Der Luftdruck — auch Atmosphärendruck genannt — ist der Druck, den die Erdatmosphäre durch ihr eigenes Gewicht auf alles ausübt, was sich in ihr befindet. Auf Meereshöhe beträgt er rund ein bar. Für den Taucher ist er die „+ 1“ in jeder Druckrechnung — und der Grund, warum ein Tauchgang im Bergsee anders geplant werden muss als einer am Meer.
Ein bar — und was genau dahintersteckt
Das Lehrbuch für Forschungstaucher von König und Lipp nennt für Meereshöhe einen Normaldruck von 1,01325 bar, wobei 1 bar genau 10⁵ Pascal sind. Gerechnet wird beim Tauchen fast immer mit glatten 1,0 bar; der Unterschied von gut einem Prozent verschwindet gegenüber den übrigen Vereinfachungen der Tauchphysik.
Anders als der hydrostatische Druck ändert sich der Luftdruck während des Tauchgangs nicht. Er ist die Konstante, auf die der Wasserdruck aufgesattelt wird. Erst beide zusammen ergeben den Absolutdruck.
Die „+ 1“ in jeder Tauchrechnung
Wer die vertraute Formel p = 1 + Tiefe/10 benutzt, rechnet mit dem Luftdruck, ohne darüber nachzudenken. Die „1“ ist er. Dasselbe gilt für die „− 10“ am Ende der Formeln für die maximale Einsatztiefe und die äquivalente Lufttiefe: Sie zieht die Wassersäule ab, die dem Luftdruck entspricht.
Auch der Partialdruck hängt daran. An der Oberfläche atmet man Luft mit einem Sauerstoffpartialdruck von 0,21 × 1,01 bar, also rund 0,21 bar. Sinkt der Luftdruck, sinkt dieser Wert mit — der Sauerstoffanteil von 21 Prozent bleibt dabei unverändert. Das ist der Kern der Sache: Für den Körper zählt nie der Prozentanteil, sondern immer der Partialdruck.
Die Abnahme mit der Höhe
Luft ist kompressibel. Ihre Dichte nimmt nach oben hin ab, und deshalb fällt der Luftdruck nicht gleichmäßig, sondern exponentiell — beschrieben durch die Barometergleichung, die König und Lipp im Kapitel zu den physikalischen Grundlagen anführen. In dem Höhenbereich, in dem getaucht wird, lässt sich das gut linear nähern. Die GTÜM schreibt: „Bis 4000 m Höhe sinkt der Luftdruck um ca. 0,1 bar pro 1000 m.“
| Höhe über dem Meer | Luftdruck | Fundstelle |
|---|---|---|
| Meereshöhe | 1,01325 bar | König/Lipp |
| 500 m | 0,95 bar | GTÜM |
| 1000 m | 0,9 bar | GTÜM |
| 2500 m | 0,75 bar | GTÜM |
Was das im Bergsee bedeutet
Hier wird der Luftdruck vom Rechenposten zur Sicherheitsfrage. Tabellen und Tauchcomputer nehmen als Oberflächendruck in der Regel 1,0 bar an — ein Wert, der im Bergsee schlicht nicht stimmt. Die GTÜM bringt es auf einen Satz, der die ganze Sache erklärt:
„Der Umgebungsdruck, der in Dekompressionstabellen und Tauchcomputern in der Regel als Oberflächendruck angenommen wird (1,0 bar), herrscht in diesem Bergsee nicht an der Wasseroberfläche, sondern in 1 m Tiefe.“
Wer also auf 1000 Metern Höhe auftaucht, hat den Druck, den die Tabelle als Endpunkt vorsieht, bereits einen Meter unter der Oberfläche hinter sich gelassen — und steigt danach noch weiter in die Druckentlastung hinein. Die GTÜM führt das fort: „In 2000 m Seehöhe müsste er bereits einen entsprechenden Dekompressionsstopp in 2 m Tiefe einhalten.“ Der Gradient zwischen dem im Gewebe gelösten Inertgas und der Umgebung fällt größer aus als geplant; die Übersättigung am Ende des Tauchgangs ist entsprechend höher.
Die Folge ist eindeutig, die Grenze dagegen nicht. Ab welcher Höhe besondere Regeln gelten, wird unterschiedlich beantwortet: Die GTÜM behandelt das Thema ab etwa 1000 Metern; die deutschsprachige Wikipedia nennt 300 Meter als in der Tauchausbildung üblichen Wert und 700 Meter nach dem Modell von Max Hahn. ⚠️ Wikipedia ist keine Verbandsquelle — wer nach dem Standard eines bestimmten Verbandes taucht, schlägt die Schwelle dort nach. Praktisch gelöst wird die Sache ohnehin nicht über Umrechnungsformeln, sondern über Bergseetabellen oder einen Tauchcomputer mit bergseetauglichem Programm.
Die Anreise zählt mit
Ein Punkt, der leicht übersehen wird: Auch die Fahrt in die Höhe ist bereits eine Druckentlastung. Die GTÜM beschreibt den Fall so: „Wenn ein Taucher in 500 m Seehöhe wohnt (Umgebungsdruck 0,95 bar) und direkt vor dem Tauchgang mit dem Auto zu einem Bergsee in 2.500 m Höhe fährt (Umgebungsdruck 0,75 bar)“, dann ist sein Körper noch auf den höheren Druck des Wohnorts eingesättigt. Dasselbe gilt in umgekehrter Richtung nach dem Tauchgang — daraus folgt das Flugverbot nach dem Tauchen.
Eine reine Rechenbeobachtung am Rande, ausdrücklich keine medizinische Aussage: Bei 0,75 bar Luftdruck liegt der Sauerstoffpartialdruck der Atemluft bei 0,158 bar. SSI führt 0,16 bar als „Grenzwert der Hypoxie“. Wer aus dem Flachland kommt und auf 2500 Metern taucht, arbeitet also am unteren Ende dessen, was die Kurstabelle noch als unbedenklich führt — dass Menschen in dieser Höhe dauerhaft leben, zeigt zugleich, wie viel Anpassung der Körper leistet. Wie das zusammengeht, gehört in die Hände eines Tauchmediziners, nicht in eine Faustformel.
Quellen
- König/Lipp, Lehrbuch für Forschungstaucher, Kapitel 1: Physikalische Grundlagen (PDF) — Normaldruck 1,01325 bar, 1 bar = 10⁵ Pa, exponentielle Abnahme nach der Barometergleichung
- GTÜM: Bergseetauchen — 0,1 bar je 1000 Höhenmeter bis 4000 m, die Druckwerte für 500, 1000 und 2500 m, der Oberflächendruck im Bergsee und das Beispiel der Anfahrt
- Wikipedia: Bergseetauchen — die Schwellenwerte 300 m und 700 m. Wiki-Quelle, keine Verbandsfundstelle
- SSI, Enriched Air Nitrox, Schulungsbuch SC-EAN, deutsche Ausgabe 2023 — 0,16 bar als „Grenzwert der Hypoxie“. Kursmaterial, nicht öffentlich verlinkbar
