Abschwellende Nasenmittel

Hand hält an Deck eines Tauchboots ein unbeschriftetes Nasenspray-Fläschchen, daneben Maske und Neoprenanzug.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Abschwellende Nasenmittel sind Arzneimittel, die die Schleimhaut in Nase und Nasennebenhöhlen zum Abschwellen bringen, indem ihre Wirkstoffe die kleinen Blutgefäße der Schleimhaut verengen. Taucher greifen zu ihnen, wenn der Druckausgleich nicht kommt. Der Nutzen ist belegt, der Haken ebenso: Die Wirkung endet, und sie endet nicht immer dann, wenn es passt.

Was sie tun

Die Wirkstoffe dieser Gruppe – Oxymetazolin, Xylometazolin, Phenylephrin als Spray, Pseudoephedrin als Tablette – sind Alpha-Sympathomimetika. Sie binden an Alpha-Rezeptoren in der Nasenschleimhaut, die Gefäße verengen sich, die Schleimhaut wird dünner, die Nasengänge und die Zugänge zu den Nasennebenhöhlen werden frei. Genau darauf kommt es beim Druckausgleich an: Die Ohrtrompete und die Nebenhöhlenostien müssen offen sein, sonst entsteht ein Mittelohrbarotrauma oder ein Barotrauma der Nebenhöhlen.

Was das MSD Manual zum Tauchen sagt

Das MSD Manual führt in seinem Kapitel zum Barotrauma der Ohren und der Sinus eine ausdrücklich auf das Tauchen bezogene Prophylaxe: „Oxymetazolin 0,05 % Nasenspray, jeweils 2 Sprühstöße pro Nasenloch zweimal täglich, beginnend 12 bis 24 Stunden vor dem Tauchgang.“ Nach einem bereits eingetretenen Barotrauma heißt es dort, Dekongestiva – in der Regel Oxymetazolin-Nasenspray oder orales Pseudoephedrin – könnten helfen, verstopfte Kammern zu öffnen; bleibt die Wirkung aus, kommen nasale Kortikosteroide in Betracht.

Ebenso klar ist die Grenze, die dasselbe Kapitel zieht: Eine Person soll nicht tauchen, wenn die Verstopfung nicht abklingt, wenn ein Infekt der oberen Atemwege vorliegt oder wenn eine allergische Rhinitis nicht unter Kontrolle ist. Das Mittel ersetzt also nicht die Entscheidung, ob getaucht wird – es hilft einer Nase, die im Übrigen gesund ist.

Der Haken: Rebound und der umgekehrte Block

Läuft die Wirkung ab, weiten sich die Gefäße wieder, und zwar häufig stärker als vorher. DAN beschreibt dieses Nachschwellen als den zentralen Einwand gegen abschwellende Sprays vor dem Tauchgang: Das Medikament kann während des Tauchgangs nachlassen, und der Taucher steht dann beim Aufstieg vor einem umgekehrten Block. Das ist die gefährlichere Richtung. Ein Abstieg lässt sich abbrechen, ein Aufstieg nicht.

Für orale Mittel nennt DAN zusätzlich die üblichen systemischen Wirkungen – Unruhe, Nervosität, Schwindel, Herzklopfen – und mahnt, die empfohlene Tagesdosis vor dem Tauchen nicht zu überschreiten. Eine gemeinsam mit der University of South Florida ausgewertete Untersuchung von 2013 fand bei normaler Dosierung kein deutlich erhöhtes Krampfrisiko, wohl aber eine große individuelle Streuung in der Empfindlichkeit gegenüber Sauerstoff; sehr hohe Dosen aus mehreren frei verkäuflichen Präparaten zugleich können die Anfälligkeit erhöhen.

Wie lange man sie nehmen darf

Abschwellende Sprays sind Mittel für wenige Tage. Der Berufsverband der HNO-Ärzte hält fest, dass eine Anwendung über mehr als sieben bis zehn Tage oder auf Dauer die Nasenschleimhaut schädigen kann: Die Rezeptordichte nimmt ab, die Schleimhaut schwillt ohne das Spray nicht mehr ab – das Bild der Rhinitis medicamentosa, umgangssprachlich Privinismus –, und im weiteren Verlauf kommt es zu atrophischen Veränderungen. Für eine Tauchwoche heißt das: Ein Spray, das an jedem Tag zweimal benutzt wird, ist am Ende der Reise nahe an dieser Grenze.

Die Alternative, die DAN nennt

DAN empfiehlt statt der abschwellenden Sprays nasale Kortikosteroide, etwa Fluticasonpropionat. Sie wirken nicht über eine Gefäßverengung, es gibt deshalb kein Nachschwellen – dafür setzen sie erst nach Tagen ein und sollten mindestens eine Woche vor der Reise begonnen werden. Daneben nennt DAN Antihistaminika, Inhalation, ausreichendes Trinken und Nasenspülungen.

Wie ich es in der Ausbildung handhabe

Als Tauchlehrer rate ich zu einer einfachen Reihenfolge. Wer regelmäßig Probleme beim Druckausgleich hat, klärt das vor der Reise mit einem tauchmedizinisch erfahrenen Arzt und beginnt gegebenenfalls rechtzeitig mit einem Steroidspray. Das abschwellende Spray bleibt die kurzfristige Ausnahme, nicht die Gewohnheit – und wer es braucht, um überhaupt auf zehn Meter zu kommen, hat an diesem Tag einen Grund, an Deck zu bleiben. Ein Tauchgang, der mit einem Medikament erkauft wird, dessen Wirkung nach fünfzig Minuten endet, ist schlecht geplant.

Dieser Eintrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Über die Einnahme von Medikamenten vor einem Tauchgang entscheidet ein Arzt, der die eigene Krankengeschichte kennt.

Darf ich mit einem abschwellenden Nasenspray tauchen?
Das MSD Manual nennt eine Prophylaxe mit Oxymetazolin 0,05 %, zweimal täglich zwei Sprühstöße je Nasenloch ab zwölf bis vierundzwanzig Stunden vor dem Tauchgang. Es hält aber im selben Kapitel fest, dass nicht getaucht werden soll, wenn die Verstopfung nicht abklingt oder ein Atemwegsinfekt vorliegt. Das Spray ist also eine Hilfe für eine im Übrigen freie Nase, kein Mittel, um mit einer Erkältung ins Wasser zu kommen.
Was ist ein umgekehrter Block?
Beim Abstieg muss Luft in die luftgefüllten Räume nachströmen, beim Aufstieg muss sie wieder heraus. Ist der Zugang beim Aufstieg verschlossen – etwa weil die Schleimhaut nach dem Ende der Medikamentenwirkung wieder angeschwollen ist –, dehnt sich die eingeschlossene Luft und findet keinen Weg. DAN nennt genau das als Risiko eines vor dem Tauchgang genommenen Abschwellers.
Sind Tabletten besser als Spray?
Sie haben andere Nachteile. Orales Pseudoephedrin wirkt im ganzen Körper; DAN nennt Unruhe, Schwindel und Herzklopfen und mahnt, die empfohlene Tagesdosis vor dem Tauchen nicht zu überschreiten. Das Nachschwellen der Nasenschleimhaut ist bei den Sprays ausgeprägter, die systemischen Wirkungen bei den Tabletten.

Quellen

Zur Quellenlage: Die Angaben von DAN stammen aus zwei Veröffentlichungen der Organisation und einem Beitrag eines Regionalverbandes, nicht aus einer Leitlinie. Die deutsche S2k-Leitlinie „Tauchunfall“ der GTÜM behandelt die Erstversorgung des Tauchunfalls und nicht die Medikation vor dem Tauchgang; eine deutschsprachige verbandsseitige Festlegung zu abschwellenden Mitteln beim Tauchen liegt für diesen Eintrag nicht vor. Die Zahlenangabe zur Prophylaxe steht allein im MSD Manual.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.