Tauchlehrer Ausbildung in Deutschland: die drei Wege und ihre Zahlen

Tauchlehrerin begleitet zwei Taucher während einer Tauchlehrer Ausbildung unter Wasser.
Der Weg zum Instructor verbindet Erfahrung, Sicherheit und Verantwortung.

Der Weg zum Tauchlehrer auf einen Blick

  • Drei Systeme: der Vereinsweg über VDST und German Diver Licence, der Dive-Center-Weg über SSI und der über PADI. Alle drei führen zu einer Lehrbefugnis, die international anerkannt ist.
  • VDST/GDL: Für die Praxisprüfung zum GDL Instructor* (VDST TL*) sind 130 Tauchgänge nachzuweisen, davon mindestens 30 in den zwölf Monaten vor dem Anmeldetermin und mindestens sechs auf 30 bis 40 Meter im Süßwasser oder 38 bis 40 Meter im Salzwasser.
  • SSI: Zulassung zum Instructor Training Course mit 60 Freiwassertauchgängen und 40 Stunden Tauchzeit; die Instructor-Zertifizierung selbst verlangt 100 Tauchgänge und 65 Stunden.
  • PADI: dieselben Schwellen — 60 geloggte Tauchgänge für den Instructor Development Course, 100 für das Instructor-Brevet nach der Instructor Examination.
  • Überall gleich: Mindestalter 18, seit mindestens sechs Monaten brevetiert, ein Erste-Hilfe- und Reanimationsnachweis, der nicht älter als 24 Monate ist, und eine gültige Tauchtauglichkeit.
  • Der eigentliche Unterschied liegt davor: Im Verein führt der Weg über Trainer C und dauert meist Jahre, kostet aber wenig. Im Dive Center dauert er Monate und kostet Geld.

Wer die Voraussetzungen von SSI und PADI nebeneinanderlegt, findet fast dieselben Zahlen: 18 Jahre, sechs Monate brevetiert, 60 Tauchgänge zum Kursbeginn, 100 für die Instructor-Karte. Das ist kein Zufall — beide Systeme richten sich an denselben ISO-Normen aus. Die Zahl allein sagt deshalb wenig darüber, welcher Weg zu wem passt.

Der Unterschied liegt in dem, was vor der Ausbilderausbildung steht, und in dem, was danach kommt. Genau diese beiden Enden werden in den meisten Übersichten übersprungen.

Der Vereinsweg: VDST und German Diver Licence

Im VDST heißen die Ausbilderstufen seit der Umstellung auf die German Diver Licence GDL Instructor* bis GDL Instructor Trainer; die alten Bezeichnungen TL* bis TL*** stehen weiter daneben. Der Weg dorthin läuft nicht über einen einzelnen Kurs, sondern über eine Kette aus Tauchausbildung, Trainerlizenz und Vereinsarbeit.

StufeMindestalterVorstufePflichttauchgänge
Jugendleiter Tauchen16GDL* Sports Diver (DTSA*)keine Mindestzahl
Trainer C Breitensport16GDL** Advanced Sports Diver (DTSA**)80 oder mehr
GDL Assistant Instructor (ATL)18GDL*** Dive Leader (DTSA***)80, davon mindestens 30 im Meer
GDL Instructor* (TL*)18GDL*** plus Trainer C oder ATL130, davon 30 im letzten Jahr und 6 Tieftauchgänge
GDL Instructor** (TL**)18gültige TL*-Lizenz mit aktiver Ausbildungsarbeit230, sonst dieselben Bedingungen

Die Zahl 130 für den TL* ist dabei weniger streng, als sie klingt — entscheidend sind die beiden Bedingungen dahinter. Mindestens 30 Tauchgänge müssen aus den zwölf Monaten vor dem Anmeldetermin stammen, und mindestens sechs davon auf 30 bis 40 Meter im Süßwasser oder 38 bis 40 Meter im Salzwasser. Wer sein Logbuch über zehn Jahre gefüllt und im letzten Jahr wenig getaucht hat, erfüllt die Gesamtzahl und fällt trotzdem durch die Zulassung.

Dazu kommen Nachweise, die sich nicht nachholen lassen: die Spezialkurse GDL Medical Practice und GDL Night Diver, eine von einem Tauchlehrer bestätigte Assistenz an einem vollständigen Kurs zum GDL* Sports Diver einschließlich Prüfung, und vorbereitende Prüfungstauchgänge als Gruppenführer. Der Assistant Instructor hat einen eigenen Zuschnitt: mindestens sechs Monate an einem VDST-Ausbildungsstützpunkt mit mindestens 150 Lerneinheiten oder vier Wochen an einer VDST-Basis im Ausland, dazu 40 Ausbildungstauchgänge und ein zweitägiges Biologieseminar.

Über allem stehen drei Bedingungen, die für jede VDST- und GDL-Ausbilderstufe gelten: Mitgliedschaft in einem VDST-Verein — oder für den ATL ein Arbeitsverhältnis mit einem VDST-Dive-Center —, eine gültige Tauchtauglichkeitsbescheinigung und ein Erste-Hilfe-Kurs, der zum Prüfungstermin nicht länger als zwei Jahre zurückliegt.

Der SSI-Weg: Divemaster, ITC, Instructor Evaluation

Bei SSI ist der Divemaster die Eintrittskarte in den Professional-Bereich, und er ist Pflichtvorstufe für den Instructor Training Course. Die Standards trennen sauber zwischen dem, was zum Kursbeginn reicht, und dem, was zur Zertifizierung nötig ist.

  • Divemaster, Zulassung: 18 Jahre, mindestens 40 geloggte Freiwassertauchgänge mit mindestens 25 Stunden Tauchzeit, dazu die Zertifizierung Diver Stress & Rescue.
  • Divemaster, Abschluss: mindestens 60 Tauchgänge mit 40 Stunden oder mehr, bestandenes Science-of-Diving-Final-Exam und das Scuba Standards and Procedures Exam.
  • Dazu kommen drei Erfahrungsbereiche: Deep Diving tiefer als 30 Meter, Navigation sowie Night & Limited Visibility — entweder als Specialty-Zertifizierung oder über den Nachweis von jeweils mindestens fünf Erfahrungstauchgängen.
  • Der Dive Guide ist die kleinere Schwester: ab 15 Jahren, 50 Tauchgänge mit 32 Stunden — er darf zertifizierte Taucher begleiten, aber nicht ausbilden und nicht assistieren.

Für den Instructor Training Course verlangt SSI ein Mindestalter von 18 Jahren, eine Zertifizierung als Open Water Diver oder höher, die mindestens sechs Monate zurückliegt, 60 Freiwassertauchgänge mit mindestens 40 Stunden Gesamttauchzeit sowie den Divemaster und Enriched Air Nitrox 40. Für den Kurs selbst sind 70 bis 80 Stunden veranschlagt.

Zwei Details entscheiden in der Praxis öfter über den Zeitplan als die Tauchgangszahl. Erstens gibt es eine Zwischenstufe: Der Assistant Instructor wird bereits im ITC erreicht, verlangt aber 75 Tauchgänge mit 50 Stunden. Zweitens hat die Prüfung ein Verfallsdatum — die Instructor Evaluation muss innerhalb von sechs Monaten nach dem Abschluss des ITC stattfinden. Wer länger wartet, muss von einem Instructor Trainer neu evaluiert werden, bevor er überhaupt antreten darf. Für die Zertifizierung als Open Water Instructor stehen dann 100 Tauchgänge mit 65 Stunden im Standard.

Der PADI-Weg: IDC und Instructor Examination

PADI führt über dieselben Zahlen, nur mit anderen Namen. Der Divemaster verlangt Open Water, Advanced Open Water und Rescue Diver, ein Mindestalter von 18 Jahren, eine Tauchtauglichkeit aus den letzten zwölf Monaten und einen CPR- und Erste-Hilfe-Nachweis aus den letzten 24 Monaten. Zum Kursbeginn sind 40 geloggte Tauchgänge nötig, zur Zertifizierung 60.

Für den Instructor Development Course gilt: Divemaster oder eine gleichwertige Zertifizierung, seit mindestens sechs Monaten brevetiert, 60 geloggte Tauchgänge zur Anmeldung. Die Instructor-Karte selbst gibt es nach bestandener Instructor Examination und mit 100 geloggten Tauchgängen. Die IE ist bei PADI eine eigenständige, vom Kurs getrennte Prüfung — der Kandidat wird also nicht von demjenigen bewertet, der ihn ausgebildet hat. SSI handhabt es genauso: Der Instructor Certifier darf die Evaluation nur abnehmen, wenn er an der Ausbildung des Kandidaten im ITC nicht direkt beteiligt war.

Was die Zahlen nicht abbilden

Ich bin SSI Open Water Scuba Instructor und CMAS-Tauchlehrer, und die Frage, die mir in Kursen am häufigsten gestellt wird, lautet: „Wie viele Tauchgänge brauche ich noch?“ Es ist fast immer die falsche Frage. Die Schwelle ist eine Zulassungshürde, kein Ausbildungsziel — und sie sagt nichts darüber, ob jemand die Prüfung besteht.

Was tatsächlich geprüft wird, ist etwas anderes als sicheres Tauchen: Demonstrationsqualität. Eine Übung selbst zu beherrschen und sie so zu zeigen, dass ein Anfänger jeden Teilschritt mitbekommt, sind zwei verschiedene Fertigkeiten. Wer den Maskenausblasvorgang in drei flüssigen Sekunden erledigt, hat ihn nicht demonstriert, sondern nur vorgeführt. Im Kurs wird deshalb bewusst langsamer, größer und stärker segmentiert gearbeitet, als es der eigenen Routine entspricht — das ist für viele Kandidaten die eigentliche Umstellung.

Der zweite Block ist der Standard selbst. Bei SSI steht neben dem Final Exam das Scuba Standards and Procedures Exam, und das ist keine Formalie: Ein Tauchlehrer haftet für die Einhaltung der Ausbildungsstandards, und die Prüfung fragt Tiefengrenzen, Betreuungsverhältnisse und Zulassungsvoraussetzungen ab. Auch die Tauchgangszahlen, die in diesem Beitrag stehen, gehören dazu.

Und drittens die Erfahrung selbst. 130 Tauchgänge in einem einzigen See, bei gleicher Sicht, gleichem Anzug und gleichem Profil, bereiten schlechter vor als 70 in wechselnden Bedingungen. Kaltwasser, eingeschränkte Sicht, Trockentauchanzug, Boot, Strömung, Nacht und wechselnde Partner — das sind die Situationen, in denen ein Ausbilder später Entscheidungen für andere trifft. Der VDST bildet genau das in seiner Zulassung ab, indem er nicht nur die Gesamtzahl, sondern Aktualität und Tiefe verlangt.

Nach der Prüfung fängt die Pflicht erst an

Eine Instructor-Karte ist kein Besitz, sondern ein Status, der jedes Jahr neu hergestellt werden muss. Bei SSI hängt der aktive Status an drei Bedingungen: Anbindung an ein aktives SSI Training Center, bestätigte Professional-Vereinbarung samt bezahlter Jahresgebühr und — wo das Land es verlangt — eine Berufshaftpflichtversicherung, in der SSI als mitversichert eingetragen und beim SSI Service Center nachgewiesen ist. Fehlt eine davon, rutscht der Instructor in den inaktiven Status: Er zahlt weniger, behält den Zugriff auf die Unterlagen und darf keine Programme mehr durchführen.

Im VDST läuft es anders, aber nicht lockerer. Die Lizenzen der Trainer B und C gelten vier Jahre, die von ATL und TL fünf; verlängert wird unter anderem über den Nachweis besuchter anerkannter Fortbildungen. Wer die Vereinsmitgliedschaft aufgibt, verliert die Gültigkeit der Ausbilderlizenz.

Das ist der Punkt, an dem sich die Frage nach dem „richtigen“ Verband beantwortet, und zwar nicht über die Ausbildung, sondern über das, was danach kommt. Wer im Verein bleibt, braucht keinen Arbeitgeber und keine gewerbliche Struktur, dafür Zeit für Vereinsarbeit. Wer im Dive Center unterrichtet, braucht eine Anbindung und eine Versicherung — dafür kann er damit Geld verdienen.

Welcher Weg zu wem passt

  • Verein, VDST/GDL: Wer ohnehin im Verein taucht, jedes Wochenende am See ist und keinen Zeitdruck hat. Der Weg über Trainer C und ATL zieht sich über Jahre, ist aber der mit Abstand günstigste — und die Ausbildung findet in dem Gewässer statt, in dem später auch unterrichtet wird.
  • SSI: Wer im Tauchsport arbeiten will und eine Basis hat, die ihn ausbildet und danach beschäftigt. Die Anbindung an ein Training Center ist hier Voraussetzung, nicht Option.
  • PADI: Wer international unterwegs ist und auf die größte Verbreitung setzt. Der Ablauf ist stark standardisiert, die IE ist ein eigenständiger Prüfungstermin mit festen Ansprechpartnern.
  • Für alle drei gilt: Die sechs Monate zwischen Erstbrevet und Kursbeginn sind ein Mindestabstand, keine Empfehlung. Wer den Weg vom Anfänger zum Instructor in einem Jahr durchzieht, erfüllt die Standards und hat trotzdem wenig gesehen.

Häufige Fragen zur Tauchlehrerausbildung

Wie lange dauert es vom ersten Tauchschein bis zum Tauchlehrer?
Der kürzeste Weg liegt bei SSI und PADI theoretisch bei etwas mehr als einem halben Jahr — sechs Monate müssen zwischen der Erstzertifizierung und dem Kursbeginn liegen, und die 60 beziehungsweise 100 Tauchgänge lassen sich in einem intensiven Auslandsaufenthalt sammeln. In der Praxis dauert es länger, weil Divemaster, Rescue und die Specialty-Nachweise dazwischenliegen. Im VDST rechnest du mit mehreren Jahren: Dort steht mit dem Trainer C eine eigene, 120 Lerneinheiten umfassende Ausbildung vor der Tauchlehrerprüfung.
Reicht die Gesamtzahl der Tauchgänge für die Zulassung?
Bei SSI und PADI ja — dort zählt die geloggte Gesamtzahl, bei SSI zusätzlich die Gesamttauchzeit in Stunden. Beim VDST nicht: Von den 130 Tauchgängen für den GDL Instructor* müssen mindestens 30 aus den zwölf Monaten vor dem Anmeldetermin stammen und mindestens sechs auf 30 bis 40 Meter im Süßwasser oder 38 bis 40 Meter im Salzwasser geführt haben. Ein altes, volles Logbuch allein genügt dort nicht.
Wie alt darf mein Erste-Hilfe-Nachweis sein?
24 Monate. PADI verlangt für die Anmeldung zum Divemaster und zum IDC eine aktuelle Emergency-First-Response-Zertifizierung aus den letzten 24 Monaten; SSI verlangt für Diver Stress & Rescue — die Pflichtvorstufe zum Divemaster — einen Nachweis über Notfallsauerstoff, Erste Hilfe und HLW, der zum Zeitpunkt der Zertifizierung nicht älter als zwei Jahre ist. Der VDST setzt für die jeweilige Prüfung ebenfalls einen Erste-Hilfe-Kurs voraus, der nicht länger als zwei Jahre zurückliegt.
Kann ich als Tauchlehrer zwischen den Verbänden wechseln?
Auf Professional-Ebene ist ein Wechsel vorgesehen. SSI sieht dafür ein Onboarding vor: Wer die gleichwertige Zertifizierung seiner bisherigen Organisation nachweist — maßgeblich sind die Äquivalenztabellen der SSI Training Standards —, kann die entsprechende SSI-Professional-Zertifizierung erlangen. Eine Ausnahme gilt ausdrücklich für den Divemaster: Kandidaten anderer Ausbildungsorganisationen müssen das gesamte SSI-Divemaster-Programm absolvieren. Für die Gegenrichtung entscheidet der aufnehmende Verband; erkundige dich vor dem Wechsel dort, nicht bei deinem bisherigen.
Was passiert, wenn ich die Instructor-Prüfung nicht gleich nach dem Kurs mache?
Bei SSI läuft eine Frist: Die Instructor Evaluation muss innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss des Instructor Training Course stattfinden. Danach muss ein Instructor Trainer eine Neuevaluierung durchführen und feststellen, ob Wissen und Fertigkeiten noch für die Prüfung reichen. Plan den IE-Termin deshalb, bevor du den Kurs beginnst — nicht danach.

Siehe auch: PADI oder SSI im Vergleich · SSI-Anerkennungsstufen bis zum Master Diver · EDA: Tauchausbildung im CMAS-System · Grundlegende Tauchausbildung

Quellen und weiterführende Links

  • VDST: Ausbilder werden – Stufen Jugendleiter bis GDL Instructor Trainer mit Mindestalter, Vorstufe und Pflichttauchgängen; gemeinsame Voraussetzungen und Lizenzlaufzeiten
  • SSI: Scuba Training Standards und Verfahren 2026.2, deutsche Fassung vom 20.08.2026 – Divemaster nach ISO 24801-3 und Dive Guide, Instructor Training Course und Instructor Evaluation, SSI Professional Status
  • PADI: Divemaster Requirements – Mindestalter, Vorbrevets, 40 Tauchgänge zum Kursbeginn und 60 zur Zertifizierung, EFR-Gültigkeit
  • PADI: How to Become a Scuba Instructor – Zulassung zum IDC mit 60 geloggten Tauchgängen, 100 für das Instructor-Brevet
Über Der Tauchausbilder 40 Artikel
Schreibt über Ausbildung: Kursaufbau, Prüfungen, Übungen und das, was Tauchlehrer ihren Schülern gern früher gesagt hätten. Bildet nach SSI- und CMAS-Standards aus.

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