Partnerverlust

Einzelner Taucher im offenen Blauwasser dreht sich suchend um, ringsum nur leeres Wasser.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Partnerverlust ist der Abbruch des Sichtkontakts zum Tauchpartner unter Wasser. Für den Umgang damit gibt es ein Verfahren, das in der Sporttaucherausbildung weitgehend einheitlich gelehrt wird: kurz an der Tiefe suchen, dann auftauchen. Verbindlich vorgeschrieben ist es nicht — es wird vor dem Tauchgang verabredet und kann abweichend festgelegt werden.

Die Ein-Minuten-Regel

Das Standardverfahren lautet, eine Minute nach dem Partner zu suchen und, wenn er in dieser Zeit nicht aufzufinden ist, den Aufstieg zu beginnen — mit den Verfahren, die sich aus einer etwaigen Dekompressionsverpflichtung ergeben. Diese Vorgabe wird von den Ausbildungsorganisationen des Sporttauchens recht einheitlich gelehrt, ist aber nicht zwingend; Abweichungen können von den Tauchern bei der Tauchgangsplanung vereinbart werden.

Genau darin liegt der Grund, aus dem die Minute in das Briefing gehört. Zwei Taucher, die unterschiedliche Suchzeiten im Kopf haben, suchen sich gegenseitig an zwei verschiedenen Orten: Der eine steigt nach einer Minute auf, der andere sucht weiter unten nach jemandem, der schon oben ist.

Was in dieser Minute geschieht

Scuba Diving Magazine fasst die Schritte so: eine Drehung um 360 Grad, dabei auch nach oben und nach unten schauen; ein akustisches Signal geben, etwa mit einem Flaschenklopfer; die Lampe einsetzen; nach Luftblasen suchen. Das Blasensuchen ist der wirksamste Teil davon, weil Blasen seitlich weithin sichtbar sind, wo ein Taucher selbst längst in der Sichtweite verschwunden ist.

Was in dieser Minute nicht geschieht: wegschwimmen. Wer suchend die Richtung wechselt, vergrößert den Abstand oft, statt ihn zu verkleinern. Die Drehung auf der Stelle ist nicht nur bequemer, sie ist auch die Methode, die den vereinbarten Treffpunkt erhält.

An der Oberfläche

Der Aufstieg erfolgt langsam und unter weiterem Umsehen; der Sicherheitsstopp wird gemacht und während des Stopps weiter nach dem Partner gesucht. Oben folgen zwei Dinge: eine Oberflächenboje setzen, damit die eigene Position von Weitem erkennbar ist, und die Bootsbesatzung so früh wie möglich darüber unterrichten, dass der Partner fehlt.

Taucht der Partner nicht innerhalb einer ähnlichen Zeitspanne auf, hängt das weitere Vorgehen von den Umständen ab — es kann bedeuten, Alarm für einen vermissten Taucher zu geben und eine Suche einzuleiten. Der Übergang von „wir haben uns verloren“ zu „ein Taucher wird vermisst“ ist damit eine Entscheidung von Minuten, nicht von Viertelstunden.

Warum das Verfahren oft nicht eingehalten wird

Die Einhaltung ist unterschiedlich, und der Grund dafür ist unbequem: Der Aufstieg bedeutet in den meisten Fällen das Ende des Tauchgangs, und das ist keiner der beiden Seiten willkommen. Dieselbe Quelle benennt den eigentlichen Schwachpunkt des Partnersystems noch deutlicher: Beide Taucher tragen gleichermaßen die Verantwortung dafür, zu wissen, wo der andere ist — und das ist die Stelle, an der das Buddy-System gewöhnlich versagt und Taucher getrennt werden.

DAN beschreibt in der Auswertung von Tauchunfällen Opfer, die in einem Wimpernschlag aus dem Sichtfeld ihrer Tauchpartner verschwunden sind. Der Verlust des Sichtkontakts ist bei Todesfällen häufig berichtet; ob er Ursache oder Folge des Vorfalls war, ist in vielen Fällen nicht zu unterscheiden.

Beim technischen Tauchen gilt eine andere Rechnung

Außerhalb des Sporttauchens tritt an die Stelle der Minute eine Gasrechnung. SDI/TDI beschreibt ein Verfahren, bei dem der Vorrat unter Wasser neu gerechnet wird: Bei 210 bar Anfangsdruck liegt der normale Umkehrdruck bei 35 bar, der Umkehrdruck für den Notfall eines vermissten Tauchers dagegen bei 70 bar — gesucht wird, bis 140 bar erreicht sind, damit die restlichen 70 bar den sicheren Ausstieg tragen. Die Reihenfolge der Schritte lautet dort: Gasvorrat neu rechnen, den eigenen Zustand beurteilen, logisch suchen, beim Notfall-Umkehrdruck den Ausstieg beginnen.

Der Unterschied zum Sporttauchen ist kein Widerspruch, sondern eine andere Bezugsgröße: Wo kein direkter Aufstieg möglich ist, ist die Uhr das falsche Maß und das Gas das richtige. Zur Grundform dieser Rechnung siehe Drittelregel.

Vorbeugen ist der eigentliche Teil

Als Tauchlehrer halte ich den Abschnitt über das Suchen für den unwichtigeren. Entscheidend sind die drei Dinge davor: eine verabredete Seite, auf der jeder schwimmt, ein Blickrhythmus, der häufiger ist als gefühlt nötig, und eine Verabredung darüber, was bei Trennung gilt. Wer alle zwanzig Sekunden hinschaut, verliert seinen Partner nicht über eine Riffkante. Und wer vorher sagt „eine Minute, dann oben“, muss unten nicht mehr nachdenken. Fällt zusätzlich die Luftversorgung aus, während der Partner nicht erreichbar ist, bleibt nur der Notaufstieg — das ist der Fall, den die ganze Vorsorge vermeiden soll.

Eine Minute wirkt sehr kurz. Warum nicht länger suchen?
Weil die Chance, einander unten zu finden, mit jeder Minute sinkt und der Nutzen des Auftauchens steigt: An der Oberfläche ist man sichtbar, zählbar und ansprechbar. Die Minute ist zudem kein Naturgesetz — sie wird bei der Tauchgangsplanung verabredet und kann einvernehmlich anders festgelegt werden.
Darf man nach dem Auftauchen wieder abtauchen, um zu suchen?
Das Vorgehen nach dem Auftauchen hängt von den Umständen ab und kann bis zum Alarm für einen vermissten Taucher und einer eingeleiteten Suche reichen. Ein erneutes Abtauchen eines einzelnen Tauchers, der eben aufgestiegen ist, gehört nicht zum gelehrten Standardverfahren.
Was ist das wirksamste Suchzeichen unter Wasser?
Nach der Beschreibung von Scuba Diving Magazine gehören die Drehung um 360 Grad mit Blick nach oben und unten, ein akustisches Signal, die Lampe und das Suchen nach Luftblasen zusammen. Blasen sind dabei das Zeichen mit der größten Reichweite, weil sie auch dann sichtbar bleiben, wenn der Taucher selbst nicht mehr auszumachen ist.

Quellen

Zur Quellenlage: Eine deutschsprachige Verbandsfundstelle, die die Ein-Minuten-Regel ausdrücklich festlegt, ist öffentlich nicht zugänglich; die Regel steht hier nach einer enzyklopädischen Darstellung und einer Fachzeitschrift, beide englischsprachig. Die Zahlenwerte des technischen Verfahrens stammen aus einem Beispiel eines Verbandes des technischen Tauchens und sind keine allgemein gültigen Grenzwerte.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.