Harness

Rueckenplatte mit durchgehendem Nylon-Gurtband, gekroepften D-Ringen, Hueftgurt mit Gurtschnalle und Schrittgurt
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Das Harness ist die Begurtung, mit der ein Backplate am Körper des Tauchers gehalten wird. In seiner klassischen Form besteht es aus einem einzigen durchgehenden Gurtband von 50 mm Breite, das durch die Schlitze der Rückenplatte gefädelt wird und dabei Schultergurte und Hüftgurt bildet, ergänzt um einen Schrittgurt. Deutsch spricht man auch von Bebänderung oder Begurtung.

Der Aufbau des durchgehenden Harness

GUE beschreibt die Bauart in den eigenen Standards so: Das System „is held to the diver by one continuous piece of webbing. This webbing is adjustable and uses a buckle to secure the system at the waist.“ Dazu kommt der Schrittgurt, „attached and looped through the waistband to prevent the system from riding up a diver’s back“.

Das Band beginnt mit seinem Mittelpunkt auf der Rückseite der Platte an der oberen Bohrung. Von dort laufen beide Hälften von hinten nach vorn durch die schrägen Schlitze, kehren durch die geraden Schlitze zurück und kommen als Schultergurte über die Schultern nach vorn. Unter den Achseln laufen sie am Körper hinab, treten durch die unteren inneren Schlitze der Platte, umgreifen sie und kommen durch die äußeren Schlitze wieder nach vorn — dort bilden sie den Hüftgurt. Geschlossen wird mit einer Hebel-Gurtschnalle vom Bleigurttyp. Der Schrittgurt hängt am mittleren unteren Schlitz.

Die deutsche Montageanleitung von Heser Tauchtechnik führt diesen Ablauf in fünfzehn nummerierten Schritten; TDI/SDI hat eine eigene, in Details abweichende Anleitung veröffentlicht. Dass sich die beiden bei der Führung des Hüftgurts unterscheiden, liegt an unterschiedlichen Plattengenerationen — die Reihenfolge der Schlitze ist kein Dogma, sondern hängt am jeweiligen Lochbild.

Die fünf D-Ringe

GUE legt Zahl und Lage fest: linke Hüfte, rechte Schlüsselbeinlinie, linke Schlüsselbeinlinie, Schrittgurt vorn und Schrittgurt hinten. Der hintere Ring am Schrittgurt ist für Scooter und ähnliches Gerät gedacht. Die Schulterringe sind gekröpft, stehen also vom Band ab, damit man sie mit Handschuhen greifen kann; gehalten werden sie zwischen zwei Triglides, die deutsch meist Bleistopper heißen.

Am linken Schultergurt sitzt zusätzlich eine Gummischlaufe für den Faltenschlauch des Wings — der Inflator läuft bei dieser Konfiguration immer über die linke Schulter. Unter den Armen kommen kleine Gummiringe dazu, in denen die Backup-Lampen stecken; in der Praxis sind das oft Stücke von Fahrradschläuchen. TDI beschreibt die Bungee-Schlaufe an der linken Schulter mit derselben Begründung.

Warum keine Steckschnallen

An diesem Punkt scheiden sich die Geister, und GUE bezieht die deutlichste Position. Der Harness müsse „rigged from one piece of webbing and should have no quick-release buckles or other failure points“ sein. Zur Begründung: „plastic quick-release buckles seem to simplify the process … these ‚savings‘ are illusory, putting a diver at greater risk.“ Der Gedanke dahinter ist Minimalismus — jedes Bauteil, das aufgehen kann, kann zur falschen Zeit aufgehen.

Dem steht ein praktischer Einwand gegenüber: Ein durchgehendes Band lässt sich nicht im Handumdrehen weiten. Wer im Sommer nass und im Winter im Trockenanzug taucht, muss entweder nachfädeln oder mit einem Kompromiss leben. Deshalb haben sich zwei weitere Bauarten etabliert:

  • Komfort- oder Deluxe-Harness: mit Schulterpolstern, Steckschnallen an den Schultergurten und häufig einem zusätzlichen Brustgurt über dem Brustbein. Dive Rite gibt für sein Deluxe-Harness Drehpunkte an den Schulteransätzen an und nennt als Zielgruppe ausdrücklich Frauen und breitschultrige Taucher.
  • Cinch- oder Hybridsystem: weiterhin eine durchgehende Schlaufe ohne Trennstelle, aber das Band gleitet durch Beschläge an der Platte und lässt sich dadurch im Wasser nachstellen.

Für CMAS, SSI und PADI gibt es keine Vorschrift zur Bauart des Harness. Verbindlich ist die durchgehende Begurtung nur dort, wo GUE ausbildet. SSI hält allerdings fest, dass der korrekte Zusammenbau gelernt werden sollte, und verweist dafür auf das eigene Extended-Range-Programm.

Das Gurtband selbst

Standard ist schwarzes Nylon-Gurtband von zwei Zoll, also rund 50 mm Breite. Dive Rite gibt für das Hauptband eine Bruchlast von 7.000 lbs an und verwendet für die Beschläge Edelstahl der Güte 316. Entscheidend für den Sitz ist die Steifigkeit: Heser weist darauf hin, dass weiches Gurtband als Schultergurt nicht taugt — ein zu weiches Band knickt unter dem Gewicht der Flasche ein, statt die Last zu verteilen.

Der Schrittgurt ist der Teil, über den am häufigsten geklagt wird. Er verläuft zwischen den Beinen und scheuert, wenn er zu straff sitzt. Die Heser-Anleitung formuliert dafür die einfachste brauchbare Regel: so einstellen, „dass er gerade nicht spannt“.

Als Ausbilder rate ich, das Band beim ersten Einstellen zu lang zu lassen und erst nach drei oder vier Tauchgängen zu kürzen und die Enden zu verschmelzen. Wer sofort auf Maß schneidet, fädelt beim nächsten Anzugwechsel neu.

Wie sitzt ein Harness richtig?
Halcyon nennt eine brauchbare Probe: Unter das Schultergurtband soll man an der Schulter mehrere Finger schieben können. Sitzt es straffer, drückt die Platte beim Aufstieg; sitzt es loser, rutscht das Gerät im Wasser nach oben. Der Schrittgurt wird so eingestellt, dass er gerade nicht spannt. Eingestellt wird mit der kompletten Ausrüstung, die später getaucht wird — ein Trockenanzug braucht deutlich mehr Band als ein 5-mm-Nassanzug.
Ist ein Harness ohne Steckschnallen nicht gefährlich?
GUE argumentiert umgekehrt: Steckschnallen seien zusätzliche Versagensstellen und ihr Zeitgewinn sei nur scheinbar. Abgelegt wird ein durchgehendes Harness, indem man die Hüftschnalle öffnet und aus den Schultergurten steigt wie aus einem Rucksack — mit etwas Übung geht das an der Oberfläche schnell. Eine Verbandsvorschrift, die Steckschnallen verlangt oder verbietet, gibt es außerhalb von GUE nicht.
Wie viel Gurtband brauche ich?
Das hängt von Körperbau und Anzug ab, deshalb nennen die Hersteller keine allgemeine Länge. Dive Rite liefert sein Deluxe-Harness mit rund 6 Fuß für den oberen Teil und 3 Fuß für den Hüftteil. Wer selbst fädelt, sollte großzügig zuschneiden und erst nach mehreren Tauchgängen kürzen.

Quellen

Zur Quellenlage: Verbindliche Vorgaben zur Bauart des Harness stammen ausschließlich von GUE und gelten nur für GUE-Taucher; CMAS, SSI und PADI machen dazu in den einsehbaren Standards keine Vorgabe. Die Angaben zur Fädelfolge stammen aus einer Händleranleitung und einer Verbandsanleitung, die in Details voneinander abweichen — maßgeblich ist das Lochbild der konkreten Platte. Die Merkmalsliste der Komfortvariante beruht auf Herstellerangaben einzelner Modelle.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.