Vinkeveense Plassen tauchen: der Bus, der Kotter und die Duikpenning

Luftbild der Vinkeveense Plassen mit den langgestreckten Sandinseln und Wasserflächen zwischen Vinkeveen und Abcoude
Luftbild der Vinkeveense Plassen, Mai 2018. Foto: Cavit, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Zandeiland 4 auf einen Blick

  • Wo: Vinkeveense Plassen, Zandeiland 4, Baambrugse Zuwe 143 J in Vinkeveen — südöstlich von Amsterdam, aus dem Rheinland in gut zwei Stunden erreichbar.
  • Die Duikpenning ist Pflicht. Wer in der Tauchzone vor Eiland 4 tauchen will, braucht sie — Apnoetaucher, Tauchschulen und Vereine ausdrücklich eingeschlossen. Sie muss beim Tauchen getragen werden.
  • Wo es sie gibt: ausschließlich bei Airdiving auf Eiland 4. Jedes Jahr bekommt die Penning eine andere Farbe und Nummer.
  • Die Tarife: Tagesgenehmigung 10 Euro, individuelle Jahresgenehmigung 30 Euro, Tauchschulgenehmigung 219 Euro für einen Ausbilder und acht Schüler.
  • Die Tauchzone: etwa 180 Meter lang und 120 Meter breit, mit rot-weißen Bojen markiert. Innerhalb der Zone ist das Befahren verboten — kein Boots- und Wassersportverkehr über den Tauchern.
  • Was am Grund liegt: ein versenkter Bus — das bekannteste Tauchziel der Niederlande —, dazu eine Baggerschute, ein Kotter, Tauchplattformen und Spielgeräte.
  • Vor Ort: Parkplatz auf Eiland 4, Toiletten einschließlich Behinderten-WC, Umkleide und Kaltwasserdusche.

Wenn deutsche Taucher aus dem Westen über die Grenze fahren, führt der Weg meistens nach Limburg. Die Vinkeveense Plassen liegen ein gutes Stück weiter nördlich, und der Mehraufwand lohnt sich aus einem Grund, den man erst unter Wasser versteht: Es ist einer der wenigen Süßwasserplätze, an denen sich ein See wie ein Tauchrevier anfühlt und nicht wie ein Übungsbecken.

Der Preis dafür ist ein Stück Bürokratie, das an keinem deutschen Baggersee so konsequent gehandhabt wird. Wer ohne Penning anreist, taucht nicht — und zwar unabhängig davon, wie weit er gefahren ist.

Die Duikpenning: was sie kostet und wer eine braucht

Der niederländische Tauchsportverband NOB formuliert die Grundregel knapp: „Voor verschillende plekken heb je een vergunning nodig om te duiken“ — für verschiedene Plätze braucht man eine Genehmigung. Für Eiland 4 an den Vinkeveense Plassen ist sie ausschließlich beim Tauchcenter Airdiving auf der Insel erhältlich; die Tarife setzt das Recreatieschap fest, das die Regelung auch kontrolliert.

GenehmigungPreisGilt für
Dagvergunning10,00 Euroeinen Tag; sie wird am Ausgabetag gelocht
Individuelle Jahresvergunning30,00 Euroeine Person, ein Kalenderjahr
Duikschool-Vergunning219,00 Euroeinen Ausbilder und acht Schüler, ganzjährig für alle Tauchstunden

Drei Punkte daran werden regelmäßig unterschätzt. Erstens gilt die Pflicht für jeden in der Zone, ausdrücklich auch für Apnoetaucher sowie für Tauchschulen und Tauchvereine. Ein Freediver, der nur ein paar Züge an der Boje macht, ist damit nicht ausgenommen. Zweitens muss die Penning getragen werden, nicht nur besessen: Sie wechselt jährlich Farbe und Nummer, sodass auf einen Blick erkennbar ist, wer eine gültige Genehmigung hat. Drittens gibt es die Tageslösung erst seit 2018 — wer eine ältere Beschreibung liest, in der nur von der Jahresvergunning die Rede ist, hat eine veraltete Quelle vor sich.

Für die individuelle Jahres- und die Schulgenehmigung stellt Airdiving ein Formular bereit, das ausgefüllt mitgebracht wird. Das lässt sich vor der Fahrt erledigen — man sollte dann allerdings die Öffnungszeiten des Ladens im Blick behalten, denn die Ausgabe passiert dort und nirgends sonst.

Die Rechnung ist eindeutig: Ab dem vierten Tauchtag im Jahr ist die 30-Euro-Jahresgenehmigung billiger als die Tageskarten. Wer Vinkeveen auch nur als gelegentliches Ziel einplant, löst sie gleich beim ersten Besuch.

Die Tauchzone — 180 mal 120 Meter, und der eigentliche Grund hinzufahren

Der Anlass für die ganze Regelung ist kein Verwaltungsinteresse, sondern ein Konflikt: Die Zahl der Taucher hat stark zugenommen, und die Plassen werden zugleich intensiv befahren. Zur Erhöhung der Sicherheit wurde deshalb vor dem Erholungseiland 4 an der Baambrugse Zuwe eine Tauchzone eingerichtet, in der das Befahren verboten ist. Sie ist etwa 180 Meter lang und 120 Meter breit und mit rot-weißen Bojen markiert. Am Grund liegen die Objekte, auf die getaucht wird.

Das ist der handfeste Vorteil gegenüber vielen Mehrzweckgewässern, und er wirkt genau dort, wo es unangenehm wird: beim Auftauchen. An einem offenen See taucht man mit einem Ohr an der Oberfläche auf, hört auf Motorengeräusche und setzt im Zweifel eine Boje. In einer gesperrten Zone entfällt dieser Teil der Anspannung.

Umgekehrt heißt das: Außerhalb der Zone ist Tauchen nicht vorgesehen. Airdiving rät ausdrücklich davon ab, weil man sich und der Schifffahrt bei dem Verkehr auf den Plassen sonst Gefahr bringt. Dazu kommt das niederländische Binnenschifffahrtsrecht, das Tauchen in durchgehenden Fahrrouten, in der Nähe von Häfen, Anlegestellen, Brücken und Schleusen sowie in Gebieten für Schnellfahren und Wasserski verbietet. Wer die Plassen abseits von Eiland 4 erkunden will, klärt das vorher — nicht am Ufer.

Die Zonengröße hat noch eine zweite Konsequenz, über die selten gesprochen wird. 180 mal 120 Meter sind ein überschaubares Feld: Man kann es in einem Tauchgang mehrfach queren. Wer die Objekte nicht findet, hat kein Tiefen-, sondern ein Navigationsproblem — und genau deshalb ist der Platz ein so guter Ort, um Navigation zu üben. Der Fehler ist folgenlos, weil das Ufer nie weit ist, und die Rückmeldung ist sofort da, weil man entweder am Bus steht oder nicht.

Der Bus, und was sonst am Grund liegt

Das bekannteste Objekt in der Zone ist ein versenkter Bus. Er gilt als das meistbesuchte Tauchziel der Niederlande, und das liegt weniger am Bus selbst als an seinen Bewohnern: In und um ihn stehen regelmäßig große Hechte. Der heutige Bus ist übrigens nicht der erste — die niederländische Tauchpresse berichtet, dass es inzwischen der dritte ist, weil Wasser und Besucherzahl an so einem Objekt zehren.

Daneben liegen eine Baggerschute, ein Kotter — ein Fischereifahrzeug —, zwei Tauchplattformen, ein kleines Segelboot und Spielgeräte im Wasser. Die Mischung ist typisch für niederländische Tauchseen: Es sind bewusst gesetzte Orientierungspunkte, die einen Tauchgang strukturieren, kein zufälliges Sammelsurium. Man taucht von Objekt zu Objekt, und jedes ist zugleich Wegmarke und Ziel.

An Fischen sind neben Hechten vor allem Barsche und Weißfische zu erwarten, dazu Aale und Brassen; berichtet werden außerdem Flusskrebse. Wer schon einmal versucht hat, sich einem Hecht zu nähern, weiß, was den Reiz ausmacht: Er bewegt sich nicht, bis man zu nah kommt — und dann ist er weg.

Tiefe und Sicht: was sich sagen lässt

Für die Tauchzone nennt der Betreiber keine Tiefenzahl, sondern beschreibt die Plassen allgemein als klar und tief. Kursierende Meterangaben für „die Vinkeveense Plassen“ beziehen sich auf die alten Sandentnahmestellen des Gewässers — also auf Bereiche außerhalb der markierten Zone, in der man nach Empfehlung des Betreibers ohnehin nicht tauchen soll. Für die Planung eines Tauchgangs auf den Bus ist diese Zahl deshalb ohne Bedeutung: Die Objekte in der Zone liegen im Sporttauchbereich, und ein Tieftauchgang ist Vinkeveen nicht.

Bei der Sicht gehen die Angaben weit auseinander. Die Region wirbt mit Sichtweiten von über zwanzig Metern; Tauchberichte vom Platz selbst nennen im Alltag deutlich weniger, oft im einstelligen Bereich. Beides kann stimmen, weil beides denselben See an verschiedenen Tagen beschreibt. Für die Planung heißt das: Man rechnet mit wenig und freut sich über viel — und man findet die Objekte nicht, indem man sich umsieht, sondern indem man navigiert. Kompass, gezählte Flossenschläge und ein sauber gehaltener Kurs sind hier keine Kür. Wer das nicht kann, hängt sich an jemanden, der es kann, und übt es beim nächsten Mal.

Zur Wassertemperatur: Es ist ein niederländischer Binnensee. Unterhalb der Sprungschicht bleibt es auch im Hochsommer kühl, und im Winter liegen die Werte nahe dem Gefrierpunkt. Der Kälteschutz richtet sich nach der Jahreszeit, nicht nach dem Wetter auf dem Parkplatz.

Wie ich einen Tag in Vinkeveen plane

Als Tauchlehrer schätze ich Vinkeveen aus einem Grund, der auf keiner Tauchplatzseite steht: Der Platz verzeiht Übungsfehler, ohne sie zu verstecken. Eine gesperrte Zone von der Größe eines Sportplatzes, feste Objekte am Grund, ein Steg als Ein- und Ausstieg — das ist eine Übungsanordnung, wie man sie sich für Navigation und Partnerarbeit kaum besser bauen könnte.

Praktisch sieht mein Ablauf so aus. Die Genehmigung ist am Vortag geklärt, die Bleimenge steht vor der Fahrt fest — wer aus dem Salzwasserurlaub kommt, macht vorher einen Bleicheck, statt am Steg zu raten. Der erste Tauchgang geht auf den Bus und dient dazu, den Kurs zu kalibrieren: Wie viele Flossenschläge auf 30 Meter, wie stark zieht mich mein eigener Fehler nach rechts? Der zweite Tauchgang geht dann irgendwohin, ohne dass ich unterwegs auftauche und nachsehe. Das ist die eigentliche Übung.

Was ich immer dabeihabe: einen Kompass, den ich blind bedienen kann, eine Lampe — nicht wegen der Dunkelheit, sondern um in den Objekten überhaupt etwas zu erkennen —, und eine Notiz mit den Kursen des letzten Besuchs. Für den zweiten Tauchgang gilt: Der Steg ist ein guter Ausstieg, aber ein schlechter Sammelplatz. Wer den Partnerkontakt bei fünf Metern Sicht verliert, hält sich an das, was er im Kurs gelernt hat, statt zu suchen.

Und ein Hinweis zum Parken, den der Betreiber selbst gibt: Man nimmt eine Parklücke, nicht zwei, und breitet die Ausrüstung nicht auf dem Parkplatz aus. Bei dem Andrang an Mittwochabenden und Wochenenden ist das kein Höflichkeitsdetail, sondern der Unterschied zwischen einem funktionierenden Platz und einem Ärgernis für alle.

Häufige Fragen zu den Vinkeveense Plassen

Brauche ich eine Genehmigung zum Tauchen in Vinkeveen?
Ja, für die Tauchzone vor Eiland 4. Jeder, der dort taucht, braucht eine Duikpenning — Apnoetaucher, Tauchschulen und Vereine ausdrücklich eingeschlossen — und muss sie beim Tauchen tragen. Erhältlich ist sie ausschließlich bei Airdiving auf Eiland 4, Baambrugse Zuwe 143 J. Die Tarife setzt das Recreatieschap fest, dessen Aufsichtspersonal die Genehmigung kontrolliert.
Was kostet die Duikpenning für Zandeiland 4?
Die Tagesgenehmigung kostet 10 Euro und wird am Ausgabetag gelocht; sie gilt einen Tag. Die individuelle Jahresgenehmigung kostet 30 Euro. Tauchschulen und Vereine zahlen 219 Euro für eine Jahresgenehmigung, die einen Ausbilder und acht Schüler abdeckt und ganzjährig für alle Tauchstunden gilt. Ab dem vierten Tauchtag im Jahr ist die Jahresgenehmigung günstiger als Tageskarten.
Wie groß ist die Tauchzone und darf ich außerhalb tauchen?
Die Zone liegt vor dem Erholungseiland 4 an der Baambrugse Zuwe, ist etwa 180 Meter lang und 120 Meter breit und mit rot-weißen Bojen markiert; das Befahren ist darin verboten. Vom Tauchen außerhalb der Zone rät der Betreiber ausdrücklich ab, weil der Schiffsverkehr auf den Plassen dicht ist. Zusätzlich verbietet das niederländische Binnenschifffahrtsrecht das Tauchen in durchgehenden Fahrrouten sowie in der Nähe von Häfen, Anlegestellen, Brücken und Schleusen und in Gebieten für Schnellfahren und Wasserski.
Was kann man in Vinkeveen sehen?
Das bekannteste Objekt ist ein versenkter Bus, an dem regelmäßig große Hechte stehen; nach Berichten der niederländischen Tauchpresse ist es bereits der dritte Bus an dieser Stelle. Dazu kommen eine Baggerschute, ein Kotter, zwei Tauchplattformen, ein kleines Segelboot und Spielgeräte. An Fischen sind neben Hechten vor allem Barsche und Weißfische zu erwarten, dazu Aale, Brassen und Flusskrebse.
Ist Vinkeveen für Anfänger geeignet?
Die abgesperrte Tauchzone ohne Boots- und Wassersportverkehr ist gerade für weniger erfahrene Taucher ein echter Sicherheitsvorteil, und der Einstieg über den Steg ist unkompliziert. Die begrenzte Sicht stellt allerdings Anforderungen an Navigation und Partnerkontakt — beides sollte vorher sitzen. Mit einem Ausbilder oder einem ortskundigen Partner ist der Platz ein sehr guter Ort, um genau das zu üben; allein und ohne Kompass wird er schnell frustrierend.

Siehe auch: Fühlinger See in Köln · TauchRevier Gasometer in Duisburg · Kreidesee Hemmoor · Boschmolenplas in Panheel

Quellen und weiterführende Links

Über Divemaster Tom 17 Artikel
Tom führt zu Tauchplätzen, Wracks und Tauchreisezielen und schreibt auf, was man vor Ort wissen muss: Einstieg, Bedingungen, Regeln. Lange Jahre Divemaster, heute SSI Open Water Scuba Instructor und CMAS-Tauchlehrer.

2 Kommentare

  1. Gut zu wissen, dass es die Duikpenning nur bei Airdiving auf Eiland 4 gibt. Besser vorher wissen als nach zwei Stunden Anfahrt am Ufer merken.

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