Zahnbarotrauma

Taucher sitzt nach dem Tauchgang an Bord und hält sich die Hand an Wange und Kiefer.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Ein Zahnbarotrauma ist eine Druckschädigung am Zahn: Gas, das in einem Hohlraum unter einer schadhaften Füllung oder an der Wurzel eines entzündeten Zahns eingeschlossen ist, kann der Druckänderung nicht folgen. Die Folge sind heftige, örtlich eng begrenzte Zahnschmerzen beim Ab- oder Auftauchen, gelegentlich auch ein beschädigter Zahn.

Wie es entsteht

Das Lehrbuch für Forschungstaucher von König und Lipp definiert das Barotrauma allgemein als eine Schädigung, die durch die Wirkung einer Druckdifferenz — eines mangelnden Druckausgleichs — zustande kommt: Druckänderungen der Umgebung werden nicht durch entsprechende Änderungen des Volumens ausgeglichen, wie es das Gesetz von Boyle-Mariotte verlangt. Unterschieden werden Barotraumata des Abstiegs und des Aufstiegs.

Beim Zahn betrifft das einen Hohlraum, den es dort eigentlich nicht geben sollte. König und Lipp beschreiben für den Abstieg einen relativen Unterdruck in kleinen luftgefüllten Hohlräumen unter schadhaften Zahnfüllungen. Das MSD Manual formuliert es breiter: Das dentale Barotrauma trete auf, wenn sich der Druck in den Luftkammern an den Wurzeln infizierter Zähne oder in der Nähe von Füllungen rasch verändere.

Beide Richtungen sind möglich. Das MSD Manual nennt Schmerzen ausdrücklich beim Abstieg oder beim Aufstieg. Praktisch heißt das: Beim Abtauchen zieht der Unterdruck im Einschluss an Gewebe und Blutgefäßen, beim Auftauchen drückt das sich ausdehnende Gas von innen gegen Füllung und Zahnsubstanz.

Woran man es erkennt

König und Lipp beschreiben die Beschwerden als massive Zahnschmerzen, ziehend, bohrend und lokalisiert; als weitere Folgen nennen sie Blutungen und einen beschädigten Zahn. Das Wort lokalisiert ist der entscheidende Hinweis: Ein Zahnbarotrauma sitzt an einem Zahn, nicht in einer ganzen Gesichtshälfte.

Das MSD Manual nennt einen einfachen Befund: Der betroffene Zahn könne empfindlich sein, wenn er mit einem Zungenspatel beklopft werde. Das ist auch der Test, den ein Zahnarzt als Erstes macht.

Für die Abgrenzung zum Barotrauma der Nasennebenhöhlen — Schmerzen an den oberen Backenzähnen können auch von der Kieferhöhle ausgehen — gibt es keine ausdrückliche Fundstelle. Die Unterscheidung gehört deshalb in die Hand des Zahnarztes oder HNO-Arztes und nicht in eine Selbstdiagnose am Beckenrand.

Was zu tun ist

Unter Wasser gibt es kein Manöver, das hilft. Anders als beim Mittelohr lässt sich ein Lufteinschluss unter einer Füllung nicht belüften — Druckausgleichsmanöver laufen hier ins Leere. Bleibt: die Druckänderung anhalten, ein Stück in die Gegenrichtung gehen und den Tauchgang ruhig beenden.

An Land ist die Behandlung nach dem MSD Manual zunächst symptomatisch: Leichte Zahnschmerzen könnten mit Schmerzmitteln behandelt werden; bei stärkeren Beschwerden gehört der Zahn zum Zahnarzt.

Hinweis: Dieser Eintrag ersetzt keine zahnärztliche oder tauchmedizinische Beratung. Anhaltende Schmerzen nach einem Tauchgang gehören abgeklärt — auch deshalb, weil nicht jeder Schmerz im Kiefer vom Zahn kommt.

Vorbeugen

Das MSD Manual nennt zu diesem Barotrauma keine eigenen Vorbeugemaßnahmen, und auch König und Lipp führen dazu nichts aus. Was sich aus dem Mechanismus ergibt, ist trotzdem klar genug: Der Schaden braucht einen Hohlraum. Intakte Zähne und dichte Füllungen haben keinen.

Als Tauchlehrer sage ich vor Reisen dasselbe wie vor der Tauchtauglichkeitsuntersuchung: Wer einen bekannten schadhaften Zahn hat, lässt ihn vorher behandeln und nicht danach. Und beim Zahnarzt lohnt der Satz, dass man taucht — er ändert die Beurteilung einer provisorischen Versorgung.

Eines noch: Wie lange man nach einer Zahnbehandlung warten sollte, bevor man wieder taucht, ist nicht allgemein festgelegt. Eine allgemeine Zahl gibt es dafür nicht; das gehört mit dem behandelnden Zahnarzt besprochen.

Häufige Fragen zum Zahnbarotrauma

Darf ich mit einer frischen Füllung tauchen?
Dazu geben die hier ausgewerteten Quellen keine Wartezeit an, und eine erfundene Zahl wäre schlechter als keine. Der Mechanismus spricht dafür, eine provisorische oder erkennbar undichte Versorgung vor dem Tauchen behandeln zu lassen: Das Zahnbarotrauma braucht einen Lufteinschluss, und genau den können Randspalten und Provisorien bieten. Die Frage gehört an den behandelnden Zahnarzt, mit dem Hinweis, dass getaucht wird.
Wie unterscheide ich Zahnschmerz von Nasennebenhöhlenschmerz?
Der Anhaltspunkt ist die Ausdehnung: König und Lipp beschreiben den Zahnschmerz beim Barotrauma als lokalisiert, also auf einen Zahn begrenzt, während Beschwerden der Nasennebenhöhlen eher flächig über Wange oder Stirn empfunden werden. Eine belegte Abgrenzungsregel gibt es nicht, und Schmerzen an den oberen Backenzähnen können von beidem kommen — die Unterscheidung trifft der Zahnarzt oder HNO-Arzt.
Kann ein Zahn beim Tauchen wirklich Schaden nehmen?
Ja. König und Lipp nennen neben den Schmerzen ausdrücklich Blutungen und einen beschädigten Zahn als mögliche Folge, das MSD Manual spricht von Schmerzen oder Zahnschäden. Wie häufig das ist und ob dabei typischerweise eine Füllung verloren geht oder Zahnsubstanz bricht, ist nicht dokumentiert.

Siehe auch: Barotrauma · Mittelohrbarotrauma · Maskenbarotrauma · Druckausgleich · Gesetz von Boyle-Mariotte · Tauchtauglichkeit

Quellen und weiterführende Links