Kopfhaube

Schwarze Neopren-Kopfhaube mit breitem Schulterlatz auf hellem Untergrund, Gesichtsöffnung und Ohrwölbungen sichtbar.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Die Kopfhaube ist das Neoprenteil, das Kopf und Hals bedeckt und damit die Fläche schließt, die ein Tauchanzug offen lässt. Sie ist zugleich das einzige Ausrüstungsteil, das den Druckausgleich behindern kann — und deshalb ein Stück Kälteschutz, das man nicht nur nach Wärmeleistung, sondern auch nach Sitz aussucht.

Warum der Kopf nicht frei bleibt

Im Wasser verliert der Körper Wärme ungleich schneller als an Land. Alert Diver beziffert den Unterschied so: „Water conducts heat 20-27 times faster than air.“ Dieselbe Quelle setzt die Schwelle, ab der Kälteschutz sinnvoll wird, recht hoch an: „Most divers will benefit from wearing thermal protection in water cooler than 80°F (27°C).“ Wohin die Entwicklung führt, wenn zu viel Wärme abfließt, beschreibt sie in drei Stufen der Unterkühlung — leicht zwischen 32 und 35 Grad Kerntemperatur, mittelschwer zwischen 28 und 32, schwer darunter.

Ein Taucher im geschlossenen Anzug bietet dem Wasser nur noch wenige unbedeckte Flächen: Hände, Gesicht und den Kopf. Die Haube schließt die größte davon. Sie ist damit das Teil, das aus einem Anzug, der im See gerade noch reicht, einen Anzug macht, mit dem sich auch ein zweiter Tauchgang durchhalten lässt.

Bauarten und Stärken

Kopfhauben unterscheiden sich vor allem in zwei Punkten: in der Materialstärke und darin, ob sie am Hals enden oder in einen Schulterlatz übergehen.

  • Stärke. Übliche Zuordnungen in der Praxis: etwa 3 mm für warme Gewässer, rund 5 mm für gemäßigte Bedingungen und längere Tauchgänge, 6 mm und mehr für kalte Seen.
  • Kragen und Latz. Ein kurzer Kragen genügt im warmen Wasser; ein langer Kragen hält im kälteren besser dicht. Die dichteste Lösung ist der in den Anzug integrierte Kragen. Der breite Schulterlatz, den die meisten Kaltwasserhauben tragen, verschwindet unter dem Anzug und verhindert, dass am Hals ständig Wasser nachläuft.
  • Nähte. Flachnähte, verklebte oder blindstichvernähte Nähte unterscheiden sich darin, wie viel Wasser durch die Naht selbst zieht.
  • Entlüftung. Viele Hauben haben oben kleine Entlüftungslöcher, damit sich beim Abtauchen keine Luftblase unter dem Scheitel staut.

Die Haube ist außerdem ein Neopren-Auftriebskörper wie jedes andere Anzugteil: Sie bringt Auftrieb mit, der beim Bleicheck zählt, und sie verliert ihn mit der Tiefe, weil die Gasbläschen im Material zusammengedrückt werden.

Der Punkt, an dem es unangenehm wird: das Ohr

Alert Diver nennt die Kopfhaube das einzige Ausrüstungsteil, das den Druckausgleich stören kann. Der Mechanismus: Eine zu enge Haube kann den Fluss des Wassers im Gehörgang blockieren oder einschränken. Im ungünstigsten Fall wirkt sie wie ein Saugnapf auf der Ohrmuschel — „es bildet sich jedoch allmählich ein Vakuum in einem Gehörgang, wodurch sich das Trommelfell nach außen wölbt“. Das ist ein Barotrauma des äußeren Gehörgangs, und es entsteht ausgerechnet dort, wo sonst nichts passiert.

Die Abhilfe ist unspektakulär: Die Haube soll eng sitzen wie ein Handschuh, aber das Wasser muss an die Ohren kommen. Alert Diver empfiehlt, vor dem Abtauchen einen Finger in Richtung Ohr unter die Haube zu schieben, und nennt als dauerhafte Lösung, im Ohrbereich Löcher in die Haube zu schneiden und mit durchlässigem Stoff zu hinterlegen. Ohrstöpsel sind dagegen tabu — unter Wasser werden sie zum Geschoss.

Dass dabei kaltes Wasser eindringt, gehört zur Sache. Alert Diver sagt es unverblümt: „Wir müssen uns damit abfinden, dass Wasser (ja, kaltes Wasser) in unsere Kopfhauben eindringen wird. Weil es so sein muss.“

Aus der Ausbildung

Drei Beobachtungen, die sich bei mir wiederholen. Erstens: Eine Haube, die an Land angenehm sitzt, ist unter Wasser fast immer richtig; eine, die an Land schon drückt, drückt in zehn Metern mehr. Zweitens: Wer plötzlich Schwierigkeiten mit dem Druckausgleich hat, obwohl es sonst funktioniert, hat oft schlicht eine neue oder dickere Haube an — das ist der erste Punkt, den ich abfrage, bevor wir über Technik reden. Drittens: Die Haube wird beim Anlegen entlüftet, nicht erst in fünf Metern; die Blase unter dem Scheitel hebt sonst den Kopf und stört die Lage im Wasser.

Warum bekomme ich mit Haube schlechter Druckausgleich?
Weil eine zu enge Haube nach Darstellung von Alert Diver den Wasserfluss im Gehörgang blockieren oder einschränken kann. Dann bleibt im Gehörgang ein Luft- oder Wasserpolster stehen, das dem Umgebungsdruck nicht folgt — im Extremfall entsteht ein Unterdruck, der das Trommelfell nach außen wölbt. Das ist kein Problem der Ohrtrompete und lässt sich durch kräftigeres Valsalva nicht lösen; es hilft nur, das Wasser an das Ohr zu lassen.
Darf ich Ohrstöpsel unter der Haube tragen?
Nein. Alert Diver bezeichnet Ohrstöpsel als absolut tabu, weil sie sich unter Wasser in gefährliche Geschosse verwandeln. Sie schließen den Gehörgang gegen den Umgebungsdruck ab — also genau das, was man vermeiden will. Wer Probleme mit dem Gehörgang hat, gehört zum Taucherarzt und nicht zum Zubehörregal.
Welche Stärke brauche ich?
In der Praxis werden etwa 3 mm für warme, rund 5 mm für gemäßigte und 6 mm und mehr für kalte Gewässer genannt. Das sind Erfahrungswerte aus dem Handel, keine Norm — entscheidend sind Wassertemperatur, Tauchzeit, das eigene Kälteempfinden und die Frage, ob die Haube zum übrigen Anzug passt. Eine zu dicke Haube ist kein Sicherheitsgewinn: Sie drückt, sie trägt Auftrieb ein, und sie erschwert den Druckausgleich.

Quellen

Zur Quellenlage: Die Angaben zu Stärken, Kragenvarianten, Nähten und Entlüftungslöchern stammen von einer Vergleichs- und Händlerseite, nicht aus einer Norm oder von einem Ausbildungsverband; sie sind als Praxisüblichkeiten zu lesen. Für den häufig genannten prozentualen Anteil des Kopfes am Wärmeverlust liegt keine belastbare Fundstelle vor, weshalb dieser Eintrag dazu keine Zahl nennt. DIN EN 14225-1 zu Nasstauchanzügen ist kostenpflichtig und diesem Eintrag nicht zugrunde gelegt; ob sie Kopfhauben erfasst, bleibt hier offen.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.