Mein erstes Jahr als Taucher – was ich daraus mitgenommen habe

Nahaufnahme: Ein Taucher hält das Finimeter in der Hand, daneben Jacket, Flasche und Flossen am Ufer
Der Blick aufs Finimeter gehört zu den Handgriffen, die im ersten Jahr zur Gewohnheit werden. Foto: Hossam Ashoor / Pexels

Begleitend zur Reihe „Mein erster Tauchgang“ blickt Jonas hier auf sein erstes Jahr als Taucher zurück – auf das, was schneller ging als gedacht, was länger dauerte, und was er heute anders anfangen würde.

Zwischen dem ersten Atemzug aus einem Automaten und dem Punkt, an dem Tauchen sich normal anfühlt, liegt ungefähr ein Jahr. Bei mir jedenfalls. Es ist ein Jahr, in dem man viel Geld ausgibt, viel Unsinn glaubt und ein paar Dinge lernt, die einem hinterher offensichtlich vorkommen.

Dieser Rückblick ist der Versuch, das aufzuschreiben, solange ich mich noch erinnere, wie es war, es nicht zu wissen.


Die Tarierung hat am längsten gedauert

Nach dem Kurs konnte ich tauchen. Nach dem ersten Jahr konnte ich schweben. Das sind zwei verschiedene Dinge, und der Abstand dazwischen ist größer, als es im Kurs den Anschein hat.

Woran ich es gemerkt habe: am Luftverbrauch. In den ersten Monaten war ich regelmäßig der, der zuerst auf Reserve ging, und ich hielt das für eine Frage von Lungenvolumen oder Kondition. War es nicht. Es war Blei. Ich war deutlich überbleit, musste das mit Luft im Jacket ausgleichen, hing dadurch schief im Wasser und arbeitete permanent mit den Flossen dagegen. Wer schräg schwimmt, schiebt Wasser statt sich selbst.

Die Korrektur war unspektakulär: einmal in Ruhe an der Oberfläche ausbleien und danach in ehrlichen Schritten weiter Blei abgeben, statt sich auf eine Faustformel zu verlassen. Der Effekt war es nicht – zwischen dem ersten und dem zweiten Halbjahr ist mein Verbrauch spürbar gefallen, ohne dass ich fitter geworden wäre.


Die Reihenfolge beim Ausrüstungskauf

Hier habe ich es rückblickend halbwegs richtig gemacht, aber aus den falschen Gründen. Zuerst kamen Maske, Flossen und Füßlinge – nicht weil ich schlau war, sondern weil es das Billigste war. Es ist trotzdem die richtige Reihenfolge: Eine Maske, die passt, verändert jeden Tauchgang; eine Leihmaske, die schleichend Wasser zieht, ruiniert ihn.

Danach wurde es teurer, und ich habe mich lange im Kreis gedreht. Was mir geholfen hat, war die simple Frage, wo ich eigentlich tauche. Wer den größten Teil des Jahres in heimischen Seen unterwegs ist, kauft anders ein als jemand, der zweimal im Jahr ins Warme fliegt – bei uns steht Kälteschutz vor allem anderen, und beim Atemregler ist die Kaltwassertauglichkeit keine Ausstattungsvariante, sondern die Grundfrage. Dazu haben wir zwei Beiträge, die mir damals konkret weitergeholfen haben: einen zur Ausrüstung fürs Kaltwassertauchen und einen speziell zum Atemregler im kalten Wasser.

Was ich zu spät gekauft habe: einen eigenen Tauchcomputer. Ich habe im ersten halben Jahr Leihgeräte benutzt, bei denen ich weder die Einstellungen kannte noch die Daten behalten habe. Der eigene Computer ist nicht deshalb wichtig, weil er besser rechnet, sondern weil man mit einem Gerät taucht, dessen Anzeige man im Schlaf liest.


Wo ich getaucht bin

Das erste Jahr war regional. Der Blausteinsee war für mich der Ort, an dem ich zum ersten Mal in echte Tiefe gegangen bin, und Panheel am Boschmolenplas der, an dem ich zum ersten Mal gemerkt habe, dass ein Tauchgang auch einfach entspannt sein kann.

Unterschätzt hatte ich das Hallenbadtauchen. Ich hielt Indoor-Tauchen anfangs für einen Notbehelf für den Winter. Tatsächlich ist es der beste Ort zum Üben, den es gibt: warm, klar, flach, und man kann eine Übung zwanzigmal wiederholen, ohne dass es kalt wird oder die Sicht leidet. Alles, was ich an Tarierung wirklich gelernt habe, habe ich dort gelernt und nicht im See.


Was ich mir zu spät angewöhnt habe

Das Logbuch. Ich habe die ersten Monate lustlos Zahlen eingetragen und den Sinn nicht gesehen. Der Sinn liegt nicht in der Zahl der Tauchgänge, sondern in den zwei Zeilen daneben: wie viel Blei bei welchem Anzug, wie viel Vorrat am Ende, was schiefging. Wer das ein Jahr lang macht, muss sich beim nächsten Anzugwechsel nicht mehr herantasten.

Und der Buddy-Check. Im Kurs macht man ihn, weil er drankommt. Danach schleift er sich erschreckend schnell ab, besonders wenn man mit denselben Leuten taucht und alle es eilig haben. Bei mir hat sich das erst gedreht, nachdem ein Bekannter mit halb geöffnetem Ventil ins Wasser ist – an der Oberfläche merkt man davon nichts, auf zwölf Metern schon.


Was danach kam

Am Ende des ersten Jahres stand die Frage, was als Nächstes kommt. Ich habe mich damals für die Reihenfolge entschieden, die sich rückblickend bewährt hat: erst die Dinge, die jeden Tauchgang besser machen, dann die, die neue Tauchgänge ermöglichen.

Konkret hieß das: Tarierung und Navigation zuerst. Navigation vor allem deshalb, weil sie im heimischen See den Unterschied macht zwischen „irgendwo im Grünen herumschwimmen“ und „ankommen, wo man hinwollte“. Danach kam der Trockentauchanzug, weil er die Saison verlängert – und weil ohne ihn der Winter im See kein Vergnügen ist. Rettung und Stressbewältigung kamen später, und im Nachhinein hätte ich sie gern früher gemacht: Es ist der einzige Kurs, in dem man lernt, mit Situationen umzugehen, statt sie nur zu vermeiden.

Wie sich die einzelnen Stufen und Anerkennungen zueinander verhalten, steht bei uns ausführlich im Beitrag zu den SSI-Anerkennungsstufen. Für mich war die wichtigste Erkenntnis, dass die Reihenfolge nicht vorgegeben ist und man sie an dem ausrichten sollte, wo man tatsächlich taucht – nicht an dem, was auf dem Brevet am besten aussieht.


Die vier Dinge, die ich anders anfangen würde

Früher ausbleien. Ich habe ein halbes Jahr zu viel Blei mitgeschleppt und den Luftverbrauch für mein Problem gehalten.

Mehr im Hallenbad üben. Übung braucht Wiederholung, und Wiederholung braucht warmes, klares Wasser.

Das Logbuch ernst nehmen. Nicht als Sammlung, sondern als Notizbuch für die eigenen Einstellungen.

Weniger Ausrüstung, dafür passende. Eine Maske, die dicht ist, bringt mehr als drei Ausrüstungsteile, die man einmal im Jahr braucht.

Was ich nicht anders machen würde: dass ich früh mit Leuten getaucht bin, die besser waren als ich. Das ist unbequem, weil man derjenige ist, auf den gewartet wird. Es ist aber der schnellste Weg, alles loszuwerden, was man sich im ersten Jahr an Halbwissen zulegt.

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