Tauchzeit

Taucherin schwebt am Sicherheitsstopp an einer Aufstiegsleine und sieht auf ihren Tauchcomputer.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Die Tauchzeit ist die Zeitspanne, die ein Taucher bei einem Tauchgang insgesamt unter Wasser verbringt — vom Abtauchen bis zum Auftauchen, einschließlich Aufstieg und aller Stopps. Sie ist damit länger als die Grundzeit, die nur den Abschnitt bis zum Verlassen der Tiefe zählt. Ins Logbuch wandert meist die Tauchzeit, gerechnet wird in der Tabelle mit der Grundzeit.

Tauchzeit und Grundzeit sind nicht dasselbe

Die Verwechslung der beiden Größen ist der häufigste Fehler beim Tabellentauchen, und sie liegt nah, weil beide Uhren gleichzeitig loslaufen. Die Grundzeit umfasst „den Zeitraum vom Verlassen der Wasseroberfläche (Abtauchen, Kompressionsphase) bis zum Verlassen der maximalen Tiefe“. Die GTÜM formuliert es für die Nullzeit etwas anders: Sie beginne „mit dem Verlassen der Wasseroberfläche“ und ende „mit dem Beginn des Aufstiegs, wenn mit der vorgeschriebenen Auftauchgeschwindigkeit aufgestiegen wird“.

Beide Formulierungen fallen bei einem Rechteckprofil zusammen, gehen aber auseinander, sobald der Tauchgang gestuft verläuft: „Verlassen der maximalen Tiefe“ endet schon beim ersten Wechsel auf ein flacheres Niveau, „Beginn des Aufstiegs“ erst beim endgültigen Weg nach oben. Wer nach Tabelle taucht, fährt mit der vorsichtigeren Auslegung — der längeren Zeit — besser.

Die Tauchzeit zählt dagegen weiter, wenn die Grundzeit längst steht. Albrecht Salm rechnet auf divetable.info ein Beispiel durch, bei dem Aufstieg und Stopps zehn Minuten kosten, und hält fest: „Insgesamt hat sich eure Tauchzeit (nicht die Grundzeit) um 10 min verlängert.“ Genau das ist die Abgrenzung.

Warum die Unterscheidung für die Dekompression zählt

Eine Tauchtabelle unterstellt ein Rechteckprofil: Der Taucher sei die ganze Grundzeit über auf der maximalen Tiefe geblieben. Das ist bewusst pessimistisch gerechnet, denn in Wirklichkeit war er einen Teil der Zeit flacher und hat dort weniger Inertgas aufgenommen. Aus Tiefe und Grundzeit ergeben sich dann die Nullzeit und, wenn diese überschritten ist, die Tiefe und Dauer der Dekompressionsstopps.

Der Aufstieg und die Stopps gehören nicht in diese Rechnung hinein, weil dort keine weitere Aufsättigung mehr stattfindet, sondern im Gegenteil bereits entsättigt wird. Wer die volle Tauchzeit in die Tabelle trägt, rechnet sich unnötig lange Stopps aus; wer umgekehrt nur die Zeit auf Maximaltiefe nimmt und den Abstieg unterschlägt, rechnet sich zu kurze. Die Grundzeit ist der Kompromiss, auf den sich die gängigen Tabellenwerke geeinigt haben.

Was der Tauchcomputer daraus macht

Ein Tauchcomputer braucht die Unterscheidung nicht. Er misst den Umgebungsdruck im Sekundentakt und füllt und entleert seine Rechenkompartimente laufend mit dem tatsächlichen Profil — der Aufstieg ist für ihn keine Grauzone, sondern schlicht die nächste Rechenstufe. Was er im Display „Tauchzeit“ nennt, ist die verstrichene Zeit seit dem Abtauchen, also die Gesamtzeit im Wasser. Eine Grundzeit weist er in der Regel gar nicht gesondert aus.

Das ist bequem, hat aber eine Kehrseite: Wer nur nach Computer taucht, verliert das Gefühl dafür, welcher Teil des Tauchgangs eigentlich die Sättigung treibt. In der Ausbildung lasse ich deshalb beides rechnen — einmal die Tabelle mit Grundzeit, einmal den Computer mit Tauchzeit — und lasse die Abweichung erklären.

Im Logbuch und in der Planung

Ins Logbuch gehört üblicherweise die Tauchzeit, weil sie die Erfahrung abbildet, die der Tauchgang gebracht hat; viele Brevetierungsstufen zählen Tauchgänge und Zeiten in dieser Form. Für die Planung eines Wiederholungstauchgangs ist dagegen wieder die Grundzeit die Eingangsgröße. Und die Oberflächenpause beginnt dort, wo die Tauchzeit endet: mit dem Auftauchen.

Quellen

Zur Quellenlage: Eine eigenständige Definition des Begriffs „Tauchzeit“ durch einen Ausbildungsverband liegt in den frei zugänglichen Quellen nicht vor. Die Abgrenzung hier stützt sich auf die Definitionen von Grundzeit und Nullzeit sowie auf ein Rechenbeispiel einer Praktikerquelle. Die beiden zitierten Zeitdefinitionen enden an unterschiedlichen Punkten des Tauchgangs; das ist im Text so stehen gelassen.

Zählt der Sicherheitsstopp zur Tauchzeit?
Ja. Die Tauchzeit läuft bis zum Auftauchen, und der Sicherheitsstopp auf fünf Metern liegt davor. Zur Grundzeit zählt er dagegen nicht — sie ist zu diesem Zeitpunkt längst beendet. Wer nach Tabelle rechnet, addiert den Sicherheitsstopp also nicht in die Eingangsgröße, trägt ihn aber in die im Logbuch vermerkte Gesamtzeit ein.
Was trage ich ins Logbuch ein, wenn Computer und Tabelle auseinandergehen?
Sinnvoll ist, den Wert des Computers als Tauchzeit einzutragen und die für die Planung verwendete Grundzeit daneben zu vermerken. Beide Zahlen haben einen eigenen Zweck: Die Tauchzeit dokumentiert den Tauchgang, die Grundzeit ist die Größe, mit der ein Wiederholungstauchgang geplant wird. Wer nur eine Zahl notiert, verliert die andere.
Warum steht in der Tabelle die Grundzeit und nicht die Tauchzeit?
Weil die Tabelle den Aufstieg bereits enthält. Sie ist so gebaut, dass zu einer Kombination aus Tiefe und Grundzeit die nötige Dekompression herauskommt — der Aufstieg mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit ist Teil dieses Ergebnisses, nicht Teil der Eingabe. Trüge man die volle Tauchzeit ein, rechnete man den Aufstieg doppelt.
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.