Die Sidemount-Konfiguration auf einen Blick
- Zwei Aufhängepunkte je Flasche: oben ein Karabiner am Ventil, der in einen D-Ring in Brusthöhe einhakt; unten ein Bungee, der den Flaschenboden an den Körper zieht.
- Schläuche: Primary 60 bis 70 cm, Backup als Long Hose mit 2 Metern an der rechten Flasche. Die Long Hose ist der Regler, den man abgibt.
- Flaschen: 7 bis 12 Liter — 11,1 l Aluminium (AL80) ebenso gebräuchlich wie kleine 7-Liter-Stahlflaschen.
- Der Trimm ist nicht statisch: Die Flaschen leeren sich ungleich, die Lage verändert sich im Lauf des Tauchgangs. Deshalb wird nach Druck gewechselt, nicht nach Gefühl.
- Bungees: für den Freizeittaucher im Freiwasser alle ein bis zwei Jahre austauschen; in Overhead-Umgebungen früher, dort sind 50 Tauchgänge ein gebräuchliches Intervall.
- Die Konfiguration ist persönlich, nicht universell: Körperbau, Anzug und Flaschenmaterial verschieben jeden Einstellwert. Abgeschrieben funktioniert sie nicht.
Eine Sidemount-Konfiguration ist kein Zubehörpaket, sondern eine Reihe von Entscheidungen, die aufeinander aufbauen: wo die Flaschen hängen, wie die Schläuche laufen, wo das Blei sitzt und was davon sich im Lauf des Tauchgangs verändert. Wer eine dieser Entscheidungen von jemand anderem übernimmt, ohne den Grund zu kennen, merkt das spätestens dann, wenn die zweite Flasche halb leer ist und die Lage kippt.
Dieser Beitrag behandelt die Konfiguration und das Rigging. Das Tragesystem aus Harness und Wing hat einen eigenen Beitrag, ebenso die Frage nach dem Flaschenmaterial. Wer zuerst wissen will, worum es beim Sidemount überhaupt geht, findet das im Überblicksbeitrag.
Was eine falsche Konfiguration im Wasser anrichtet
Die Fehler, die aus einer schlecht eingestellten Konfiguration entstehen, sehen im Wasser alle gleich aus: Der Taucher arbeitet. Er korrigiert ständig die Lage, greift nach Schläuchen, schiebt Flaschen zurecht. Das kostet Gas, Aufmerksamkeit und am Ende Sicherheit — denn wer mit der Ausrüstung beschäftigt ist, ist nicht bei seinem Buddy und nicht bei der Tiefe.
Vier Ursachen stecken fast immer dahinter: Die Flaschen hängen zu tief oder zu weit vorn und ziehen den Taucher aus der Waagerechten. Das Blei sitzt an der falschen Stelle, meist zu weit unten. Die Schläuche sind zu lang oder falsch geführt und hängen im Weg. Oder der Bungee ist ausgeleiert, sodass der Flaschenboden nicht mehr am Körper bleibt.
Die Flaschen hängen an zwei Punkten, nicht an einem
Oben hängt die Flasche an einem Karabiner, der am Flaschenhals befestigt ist und in einen D-Ring in Brusthöhe einhakt. Dieser Punkt trägt das Gewicht und bestimmt, wie hoch die Flasche sitzt. Sitzt er zu hoch, stößt das Ventil ans Kinn; sitzt er zu tief, wandert die Flasche nach vorn unten und zieht die Beine nach unten.
Unten hält ein Bungee den Flaschenboden am Körper. Er trägt nicht, er zieht nur an — das ist der Unterschied, den viele beim ersten Rigging nicht sehen. Gebräuchlich sind zwei Bauformen: ein durchgehender Gummizug, der hinter dem Rücken von einer Seite zur anderen läuft, und zwei getrennte Schlaufen, die je an der Hüfte ansetzen. Beide funktionieren; die durchgehende Variante gleicht Zug zwischen links und rechts aus, die getrennte lässt sich seitenweise einstellen.
Entscheidend ist in beiden Fällen die Vorspannung. Ein zu straffer Bungee presst die Flasche an den Körper und macht das Anhängen im Wasser zur Fummelei. Ein zu lockerer lässt sie beim Abstieg wandern. Die Einstellung ist persönlich und hängt am Anzug: Derselbe Bungee, der im Nassanzug passt, ist über einem Trockenanzug zu kurz.
Die Schlauchführung, die wir hier zugrunde legen
Sidemount kennt mehrere verbreitete Schlauchkonfigurationen. Auf tauchen.xyz liegt allen Beiträgen dieselbe zugrunde, damit sich die Angaben nicht widersprechen:
- Primary-Regler: 60 bis 70 Zentimeter. Das ist der Regler, aus dem normal geatmet wird. Die Länge reicht für freie Kopfbewegung, ohne dass Schlauch übrig bleibt, der sich verfangen kann.
- Backup-Regler: Long Hose, 2 Meter, an der rechten Flasche. Das ist der Regler, den man im Notfall abgibt. Die zwei Meter sind kein Selbstzweck: Sie erlauben es, hintereinander durch eine Engstelle zu schwimmen, statt Schulter an Schulter hängen zu bleiben.
Die Long Hose will geführt werden, sonst ist die Länge ein Nachteil statt eines Vorteils. Üblich ist, sie am Körper entlangzulegen und mit einem Gummi oder unter dem Harness zu sichern, sodass sie sich mit einem Zug lösen lässt. Ein Schlauch, der frei hängt, findet zuverlässig den nächsten Vorsprung.
Auch die Kombination Primary 60 bis 70 und Backup 70 bis 80 Zentimeter wird getaucht und ist nicht falsch. Wichtiger als die Wahl ist, dass eine Konfiguration konsequent getaucht wird — im Notfall greift die Hand dorthin, wo sie es gelernt hat, nicht dorthin, wo der Schlauch heute hängt.
Blei gehört dorthin, wo es die Lage korrigiert
Im Sidemount ist Ballast kein reines Mengenproblem, sondern ein Ortsproblem. Wie viel Blei nötig ist, hängt am Flaschenmaterial: Stahlflaschen bringen eigenen Abtrieb mit und sparen Blei; Aluminiumflaschen werden gegen Ende des Tauchgangs auftreibend und verlangen mehr. Das ist der Grund, warum dieselbe Konfiguration mit anderen Flaschen nicht mehr stimmt.
Wo das Blei sitzt, entscheidet über den Trimm. Gewicht am Gurt in Hüfthöhe zieht die Beine nach unten, Gewicht weiter oben am Harness richtet den Taucher auf. Trimmblei an der Backplate oder in Taschen am oberen Rücken ist deshalb im Sidemount häufiger anzutreffen als im Einzelgerät. Die brauchbare Kontrolle ist nicht die Faustformel, sondern der Bleicheck im Wasser — mit annähernd leeren Flaschen, weil genau dann der Auftrieb am größten ist.
Der Trimm verändert sich während des Tauchgangs
Das ist die Eigenheit, die Sidemount vom Backmount unterscheidet und die im Kurs die meiste Zeit kostet. Zwei getrennte Flaschen leeren sich nur dann gleichmäßig, wenn der Taucher sie abwechselnd atmet. Tut er das nicht, wird eine Seite leichter als die andere, und er schwimmt schief, ohne es zunächst zu merken.
Deshalb gehört der Flaschenwechsel zum Verfahren, nicht zur Kür. Gewechselt wird nach Druckdifferenz in festen Schritten — etwa alle 30 oder 50 bar, je nach Flaschengröße und Tauchprofil —, und zwar so, dass am Ende des Tauchgangs beide Flaschen in etwa gleich weit geleert sind. Das hält die Lage stabil und hat einen zweiten Nutzen: Wer regelmäßig wechselt, schaut regelmäßig auf beide Finimeter.
Der Check vor dem Abtauchen
- Beide Ventile geöffnet und beide Regler kurz geatmet — im Sidemount ist ein geschlossenes Ventil kein theoretischer Fall, weil man sie einzeln bedient.
- Beide Finimeter abgelesen und die Drücke gemerkt. Zwei Flaschen heißt zwei Zahlen.
- Long Hose gesichert und mit einem Zug lösbar.
- Bungees auf Risse und Spannung geprüft — vor jedem Tauchgang, nicht nur zum Saisonbeginn.
- Karabiner und D-Ringe geschlossen, Inflator angeschlossen, nichts hängt frei.
Warm- und Kaltwasser sind zwei verschiedene Setups
Der Anzug verändert die Konfiguration stärker als jedes Ausrüstungsteil. Im Nassanzug im warmen Wasser ist der Taucher schlanker, braucht weniger Blei und kürzere Bungees. Im Trockenanzug kommt Auftrieb durch die Luft im Anzug dazu, die Bungees müssen länger sein, das Blei wird mehr, und mit dem Inflatorschlauch des Anzugs kommt ein weiterer Schlauch ins Spiel, der geführt werden will.
Praktisch heißt das: Wer beides taucht, stellt seine Konfiguration zweimal ein und notiert sich beide Einstellungen, statt bei jedem Wechsel neu zu suchen. Zu Warm- und Kaltwasserkonfiguration ist auf tauchen.xyz ein eigener Beitrag geplant, der das im Einzelnen durchgeht.
Wie ich die Konfiguration im Kurs aufbaue
Ich unterrichte Sidemount als Specialty, und ich baue die Konfiguration immer in derselben Reihenfolge auf — weil jede Stufe die nächste beeinflusst und Umwege spart, wer sie einhält.
Erst der Harness an Land, mit dem Anzug, der später getaucht wird. Ein Harness, der über dem Pullover passt, passt über dem Trockenanzug nicht. Dann die Flaschen anhängen, noch trocken, und die Höhe des oberen Punktes festlegen. Dann die Schläuche in der oben beschriebenen Konfiguration verlegen und sichern. Erst danach ins Wasser, und dort zuerst der Bleicheck mit annähernd leeren Flaschen — nicht mit vollen, sonst stimmt das Ergebnis am Ende des Tauchgangs nicht.
Was ich dabei am häufigsten korrigiere, ist nicht die Menge des Bleis, sondern seine Lage. Der zweithäufigste Punkt ist der Flaschenwechsel: Fast jeder wechselt anfangs zu spät. Und der dritte sind die Bungees — sie leiern langsam und unauffällig aus. Für den Freizeittaucher im Freiwasser reicht ein Austausch alle ein bis zwei Jahre; wer in Wrack oder Höhle unterwegs ist, tauscht deutlich früher, dort sind 50 Tauchgänge ein gebräuchliches Intervall.
Häufige Fragen zur Sidemount-Konfiguration
Siehe auch: Sidemount-Tauchen: der Überblick · Harness, Wing und Sidemount-Jacket · Sidemount-Flaschen: Stahl oder Aluminium · Lexikon: Tarierweste
Wenn du beim Einstellen deiner Konfiguration nicht weiterkommst: Wir von tauchen.xyz helfen gerne dabei, ein Setup zusammenzustellen, das zu deinem Gewässer und deinem Anzug passt.
Quellen und weiterführende Links
- SSI: Recreational Sidemount Diving — Kursvoraussetzungen und Trainingsumfang des Sidemount-Programms. Abgerufen am 15.09.2026.
- Die Schlauch-, Flaschen- und Bungee-Angaben sind die auf tauchen.xyz durchgehend verwendete Hauskonfiguration und beruhen auf eigener Ausbildungs- und Tauchpraxis, nicht auf einem Verbandsstandard. Abweichende Konfigurationen sind verbreitet und nicht falsch.

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