Ein dimiktischer See ist ein See, dessen gesamte Wassermasse sich zweimal im Jahr vollständig durchmischt — einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Das Spektrum-Lexikon der Biologie führt den Begriff als Zirkulationstyp eines temperierten Sees der gemäßigten Zone; das Wort setzt sich aus griechisch di- für „zwei“ und miktos für „gemischt“ zusammen. Die meisten Tauchseen Mitteleuropas gehören zu diesem Typ.
Warum genau zweimal
Der Grund liegt in der Dichteanomalie des Wassers. Das Landesamt für Umwelt beschreibt das Grundmuster: Außerhalb der Umwälzzeiten schichtet sich tieferes Stillwasser, weil temperaturbedingte Dichteunterschiede es tun — warmes Oberflächenwasser ist leichter, kälteres und dichteres Wasser sinkt ab. Zweimal im Jahr gleicht sich die Temperatur von der Oberfläche bis zum Grund so weit an, dass die Dichteunterschiede verschwinden; dann genügt Wind, um den ganzen See umzuwälzen.
Der Jahreslauf
Im Frieden zwischen den beiden Umwälzungen zerfällt der See in drei Stockwerke: das warme Epilimnion oben, darunter das Metalimnion mit der Sprungschicht, in der die Temperatur steil abfällt, und zuunterst das kalte Hypolimnion.
- Frühjahrszirkulation: Die Schichtung des Winters löst sich auf, der See mischt sich bis zum Grund.
- Sommerstagnation: Die Sonne wärmt die oberen Meter, die Schichtung steht. Das Landesamt stellt ausdrücklich fest, dass während dieser Zeit eine Zirkulation nur noch im Epilimnion stattfindet.
- Herbstzirkulation: Das Oberflächenwasser kühlt ab, bis die Schichtung zusammenbricht und sich der See ein zweites Mal durchmischt — siehe Vollzirkulation.
- Winterstagnation: Unter der kältesten Oberflächenschicht steht das Wasser wieder still.
Die anderen Zirkulationstypen
Dimiktisch ist nur einer von mehreren Typen, und die Einteilung richtet sich danach, wie oft und wie tief ein See sich mischt.
Polymiktische Seen zirkulieren vielmals im Jahr, mitunter täglich. Das Spektrum-Lexikon der Geowissenschaften nennt sie meist flach, in den Tropen oder in gemäßigten Breiten gelegen, mit nur geringen Temperaturunterschieden über die Tiefe; es unterscheidet warm-polymiktische Seen, für die es tropische Seen als Beispiel anführt, von kalt-polymiktischen, für die es tropische Hochgebirgsseen nennt.
Quer dazu läuft eine zweite Unterscheidung. Holomiktische Seen sind nach dem Spektrum-Lexikon solche, deren Wasser während der Umwälzperioden bis zum Grund durchmischt ist — der dimiktische See gehört dazu. Meromiktische Seen dagegen wälzen ihr Tiefenwasser nie oder nur teilweise um. Ursache ist entweder eine sehr hohe Dichte durch gelöste Stoffe oder eine windgeschützte Lage. In ihrem Tiefenwasser leben anaerobe Bakterien, die Methan oder Schwefelwasserstoff bilden.
Was das für Taucher heißt
Der Zirkulationstyp eines Sees erklärt, warum derselbe Tauchplatz über das Jahr so verschieden aussieht. Während der beiden Umwälzungen wird aufgewirbelt, was sich am Grund abgesetzt hat; die Sichtweite leidet. Im Frühjahr kommt eine kräftige Algenentwicklung hinzu, die das Landesamt für Umwelt auf wärmeres Wasser, mehr Licht und mehr Nährstoffe zurückführt und die in Alpenseen häufig von Kieselalgen getragen wird. Darauf folgt im Frühsommer eine Klarwasserphase, wenn die Nährstoffe aufgebraucht sind, die Algen absterben und das Zooplankton abweidet — aus Taucherperspektive die beste Zeit des Jahres. Im Herbst steigen die Nährstoffe wieder, oft mit Cyanobakterien.
Die stehende Sommerschichtung hat noch eine zweite Folge: Das Hypolimnion wird von der Oberfläche abgeschnitten und kann an Sauerstoff verarmen. Das Landesamt beziffert, was das für empfindliche Fischarten wie Renken und Saiblinge bedeutet — ein Abfall vom Mittelwert 8 Milligramm je Liter, gemessen bei 20 °C, auf unter 5 Milligramm je Liter sei schädlich.
Quellen
- Spektrum, Lexikon der Biologie: dimiktisch — Definition, Etymologie und die Einordnung als Zirkulationstyp der gemäßigten Zone.
- Spektrum, Lexikon der Biologie: meromiktisch — Abgrenzung meromiktisch gegen holomiktisch, Ursachen und die anaeroben Verhältnisse im Tiefenwasser.
- Spektrum, Lexikon der Geowissenschaften: polymiktischer See — Häufigkeit der Zirkulation, warm- und kalt-polymiktische Seen.
- Bayerisches Landesamt für Umwelt: Der See im Jahreszeitenzyklus — Schichtung und Stockwerke, Zirkulation nur im Epilimnion während der Sommerstagnation, Algenzyklus mit Klarwasserphase, Sauerstoffwerte für empfindliche Fischarten.
Zur Quellenlage: Die Lexikonartikel bei Spektrum sind jeweils sehr knapp gehalten; die Darstellung des Jahreslaufs stützt sich überwiegend auf die behördliche Darstellung des Landesamts. Eine limnologische Monographie liegt dieser Fassung nicht zugrunde. Die Sauerstoffangabe bezieht sich im Original auf Fischarten, nicht auf Tauchbedingungen.
