Sauerstoffmanagement

Balkendiagramm der NOAA-Einwirkzeiten von 1991: bei 1,3 bar 180 und 210 Minuten, bei 1,4 bar 150 und 180, bei 1,5 bar 120 und 180, bei 1,6 bar 45 und 150 Minuten. Die Werte für 1,3 bar sind als überholt gekennzeichnet.
Die Zeitgrenzen von 1991. Für 1,3 bar seit 2025 neu gefasst: 240 Minuten Arbeitsphase plus 240 Minuten Ruhephase.

Sauerstoffmanagement ist die planmäßige Begrenzung der Sauerstoffbelastung eines Tauchgangs — nach dem Druck und nach der Zeit. Es beantwortet zwei Fragen: Wie hoch darf der Sauerstoffpartialdruck werden, und wie lange darf er wirken? Erst beide Grenzen zusammen ergeben eine vollständige Nitroxplanung.

Die beiden Hälften

Die erste Hälfte ist der Sauerstoffpartialdruck. Er ergibt sich aus dem Sauerstoffanteil und der Tiefe und wird über die maximale Einsatztiefe begrenzt. SSI führt 1,40 bar als „empfohlener Grenzwert für Sporttaucher“ und 1,60 bar als „maximaler Grenzwert für Sporttaucher“.

Die zweite Hälfte ist die Einwirkzeit. Das SSI-Schulungsbuch Enriched Air Nitrox formuliert das so: Die Einwirkung erhöhter Sauerstoffpartialdrücke müsse „nicht nur hinsichtlich des Drucks innerhalb sicherer Grenzen (1,4 bar oder weniger) liegen, sondern auch bezüglich der Einwirkdauer“.

Die Zeitgrenzen

Als Zeitmaßstab dienen die Einwirkzeitgrenzen der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), ursprünglich für Berufstaucher veröffentlicht. SSI bezeichnet sie als „die am häufigsten verwendeten Zeitlimits für Nitrox im Sporttauchbereich“. Zwei Werte sind die praktisch entscheidenden:

ppO₂ Einzeltauchgang innerhalb von 24 Stunden
1,3 bar 180 min 210 min
1,4 bar 150 min 180 min
1,5 bar 120 min 180 min
1,6 bar 45 min 150 min

Für 1,3 bar gilt die Zeile oben seit 2025 nicht mehr. Ein von der NOAA veranstalteter Workshop hat die Einwirkzeit dort neu gefasst: bis zu 240 Minuten Arbeitsphase plus bis zu 240 Minuten Ruhephase, zusammen höchstens acht Stunden je 24 Stunden. Für 1,4, 1,5 und 1,6 bar ändert sich nichts. Einzelheiten, Einschränkungen und ein Merkblatt zum Ausdrucken: Die neuen NOAA-Einwirkzeiten für 1,3 bar.

Der Sprung von 1,5 auf 1,6 bar ist der auffälligste Wert der ganzen Tabelle: Der Einzeltauchgang schrumpft von zwei Stunden auf 45 Minuten. Das ist der eigentliche Grund, warum 1,6 bar als Obergrenze und nicht als Planungswert geführt wird.

Die einfache Regel

Aus beiden Hälften macht SSI eine Faustregel, die ohne Rechnerei auskommt: innerhalb des Grenzwerts von 1,4 bar bleiben und die Gesamtgrundzeit von 180 Minuten je 24 Stunden nicht überschreiten. Dann, so das Buch, gebe es „keinerlei Grund, sich wegen einer Überschreitung der Limits Sorgen zu machen“ — und das treffe auf den Großteil aller Sporttauchgänge zu.

Der Praxisbezug dazu: Der typische Sporttaucher macht nach SSI nicht mehr als zwei bis drei Tauchgänge am Tag mit durchschnittlich 40 bis 60 Minuten. Drei Stunden Gesamtzeit sind damit weit weg. Als Tauchlehrer sage ich es deshalb so: Sauerstoffmanagement ist im normalen Sporttauchen kein Rechenproblem, sondern eine Frage der Disziplin an einer einzigen Stelle — der Tiefe.

Wenn es doch gerechnet werden muss

Wer häufiger, länger oder mit höheren Partialdrücken taucht, führt die Belastung als Prozentwert mit. Dafür gibt es zwei getrennte Konten, weil Sauerstoff zwei verschiedene Schäden anrichtet:

  • Die CNS-Uhr führt die Belastung des Zentralnervensystems — das akute Risiko, dessen Endpunkt der Sauerstoffkrampf ist.
  • Die OTU führt die Belastung der Lunge — die langsame, kumulative Seite über Tage.

SSI merkt zur Vereinfachung an, dass die simple Methode — Grenzwert plus Gesamtzeit — nicht nur leichter anzuwenden ist, sondern auch „Rechenfehler auszuschließen“ hilft, wie sie bei komplexeren Verfahren wahrscheinlich wären.

Die Grenze der Methode

Zahlen sind hier Statistik, keine Garantie. SSI hält fest, dass zur ZNS-Sauerstoffvergiftung „vieles … noch zu erforschen“ bleibt, die Anfälligkeit von Mensch zu Mensch und von Tag zu Tag unterschiedlich sein kann und man auch bei sehr konservativem Vorgehen „nicht gegen eine ZNS-Sauerstoffvergiftung gefeit“ ist. Die Schwankungsbreite beziffert das Buch mit einem Verhältnis von bis zu 13:1 bei ein und derselben Person an verschiedenen Tagen.

Das Gegenstück zu diesem Eintrag ist das Stickstoffmanagement: Beim Nitroxtauchen wird der eine Vorteil — weniger Stickstoff — mit einer neuen Grenze auf der anderen Seite erkauft.

Muss ich die CNS-Uhr bei jedem Nitroxtauchgang führen?
Für den normalen Sporttauchgang nicht, wenn man den einfachen Weg geht: unter 1,4 bar bleiben und die 180 Minuten je 24 Stunden im Blick behalten. Sobald man diese Grenzen ausreizt, mehrere Tage hintereinander taucht oder mit höheren Partialdrücken arbeitet, wird das Mitführen der Prozentwerte sinnvoll.
Warum bricht die erlaubte Zeit bei 1,6 bar so stark ein?
Weil das Risiko eines ZNS-Sauerstoffkrampfs mit dem Partialdruck nicht linear, sondern steil wächst. In der NOAA-Tabelle fällt der Einzeltauchgang von 120 Minuten bei 1,5 bar auf 45 Minuten bei 1,6 bar. Genau dieser Sprung ist der Grund, 1,6 bar nur für kurze Abschnitte in Ruhe vorzusehen — etwa einen Dekompressionsstopp — und nicht für den Tauchgang selbst.
Rechnet mein Tauchcomputer das mit?
Viele nitroxfähige Computer führen eine Sauerstoffbelastungsanzeige mit. Was sie genau rechnen, unterscheidet sich je nach Hersteller und Modell, und die Anzeige ersetzt die eigene Tiefenplanung nicht: Die maximale Einsatztiefe ergibt sich aus dem eingestellten Sauerstoffanteil — stimmt die Einstellung nicht mit der Flasche überein, ist auch die Belastungsanzeige falsch.

Quellen

  • SSI, Enriched Air Nitrox (EAN), Schulungsbuch SC-EAN, deutsche Ausgabe, © SSI International GmbH, 18.10.2023, Kapitel 2 und 4 — die ppO₂-Grenzwerte, die NOAA-Einwirkzeitentabelle, die Faustregel 1,4 bar und 180 Minuten, die Schwankungsbreite der Anfälligkeit. Nicht frei im Netz; erhältlich über MySSI beziehungsweise das Training Center
  • DAN: Oxygen Toxicity — Staffelung 1,4 / 1,6 ata, Unberechenbarkeit der Sauerstofftoxizität
  • CMAS Fact Sheet: Max Depth — 1,4 bar Bodengemisch, 1,6 bar Stopps
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.