Squeeze ist die unter Tauchern gebräuchliche Bezeichnung für ein Barotrauma beim Abstieg: In einem gasgefüllten Hohlraum bleibt der Druck hinter dem steigenden Umgebungsdruck zurück, und Gewebe wird in diesen Unterdruck hineingezogen. Betroffen sind vor allem Ohr, Nasennebenhöhlen und der Raum unter der Tauchmaske. Das Wort ist Tauchersprache, in der Medizin heißt die Sache Barotrauma.
Warum die ersten Meter die gefährlichsten sind
Das MSD Manual definiert das Barotrauma als „eine Gewebeschädigung, die durch eine druckbedingte Veränderung des Gasvolumens in Körperkompartimenten in luftgefüllten Bereichen verursacht wird“. Dieselbe Quelle nennt den Tauchersprachgebrauch ausdrücklich: „Das Risiko eines Barotraumas (von Tauchern oft als ‚Squeeze‘ bezeichnet) beim Tiefseetauchen ist am größten vom Wasserspiegel bis zu einer Tiefe von 10 m.“
Der Grund dafür ist keine Besonderheit des Körpers, sondern reine Gasphysik. Auf den ersten zehn Metern verdoppelt sich der Umgebungsdruck von rund einem auf rund zwei bar. Ein Gasvolumen schrumpft dabei auf die Hälfte. Die nächsten zehn Meter bringen nur noch ein weiteres Drittel Volumenverlust. Wer also auf drei Metern nicht sauber ausgleicht, hat den größten Teil des Problems schon hinter sich — und merkt es meist auch dort zuerst.
Wo ein Squeeze entsteht
Das MSD Manual zählt für den Abstieg auf: „die Ohren, die Nasennebenhöhlen, luftgefüllte Räume in Zahnfüllungen sowie den Raum unter der Tauchmaske“. In der Praxis kommen zwei weitere Stellen dazu.
- Ohr. Der häufigste Fall und der, an dem die meisten Tauchgänge scheitern. Bleibt der Druckausgleich über die Ohrtrompete aus, wölbt sich das Trommelfell nach innen; dahinter füllt sich das Mittelohr mit Flüssigkeit und Blut.
- Nasennebenhöhlen. Sind die Zugänge verlegt — Erkältung, Allergie, Polypen —, lässt sich hier nichts aktiv ausgleichen. Der Schmerz sitzt typischerweise über der Stirn oder im Oberkiefer.
- Maske. Der Maskensqueeze entsteht, wie DAN schreibt, „from a failure to equalize the air space created between your mask and face“. Das MSD Manual nennt als Folgen „lokale Schmerzen, Bindehautblutungen und Ekchymose der durch die Maske eingeschlossen Haut“; DAN beschreibt „red, brown, or purple spots (petechiae), particularly on your eyelids“.
- Zähne. Luft unter einer Füllung oder in der Wurzel eines entzündeten Zahns kann nicht entweichen. Das MSD Manual beschreibt den betroffenen Zahn als empfindlich, „wenn er mit einem Zungenspatel beklopft wird“.
- Trockenanzug. Wer beim Abtauchen keine Luft in den Anzug gibt, bekommt Falten, die sich in die Haut drücken. Als Tauchlehrer sehe ich das bei fast jedem, der zum ersten Mal im Trockentauchanzug steckt — unangenehm, aber mit einem Druck auf das Einlassventil sofort erledigt.
Der Lungensqueeze ist ein Fall für sich
Beim Gerätetauchen kann die Lunge beim Abstieg nicht in einen Unterdruck geraten, weil der Atemregler ständig Gas auf Umgebungsdruck nachliefert. Beim Apnoetauchen fehlt dieser Nachschub. Rob Schneider beschreibt das Lungenunterdruck-Barotrauma in Alert Diver als „Pulmonary Barotrauma of Descent“ und hält fest, es trete „fast ausschließlich beim Freitauchen“ auf: Unterschreitet das komprimierte Lungenvolumen das Residualvolumen, füllt sich der Brustkorb mit Blut. Husten mit Blut, Brustschmerz und Atemnot bis zur Bewusstlosigkeit sind die Zeichen.
Was dagegen hilft
Der Druckausgleich gehört früh und oft gemacht, nicht erst, wenn es drückt. Für die Maske gilt die Faustregel von DAN: „blowing small amounts of air through your nose every time you equalize your ears“ — wer ohnehin alle paar Atemzüge ausgleicht, bläst die Maske nebenbei mit auf. Der Trockenanzug bekommt beim Abtauchen genauso regelmäßig Luft wie die Ohren.
Die Regel, die ich im Kurs am häufigsten wiederhole, ist die einfachste: Gegen einen Schmerz wird nie weiter abgetaucht. Ein paar Meter aufsteigen, ausgleichen, erneut versuchen — und wenn es nicht geht, den Tauchgang abbrechen. Mit Erkältung gar nicht erst einsteigen.
Wenn es passiert ist
Masken- und Zahnbarotrauma werden nach dem MSD Manual „symptomatisch mit Analgetika behandelt“; die Blutunterlaufungen im Gesicht sehen dramatischer aus, als sie sind, und verschwinden über Tage bis Wochen. Anders liegt der Fall bei Sehstörungen, anhaltendem Hörverlust, Schwindel oder blutigem Auswurf. Das gehört ärztlich abgeklärt, und zwar tauchmedizinisch.
Dieser Eintrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden nach einem Tauchgang ist eine tauchmedizinisch erfahrene Ärztin oder ein entsprechender Arzt die richtige Adresse.
Quellen
- MSD Manual, Profi-Ausgabe: Überblick zum Barotrauma — Definition, Tauchersprachgebrauch „Squeeze“, betroffene Hohlräume beim Abstieg, Risikoschwerpunkt in den obersten zehn Metern
- MSD Manual, Profi-Ausgabe: Dentales, Masken- und Augen-Barotrauma — Mechanismus, Symptome und Behandlung
- DAN: Mask Squeeze (Facial Barotrauma) — Definition und Vorbeugung des Maskensqueeze
- Rob Schneider, Lungenunterdruck-Barotrauma (Alert Diver, 2015) — Mechanismus beim Freitauchen
Zur Quellenlage: Das MSD Manual ist die einzige der hier benannten Quellen, die den Ausdruck „Squeeze“ ausdrücklich als Tauchersprache einführt. Für den Trockenanzug-Squeeze liegt keine der aufgeführten Fundstellen vor; der Abschnitt gibt Ausbildungspraxis wieder.
