Das persistierende Foramen ovale (PFO) ist eine offen gebliebene Verbindung zwischen dem rechten und dem linken Vorhof des Herzens, ein Rest der vorgeburtlichen Kreislaufführung. Für Taucher ist es bedeutsam, weil venöse Gasblasen darüber den Filter der Lunge umgehen und in den arteriellen Kreislauf gelangen können. Ein Herzfehler im engeren Sinn ist es nicht, sondern eine Normvariante.
Ein Rest aus der Zeit vor dem ersten Atemzug
Vor der Geburt arbeitet die Lunge nicht. Das sauerstoffreiche Blut kommt aus der Nabelschnur und muss den Lungenkreislauf umgehen; dafür gibt es zwischen den beiden Vorhöfen eine ventilartige Öffnung, das Foramen ovale. Mit dem ersten Atemzug ändern sich die Druckverhältnisse, die Klappe wird gegen die Vorhofscheidewand gedrückt und verwächst üblicherweise. Bleibt sie es nicht, spricht man vom persistierenden Foramen ovale.
Wie häufig ist es?
Die gemeinsame Leitlinie von DAN, SPUMS, UKSDMC und UHMS aus dem Workshop von 2015 nennt eine Prävalenz von etwa 27 Prozent, gleich verteilt auf Männer und Frauen. Deutschsprachige Darstellungen nennen ähnliche Größenordnungen, meist 20 bis 30 Prozent. Die Klinik für Hyperbare Sauerstofftherapie der Uniklinik Düsseldorf berichtet aus einer eigenen Untersuchung an Tauchern 63 PFO-Befunde bei 230 Untersuchten, also 27 Prozent.
Die Zahl ist wichtiger, als sie aussieht: Ein Merkmal, das gut ein Viertel aller Menschen trägt, ist keine Krankheit. Es taucht statistisch in jeder größeren Tauchgruppe mehrfach auf, ohne dass jemand davon weiß oder je etwas merkt.
Der Mechanismus: paradoxe Gasembolie
Nach jedem Tauchgang entstehen im venösen Blut Gasblasen. Das ist normal und in aller Regel folgenlos, weil die Lunge sie zurückhält und über die Atmung abatmet – sie wirkt als Filter. Ein PFO kann diesen Filter kurzschließen: Steigt der Druck im rechten Vorhof über den im linken, strömt Blut samt Blasen direkt hinüber, und die Blasen landen im arteriellen Kreislauf. Von dort können sie ins Gehirn, ins Rückenmark, ins Innenohr oder in die Haut gelangen. Man nennt das eine paradoxe Embolie, weil das Gas den Weg nimmt, den es normalerweise nicht nehmen kann.
Der Druckwechsel, der den Shunt öffnet, ist kein seltenes Ereignis: Pressen, kräftiges Husten, das Valsalva-Manöver, das Hochsteigen über die Bordleiter mit dem Gerät auf dem Rücken – alles Situationen, die es nach dem Auftauchen reichlich gibt.
Wie groß ist das Risiko?
Die Leitlinie von 2015 ordnet dem PFO neurologische, spinale, vestibuläre und kutane Dekompressionsunfälle zu; am stärksten ist der Zusammenhang bei Innenohrsymptomen. Zur Höhe des Risikos nennt die Uniklinik Düsseldorf eine Größenordnung von 5 Ereignissen auf 10.000 Tauchgänge mit PFO gegenüber 1 auf 10.000 ohne.
Das ist ein relatives Risiko von etwa fünf – und zugleich ein absolutes Risiko, das klein bleibt. Beide Sätze gehören zusammen. Wer nur den ersten hört, gibt das Tauchen auf; wer nur den zweiten hört, nimmt einen Innenohrschaden in Kauf, der sich hätte vermeiden lassen.
Wann untersucht wird – und wann ausdrücklich nicht
Hier ist die Leitlinie eindeutig: Ein Reihenscreening im Rahmen der Tauchtauglichkeitsuntersuchung ist nicht indiziert. Untersucht werden soll, wer in der Vorgeschichte mehr als ein Dekompressionsereignis mit zerebraler, spinaler, vestibulärer oder kutaner Ausprägung hatte.
Das ist die Stelle, an der ich als Tauchlehrer am häufigsten gegensteuere. Wer gesund taucht und nie einen Zwischenfall hatte, gewinnt durch die Untersuchung nichts – außer der Aussicht auf einen Zufallsbefund, mit dem er dann leben muss.
Wie untersucht wird
Nachgewiesen wird ein PFO mit einer Echokardiographie unter Gabe von Blasenkontrastmittel, kombiniert mit Provokationsmanövern wie Valsalva oder Schnüffeln. Der Nachweis besteht darin, dass Kontrastmittel von der rechten auf die linke Seite übertritt. Ob transthorakal oder transoesophageal, also über die Schluckssonde, entscheidet der untersuchende Arzt.
Tauchen mit bekanntem PFO
Die Leitlinie nennt als konservative Maßnahmen, die das Blasenaufkommen klein halten sollen:
- kürzere Tauchzeiten deutlich innerhalb der Nullzeitgrenzen
- höchstens ein Tauchgang pro Tag
- Nitrox zu atmen, aber nach Luftwerten zu planen – die geringere Stickstoffaufnahme wirkt dann als Sicherheitsreserve
- verlängerte Sicherheitsstopps
- mindestens drei Stunden keine intensive körperliche Belastung nach dem Tauchgang
Andere deutschsprachige Zusammenstellungen setzen die Grenze bei zwei Tauchgängen am Tag mit mindestens vier Stunden Oberflächenpause an. Wo die Angaben auseinandergehen, halte ich mich an die restriktivere – sie kostet einen Tauchgang, nicht mehr.
Häufig empfohlen wird außerdem, langsamer aufzusteigen. Eine allgemeingültige Zahl für die Aufstiegsgeschwindigkeit gibt es dabei nicht; die Angaben der Marinen und der Ausbildungsverbände unterscheiden sich. Entscheidend ist die Kontrolle über den Aufstieg, nicht ein bestimmter Meterwert.
Verschluss
Ein interventioneller Verschluss kommt nach der Leitlinie nach einem dokumentierten Dekompressionsunfall in Betracht, nicht als Vorsorge. Danach nennt sie mindestens drei Monate Wartezeit und eine echokardiographische Bestätigung des Verschlusses, bevor wieder getaucht wird. Das ist eine Entscheidung zwischen Taucher, Kardiologe und Tauchmediziner – nicht eine, die auf der Tauchbasis fällt.
Dieser Eintrag erklärt einen tauchmedizinischen Begriff und ersetzt keine ärztliche Beratung. Fragen zur eigenen Tauchtauglichkeit gehören zu einem tauchmedizinisch qualifizierten Arzt.
Quellen
- DAN: Guidelines for Patent Foramen Ovale and Fitness – gemeinsame Leitlinie von DAN, SPUMS, UKSDMC und UHMS (Workshop 2015): Prävalenz, Screening-Indikationen, konservative Maßnahmen, Verschluss
- Uniklinik Düsseldorf, Hyperbare Sauerstofftherapie: PFO und Tauchen – Risikozahlen und eigene Untersuchungsreihe an Tauchern
- TAUCHEN.de: Tauchen mit PFO – deutschsprachige Zusammenstellung der konservativen Verhaltensregeln
