Das Finimeter ist das Druckmessgerät, das dem Taucher den verbliebenen Druck in der Flasche anzeigt. Es hängt an einem Hochdruckschlauch an der ersten Stufe des Atemreglers und ist das einzige Instrument, das eine harte Grenze misst: Luft lässt sich einteilen, aber nicht herbeiführen. Jede Gasplanung unter Wasser stützt sich auf diese eine Nadel.
Woher der Name kommt
Die deutschsprachige Wikipedia führt den Namen auf das lateinische finis für Ende zurück und hält fest, dass „Finimeter“ ursprünglich ein Markenname des Drägerwerks war. Im deutschen Sprachraum hat er sich als Gattungsbezeichnung durchgesetzt; im englischen Sprachraum heißt dasselbe Gerät submersible pressure gauge, abgekürzt SPG.
Wie es misst
Das Messprinzip ist mechanisch und alt. Der Flaschendruck wird nach derselben Quelle in eine spiralförmig nach innen aufgewickelte Bourdonröhre geleitet, die sich unter Druck zu strecken versucht — wie ein aufgerollter Gartenschlauch, in den Wasser einströmt. Diese Bewegung treibt über eine Achse, bei manchen Bauarten über zwei Zahnräder übersetzt, den Zeiger. Neuere Geräte verwenden teils Kupfer-Beryllium-Spiralen statt der klassischen Röhre. Die Skalen sind heute überwiegend auf Werte bis 300 Bar ausgelegt.
Der Anschluss sitzt am Hochdruckausgang der ersten Stufe, nicht am Niederdruckausgang. Scubapro warnt in seiner Bedienungsanleitung ausdrücklich davor, einen Niederdruckschlauch an einen Hochdruckanschluss anzuschließen.
Was die Norm verlangt
Das Finimeter ist kein Zubehör, sondern Teil des geprüften Tauchgeräts. Das Lehrbuch für Forschungstaucher von König und Lipp gibt die Anforderungen der DIN EN 250 an das Manometer wortgetreu wieder:
- „Der Anzeigebereich des Manometers muß von der Nullmarke bis zu einem Wert reichen, der 20 % über dem Nennbetriebsdruck der Druckluftflasche(n) liegt“
- „Die Skaleneinteilung oder die Skalierung darf 10 bar nicht überschreiten“
- „Der Bereich unter 50 bar muß deutlich hervorgehoben sein“
- „Die Sichtscheibe muß aus einem Werkstoff sein, der bei Bruch nicht splittert“
Für Geräte mit einer Reserveschaltung verlangt dieselbe Norm, dass der Restdruck nach dem Ansprechen der Sicherheitseinrichtung wenigstens 50 Bar beträgt. Damit ist auch die Herkunft der roten Zone erklärt, die jedes analoge Finimeter unter 50 Bar trägt: Sie ist keine Herstellerlaune, sondern eine Normvorgabe.
Ablesen: 50 Bar sind der Wert, mit dem man aus dem Wasser kommt
Was auf dem Zifferblatt steht, gibt die Norm vor: Der Anzeigebereich reicht bis zwanzig Prozent über den Nennbetriebsdruck, die Skalenteilung bleibt unter 10 Bar, und der Bereich unter 50 Bar ist hervorgehoben. Womit die Flasche gefüllt ist, steht dagegen nicht auf dem Finimeter, sondern auf der Flasche selbst — siehe Nenndruck und Fülldruck.
Als Tauchlehrer sage ich die Zahl so: Mit 50 Bar kommt man aus dem Wasser. Nicht: bei 50 Bar beginnt man den Aufstieg. Aufstieg, Sicherheitsstopp und der Weg zum Ausstieg müssen vorher eingeplant und vorher begonnen sein; die 50 Bar sind das, was am Ende übrig bleibt. Wer die rote Zone als Startsignal liest, hat die Planung schon verfehlt.
Der Umkehrpunkt steht deshalb nicht auf dem Zifferblatt, sondern wird vorher festgelegt — bei Überkopfumgebung über die Drittelregel, im Freiwasser über den geplanten Verbrauch aus dem eigenen Atemminutenvolumen. Abgelesen wird regelmäßig, nicht bei Verdacht: Der Druck fällt in der Tiefe schneller, weil mit dem Umgebungsdruck auch die geatmete Gasmenge steigt.
Warum immer Druck in der Flasche bleiben muss
Eine Flasche wird nie ganz leer geatmet, und der Grund dafür ist nicht die Atemluft, sondern das Wasser. Solange der Innendruck über dem Umgebungsdruck liegt, strömt Gas nach außen, sobald irgendwo eine Öffnung entsteht. Fällt der Innendruck darunter, kehrt sich die Richtung um: Dann kann Wasser in die Flasche laufen. Rein rechnerisch tritt dieser Fall erst weit unter 20 Bar ein — in zehn Metern Tiefe liegt der Umgebungsdruck bei rund zwei Bar.
Praktisch spielt die Rechnung trotzdem keine Rolle, weil die Folgen zu teuer sind. Feuchtigkeit in der Flasche führt zu Korrosion von innen, an der Stelle also, die beim Tauchen niemand sieht; im Salzwasser ist der Schaden ungleich größer als im Süßwasser. 20 Bar sind deshalb das absolute Limit. Wer dort ankommt, leitet — außer er weiß ganz genau, was er tut — unverzüglich den sofortigen Aufstieg zur Oberfläche ein. Das ist kein Vorrat mehr, aus dem sich noch etwas planen ließe.
Sicherheit beim Öffnen des Ventils
Der Hochdruckteil steht beim Aufdrehen schlagartig unter vollem Flaschendruck. Scubapro gibt dazu zwei Anweisungen: Das Flaschenventil ist langsam zu öffnen, das System auf Lecks zu prüfen und dann der Druck abzulesen; und „während des Öffnens des Ventils der Gasdruckflasche darf das Finimeter nicht in Richtung des Benutzers oder Dritter gerichtet werden“. Die Normforderung nach einer nicht splitternden Sichtscheibe und diese Handhabungsregel zielen auf dieselbe Gefahr.
Die digitale Form
Statt des Schlauchs kann ein Drucksender am Hochdruckausgang sitzen, der den Flaschendruck an einen luftintegrierten Tauchcomputer funkt; daneben gibt es kabelgebundene Konsolenlösungen. Der Gewinn ist, dass der Computer Druck, Tiefe und Zeit zusammen auswerten und den verbleibenden Vorrat in Minuten ausdrücken kann. Der Preis ist eine Batterie und eine Funkstrecke mehr. Viele Taucher führen deshalb beides, und in der technischen Konfiguration bleibt das analoge Gerät die Regel.
Historisch hat das Finimeter ein ganzes Bauteil verdrängt: Vor seiner Verbreitung zeigte das J-Ventil den Reservevorrat mechanisch an, indem es bei einem festgelegten Restdruck den Atemwiderstand erhöhte. Mit dem Finimeter als Standardausrüstung hat diese Mechanik ihren Zweck verloren — der Eintrag Flaschenventil führt den Vorgang aus.
Quellen
- König/Lipp, Lehrbuch für Forschungstaucher, Kapitel 3a: Gerätekunde (PDF) — die Anforderungen der DIN EN 250 an das Manometer im Wortlaut: Anzeigebereich bis 20 % über dem Nennbetriebsdruck, Skaleneinteilung höchstens 10 bar, deutliche Hervorhebung des Bereichs unter 50 bar, splitterfreie Sichtscheibe, Restdruck von wenigstens 50 bar nach Ansprechen der Sicherheitseinrichtung. Der Normtext der DIN EN 250 selbst ist kostenpflichtig und liegt dieser Wiedergabe nicht zugrunde
- Wikipedia: Finimeter — Herkunft des Namens von lateinisch finis, ursprünglicher Markenname des Drägerwerks, Bourdonröhre und Zahnradübersetzung, Kupfer-Beryllium-Spiralen, Skalen bis 300 bar, frühere Reserveschaltungen bei etwa 50 bar, Konsolenbauweise. Wiki-Quelle
- Scubapro, Bedienungsanleitung Atemregler (PDF) — langsames Öffnen des Flaschenventils mit Leckprüfung und Ablesen, Verbot, das Finimeter beim Öffnen auf sich oder Dritte zu richten, Warnung vor dem Anschluss eines Niederdruckschlauchs an einen Hochdruckanschluss. Herstellerquelle
- Wikipedia (englisch): Submersible pressure gauge — die englische Bezeichnung des Geräts. Wiki-Quelle
