Oberflächenpause

Zwei Taucher machen zwischen zwei Tauchgängen Pause auf der Bordwand eines Tauchboots, die Ausrüstung steht abgelegt dahinter.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Die Oberflächenpause ist die Zeit zwischen dem Auftauchen aus einem Tauchgang und dem Abtauchen zum nächsten. Sie ist kein organisatorischer Puffer, sondern Entsättigungszeit: In ihr gibt der Körper einen Teil des aufgenommenen Stickstoffs wieder ab. Wie viel, entscheidet ihre Länge — und danach richtet sich, wie der nächste Tauchgang gerechnet wird.

Was in der Pause geschieht

Beim Auftauchen ist der Körper nicht wieder im Ausgangszustand. In den langsameren Kompartimenten steckt noch Stickstoff, der während des Tauchgangs aufgenommen wurde — der Reststickstoff. An der Oberfläche läuft die Entsättigung weiter, angetrieben vom Gefälle zwischen Gewebe und Atemluft, aber sie braucht Zeit, und sie braucht sie ungleich: Ein schnelles Kompartiment ist nach einer halben Stunde weitgehend leer, ein langsames nach Stunden noch lange nicht.

Die GTÜM fasst die Folge daraus in einem Satz: „Je größer die Oberflächenpause zwischen zwei Tauchgängen, umso mehr entsprechen die Voraussetzungen des Wiederholungstauchgangs einem Einzeltauchgang.“ Das ist der ganze Zweck der Pause — sie kauft den Ausgangszustand zurück, den man für den nächsten Tauchgang gerne hätte.

⚠️ Die ersten drei Stunden

Ein Befund, der in Kursen selten vorkommt und der die Pausenplanung beeinflusst: Die Entsättigung läuft in der ersten Zeit nach dem Auftauchen langsamer, als das Modell nahelegt. Die GTÜM hält fest: „Nach üblichen Sporttauchprofilen ist die N2-Entsättigung durch erhöhtes N2-Blasenaufkommen in der Lunge besonders während der ersten drei Stunden nach Tauchgangsende verzögert.“

Praktisch heißt das: Eine Pause von einer Stunde bringt weniger, als die halbe Zeit einer Zweistundenpause vermuten lässt. Wer den zweiten Tauchgang eng plant, plant gegen genau diesen Effekt.

Wie Tabelle und Tauchcomputer damit umgehen

Beide Lösungen bilden dasselbe ab, nur unterschiedlich fein.

Die Tabelle arbeitet mit Wiederholungsgruppen: Aus Tiefe und Zeit des ersten Tauchgangs ergibt sich eine Gruppe, die Länge der Oberflächenpause führt in eine günstigere Gruppe, und mit dieser geht man in die Tabelle für den nächsten Tauchgang. ⚠️ Die konkreten Gruppen, Zeitschwellen und Zuschläge sind tabellenspezifisch und nicht übertragbar. Die GTÜM führt allein für das Sporttauchen Bühlmann, Comex, DECO ’92, NAUI, PADI, YMCA und BS-AC auf. Wer Werte aus zwei Tabellen mischt, rechnet falsch — auch wenn beide für sich richtig sind.

Der Tauchcomputer kennt keine Gruppen. Er führt seine Kompartimente durchgehend weiter, auch an der Oberfläche, und rechnet den nächsten Tauchgang mit dem Zustand, den er beim Abtauchen vorfindet. Deshalb darf man ihn zwischen zwei Tauchgängen nicht abschalten oder tauschen — und deshalb läuft die Nullzeitanzeige beim zweiten Tauchgang sichtbar schneller herunter als beim ersten.

⚠️ Wie lang eine Pause mindestens sein muss

Mehrere Tabellenwerke behandeln sehr kurze Pausen nicht als Pause, sondern rechnen beide Tauchgänge als einen einzigen fortgesetzten Tauchgang. Das ist sachlich einleuchtend — in wenigen Minuten entsättigt praktisch nichts. Ich bin hier unsicher, welche Mindestdauer welcher Verband ansetzt; eine belastbare öffentliche Fundstelle mit einer konkreten Zahl habe ich nicht gefunden, und die Werte unterscheiden sich zwischen den Tabellen. Maßgeblich ist die Tabelle beziehungsweise das Handbuch des eigenen Verbandes — dort steht die Zahl, und nur die zählt.

24 Stunden und der freie Tag

Für den anderen Rand gibt die GTÜM zwei Anhaltspunkte. Von einer kompletten Wiederherstellung des Gleichgewichts für die Stickstoffsättigung könne bei Sporttauchgängen „in der Regel nach einer Tauchpause von 24 Stunden ausgegangen werden“. Und für Tauchurlaube: Bei über mehrere Tage hintereinander durchgeführten Wiederholungstauchgängen werde empfohlen, „nach spätestens sechs Tauchtagen einen freien Tag zur kompletten Entsättigung einzulegen“.

Beides sind Erfahrungsregeln für normale Profile, keine Garantien. Der Restüberschuss, der sich über eine Woche aufbaut, ist genau der Grund, warum sich Zwischenfälle im Tauchurlaub gerne in der zweiten Hälfte häufen.

Was ich in der Pause tue

Als Tauchlehrer nutze ich die Oberflächenpause für drei Dinge, die alle zusammenhängen. Erstens aufwärmen: Der DAN weist darauf hin, dass ein relativ warmer Zustand beim Aufstieg und in der Stoppphase die Inertgasabgabe fördert — die Pause ist die Gelegenheit, wieder auf Temperatur zu kommen, bevor der nächste Tauchgang beginnt. Zweitens planen: Der zweite Tauchgang gehört flacher als der erste, nicht tiefer. Drittens zur Ruhe kommen — schwere körperliche Arbeit unmittelbar nach dem Auftauchen kann nach Angaben des DAN die Blasenbildung anregen.

Wie lange sollte die Oberflächenpause dauern?
Das hängt vom ersten Tauchgang und vom geplanten zweiten ab; die verbindliche Antwort steht in der Tabelle oder im Computer. Als Orientierung: Je länger, desto besser, und wegen der in den ersten drei Stunden verzögerten Entsättigung bringen zwei Stunden mehr als zweimal eine Stunde. Eine Pause unter einer Stunde ist beim zweiten Tauchgang eines Tages der Regelfall im Tauchbetrieb, aber nicht der günstige Fall.
Darf ich in der Oberflächenpause schnorcheln?
Als Tauchlehrer rate ich davon ab, wiederholt tief abzutauchen. Apnoeabtauchgänge in einer Oberflächenpause bedeuten Druckwechsel bei bereits erhöhtem Reststickstoff — ein Profil, das weder Tabelle noch Tauchcomputer abbilden. Ruhiges Schwimmen an der Oberfläche ist unproblematisch, solange man nicht auskühlt.
Was passiert, wenn ich den Tauchcomputer zwischen zwei Tauchgängen wechsle?
Der neue Computer kennt den ersten Tauchgang nicht und rechnet den zweiten als Einzeltauchgang — also mit einer Nullzeit, die zu lang ist. Dasselbe gilt für ein Gerät, das zwischenzeitlich stromlos war. In diesem Fall gilt die Tabelle, oder der Tauchtag ist zu Ende.

Quellen