Partnerverlust ist der Abbruch des Sichtkontakts zum Tauchpartner unter Wasser. Für den Umgang damit gibt es ein Verfahren, das in der Sporttaucherausbildung weitgehend einheitlich gelehrt wird: kurz an der Tiefe suchen, dann auftauchen. Verbindlich vorgeschrieben ist es nicht — es wird vor dem Tauchgang verabredet und kann abweichend festgelegt werden.
Die Ein-Minuten-Regel
Das Standardverfahren lautet, eine Minute nach dem Partner zu suchen und, wenn er in dieser Zeit nicht aufzufinden ist, den Aufstieg zu beginnen — mit den Verfahren, die sich aus einer etwaigen Dekompressionsverpflichtung ergeben. Diese Vorgabe wird von den Ausbildungsorganisationen des Sporttauchens recht einheitlich gelehrt, ist aber nicht zwingend; Abweichungen können von den Tauchern bei der Tauchgangsplanung vereinbart werden.
Genau darin liegt der Grund, aus dem die Minute in das Briefing gehört. Zwei Taucher, die unterschiedliche Suchzeiten im Kopf haben, suchen sich gegenseitig an zwei verschiedenen Orten: Der eine steigt nach einer Minute auf, der andere sucht weiter unten nach jemandem, der schon oben ist.
Was in dieser Minute geschieht
Scuba Diving Magazine fasst die Schritte so: eine Drehung um 360 Grad, dabei auch nach oben und nach unten schauen; ein akustisches Signal geben, etwa mit einem Flaschenklopfer; die Lampe einsetzen; nach Luftblasen suchen. Das Blasensuchen ist der wirksamste Teil davon, weil Blasen seitlich weithin sichtbar sind, wo ein Taucher selbst längst in der Sichtweite verschwunden ist.
Was in dieser Minute nicht geschieht: wegschwimmen. Wer suchend die Richtung wechselt, vergrößert den Abstand oft, statt ihn zu verkleinern. Die Drehung auf der Stelle ist nicht nur bequemer, sie ist auch die Methode, die den vereinbarten Treffpunkt erhält.
An der Oberfläche
Der Aufstieg erfolgt langsam und unter weiterem Umsehen; der Sicherheitsstopp wird gemacht und während des Stopps weiter nach dem Partner gesucht. Oben folgen zwei Dinge: eine Oberflächenboje setzen, damit die eigene Position von Weitem erkennbar ist, und die Bootsbesatzung so früh wie möglich darüber unterrichten, dass der Partner fehlt.
Taucht der Partner nicht innerhalb einer ähnlichen Zeitspanne auf, hängt das weitere Vorgehen von den Umständen ab — es kann bedeuten, Alarm für einen vermissten Taucher zu geben und eine Suche einzuleiten. Der Übergang von „wir haben uns verloren“ zu „ein Taucher wird vermisst“ ist damit eine Entscheidung von Minuten, nicht von Viertelstunden.
Warum das Verfahren oft nicht eingehalten wird
Die Einhaltung ist unterschiedlich, und der Grund dafür ist unbequem: Der Aufstieg bedeutet in den meisten Fällen das Ende des Tauchgangs, und das ist keiner der beiden Seiten willkommen. Dieselbe Quelle benennt den eigentlichen Schwachpunkt des Partnersystems noch deutlicher: Beide Taucher tragen gleichermaßen die Verantwortung dafür, zu wissen, wo der andere ist — und das ist die Stelle, an der das Buddy-System gewöhnlich versagt und Taucher getrennt werden.
DAN beschreibt in der Auswertung von Tauchunfällen Opfer, die in einem Wimpernschlag aus dem Sichtfeld ihrer Tauchpartner verschwunden sind. Der Verlust des Sichtkontakts ist bei Todesfällen häufig berichtet; ob er Ursache oder Folge des Vorfalls war, ist in vielen Fällen nicht zu unterscheiden.
Beim technischen Tauchen gilt eine andere Rechnung
Außerhalb des Sporttauchens tritt an die Stelle der Minute eine Gasrechnung. SDI/TDI beschreibt ein Verfahren, bei dem der Vorrat unter Wasser neu gerechnet wird: Bei 210 bar Anfangsdruck liegt der normale Umkehrdruck bei 35 bar, der Umkehrdruck für den Notfall eines vermissten Tauchers dagegen bei 70 bar — gesucht wird, bis 140 bar erreicht sind, damit die restlichen 70 bar den sicheren Ausstieg tragen. Die Reihenfolge der Schritte lautet dort: Gasvorrat neu rechnen, den eigenen Zustand beurteilen, logisch suchen, beim Notfall-Umkehrdruck den Ausstieg beginnen.
Der Unterschied zum Sporttauchen ist kein Widerspruch, sondern eine andere Bezugsgröße: Wo kein direkter Aufstieg möglich ist, ist die Uhr das falsche Maß und das Gas das richtige. Zur Grundform dieser Rechnung siehe Drittelregel.
Vorbeugen ist der eigentliche Teil
Als Tauchlehrer halte ich den Abschnitt über das Suchen für den unwichtigeren. Entscheidend sind die drei Dinge davor: eine verabredete Seite, auf der jeder schwimmt, ein Blickrhythmus, der häufiger ist als gefühlt nötig, und eine Verabredung darüber, was bei Trennung gilt. Wer alle zwanzig Sekunden hinschaut, verliert seinen Partner nicht über eine Riffkante. Und wer vorher sagt „eine Minute, dann oben“, muss unten nicht mehr nachdenken. Fällt zusätzlich die Luftversorgung aus, während der Partner nicht erreichbar ist, bleibt nur der Notaufstieg — das ist der Fall, den die ganze Vorsorge vermeiden soll.
Quellen
- Wikipedia: Buddy diving — der Wortlaut des Standardverfahrens (eine Minute suchen, dann Aufstieg), der Hinweis, dass es von den Ausbildungsorganisationen einheitlich gelehrt, aber nicht zwingend ist, die Aussage zur unterschiedlichen Einhaltung und zur geteilten Verantwortung, und das weitere Vorgehen, wenn der Partner nicht auftaucht.
- Scuba Diving Magazine: Tips for Dealing with a Lost Dive Buddy — die Schrittfolge unter Wasser, der langsame Aufstieg mit Sicherheitsstopp, das Setzen der Oberflächenboje und die Unterrichtung der Bootsbesatzung.
- SDI/TDI: Protokolle für den Fall eines Gasverlusts bei Tauchern — die Gasrechnung des technischen Tauchens mit den Werten 210, 140, 70 und 35 bar und die Reihenfolge der Schritte.
- Alert Diver (DAN Europe): Tauchunfälle besser verstehen — der jährliche DAN-Bericht — die Beschreibung von Tauchern, die binnen eines Wimpernschlags aus dem Sichtfeld ihrer Partner verschwunden sind.
Zur Quellenlage: Eine deutschsprachige Verbandsfundstelle, die die Ein-Minuten-Regel ausdrücklich festlegt, ist öffentlich nicht zugänglich; die Regel steht hier nach einer enzyklopädischen Darstellung und einer Fachzeitschrift, beide englischsprachig. Die Zahlenwerte des technischen Verfahrens stammen aus einem Beispiel eines Verbandes des technischen Tauchens und sind keine allgemein gültigen Grenzwerte.
