Bleigurt

Schwarzer Nylon-Bleigurt mit Edelstahlschnalle und vier aufgefaedelten, kunststoffummantelten Bleistuecken, flach ausgelegt.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Der Bleigurt ist ein um die Hüfte getragener Gurt, auf dem Bleigewichte sitzen und der den Auftrieb von Taucher und Anzug ausgleicht. Sein zweites, ebenso wichtiges Merkmal ist die Schnellabwurfschnalle: Er muss sich im Notfall mit einer Bewegung öffnen lassen und frei nach unten fallen können. Neben ihm steht heute das in die Tarierweste integrierte Blei.

Aufbau

Der klassische Bleigurt besteht aus einem Gurtband von 50 Millimetern Breite — auf diese Breite sind Bleistücke und Schnallen im Handel durchgehend ausgelegt — in einer Länge von meist 1,5 Metern. Als Material sind Nylon und Polypropylen belegt, für Apnoetaucher zusätzlich Gummi: Der sogenannte Marseillaise-Gurt zieht sich beim Abtauchen mit dem komprimierenden Anzug zusammen und bleibt dadurch straff.

Zwei Schnallenbauarten sind verbreitet. Die Edelstahl-Klemmschnalle ist ein rechteckiger Rahmen, durch den das Gurtende läuft; ein umlegbarer Bügel klemmt es fest und gibt es beim Hochklappen sofort frei. Daneben gibt es Kunststoff-Steckschnallen. Der Handel führt beide, hält Metall aber für widerstandsfähiger.

Die Gewichte selbst sind rechteckige Bleiblöcke mit abgerundeten Kanten und zwei Schlitzen, durch die das Band gefädelt wird; größere Hüftbleie sind leicht gebogen. Im deutschen Handel finden sich Stufen von 0,5 bis 5 Kilogramm, blank oder mit Kunststoff beziehungsweise Vinyl ummantelt. Die Alternative sind Taschengurte mit Bleischrot, der sich an die Hüfte anschmiegt. Damit die Stücke nicht wandern, gehören Gewichtsstopper dazwischen — PADI nennt sie „weight keepers“, das Lehrbuch für Forschungstaucher „Gewichtsstopperschnallen“.

Für die Anordnung gibt dasselbe Lehrbuch eine klare Regel: „Die Anordnung erfolgt symmetrisch der Körperlängsachse, wobei der Bereich auf der Wirbelsäule (unter der Druckluftflasche) möglichst frei bleiben sollte.“

Der Abwurf ist der Kern der Sache

Alles am Bleigurt ist darauf ausgelegt, dass er im Ernstfall verschwindet. SSI beschreibt den „traditional right hand release weight belt“, also die nach rechts öffnende Schnalle — im Notfall wird der Gurt gelöst, vom Körper weggehalten und fallen gelassen. Der Sinn der einheitlichen Öffnungsrichtung ist, dass ein Helfer nicht suchen muss.

Ebenso wichtig ist die freie Bahn nach unten. Michael Rossier bringt es im Alert Diver auf den Punkt: Es muss „eine freie Abwurfschneise nach unten hin“ geben, das heißt, „kein anderer Gurt und kein Teil einer Bebänderung darf über den Gurt hinweg geführt sein“. Daraus folgt die Anlegereihenfolge, die im Lehrbuch für Forschungstaucher mit zwei Ausrufezeichen steht: Die Tarierweste wird immer zuerst angezogen, also vor dem Bleigurt — sonst kann sich der Gurt beim Abwurf im Westengurt verhaken. Rossier nennt außerdem schlecht gesicherte Schnallen und unter dem Gurt durchgewickelte Gurtenden als häufige Fehler und weist darauf hin, dass ein verdrehter Gurt praktisch nicht mehr abzuwerfen ist.

Im deutschen Arbeits- und Forschungstauchen ist der Schnellabwurf zwingend vorgeschrieben. Die DGUV Regel 101-023 verlangt, Gewichtssysteme müssten „unter Wasser einen sicheren Sitz am Körper aufweisen … und leicht ablegbar sein (Schnellabwurfmöglichkeit)“; beide einschlägigen DGUV-Regeln verbieten zudem, Signalleine und Tauchermesser am Gewichtssystem zu befestigen. Für das Sporttauchen gelten diese Regeln nicht unmittelbar, der Gedanke dahinter aber sehr wohl.

Dass die Sache ernst ist, zeigen die Unfallauswertungen. Schon eine Analyse von 1976 hielt fest, dass Taucher ihren Bleigurt in der Mehrzahl der Unfälle nicht abgeworfen hatten; Auswertungen von 2003 und 2004 kamen zum selben Ergebnis, und auffällig viele Verunglückte werden mit vollständig angelegtem Blei geborgen. Die australische Unfalldatenbank DIMS ordnet Bleigurten etwa zwölf Prozent der ausrüstungsbezogenen Unfälle zu — wobei, wie Rossier betont, kein einziger Fall auf ein Versagen des Gurtes selbst hindeutete.

Wie viel Blei

Die Verbände setzen unterschiedlich an, und die Zahlen gehören nicht vermischt:

  • SSI nennt als Ausgangspunkt „roughly ten percent of your body weight“ ohne Unterscheidung nach Anzug.
  • PADI staffelt: 10 Prozent des Körpergewichts im 5- bis 7-Millimeter-Nassanzug, etwa 5 Prozent im 3-Millimeter-Anzug, 15 Prozent oder mehr im Trockenanzug — und schlägt zwei Kilogramm für den Auftrieb der leer werdenden Flasche auf.
  • DAN nennt 10 Prozent bei 6 Millimetern und 5 Prozent bei 3 Millimetern, ausdrücklich als Startwerte.

Danach kommt der Bleicheck, und zwar im Wasser. Auch hier weichen die Formulierungen voneinander ab: SSI lässt bei entlüfteter Tarierweste und normaler Atmung auf Augenhöhe schweben und beim vollständigen Ausatmen absinken; PADI beschreibt das Schweben auf Augenhöhe einmal „while holding a full breath“, an anderer Stelle mit „a normal lungful of air“. Einig sind sich alle über den Zeitpunkt: am Ende des Tauchgangs, wenn die Flasche leer ist. DAN formuliert das Ziel am schärfsten — richtig bebleit sei, wer am Tauchgangsende auf 4,5 Metern mühelos schweben kann.

Der Grund für den Flaschenzuschlag ist eine schlichte Auftriebsbilanz: Eine 11-Liter-Aluminiumflasche ist voll etwa 1,1 Kilogramm negativ und leer rund 1,7 Kilogramm positiv. Über den Tauchgang ändert sich ihr Auftrieb also um knapp drei Kilogramm; bei Stahlflaschen liegt die Änderung ähnlich, der Ausgangspunkt aber deutlich negativer.

Zu wenig Blei ist kein Sicherheitsgewinn: Wer am Ende des Tauchgangs nicht auf Tiefe bleiben kann, schafft den Sicherheitsstopp nicht. Zu viel Blei kostet Luft, weil mehr Gas in die Tarierweste muss — PADI rechnet mit etwa einem halben Liter je halbem Kilogramm.

Blei, Anzug und Tiefe

Der Grund, warum überhaupt so viel Blei nötig ist, steckt im Anzug. Neopren verliert mit dem Druck an Volumen und damit an Auftrieb: Messungen an Neoprenschaum zeigen rund 30 Prozent Volumenverlust bereits in den ersten zehn Metern, weitere 30 Prozent bis etwa 60 Meter. Für einen durchschnittlichen Taucher im durchgehenden 6-Millimeter-Nassanzug entspricht das an der Oberfläche etwa sechs Kilogramm Auftrieb, von denen in zehn Metern schon rund drei verloren sind. Genau deshalb ist die Tarierung oben heikel und unten träge.

Beim Trockentauchanzug ist es anders gelagert: Dort wird ein großer Teil des Bleis gegen das Gaspolster im Anzug gerechnet, das sich nachfüllen und ablassen lässt. Bei einem Wassereinbruch fällt genau dieser Auftrieb weg — ein Fall, für den man vorgesorgt haben muss. PADI empfiehlt Trockentauchern, integriertes Blei und Bleigurt zu kombinieren, um das Gewicht besser zu verteilen. Und wer mit Aluminium- oder Verbundflaschen taucht, braucht nach dem Lehrbuch für Forschungstaucher mehr Blei als mit Stahl.

Bleigurt, integriertes Blei, Trimblei

Integriertes Blei in der Tarierweste nimmt den Druck von der Hüfte und entlastet die Wirbelsäule; dafür lässt sich die Weste unter Wasser nicht mehr gefahrlos ablegen, und die Kapazität ist begrenzt — typisch sind sechs Kilogramm je Tasche bei zwei Taschen, was für dicke Unterzieher im Kaltwasser knapp werden kann. Ein Unterschied, den Tauchpartner vor dem Tauchgang besprechen sollten, betrifft den Abwurf selbst: Ein Bleigurt hat einen Auslösepunkt, ein integriertes System kann mehrere haben.

Trimblei dient nicht dem Abtrieb, sondern der Lage. Es sitzt als kleine Schrottasche am Ventil, als V-Blei zwischen den Flaschen eines Doppelgeräts oder als Zusatzgewicht am Backplate, und es ist in der Regel nicht abwerfbar. Knöchelblei ist der umstrittenste Vertreter: Es wirkt über einen langen Hebelarm und korrigiert eine kopftiefe Lage wirksam — vor allem im Trockenanzug, in dem die Luft in die Füße wandert. Zugleich muss die Masse an den Füßen bei jedem Flossenschlag beschleunigt werden. Auf einem ruhigen Tauchgang fällt das kaum auf; muss der Taucher hart schwimmen, wird es zum Nachteil, und der zusätzliche Arbeitsaufwand kann den CO₂-Stau verstärken. Der Handel führt Knöchelgewichte dagegen neutral als eine von mehreren Bauformen. Wer Trimm-Probleme hat, sollte zuerst die Verteilung des vorhandenen Bleis ändern.

Normativ erfasst ist der Bleigurt nur mittelbar: DIN EN 1809 gilt für Tariermittel und ausdrücklich auch für deren Mittel, Gewichte zu tragen — also für bleiintegrierte Jackets, nicht für den Gurt als eigenes Produkt.

Quellen

Wie viel Blei brauche ich?
Die Faustformeln unterscheiden sich je nach Verband. PADI staffelt nach Anzug: rund 10 Prozent des Körpergewichts im 5- bis 7-Millimeter-Nassanzug, etwa 5 Prozent im 3-Millimeter-Anzug, 15 Prozent oder mehr im Trockenanzug, plus zwei Kilogramm für die leer werdende Flasche. SSI nennt pauschal etwa 10 Prozent, DAN 10 Prozent bei 6 Millimetern. Alle drei verstehen das als Startwert — die Zahl, die zählt, liefert der Bleicheck im Wasser.
Bleigurt oder integriertes Blei?
Beides hat seinen Preis. Der Bleigurt hat genau einen Auslösepunkt, ist dadurch am schnellsten los und lässt sich unter Wasser gefahrlos abnehmen; dafür drückt er auf Hüfte und Wirbelsäule. Integriertes Blei trägt bequemer und verteilt sich besser, hat aber eine begrenzte Kapazität — typisch sechs Kilogramm je Tasche — und macht das Ablegen der Tarierweste unter Wasser gefährlich. Trockentauchern empfiehlt PADI ausdrücklich die Kombination aus beidem.
Warum gehört der Bleigurt unter alle anderen Gurte?
Damit er fallen kann. Verläuft ein Beckengurt der Tarierweste oder ein Bebänderungsteil über dem Bleigurt, verhakt er sich beim Abwurf — das Lehrbuch für Forschungstaucher nennt das als Grund, die Weste immer vor dem Bleigurt anzulegen. Alert Diver spricht von der „freien Abwurfschneise nach unten“: kein Gurt darüber, keine zurückgeschlagenen Gurtenden, und der Gurt darf sich nicht verdrehen.