Das Maskenbarotrauma ist eine Verletzung von Haut und Augen, die entsteht, wenn der Druck im Luftraum hinter der Tauchmaske beim Abstieg nicht ausgeglichen wird. Es gehört zu den Unterdruckbarotraumen und ist — anders als die meisten Tauchunfälle — spektakulär anzusehen und in der Regel harmlos.
Wie es entsteht
Die Maske schließt vor Augen und Nase einen Luftraum ein. Beim Abstieg steigt der Umgebungsdruck, und nach dem Gesetz von Boyle-Mariotte will das eingeschlossene Gasvolumen kleiner werden. Der Maskenkörper gibt aber kaum nach. Es entsteht ein relativer Unterdruck gegenüber dem Gewebe ringsum — im MSD Manual als „relatives Vakuum“ beschrieben.
Was dann geschieht, formuliert das Lehrbuch für Forschungstaucher von König und Lipp allgemein für starre Gasräume: Bei „verschlossenen Hohlräumen mit starren Wandungen kann eine negative Druckdifferenz (relativer Unterdruck) nur durch Schwellung der Schleimhaut und durch Einstrom von Flüssigkeit (Blut, Gewebsflüssigkeit) reduziert werden“. Im Fall der Maske heißt das: Das Gewebe unter der Maskendichtung wird nach innen gezogen, kleine Gefäße reißen, Blut und Gewebsflüssigkeit füllen die Druckdifferenz auf.
Woran man es erkennt
Das MSD Manual nennt „lokale Schmerzen, Bindehautblutungen und Ekchymose der durch die Maske eingeschlossen Haut“. König und Lipp führen dieselben Zeichen praxisnäher auf:
- Brillenhämatom — ein Bluterguss genau im Feld der Maskendichtung, oft über beide Augen
- Blutungen unter der Bindehaut, die das Weiße des Auges tiefrot färben können
- Schmerzen durch Dehnung des Augenhalteapparates
- Nasenbluten und Sehstörungen
Die charakteristische Abgrenzung ist die Form: Das Hämatom endet dort, wo die Maske aufsaß. Genau das unterscheidet es von einer stumpfen Verletzung.
Selten treten laut MSD retroorbitale Blutungen auf, also hinter dem Augapfel. Besteht dieser Verdacht, gehören nach derselben Quelle eine komplette Augenuntersuchung — Sehschärfe, extraokulare Bewegungen, Messung des Augeninnendrucks — und eine Computertomographie des Kopfes dazu.
Warum es passiert
Der Druckausgleich in der Maske ist der einzige, den man nicht bewusst üben muss, weil er nebenbei geschieht: Man atmet durch die Nase ein wenig Luft in die Maske. Das MSD formuliert es genau so — der Druck könne „durch Ausatmen aus der Nase in die Maske ausgeglichen werden“. Dass der Ausgleich unterbleibt, hat in der Praxis vier wiederkehrende Gründe:
- Schwimmbrille statt Tauchmaske. Eine Schwimmbrille schließt die Nase nicht ein — ein Ausgleich ist damit schlicht unmöglich. König und Lipp sind hier unmissverständlich: „Nicht mit Schwimmmasken tauchen!“
- Nasenklemme. Dieselbe Quelle: „Nasenklemmen nur in Vollmasken verwenden!“
- Schneller Abstieg, etwa kopfüber an der Leine, bei dem der Druck schneller steigt, als der Taucher nachführt.
- Ablenkung. Der häufigste Fall in der Ausbildung: Der Schüler ist mit dem Ohrendruckausgleich beschäftigt und vergisst die Nase.
Als Tauchlehrer sehe ich das fast nur bei Apnoetauchern und in den ersten Freiwassertauchgängen. Beim Gerätetauchen mit Regler im Mund macht die Nasenatmung in die Maske ohnehin fast jeder unbewusst.
Was zu tun ist
Unter Wasser: Abstieg unterbrechen, ein wenig aufsteigen, durch die Nase in die Maske ausatmen. Danach lässt sich der Tauchgang meist normal fortsetzen. Ist es bereits zur Einblutung gekommen, ist die Behandlung nach dem MSD Manual bei leichten Fällen symptomatisch mit Schmerzmitteln; bei starken Schmerzen sollen Fachärzte hinzugezogen werden. Die Einblutungen bilden sich in der Regel von selbst zurück.
⚠️ Zur Frage, wie lange nach einem Maskenbarotrauma pausiert werden sollte, habe ich keine belastbare deutschsprachige Fundstelle gefunden. Ich halte mich in der Praxis daran, erst wieder zu tauchen, wenn Sehen und Druckausgleich unauffällig sind — das ist Erfahrung, keine Leitlinie.
Hinweis: Dieser Eintrag ersetzt keine ärztliche Beurteilung. Bei Sehstörungen, anhaltenden Schmerzen oder dem Verdacht auf eine Blutung hinter dem Auge gehört der Befund ärztlich abgeklärt.
Quellen
- MSD Manual, Profi-Ausgabe: Dentales, Masken- und Augen-Barotrauma — Mechanismus als relatives Vakuum, Symptome, retroorbitale Blutung, Diagnostik, Behandlung, Prävention
- König/Lipp, Lehrbuch für Forschungstaucher, Kapitel 4 (PDF) — Unterdruckbarotrauma allgemein, Brillenhämatom, Ursachen Nasenklemme und Schwimmbrille, Präventionsregeln
- MSD Manual: Überblick zum Barotrauma — Einordnung in die Gruppe der Barotraumen
