Umkehrblockierung

Taucher hält den Aufstieg an und fasst sich seitlich an den Kopf in Höhe des Ohres
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Die Umkehrblockierung ist ein Druckausgleichsproblem beim Aufstieg: Das Gas in einem luftgefüllten Hohlraum des Körpers dehnt sich aus, kann aber nicht abfließen, weil der Ausgang verlegt ist. Betroffen sind meist Mittelohr und Nasennebenhöhlen. Anders als beim Abstieg lässt sich das Problem nicht dadurch lösen, dass man nach oben geht – der Weg nach oben ist es ja, der es verursacht.

Warum der Aufstieg eigentlich der einfachere Teil sein sollte

Beim Abtauchen muss Gas aktiv ins Mittelohr geschoben werden, weil der Umgebungsdruck steigt und die Ohrtrompete von außen zugedrückt wird. Beim Aufstieg ist es umgekehrt: Der Druck im Mittelohr wird höher als der Umgebungsdruck, und dieses Gefälle öffnet die Tube normalerweise von selbst. Deshalb denken die meisten Taucher über den Druckausgleich beim Aufstieg gar nicht nach – er passiert einfach.

Genau das macht die Umkehrblockierung so unangenehm. Sie tritt auf, wenn dieser Selbstläufer ausfällt. DAN Europe beschreibt den Vorgang schlicht: Ist die Ohrtrompete blockiert, kann die sich ausdehnende Luft nicht aus dem Mittelohr entweichen, und aus dem Druck entsteht Schmerz oder ein Schwindelanfall.

Was blockiert

DAN Europe nennt drei Ursachen: Tauchen mit einer Erkältung, unzureichender Druckausgleich beim Abstieg und abschwellende Mittel, deren Wirkung in der Tiefe nachlässt. Alle drei laufen auf dasselbe hinaus – eine geschwollene Schleimhaut, die das enge Ende der Tube dichtsetzt.

Die Symptome sind Ohrenschmerz, Druckgefühl und Schwindel. Der Schwindel ist der tückische Teil, weil er unter Wasser desorientiert; er entsteht, wenn die beiden Mittelohren ungleich ausgleichen. Bleibt der Druck bestehen, drohen nach DAN Europe eine Trommelfellverletzung und, wenn sich der Druck ins Innenohr fortsetzt, bleibende Schäden mit Schwerhörigkeit, Tinnitus und Schwindel.

Abschwellende Nasensprays sind die eigentliche Falle

Hier lohnt der genaue Blick, weil zwei DAN-Quellen unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Der Beitrag von DAN zum Nebenhöhlen-Barotrauma nennt abschwellende Nasensprays als mögliche Hilfe: kurz wirksame Präparate etwa dreissig Minuten vor dem Tauchgang, Wirkdauer rund zwölf Stunden. DAN Southern Africa rät davon ab und begründet das mit dem Rebound-Effekt: Abschwellende Mittel verengen die Blutgefäße, und wenn die Wirkung endet, schwellen die Gefäße stärker an als zuvor. Passiert das während des Tauchgangs, sitzt der Taucher in der Tiefe mit einer Tube fest, die dichter ist als vor dem Einstieg. Als Alternative für Taucher mit wiederkehrenden Ausgleichsproblemen nennt DAN Southern Africa steroidhaltige Nasensprays, die nicht gefäßverengend wirken, dafür aber etwa eine Woche Vorlauf brauchen.

Meine Einschätzung als Tauchlehrer: Wer ein Spray braucht, um überhaupt abtauchen zu können, sollte den Tauchgang lassen. Das Mittel verschiebt das Problem nur an die Stelle, an der man es am wenigsten gebrauchen kann.

Was unter Wasser hilft

Die Anweisung von DAN Europe ist knapp und richtig: Bei Schmerzen während des Aufstiegs anhalten oder wieder etwas absteigen, bis der Schmerz nachlässt, und dann eine Druckausgleichsmethode anwenden, um die Ohrtrompete zu öffnen.

Welche Methode, sagt DAN nicht – dazu meine Bewertung aus dem Mechanismus heraus: Ein Valsalva-Manöver presst zusätzliches Gas in Richtung Mittelohr und ist beim Aufstieg das Falsche, weil dort ohnehin schon Überdruck herrscht. Sinnvoll sind Bewegungen, die die Tube öffnen, ohne Druck aufzubauen: Schlucken, Gähnen, den Unterkiefer vorschieben und seitlich bewegen, den Kopf zur Gegenseite neigen. Der Rest ist Geduld auf Tiefe.

Die Nasennebenhöhlen

Dasselbe Prinzip gilt für die vier Paare der Nasennebenhöhlen – Stirn-, Sieb-, Keilbein- und Kieferhöhlen. DAN beschreibt für den Aufstieg, dass eingeschlossenes Gas bei blockierten Öffnungen das Gewebe zerrt und im Extremfall eine Höhlenwand bersten lässt. Ursachen sind Erkältung, Allergie, Polypen oder eine verbogene Nasenscheidewand. Typisch ist ein scharfer Gesichtsschmerz, dessen Ort verrät, welche Höhle betroffen ist, und Nasenbluten nach dem Auftauchen.

Warum das mehr ist als ein Ohrenproblem

Zwei Folgen werden regelmäßig übersehen. Erstens: Eine Umkehrblockierung kann auch die Lunge betreffen, wenn ein Bronchus verlegt ist. Der Effekt ist dann derselbe wie beim Luftanhalten – ein Lungenüberdruckunfall, ohne dass der Taucher einen Fehler gemacht hätte. Zweitens: Wer in zwölf Metern festhängt und wartet, verbraucht Gas. Ich rechne bei Schülern mit bekannten Ausgleichsproblemen deshalb einen größeren Reservedruck ein, damit die Umkehrblockierung nicht in eine Gasnotlage kippt.

Aus der Ausbildung

Der häufigste Fall, den ich sehe, ist der Restschnupfen. Das Abtauchen klappt noch, weil man kräftig genug drücken kann – und die Erleichterung darüber ist dann das eigentliche Problem, weil sie den Tauchgang rechtfertigt. Oben angekommen fehlt der Druck von innen, den man beim Abstieg noch aufbringen konnte. Die Regel, die ich weitergebe, ist unspektakulär: Wer den Druckausgleich in den ersten Metern erzwingen muss, taucht heute nicht.

Dieser Eintrag erklärt einen tauchmedizinischen Begriff und ersetzt keine ärztliche Beratung. Nach Ohrenschmerzen, Schwindel, Hörminderung oder Nasenbluten im Zusammenhang mit einem Tauchgang gehört die Abklärung zum Arzt, vor dem nächsten Tauchgang.

Quellen

Warum hilft es, wieder ein Stück abzusteigen?
Weil damit der Umgebungsdruck wieder steigt und die Druckdifferenz zwischen Mittelohr und Außenwelt kleiner wird. Der Schmerz lässt nach, und die gereizte Schleimhaut bekommt die Gelegenheit, sich zu beruhigen. Genau so ist es in dem Fallbericht bei TAUCHEN.de gelaufen: Der Schwindel verschwand in zwölf Metern vollständig, nach fünf Minuten gelang der Aufstieg ohne Zwischenfall. Wichtig ist, den Gasvorrat dabei im Blick zu behalten.
Kann eine Umkehrblockierung auch den Zahn oder den Magen betreffen?
Grundsätzlich kann jeder gasgefüllte Hohlraum betroffen sein, dessen Ausgang verlegt ist – also auch ein Hohlraum unter einer undichten Füllung. Wie häufig das vorkommt, sagen die hier ausgewerteten Quellen nicht, deshalb nenne ich dazu keine Zahl. Praktisch dominieren Mittelohr und Nasennebenhöhlen so deutlich, dass sich die Aufmerksamkeit dorthin richten sollte.
Darf ich mit einer leichten Erkältung tauchen, wenn der Druckausgleich funktioniert?
DAN rät ausdrücklich davon ab, mit Erkältung oder verstopfter Nase zu tauchen. Dass der Ausgleich beim Abstieg noch gelingt, ist kein Gegenargument – er gelingt, weil man aktiv Druck aufbauen kann. Beim Aufstieg steht dieses Mittel nicht zur Verfügung. Aus meiner Sicht als Tauchlehrer ist der ausklingende Schnupfen die riskantere Phase, nicht der akute: Beim akuten Schnupfen bleibt ohnehin jeder an Land.