Äquivalenztiefentabelle

Tabelle mit tatsächlichen Tiefen von 12 bis 42 Metern und den zugehörigen äquivalenten Lufttiefen für EAN22, EAN28, EAN32 und EAN36; Felder über 1,4 bar Sauerstoffpartialdruck sind hinterlegt, Felder über 1,6 bar bleiben leer

Die Äquivalenztiefentabelle rechnet eine Nitroxtiefe in die Tiefe um, die mit Luft denselben Stickstoffpartialdruck ergäbe. Sie erlaubt es damit, einen Nitroxtauchgang mit der gewohnten Lufttabelle zu planen, statt ein eigenes Tabellenwerk zu lernen — die äquivalente Lufttiefe wird abgelesen statt gerechnet.

Wie sie benutzt wird

Der Ablauf ist derselbe wie bei einer Umrechnungstabelle für Bergseetauchgänge. Man sucht die Spalte, die dem Sauerstoffanteil des geatmeten Gases entspricht, folgt ihr nach unten bis zur geplanten Maximaltiefe und liest links den äquivalenten Wert ab. Mit diesem geht man in die Lufttabelle und ermittelt dort Nullzeit, Wiederholungsgruppe und Oberflächenpause wie immer.

Die Tabelle im SSI-Schulungsbuch Enriched Air Nitrox deckt Tiefen von 10 bis 42 Metern und Sauerstoffanteile von 22 bis 36 Prozent ab. Hinter ihr steht die Formel für die äquivalente Lufttiefe; die Tabelle nimmt dem Taucher nur das Rechnen ab. Wie sich die Umrechnung in die Gesamtplanung einfügt, steht unter Stickstoffmanagement.

Drei Dinge, die man über die Tabelle wissen muss

SSI nennt sie ausdrücklich, und sie sind der eigentliche Grund für diesen Eintrag.

Erstens: Die Tiefen sind abgerundet. Die Werte wurden „auf den nächst niedrigeren, ganzen Zahlenwert abgerundet (d. h. 29 Meter anstatt 29,96 Meter)“. Das ist keine Ungenauigkeit, sondern Absicht — bei einer Obergrenze wird nie zum eigenen Vorteil gerundet.

Zweitens: Einzelne Felder liegen über 1,4 bar. Die meisten Tiefenangaben stehen für einen Sauerstoffpartialdruck unter 1,4 bar; jene, die diesen Wert überschreiten, erscheinen in schattierten Feldern. Diese Werte sind nach SSI „ausschließlich für den versehentlichen Fall“ dargestellt, dass die Grenze überschritten wird — verbunden mit dem klaren Satz: „Überschreite niemals absichtlich einen PPO2 von 1,4 bar.“ Tiefen jenseits von 1,6 bar sind gar nicht erst aufgeführt.

Drittens: Der letzte unschattierte Wert ist nicht die MOD. Die größte Tiefenangabe in einem nicht schattierten Feld entspricht „nicht notwendigerweise der maximalen Einsatztiefe“. SSI führt das am Beispiel EAN32 vor: Die empfohlene Maximaltiefe für 1,4 bar liege „tatsächlich bei knapp unter 34 Metern und nicht bei 33 Metern, wie es in der Tabelle erscheint“. Die Tabelle ist also konservativer als die Rechnung — nicht umgekehrt.

Was sie nicht leistet

Zwei Grenzen sind wichtig. Zum einen ist nach SSI „in der Äquivalenztiefentabelle selbst kein nennenswertes konservatives Element eingebaut“. Die üblichen Sicherheitsmaßnahmen gelten also unverändert weiter — langsamer Aufstieg, Sicherheitsstopp, Abstand zur Nullzeitgrenze. Wer mit den SSI-Lufttabellen arbeitet, profitiert dabei nach SSI davon, dass deren Nullzeitgrenzen auf Doppler-Mikrogasblasenstudien beruhen und nicht auf den liberaleren Grenzwerten der US-Navy-Tabellen.

Zum anderen sagt die Tabelle nichts über Sauerstoff. Sie beantwortet allein die Stickstofffrage. Die Tiefengrenze kommt aus dem Sauerstoffmanagement, und sie ist die härtere der beiden: Eine korrekt abgelesene äquivalente Lufttiefe nützt nichts, wenn die tatsächliche Tiefe die maximale Einsatztiefe überschreitet.

Tabelle oder Computer

Nitroxfähige Tauchcomputer nehmen dem Taucher die Umrechnung vollständig ab — vorausgesetzt, der eingestellte Sauerstoffanteil stimmt mit der Flasche überein. Als Tauchlehrer halte ich die Tabelle trotzdem für lehrreich: Wer einmal gesehen hat, dass EAN32 auf 30 Metern rechnerisch einem Lufttauchgang auf gut 24 Metern entspricht, versteht den Nitroxvorteil besser als über jede Computeranzeige. Und sie bleibt der Rettungsanker, wenn der Computer ausfällt.

Warum reicht die Tabelle nur bis 36 Prozent Sauerstoff?
Weil darüber die Tiefengrenze so weit nach oben rückt, dass die Tabelle kaum noch sinnvolle Felder hätte. Die SSI-Tabelle deckt 22 bis 36 Prozent und 10 bis 42 Meter ab; das entspricht dem Bereich, in dem sich Nitrox im Sporttauchen abspielt. Für höhere Anteile wird gerechnet oder mit dem Computer geplant.
Was bedeuten die schattierten Felder?
Sie markieren Tiefen, in denen der Sauerstoffpartialdruck über 1,4 bar liegt. Sie stehen dort ausschließlich für den Fall, dass die Grenze versehentlich überschritten wurde — damit man den Tauchgang dann trotzdem korrekt auswerten kann. Als Planungswerte sind sie ausdrücklich nicht gedacht.
Gilt die Tabelle auch im Süßwasser?
Die zugrunde liegenden Formeln rechnen mit Metern Salzwasser; für Süßwasser ist nach SSI mit 10,2 Metern statt 10 Metern zu rechnen. Im Bergsee kommt zusätzlich der geringere Luftdruck an der Oberfläche hinzu, der eine eigene Höhenkorrektur verlangt. Beides zusammen macht die einfache Tabellenanwendung dort ungenau.

Quellen

  • SSI, Enriched Air Nitrox (EAN), Schulungsbuch SC-EAN, deutsche Ausgabe, © SSI International GmbH, 18.10.2023, Anhang „Verwendung der SSI Tabelle für Äquivalente Lufttiefen“ — Umfang der Tabelle, die drei Vorbehalte, das EAN32-Beispiel, der fehlende Konservatismus, der Bezug auf Doppler-Nullzeitgrenzen. Nicht frei im Netz; erhältlich über MySSI beziehungsweise das Training Center