die Tauchflasche am Körper hält. Gleichbedeutend sind die Bezeichnungen Tarierweste, Jacket und BCD.

Bauformen

Die Bauformen unterscheiden sich darin, wo die Luftblase sitzt — und daraus folgt, wie der Taucher im Wasser liegt.

Klassisches Jacket

Die Blase umschließt den Oberkörper an Rücken und Seiten. Das ist die verbreitetste Form im Sporttauchen: Sie trägt an der Oberfläche aufrecht, was Einsteigern das Warten auf das Abtauchen erleichtert, und sie ist unkompliziert anzulegen. Unter Wasser drückt sie den Taucher allerdings etwas in eine aufrechtere Haltung, als für die Wasserlage ideal wäre.

ADV-Jacket

ADV steht für Advanced Divers Vest. Nach dem Lehrbuch für Forschungstaucher von Peter König und Andreas Lipp ist es eine Weiterentwicklung mit verringerter Schulterbedeckung — der Auftrieb rückt nach unten und hinten, die Arme werden freier.

Wing

Die Blase sitzt ausschließlich auf dem Rücken, zwischen Taucher und Flasche, getragen von einem Harness mit Backplate. Das erzeugt eine flache, waagerechte Lage unter Wasser und lässt den Brustbereich frei. Wings kommen aus dem technischen Tauchen und haben sich von dort in den Sportbereich ausgebreitet. Der Preis dafür: An der Oberfläche drückt der Rückenauftrieb den Taucher nach vorn, was ohne Übung ungewohnt ist.

Wie viel Auftrieb nötig ist

Ein Tarierjacket muss so viel Auftrieb liefern, dass es den Taucher samt Ausrüstung und Blei an der Oberfläche trägt — auch dann, wenn die Flasche am Ende des Tauchgangs leer und damit leichter ist, der Anzug in der Tiefe aber Volumen verloren hat.

Das erwähnte Lehrbuch nennt als Richtwert beim Kauf einen Mindestauftrieb von 15 bis 18 Litern. Für kombinierte Tarier- und Rettungsmittel führt es einen Höchstauftrieb von über 100 Newton nach DIN EN 12628 an.

Prüfvorbehalt: Das zitierte Lehrbuch stammt aus dem Jahr 2007 und bezieht sich auf DIN EN 1809 in der Fassung von Januar 1998 sowie DIN EN 12628 in der Fassung von Oktober 1999. Ob diese Normen inzwischen überarbeitet wurden, haben wir nicht geprüft — wer sich auf konkrete Anforderungen berufen will, sollte die geltende Fassung heranziehen.

Die einschlägigen Normen

Norm Gegenstand
DIN EN 1809 Tariermittel — Funktions- und Sicherheitsanforderungen
DIN EN 12628 Kombinierte Tarier- und Rettungsmittel

Der Unterschied ist praktisch bedeutsam: Ein reines Tariermittel nach EN 1809 ist dafür gebaut, den Taucher unter Wasser in der Schwebe zu halten. Es ist keine Rettungsweste und dreht einen bewusstlosen Taucher nicht zwingend in eine Lage, in der die Atemwege frei bleiben. Geräte, die auch das leisten sollen, fallen unter EN 12628.

Worauf es bei der Auswahl ankommt

Passform vor Ausstattung. Ein Jacket, das im Wasser verrutscht, ist kein Komfortproblem, sondern eines der Tarierung: Der Auftrieb wandert dann dorthin, wo er nicht hingehört. Anprobiert wird mit dem Anzug, der später getragen wird — ein Trockentauchanzug ändert die Größe um mehrere Nummern.

Bleiintegration. Die meisten heutigen Jackets nehmen das Blei in Taschen auf, statt es an einem Bleigurt zu tragen. Das ist bequemer und verteilt das Gewicht besser. Die Taschen sollten sich mit einem Griff lösen lassen, auch mit Handschuhen.

Reisejackets sind leichter und kleiner gebaut, sparen dafür aber an Taschen, D-Ringen, Bleiintegration — und häufig am Volumen der Blase. Wer mit viel Ausrüstung oder in dickem Neopren taucht, kommt damit an die Auftriebsgrenze.

Siehe auch: Tarierweste · Jacket · Inflator · Taucherblei

Quellen und weiterführende Links