Frenzel-Manöver

Schema eines Kopfes im Querschnitt: Bei verschlossener Nase und geschlossener Stimmritze drückt die Zunge Luft aus dem Mund-Rachen-Raum in die Eustachische Röhre.
Beim Frenzel-Manöver bleibt die Lunge passiv — die Luft stammt aus dem Mund-Rachen-Raum.

Das Frenzel-Manöver ist eine Technik des Druckausgleichs, bei der die Zunge als Kolben Luft aus dem Mund-Rachen-Raum in die Eustachische Röhre drückt — bei verschlossener Nase und geschlossener Stimmritze. Die Lunge bleibt dabei unbeteiligt. Es ist die im Apnoetauchen übliche Methode.

Der Mechanismus

Der tauchmedizinische Dienst aqua med beschreibt das Verfahren als Ausgleich über „mechanischen Druck, da hierbei die Luft im Mundraum durch die Zunge Richtung hinten oben in den Nasenraum gedrückt wird“. Entscheidend sind dabei zwei Verschlüsse: Die Stimmritze bleibt geschlossen, sodass keine Verbindung zur Lunge besteht, während der weiche Gaumen offen bleibt, damit die Luft den Weg in die Röhre findet.

Der Fachartikel „Der Druckausgleich“ (Glowania und Schröckenfuchs) beschreibt es entsprechend: Nase zuhalten, Stimmbänder schließen, durch Anspannung von Zungenmuskulatur und Gaumen Luft in die Tuben pressen — „dabei wird der Druck in der Lunge nicht erhöht“.

Genau darin liegt der Unterschied zum Valsalva-Manöver, und daraus folgt alles Weitere.

Warum das im Apnoetauchen den Ausschlag gibt

Beim Gerätetauchen steht ständig Atemgas zur Verfügung; ob der Druckausgleich Luft aus der Lunge verbraucht, spielt kaum eine Rolle. Beim Apnoetauchen ist das anders — dort ist jeder Milliliter in der Lunge kostbar, und mit zunehmender Tiefe wird das Lungenvolumen ohnehin zusammengedrückt.

Weil das Frenzel-Manöver nur mit der Luft im Mund-Rachen-Raum arbeitet, funktioniert es auch dann noch, wenn aus der Lunge kaum etwas nachzuschieben wäre. aqua med bezeichnet es als „eine sanfte Methode um den Druckausgleich zu bewältigen, da weniger Druck aufgebaut wird“.

Durchführung

  1. Einatmen und die Stimmritze schließen — wie beim Anhalten des Atems.
  2. Die Nase verschließen.
  3. Die Zunge nach hinten oben gegen den weichen Gaumen drücken, ähnlich der Bewegung beim Laut „K“ oder „Ng“.
  4. Die verdrängte Luft geht in die Eustachischen Röhren; ein Ploppen zeigt den gelungenen Ausgleich an.

Warum es schwerer zu erlernen ist

Das Frenzel-Manöver verlangt bewusste Kontrolle über Zunge und Kehlkopf — Muskelgruppen, die im Alltag unbewusst arbeiten. Die typischen Fehler liegen genau dort:

  • Die Stimmritze ist nicht geschlossen. Dann entweicht die Luft nach unten in die Lunge statt nach oben in die Röhre. Das ist der häufigste Grund, warum das Manöver nicht wirkt.
  • Die Zunge trifft die falsche Bewegung. Ohne Kontakt zum weichen Gaumen entsteht kein Druckaufbau.
  • Die Nase ist nicht dicht verschlossen.

Üben lässt es sich an Land: Nase zuhalten, mit geschlossener Kehle ein „K“ oder „Ng“ ansetzen und darauf achten, ob sich in den Ohren etwas tut. Wer die Bewegung an Land nicht findet, findet sie unter Wasser erst recht nicht. Für Freitaucher gehört das Erlernen zum regulären Kursstoff.

Zum Namen

Das Manöver ist nach dem deutschen Arzt Hermann Frenzel benannt. Soweit verbreitet dargestellt, für diesen Eintrag aber nicht anhand einer Primärquelle geprüft: Er soll es in den 1930er Jahren im Rahmen der Luftfahrtmedizin für Flugzeugbesatzungen entwickelt haben. Wer die Entstehungsgeschichte belastbar braucht, sollte sie in der Fachliteratur nachschlagen.

Einordnung gegenüber den anderen Manövern

Die Fachliteratur nennt neben Valsalva, Toynbee und Frenzel weitere Techniken — die Lowry-Technik, die Edmonds-Technik, das Roydhouse-Manöver und das willentliche Öffnen der Tube. Welche für den Einzelnen funktioniert, hängt von Anatomie und Übung ab; viele Taucher kombinieren mehrere.

Was sich sachlich festhalten lässt: Das Frenzel-Manöver ist das einzige der drei gängigen Verfahren, das ohne Druckerhöhung in der Lunge auskommt. Ob es deshalb in jeder Situation vorzuziehen ist, entscheidet die Praxis — pauschale Aussagen über Sicherheit oder erreichbare Tiefe sollten mit Vorsicht gelesen werden, sie sind in der Ratgeberliteratur verbreitet, aber selten belegt.

Quellen