Doppler-Blasennachweis

Nach dem Tauchgang wird einem Taucher an Bord eine Ultraschallsonde an den Brustkorb gehalten.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Der Doppler-Blasennachweis ist das Verfahren, mit dem in der tauchmedizinischen Forschung nach dem Auftauchen venöse Gasblasen hörbar gemacht und ihre Menge eingestuft wird. Er misst nicht die Dekompressionskrankheit, sondern die Dekompressionsbelastung. Ein Gerät für den Hausgebrauch gibt es nicht — und die Ergebnisse sind schwerer zu deuten, als es in Ratgebertexten klingt.

Was gemessen wird

Nach dem Tauchgang tritt Inertgas aus der Lösung und wandert als freie Blase mit dem venösen Blut zum rechten Herzen. Genau dort wird gemessen: Eine Ultraschallsonde wird vor dem Brustkorb aufgesetzt — in der Fachsprache eine präkordiale Doppler-Ableitung —, und der Untersucher hört die Blasen als charakteristische Geräusche im Blutstrom. Daneben wird auch mit Echokardiographie gearbeitet, bei der die Blasen sichtbar statt hörbar werden.

Divers Alert Network beschreibt den Aussagewert dieser Messung nüchtern: Die Blasen seien mit Ultraschall nachweisbar und lieferten ein Maß für den Dekompressionsstress; sie seien ein Marker, der mit der Wahrscheinlichkeit einer Dekompressionskrankheit zusammenhänge — „although it is not a direct relationship“. Dieser Halbsatz ist der wichtigste des ganzen Themas.

Die Skala

Gezählt wird nicht, es wird eingestuft. In einer Auswertung von DAN Europe wurden die Blasenwerte auf der neunstufigen Expanded Spencer Scale (ESS) eingeordnet und für die Auswertung anschließend zu vier Gruppen zusammengefasst: keine Blasen, niedriger Blasengrad (LBG), hoher Blasengrad (HBG) und hoher Blasengrad plus (HBG+).

Dass eine neunstufige Skala für die Auswertung auf vier Stufen zusammengefasst wird, sagt etwas über die Belastbarkeit der feinen Abstufungen — und darüber, wie vorsichtig man Aussagen wie „eine Stufe weniger“ lesen sollte.

Das Zeitfenster

Eine einzelne Messung kann in die Irre führen, weil die Blasenlast nicht konstant ist. In derselben Auswertung von DAN Europe wurde etwa die Hälfte der Taucher alle 15 Minuten über 90 Minuten gemessen, die übrigen 30 Minuten nach dem Auftauchen; die Blasenzahl erreiche ihr Maximum zwischen 30 und 45 Minuten nach dem Auftauchen.

Wer also liest, ein Verhalten habe „die Blasenbildung gesenkt“, sollte zwei Fragen stellen: Wann wurde gemessen, und wie viele Taucher waren es?

Stille Blasen

Der Begriff stammt aus der Frühzeit des Verfahrens. Urs Anliker beschreibt es so: Durch die Entwicklung des Doppler-Detektors hätten sich bei Tauchern ohne Symptome der Dekompressionskrankheit Blasen nachweisen lassen — die sogenannten stillen Blasen. Diese verließen den Körper durch Diffusion in den Alveolen, ohne Symptome hervorzurufen. Auch DAN Europe hält ausdrücklich fest, dass Taucher stille venöse Gasblasen haben können, ohne dass Beschwerden auftreten.

Damit ist der häufigste Kurzschluss dieses Themas benannt: Blasen sind kein Krankheitsbefund. Ihr Nachweis zeigt, dass der Körper Dekompressionsbelastung erfahren hat — mehr nicht.

Was das Verfahren nicht leistet

Es liefert keine Schwelle, ab der ein Tauchgang als gefährlich gilt. Es liefert auch keinen Wert, der für einen einzelnen Taucher stabil wäre: DAN untersucht gegenwärtig ausdrücklich, warum die Blasenwerte zwischen verschiedenen Tauchern und beim selben Taucher an verschiedenen Tagen so stark schwanken — dass sie es tun, ist der Ausgangspunkt der Untersuchung, nicht ihr Ergebnis.

Als Tauchlehrer begegnet mir das Verfahren vor allem als Quelle von Missverständnissen. Die Doppler-Messung ist ein Forschungswerkzeug: Sie erlaubt es, zwei Aufstiegsprofile oder zwei Verhaltensweisen an einer Gruppe zu vergleichen, ohne auf Krankheitsfälle warten zu müssen — die im Sporttauchen viel zu selten sind, um etwas zu messen. Für den einzelnen Tauchgang sagt sie nichts, und dafür ist sie auch nicht gemacht.

Hinweis: Dieser Eintrag beschreibt ein Untersuchungsverfahren der Forschung und ersetzt keine tauchmedizinische Beratung. Bei Beschwerden nach einem Tauchgang gilt unverändert der Weg über den tauchmedizinischen Notruf und den Verdacht auf eine Dekompressionskrankheit, nicht über eine Blasenmessung.

Häufige Fragen zum Doppler-Blasennachweis

Kann ich mich nach dem Tauchgang auf Blasen untersuchen lassen?
Außerhalb von Studien praktisch nicht. Der Nachweis verlangt Doppler-Ultraschall oder Echokardiographie, geübtes Personal und ein enges Zeitfenster nach dem Auftauchen. Ein Gerät für den Hausgebrauch existiert nicht, und ein einzelner Messwert ließe sich ohnehin kaum deuten, weil die Werte beim selben Taucher von Tag zu Tag stark schwanken.
Heißt ein hoher Blasengrad, dass ich krank werde?
Nein. DAN beschreibt venöse Gasblasen als Marker für Dekompressionsstress, der mit der Wahrscheinlichkeit einer Dekompressionskrankheit zusammenhängt, ausdrücklich aber nicht in einem direkten Verhältnis. Viele Blasen bedeuten nicht zwingend eine Erkrankung, und wenige schließen sie nicht aus. Maßgeblich für die Diagnose sind Symptome, nicht Blasenwerte.
Wann nach dem Auftauchen wird gemessen?
In der ausgewerteten Untersuchung von DAN Europe wurde ein Teil der Taucher alle 15 Minuten über 90 Minuten gemessen, ein anderer Teil 30 Minuten nach dem Auftauchen. Als Zeitpunkt des Maximums werden dort 30 bis 45 Minuten nach dem Auftauchen genannt. Eine einzelne, zu frühe oder zu späte Messung unterschätzt die Blasenlast entsprechend.

Siehe auch: Mikroblasen · Gaskeim · Dekompressionskrankheit · Sicherheitsstopp · Aufstiegsgeschwindigkeit · Reststickstoff

Quellen und weiterführende Links