Die Tauchgangsplanung ist die Festlegung von Tiefe, Zeit, Gasvorrat und Ausstiegsweg vor dem Einstieg — zusammen mit den Absprachen, die greifen, wenn eines davon nicht aufgeht. Sie ist kein Formular, sondern die Verabredung eines Teams. Wer nicht vorher weiß, woran der Tauchgang endet, kann ihn unter Wasser auch nicht beenden.
Welche drei Grenzen festgelegt werden
DAN fasst den Kern in einem Satz zusammen: Taucher sollen sich mit dem Partner auf „maximum depth, maximum bottom time and minimum air supply to terminate the dive“ verständigen. Das sind die drei Grenzen, und die erste von ihnen, die erreicht wird, beendet den Tauchgang — nicht die, die am besten passt.
Dazu kommt nach DAN die Vorarbeit am Platz: Strömung, Tiefen, Tierwelt, Ein- und Ausstieg, Bootsverkehr. Dazu die Pflicht, einer Person, die nicht mittaucht, den Plan und die erwartete Rückkehr zu nennen; die Ausrüstungsprüfung mit Liste oder Merkspruch, ohne den Buddy-Check zu überspringen; und das Durchgehen der Handzeichen. Was davon an Land gesagt wird, gehört ins Briefing.
Warum 50 bar Reserve meist zu wenig sind
Der Zahlenwert, mit dem die meisten groß geworden sind, hält der Rechnung nicht stand. Tim Blömeke schreibt dazu in Alert Diver: „Tatsächlich ist eine Reserve von 50 bar jedoch nur für eine kleine Teilmenge der möglichen Tauchgänge ausreichend.“ Sein Verfahren ist einfach und lässt sich für jeden Platz wiederholen: den Tauchgang der Zeit nach durchdenken, den ungünstigsten Augenblick für einen Gasverlust bestimmen, dafür eine Ausstiegsstrategie entwickeln, diese in Schritte zerlegen und den Gasbedarf je Schritt addieren. Die Summe ist das Minimum — Mindestreserve, Rock Bottom, Turn Pressure oder Minimum Gas genannt und von ihm bestimmt als „den Flaschendruck, bei dessen Erreichen es Zeit wird“.
Sein erstes Beispiel: ein Bootstauchgang auf 30 Meter innerhalb der Nullzeit, Gasverlust am Ende der geplanten Grundzeit, Luftteilung und gemeinsamer Aufstieg mit Sicherheitsstopp. Bei einem angenommenen Atemminutenvolumen von 15 l/min ergibt die Rechnung 552 Liter, also etwa 50 bar in einer 11,3-Liter-Flasche. Genau das ist aber, wie er schreibt, nur „ein Schätzwert für den tatsächlichen Verbrauch, wenn alles glatt läuft“: Unter Belastung steigt das Atemminutenvolumen — er nennt als körperliches Maximum je nach Verfassung etwa 120 bis 170 l/min —, und wer mit 9 m/min plant, aber mit 6 m/min aufsteigt, braucht für diesen Schritt die Hälfte mehr. Sein Zuschlag von 50 bis 100 Prozent führt auf 80 bis 100 bar.
Das zweite Beispiel ist das lehrreichere, weil es die Grenze des Einflaschengeräts zeigt: Einstieg bei 5 Metern, ein Wrack auf 25 Metern zehn Schwimmminuten entfernt, mittlere Tiefe auf dem Weg 15 Meter, Querströmung. Für den Rückweg unter Wasser mit geteiltem Gas rechnet er knapp über 90 bar in einer 11-Liter-Flasche; mit 50 Prozent Zuschlag sind es etwa 140, mit 100 Prozent etwa 180 bar — womit die Strategie auf einer Flasche nicht mehr aufgeht.
Was der Platz zur Planung beiträgt
Bei Strömung ändert sich die Gasaufteilung. DAN empfiehlt für Strömungstauchgänge die Drittelregel — ein Drittel hin, ein Drittel zurück, ein Drittel Reserve — und, wo ein Tauchgang gegen den Strom beginnt, zuerst gegen ihn und mit ihm zurück zu tauchen, mit entsprechend höherem Aufwand auf dem Hinweg. Als Mindestausrüstung nennt DAN dort eine Oberflächenboje mit Rolle. An Tidenplätzen hängt der ganze Zeitplan am Kenterpunkt, nicht an der Wunschzeit der Gruppe.
Für die Dekompressionsseite liefern Tauchcomputer und Dekompressionstabelle die Grenzen, bei Wiederholungstauchgängen zusammen mit der Oberflächenpause; bei Nitrox tritt die maximale Einsatztiefe als harte Obergrenze daneben.
Der Plan für den Notfall gehört dazu
DAN verlangt neben dem Tauchgangsplan einen Notfallplan und nennt dessen Bestandteile: woran eine Notfallreaktion ausgelöst wird, die wichtigsten Rufnummern, die nächste geeignete medizinische Einrichtung und der beste Weg dorthin, und die nötige Erste-Hilfe-Ausstattung. Ebenso gehören die Absprachen für den Fall dazu, dass die Partner sich verlieren, dass der Plan überschritten wird oder dass ein Gerät ausfällt — gesprochen an der Oberfläche, nicht unter Wasser improvisiert. Wie ein Notaufstieg abläuft, muss vorher verabredet sein.
Bei allem, was die Tauchmedizin berührt, ersetzt die Planung keine fachliche Beratung: Tauchtauglichkeit und medizinische Vorbedingungen gehören zum Arzt, der Notfallplan an den örtlichen Rettungsdienst und die tauchmedizinischen Notrufnummern.
Aus der Ausbildung
Ich halte die Nachbesprechung für den unterschätzten Teil. Blömeke empfiehlt, nach jedem Tauchgang den tatsächlichen mit dem geplanten Verbrauch zu vergleichen: Wer mit weniger Gas als geplant herauskommt, hat zu groß geplant; wer regelmäßig mit mehr herauskommt, kann die Grundzeit etwas ausdehnen. Das kostet zwei Minuten und ist die einzige Rückmeldung, die der Plan je bekommt. Und: Ein Plan ist nur so gut wie seine Ausführung — wer Luftteilung und Aufstieg aus über zehn Metern nie geübt hat, sollte das bei der Planung eines 30-Meter-Tauchgangs einrechnen.
Quellen
- DAN: Insufficient Dive Planning — die drei Abbruchgrenzen, Vorarbeit am Platz, Benachrichtigung an Land, Ausrüstungs- und Partnerprüfung, Bestandteile des Notfallplans
- Tim Blömeke, Alert Diver: Schatz, wir müssen reden — Planung von Gasreserven — das Rechenverfahren, die beiden Beispiele mit 552 Litern und knapp über 90 bar, Zuschläge, Atemminutenvolumen unter Belastung, Nachbesprechung
- DAN, Alert Diver: Current Dives — Drittelregel bei Strömung, Reihenfolge gegen und mit dem Strom, Oberflächenboje mit Rolle als Mindestausrüstung
Zur Quellenlage: Die Bestandteile des Plans und des Notfallplans sind über DAN belegt, enthalten dort aber keine Zahlenwerte für Tiefe, Zeit oder Druck. Die Rechenbeispiele stammen aus einem namentlich gezeichneten Praktikerbeitrag; ihr Verfasser bezeichnet sie ausdrücklich als Veranschaulichung und nicht als unmittelbar übertragbar. Eine Norm oder ein verbandsübergreifender Standard, der Mindestreserven beziffert, liegt diesem Eintrag nicht zugrunde.
