Sidemount bezeichnet eine Konfiguration beim Gerätetauchen, bei der die Flaschen nicht auf dem Rücken, sondern seitlich am Körper geführt werden. Der Rücken bleibt frei; jede Flasche hängt einzeln am Harness und trägt eine eigene erste Stufe. Was als Notlösung für enge Höhlenpassagen begann, ist heute eine eigenständige Konfiguration mit eigenen Kursen — und mit eigenen Anforderungen.
Was Sidemount ist
Die Wikipedia definiert es als „spezielle Konfiguration beim Gerätetauchen“, bei der der Taucher „kein Atemgas auf dem Rücken, sondern ein oder mehrere Flaschen ausschließlich seitlich“ trägt. Die Flaschen liegen längs am Rumpf, die Ventile vorn in Höhe der Brust, die Böden hinten an der Hüfte. Statt des Jackets trägt der Taucher meist ein schmales Harness mit Auftriebsblase.
Der bauliche Unterschied zum Doppelgerät ist wesentlich: Beim Sidemount sind die Flaschen nach der Wikipedia „grundsätzlich unabhängig voneinander — anders als beim Backmount-Tauchen, wo Doppelflaschen häufig über eine evtl. verschließbare Brücke miteinander verbunden sind“. Es gibt also keinen gemeinsamen Vorrat, sondern zwei getrennte.
Woher es kommt
Der Ursprung liegt im Höhlentauchen; die Wikipedia hält das ausdrücklich fest. TDI wird konkreter: Die Konfiguration stamme aus dem Erforschen von Höhlen und sei „erstmals in den 1960ern, in England für Passagen angewendet“ worden, „die zu klein waren, um mit traditioneller Ausrüstung hindurch tauchen zu können“. Das erklärt die Bauform: Wer die Flaschen seitlich führt, baut höher nicht auf, und er kann sie im Notfall abnehmen und vor sich herschieben.
Diese Wurzel im technischen Tauchen prägt die Konfiguration bis heute, auch wenn sie längst im Sporttauchen angekommen ist.
Die Vorteile
TDI nennt mehrere, die sich gut nachvollziehen lassen:
- Trimm. Die Flaschen liegen seitlich „in einer Linie mit der Wirbelsäule“; das führt zu einer Gewichtsverlagerung, die die waagerechte Lage im Wasser unterstützt.
- Handhabung an Land. Zwei einzelne Flaschen lassen sich leichter tragen als ein Doppelgerät, und sie können erst im Wasser angelegt werden — das erleichtert Ein- und Ausstiege.
- Zugriff auf die Technik. Ventile und erste Stufen liegen vor dem Körper und damit in Sichtweite. Die Wikipedia nennt das als Vorteil, TDI hebt hervor, dass gerade Taucher mit Rücken- oder Schulterproblemen davon profitieren, die die Ventile eines Doppelgeräts nicht erreichen.
- Beweglichkeit der Flaschen. Der Taucher kann sie nach der Wikipedia auch unter Wasser vom Harness lösen und flexibel transportieren.
Der Preis
Sidemount ist kein einfacherer Weg, sondern ein anderer. Die Wikipedia formuliert es zurückhaltend: Sidemount werde „in vielerlei Hinsicht als komplexer angesehen, sodass es nur bei entsprechend trainierten Tauchern tatsächliche Vorteile bietet“. TDI sagt es direkter — es sei „sicherlich nicht für jeden geeignet“.
Der Grund liegt in der Unabhängigkeit der beiden Vorräte. Sie ist der größte Sicherheitsgewinn und zugleich die größte Anforderung: Wer aus zwei getrennten Flaschen atmet, muss beide im Blick behalten und den Automaten planmäßig wechseln, damit nicht eine Flasche leer und die andere voll ist. Das ist eine andere Art von Gasmanagement als beim verbundenen Doppelgerät, und es ist nichts, was sich nebenbei aneignen lässt. Auch die Redundanz funktioniert anders als beim gewohnten Oktopus: Hier hängt der zweite Atemregler nicht an derselben Flasche, sondern an einer zweiten.
Ausbildung
Die Konfiguration verlangt einen eigenen Kurs. TDI und SDI führen dafür eine Sidemount-Ausbildung — genannt wird der SDI Open Water Sidemount Diver —, und auch andere große Verbände bieten Sidemount-Spezialkurse an. Die Wikipedia weist zugleich darauf hin, dass die Ausbildungsrichtlinien der meisten Verbände „dennoch primär auf das Backmount-Tauchen“ abzielen, insbesondere für Anfänger. Wer umsteigen will, sollte den Umstieg also als eigene Ausbildung einplanen und nicht als Ausrüstungskauf.
Quellen
- Wikipedia: Sidemount-Tauchen — Definition, Ursprung im Höhlentauchen, Unabhängigkeit der Flaschen gegenüber der Brücke beim Doppelgerät, Lösen der Flaschen unter Wasser, Zugriff auf Ventile und erste Stufen, Einschätzung zur Komplexität, Ausrichtung der Ausbildungsrichtlinien.
- TDI/SDI: Sidemount Tauchen — Herkunft aus England in den 1960er Jahren, Gewichtsverlagerung in Linie mit der Wirbelsäule, Handhabung beim Ein- und Ausstieg, Vorteil für Taucher mit Rücken- oder Schulterproblemen, SDI Open Water Sidemount Diver.
Zur Quellenlage: Beide Quellen sind Sekundärquellen — ein Wiki und ein Verbandsblog. Die Jahresangabe „1960er Jahre“ und die Zuordnung nach England stehen allein auf der TDI-Darstellung; eine tauchhistorische Primärquelle liegt dafür nicht vor. Zur Zahl der Flaschen, zu Mindesttauchgangszahlen und zu Kursvoraussetzungen macht dieser Eintrag bewusst keine Angaben, weil sie sich zwischen den Verbänden unterscheiden.
