Deep Stop

Zwei schematische Aufstiegsprofile mit gleicher Gesamtstoppzeit: links liegt die Stoppzeit überwiegend tief, rechts überwiegend flach
Ergebnis der NEDU-Studie TR 11-06 (2011): bei identischen 174 Minuten Gesamtstoppzeit elf Dekompressionsunfälle auf 198 Tauchgänge beim tiefen Profil gegenüber drei auf 192 beim flachen. Aufstiegsprofile schematisch. Grafik: tauchen.xyz

Ein Deep Stop, deutsch Tiefenstopp, ist ein zusätzlicher kurzer Halt im tiefen Abschnitt des Aufstiegs, üblicherweise etwa auf halbem Weg zwischen der größten Tiefe und dem ersten regulären Stopp. Er ist damit das Gegenstück zum flachen Sicherheitsstopp — und beim Tauchen mit Luft und Nitrox heute nicht mehr empfohlen.

Woher die Idee kam

Populär wurde das Verfahren durch den Meeresbiologen Richard Pyle, nach dem die Halte bis heute „Pyle Stops“ heißen. Die Überlegung dahinter: Wenn Blasen vor allem im tiefen Abschnitt des Aufstiegs entstehen, sollte man den Aufstieg dort bremsen, statt die gesamte Stoppzeit im flachen Wasser zu verbringen.

Messwerte schienen das zunächst zu stützen. Marroni und Kollegen prüften 2004 für das DAN-Europe-Projekt Dive Safety Laboratory acht Aufstiegsprofile ab 25 Metern und fanden, dass ein zusätzlicher tiefer Halt Blasenbildung und Gasspannung in den schnellen Geweben deutlich verringerte. Die Tauchcomputer-Hersteller nahmen Deep Stops in ihre Geräte auf, und in der Szene galten sie eine Zeit lang als selbstverständlicher Zusatz.

Warum sie heute nicht mehr empfohlen werden

Die entscheidende Arbeit stammt von Doolette, Gerth und Gault an der Navy Experimental Diving Unit. Sie verglichen 2011 zwei Zeitpläne mit gleicher Gesamtstoppzeit von 174 Minuten: einmal mit dem Schwerpunkt auf tiefen, einmal auf flachen Stopps. Ergebnis waren elf Dekompressionsunfälle auf 198 Tauchgänge beim tiefen Profil gegenüber drei auf 192 beim flachen. Die Zeit im Tiefen war also nicht zusätzlich gewonnen — sie fehlte im flachen Bereich, und genau dort richtet sie den Nutzen an.

Der Befund stand nicht allein. Blatteau und Kollegen berichteten bereits 2005 für die französische Marine, dass ein experimentelles Profil mit Deep Stops mehr Blasenbildung erzeugte als das Standardprofil. Und Fock kam 2007 in Diving and Hyperbaric Medicine zu dem Schluss, dass die verfügbaren Studien die Einführung von Deep Stops nicht tragen.

Die CMAS hat dazu im August 2025 ein eigenes Fact Sheet veröffentlicht. Ihre Position ist eindeutig: Für Stickstofftauchgänge, also Luft und Nitrox, sind Deep Stops nicht empfohlen; seit 2005 hätten verschiedene Studien ihre Gefährlichkeit bestätigt, mit einem Anstieg statt einer Verringerung der Blasenwerte. Die CMAS rät ausdrücklich dazu, die Funktion am Tauchcomputer abzuschalten.

Die Ausnahme: Heliumgemische

Für Trimix und Heliox sieht die CMAS es anders — dort empfiehlt sie Deep Stops. Das ist auch der Ursprung des Verfahrens: Es wurde für Heliumtauchgänge entwickelt und anschließend auf Luftcomputer übertragen, ohne dass es dafür geprüft worden wäre.

Verlagern ist nicht Ergänzen

Ein häufiges Missverständnis: Die NEDU-Studie widerlegt nicht, dass ein tiefer Halt für sich genommen Blasen reduziert — Marroni hatte das gemessen. Sie zeigt, dass die Umverteilung von Stoppzeit aus dem flachen in den tiefen Bereich das Ergebnis verschlechtert. Wer Deep Stops zusätzlich einlegt, ohne die flache Zeit zu kürzen, taucht in einem anderen Szenario als dem, das die Studie geprüft hat — bleibt aber ohne belastbaren Beleg für einen Nutzen, und die CMAS-Empfehlung gilt unabhängig davon.

Praktisch schlägt das auf die Einstellung der Gradientenfaktoren durch: Ein niedriger GF Low erzwingt tiefe Stopps. Die CMAS empfiehlt deshalb, GF Low nicht unter GF High zu setzen, sondern beide gleich zu wählen.

Abgrenzung zum Sicherheitsstopp

Der Sicherheitsstopp liegt bei etwa fünf Metern, dauert rund drei Minuten und ist unverändert Stand der Ausbildung. Er wirkt genau dort, wo die relative Druckänderung am größten ist. Ein Deep Stop liegt sehr viel tiefer und verfolgt die entgegengesetzte Logik. Die Kritik an den Deep Stops berührt den Sicherheitsstopp deshalb nicht.

Nicht zu verwechseln sind Deep Stops außerdem mit der regulären Abstufung eines Dekompressionsprofils, etwa auf 12, 9, 6 und 3 Metern. Diese Stufen ergeben sich aus dem Modell und sind kein zusätzlicher Halt.

Siehe auch: Sicherheitsstopp · Dekompressionsstufe · Gradientenfaktoren · Aufstiegsgeschwindigkeit

Quellen und weiterführende Links

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