Drittelregel

Zwei Taucher mit Doppelgeraet am Umkehrpunkt in einem engen Wrackgang, der vordere blickt auf sein Finimeter, eine Fuehrungsleine laeuft zum helleren Ausgang.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Die Drittelregel ist eine Regel der Gasplanung für Tauchgänge, bei denen der direkte Weg zur Oberfläche versperrt ist: Ein Drittel des Atemgases ist für den Hinweg bestimmt, ein Drittel für den Rückweg, das letzte Drittel bleibt unangetastete Reserve. Sie stammt aus dem Höhlentauchen und wird überall dort angewandt, wo ein Taucher denselben Weg zurücklegen muss, den er hereingekommen ist — im Wrack, in der Höhle, unter Eis.

Woher die Regel kommt

Die Drittelregel wird auf den amerikanischen Höhlentaucher Sheck Exley zurückgeführt, der sie in Basic Cave Diving: A Blueprint for Survival (1977) niedergelegt hat. Sie ersetzte ein älteres Verfahren, das den Umkehrdruck bei der Hälfte des Vorrats plus einem Zuschlag ansetzte. Der Unterschied ist erheblich: Bei 3000 psi Fülldruck liegt der Umkehrdruck nach der Drittelregel bei 2000 psi, nach dem älteren „Half + 200“-System erst bei 1700 psi. Cave Dive Florida führt das an einem Unfall vor und kommt zu dem Schluss, dass die konservativere Regel die richtige ist.

Wie der Umkehrdruck gerechnet wird

Ein Zahlenbeispiel mit einer auf 200 bar gefüllten Flasche: Ein Drittel von 200 bar sind 66,7 bar. Weil die verbrauchbare Menge eine Obergrenze ist, wird abgerundet — 66 bar. Der Umkehrdruck liegt damit bei 134 bar. Wer erst bei 133 bar umkehrt, hat sein Drittel schon überzogen. Diese Richtung des Rundens ist kein Formalismus: Sie entscheidet darüber, ob die Reserve am Ende größer oder kleiner ist als geplant.

In der Praxis wird meist nicht vom Fülldruck, sondern vom nutzbaren Gas gerechnet, also nach Abzug einer festen Mindestmenge. Eine Schweizer Darstellung der GUE-Planung rechnet einen 45-Meter-Wracktauchgang mit einem Doppelgerät bei 210 bar Fülldruck und rund 90 bar Minimum Gas: Nutzbar sind 120 bar, umgekehrt wird nach der Hälfte davon, der Umkehrdruck liegt bei etwa 150 bar.

Warum drei Drittel und nicht zwei

Das dritte Drittel ist nicht Bequemlichkeit, sondern der Partner. Verliert einer im Team sein Gas, muss der Vorrat des anderen für den gemeinsamen Rückweg reichen — und zwar unter Stress, mit erhöhter Atemrate und gegebenenfalls während der Dekompression. Genau das beschreiben die Höhlentaucher von BerlinTaucher: Im Notfall muss der eigene Vorrat für zwei Taucher genügen. Die Darstellung der GUE-Planung formuliert es als Aufteilung — ein Drittel für sich, ein Drittel für einen Partner mit Gasverlust.

Das schwächste Glied bestimmt die Regel

Die Regel gilt für das Team, nicht für den Einzelnen. Tauchen zwei Partner mit unterschiedlich großen Flaschen oder unterschiedlichem Verbrauch, ist das kleinere Drittel maßgeblich: Es kann nötig sein, ein Drittel des Partnervorrats als Umkehrmenge anzusetzen, damit die Rechnung im Ernstfall für beide aufgeht. Wer mit 15 Litern neben einem Partner mit 10 Litern taucht, plant nach den 10 Litern.

Was die Regel nicht leistet

Die Drittelregel ist grob, und das ist beabsichtigt — eine Faustregel, die sich unter Wasser im Kopf rechnen lässt. Sie setzt voraus, dass der Rückweg etwa so lang und so tief ist wie der Hinweg und dass beide unter vergleichbaren Bedingungen zurückgelegt werden. Die GUE-Darstellung benennt die Lücken ausdrücklich: Sie berücksichtigt weder eine durch Aufregung erhöhte Atemrate noch Strömung. Wo diese Annahmen nicht halten — Gegenströmung auf dem Rückweg, langer Dekoaufstieg, Zweierteam ohne dritten Partner —, wird konservativer geplant, mit einer Viertel-, Fünftel- oder Sechstelregel.

Als Ausbilder halte ich die Regel deshalb für einen Einstieg, nicht für ein Ergebnis. Das rechnerisch saubere Verfahren ist die Planung über Minimum Gas beziehungsweise Rock Bottom: Dort wird von der Gasmenge her gerechnet, die zwei Taucher vom tiefsten Punkt aus tatsächlich bis zur Oberfläche brauchen. Dieses Verfahren ist vielseitiger, aber aufwendiger zu rechnen — weshalb die Drittelregel als Kontrollgröße daneben bestehen bleibt.

Sie taucht bei den Verbänden auf, die Overhead-Tauchen unterrichten: NSS-CDS und IANTD im Höhlenbereich, TDI im technischen Tauchen, GUE in der eigenen Planungssystematik. Die Zahlen unterscheiden sich, das Prinzip nicht.

Gilt die Drittelregel auch im Freiwasser?
Sie ist für Tauchgänge gedacht, bei denen der Rückweg dieselbe Strecke ist. Im Freiwasser steht der direkte Aufstieg jederzeit offen; dort planen die Verbände über Restdruck und Mindestmengen, nicht über Drittel. Wer im Freiwasser nach Dritteln plant, macht nichts falsch — er verschenkt nur Tauchzeit.
Wird vom Fülldruck oder vom nutzbaren Gas gerechnet?
Beides ist in Gebrauch. Die ursprüngliche Fassung rechnet vom Fülldruck: ein Drittel hinein, zwei Drittel zurück. Die neueren Planungssysteme ziehen zuerst eine Mindestmenge ab, die unangetastet bleibt, und dritteln erst das, was übrig ist. Das zweite Verfahren ist strenger, weil die Reserve nicht mehr Teil der Rechnung ist.
Was ist der Unterschied zur Sechstelregel?
Dieselbe Systematik, engerer Umkehrpunkt: Es wird nur ein Sechstel des Vorrats für den Hinweg verbraucht. Angewandt wird sie, wo der Rückweg schwerer sein kann als der Hinweg — bei Strömung, langer Penetration oder wenn absehbar ist, dass der Verbrauch auf dem Rückweg steigt.

Quellen

Zur Quellenlage: Die Drittelregel ist eine Regel der Praxis, nicht einer Norm. Eine Fundstelle bei CMAS, SSI oder PADI, die sie im Wortlaut festschreibt, liegt für diesen Eintrag nicht vor; die Belege stammen aus dem Höhlentauchschrifttum und von Praktikerseiten. Exleys Buch ist nicht am Original abgeglichen, sondern über die Wikipedia-Zuschreibung belegt.

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Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.